02.03.2016 – Etwa 1.500 Mitarbeiter der Nordic Yards-Werften in Rostock-Warnemünde, Stralsund und Wismar können einstweilen aufatmen. Das zur malaysischen Genting-Gruppe gehörende Schifffahrts- und Hotelunternehmen Genting Hong Kong übernimm für 230,6 Millionen Euro die drei Werften vom bisherigen Eigentümer der Nordic Yards, dem Russen Witali Jussufow.

Mehr als 10.000 Werftarbeiter verloren nach der „Wende“ im Jahr 1989 ihren Arbeitsplatz. Die ehemalige Sowjetunion als Abnehmer brach weg und mit überalterten Anlagen ließ es sich unter den veränderten Marktbedingungen nicht wirtschaftlich produzieren. Verschiedene Rettungsversuche schlugen trotz staatlicher Hilfe fehl. Auch Witali Jussufow, der letzte Eigentümer, konnte es nach 2009 nicht richten. Sein an die Hoffnung auf Schiffsneubauten zur Modernisierung der russischen Handelsflotte geknüpftes Konzept ging nicht auf. Auch der Bau von Spezialschiffen für Offshore-Windparks auf hoher See sowie Umspannplattformen ließ Dynamic vermissen.

Da kommt die fernöstliche Initiative gerade recht. Genting Hong Kong betreibt neben anderen Aktivitäten die Kreuzfahrtmarken Star Cruises, Dream Cruises und Crystal Cruises. Außerdem hält die Gruppe ein maßgebliches Paket an der Norwegian Cruise Line. Das Unternehmen hat vor allem in Hinblick auf den sich forciert entwickelnden chinesischen Kreuzfahrtmarkt für die kommenden zehn Jahre ein exorbitantes Neubauprogramm geplant.

Schwimmteil der Genting Dream - Meyer Werft

Schwimmteil der Genting Dream - Meyer Werft

Das einzige Hindernis auf dem Weg zum Flottenausbau sind die begrenzten Werftkapazitäten. Alle auf den Bau von Kreuzfahrtschiffen spezialisierten Werften können sich über Ordermangel nicht beschweren und die Werftchefs genießen den Blick in die übervollen Orderbücher. Dazu kommt, dass andere namhafte Werften beweisen, dass sie den Bau von Kreuzfahrtschiffen nicht beherrschen. Da kommt die durch Auftragsmangel bedingte Schieflage der ostdeutschen Werften gerade passend. Und es passt auch gut, dass Genting bereits im Vorjahr die Bremerhavener Lloyd Werft übernommen hat. Die hat die Aufgabe, drei Kreuzfahrtschiffe für Crystal Cruises sowie zwei luxuriöse Flusskreuzer zu bauen. Geplant ist, die drei Werften in Mecklenburg mit der Bremerhavener Werft unter der Bezeichnung Lloyd Werft Group zusammenzuschließen. Insgesamt werden 1.700 Arbeitsplätze auf allen Werften in Aussicht gestellt. Die Werftkapazitäten sind in den einzelnen Standorten unterschiedlich. Das größte überdachte Baudock bietet der Standort Wismar mit einem 340 Meter langen und 67 Meter breiten Trockendock. Das ist Platz genug, um Kreuzfahrtschiffe und Megayachten zu bauen. Derzeit baut die Meyer Werft in Papenburg zwei Schiffe für Genting.

Schwimmteil der Genting Dream - Meyer Werft

Schwimmteil der Genting Dream - Meyer Werft

Autor: Karl W. P. Beyer
Redakteur