16.09.2016 – Seit Ende April 2016 ist Hamburg ganzjährig der Start- und Zielhafen für siebentägige Rundreisen des AIDA-Flaggschiffs AIDAprima. Die Reisen führen das 300 Meter lange Kreuzfahrtschiff zu den „europäischen Metropolen“. Das ist insofern ein Euphemismus, als das Schiff Ziele wie Southampton oder Le Havre anläuft. Jeder Tourist weiß, dass Fahrten in die Metropolen London oder Paris mit mehrstündigen Busfahrten verbunden sind.

Im Zuge der Präsentation des Kreuzfahrt-Katalogs 2017/18 ist zu vernehmen, dass AIDAprima vom 12. November 2017 an zwischen den Kanaren und Madeira kreuzen wird. Im Anschluss soll AIDA‘s ursprünglich als „Allwetter-Schiff“ gepriesener Stolz im Mittelmeer seine Runden drehen. Hansjörg Kunze, AIDA-Pressechef, begründet die Entscheidung mit dem Wunsch der Gäste nach mehr Sonne in der Winterzeit. Möglicherweise hat es aber auch an der Attraktivität der Routenführung gemangelt. Obwohl die AIDAprima als „Allwetter-Schiff“ konzipiert wurde, müssen jede Woche 1.643 Kabinen gefüllt werden. Es scheint schwer vorstellbar, dass der Reiz des Neuen sich bei der gegebenen Routenführung über lange Zeit konservieren lässt.

AIDAprima in Rotterdam

AIDAprima in Rotterdam


Wenn die AIDAprima im Anschluss an die Kanaren- und Madeira-Turns ins Mittelmeer verlegt wird, trifft sie dort auf die AIDAperla, die ab September 2017 ab Palma de Mallorca ihre Runden durch das Mittelmeer ziehen wird.

Noch ein Schiff der Flotte wird umgeroutet. Gemeint ist die AIDAbella. Im November 2015 wurde angekündigt, das Schiff nach Shanghai zu verlegen. Im August 2016 wurde vollmundig die „Abschiedstournee“ präsentiert. Anstatt - wie geplant - chinesischen Gästen AIDAbella-Kreuzfahrturlaube „Made in Germany“ zu offerieren, wird AIDAbella im kommenden Jahr zusätzliche Reisen im westlichen Mittelmeer anbieten.

AIDAbella in Palma de Mallorca

AIDAbella in Palma de Mallorca


Die Nachfrage der Gäste nach „maßgeschneiderten“ Angeboten sei so hoch, dass AIDAbella im Mittelmeer Dienst tun wird. Was diese Änderung anbelangt, stellt sich zwangsläufig die Frage, ob die Massierung von Kreuzfahrtschiffen am boomenden chinesischen Kreuzfahrtmarkt die Reedereien nicht vor Auslastungs- und Ertragsprobleme stellt, wie Royal Caribbean im August 2016 anmerkte. Möglicherweise hat AIDA Cruises aus gutem Grund früh genug die Reißleine gezogen.

Autor: Karl W. P. Beyer
Redakteur