14.10.2016 – Im Oktober 2015 hat in Hamburg das Fleet Operations Center (FOC) des Carnival-Konzerns den Betrieb aufgenommen. Die Aufgabenstellung des FOC ist die Echtzeit-Unterstützung der Schiffsführungen auf Kreuzfahrtschiffen der Costa-Gruppe (Aida, Costa Crociere und Costa Asia). Derzeit werden 26 Schiffe gesteuert.

Potentielle Risiken in Bezug auf Wetter, die Routenplanung sowie die nautischen und technischen Prozesse an Bord der Schiffe werden zum Zwecke eines effizienten Schiffsbetriebs vom FOC eingeschätzt und kommuniziert. Obendrein bietet die Einsatzzentrale im Krisenfall Hilfestellungen. Weitere Funktionen sind Hinweise bezüglich der Instandhaltung und Modernisierung der Schiffe, das Training der Schiffsführungen, die Routenplanung, die Beschaffung von Ersatzteilen, medizinische Dienstleistungen und vieles andere mehr.

Carnival-Fleet-Operation-Center - Das Kontrollzentrum

Carnival-Fleet-Operation-Center - Das Kontrollzentrum


Themenfelder sind auch die Optimierung des Treibstoffverbrauchs und des Energiebedarfs sowie des Trinkwasser- und Abwassermanagements an Bord der Schiffe. Zusätzlichen Nutzen erwartet die Gesellschaft auf den Feldern innovativer Umweltlösungen und eines effizienten Schiffsbetriebs durch technische Aufsicht und angewandte Analysemethoden.

Derzeit beschäftigt Carnival ungefähr 180 Mitarbeiter aus 20 Nationen am Standort Hamburg. Eine Erweiterung der Aktivitäten auf andere Konzern-Reedereien und deren Flotten bedingt einen Ausbau auf 250 Beschäftigte. Zukünftig werden noch die Kreuzfahrtschiffe von Cunard und P&O Cruises zusätzlich in das Monitoring eingebunden. Nach heutigem Stand sollen insgesamt 37 Schiffe von Hamburg aus geführt werden. Geleitet wird das Center von dem Norweger Lars Ljoen.

Carnival-Fleet-Operation-Center - Leiter: Lars Ljoen

Carnival-Fleet-Operation-Center - Leiter: Lars Ljoen


Führungszentren werden ebenfalls in Miami und Shanghai aufgebaut. Nach Reedereiangaben kommt Carnival mit dem FOC eine Pionierfunktion innerhalb der Kreuzfahrtindustrie zu. Die Maßnahmen orientieren sich an den Sicherheitsstandards der Luftfahrtindustrie.

Carnival-Fleet-Operation-Center - Hurricane Matthew vor Savannah/Georgia

Carnival-Fleet-Operation-Center - Hurricane Matthew vor Savannah/Georgia


Das eigentliche Kontrollzentrum ist das ganze Jahr über rund um die Uhr im Einsatz. Gearbeitet wird in 10-Stunden-Schichten. Die Leitzentrale gleicht einem Flughafen-Tower. 27 Großbildschirme und ungezählte PC-Monitore liefern die erforderlichen Informationen. 

Im Bereich Nautische Operationen werden die Navigationsdaten der Schiffe bearbeitet. Daneben wird Unterstützung bei der Routenplanung geboten. Die Fleet Cruise Execution-Sektion ist für Instandhaltung, Reparaturen, Standardisierungen der Schiffe etc. verantwortlich.

Carnival-Fleet-Operation-Center - Zustand der Schiffstrimmung

Carnival-Fleet-Operation-Center - Zustand der Schiffstrimmung


Das Department Security sorgt für die Aufstellung und Aufrechterhaltung von Sicherheitsstandard und nimmt ständige Risiko-Einschätzungen vor. Marine HR ist verantwortlich für die nautische und technische Crew, Personalentwicklung und Schulungen, z. B. in Simulatoren. Die Fleet Governance, ein etwas wolkiger Begriff, ist verantwortlich für die Flottenführung und die Befolgung der Regeln. Die Abteilung Asset Management ist zuständig für die Entwicklung technischer und nachhaltiger Projekte, Werftaufenthalte und die flottenweite Einführung der erarbeiteten Lösungen. Last, but not least, der Bereich Continous Improvement sorgt für die laufende Fortentwicklung der Verfahren; er ist der Think Tank der FOC.

Carnival-Fleet-Operation-Center - Continous Improvement

Carnival-Fleet-Operation-Center - Continous Improvement


Unabhängig von den Aktivitäten des Zentrums entscheiden die Kapitäne an Bord der Schiffe, wie mit Krisensituationen umzugehen ist.

Carnival-Fleet-Operation-Center - AIDA Cruises-Kapitän Tidow

Carnival-Fleet-Operation-Center - AIDA Cruises-Kapitän Tidow


Dem Autor der Zeilen war es gestattet, dieser Tage die Abläufe im Kontrollcenter zu verfolgen. Der gewonnene Eindruck ist: Es gibt praktisch nichts, was nicht laufend an Bord der Kreuzfahrtschiffe erfasst, verarbeitet und bewertet wird (Stichwort: Big Data). Katastrophen, wie die der Costa Concordia, sollten der Vergangenheit angehören.

Autor: Karl W. P. Beyer
Redakteur