08.10.2014 – Heute treffen sich im Ballsaal des Westin Grand Hotel in Frankfurt Vertreter der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH mit den Anleihegläubigern des „Grandhotel auf See“. Den Gläubigern der 60-Millionen-Anleihe soll ein belastbares Konzept vorgelegt werden, wie die missliche Situation des Unternehmens geheilt werden kann.

Unbefriedigend ist die Lage tatsächlich. Als ZDF-Traumschiff macht die MS Deutschland im Fernsehen Bella Figura. Dabei fällt es der Reederei immer schwerer, die 294 Passagierkabinen des nach Reederei-Befinden „Kult-Kreuzfahrtschiffes“ zu füllen. Hieß es noch am 23. Mai 2014, dass das Schiff mit deutlich steigenden Buchungszahlen positiv ins Jahr 2014 gestartet sei und dass signifikant steigende Umsätze zu erwarten seien, wurde am 30. Juli 2014 mitgeteilt, dass nach aktuellem Stand die Planungen nicht erfüllt würden. 

Die Ursache der Schieflage sei, dass sich zwar die Anschlussbuchungen der Bestandskunden positiv darstellen; die Akquisition von Neukunden bleibt dagegen hinter den Erwartungen zurück. Auch der Wechsel des Mehrheitsgesellschafters von Aurelius AG auf Callista Private Equity GmbH und Co.KG und angekündigte zusätzliche Impulse seitens des Mehrheitsgesellschafters konnten an dieser misslichen Situation nichts ändern. Das Unternehmen musste am 30. Juli erklären, dass ein Team aus Vertriebs-, Schifffahrts- und Finanzierungsexperten das Management ab sofort unterstützt.

MS Deutschland in Hamburg

Und zu allem Überfluss verfällt der Kurs der MS Deutschland Anleihe 2012/2017 (Emissionsvolumen 60 Millionen Euro) zusehends. Die mit 6,875 Prozent verzinste Anleihe valutierte am 7. Oktober 2014 mit 37,45 Prozent. Einen solchen Kursverfall goutiert kein Anleger. Zu allem Überfluss strebt das Unternehmen die Ernennung eines „Gemeinsamen Vertreters der Gläubiger“ an, der bevollmächtigt ist, einer Zinsstundung (offenbar wird an ein halbes Jahr gedacht) und einem Verzicht auf Kündigung zuzustimmen. – Zudem wurde das Rating der Anleihe im September 2014 von der Feri EuroRating Services AG, Bad Homburg, von B- auf CC herabgestuft. Der Ausblick bleibt auf „negativ“ gesetzt. In der Sprache des Kapitalmarktes heißt das: „Hoch spekulativ und stark anfällig für Zahlungsausfall“.

Im Verlauf der heutigen Versammlung werden den Gläubigern wohl unbequeme Forderungen ins Haus stehen. Als gemeinsamer Vertreter der Anleihegläubiger wird Rechtsanwalt und Ministerpräsident a.D. Dr. Günther Beckstein vorgeschlagen. Er soll von einem bekannten Restrukturierungsexperten unterstützt werden. Dann erfahren die Anleihengläubiger wohl auch, wie es am hart umkämpften Markt der Luxusschiffe mit der MS Deutschland weitergehen soll. Man darf gespannt sein. 

Autor: Karl W. P. Beyer
Redakteur