12.11.2014 – Die mit Hauptsitz im italienischen Triest ansässige Fincantieri S.p.A. hat Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2014 vorgelegt. Anlässlich der Präsentation des Zahlenwerks stellt sich uns die Frage, wofür das Unternehmen steht.

Noch vor zehn Jahren galt Fincantieri als ein italienischer Schiffsbaubetrieb mit dem Fokus auf Kreuzfahrt- und Marineschiffe. Hauptkunden waren die Carnival-Gruppe und die italienische Marine. Nachdem sich das Unternehmen eine effektive Wachstumsstrategie verpasst hatte, entwickelte sich Fincantieri zum Global Player und zur Nummer Eins unter den Schiffsbauunternehmen der westlichen Welt.

Fincantieri-Werft in Mestre/Venedig

Dies wurde durch eine Diversifikationsstrategie erreicht. Neben Kreuzfahrt- und Marineschiffen wurde in neue Geschäftsfelder investiert. Dazu gehören der Entwurf und der Bau von Mega-Yachten, die Entwicklung und Konstruktion von Marinesystemen und –Komponenten sowie Schiffsreparaturen. Daneben ist die Gesellschaft auch im Offshore-Bereich tätig. Um mehr Leistungsfähigkeit und Knowhow zu erlangen, wurden im Jahr 2008 in den USA die Fincantieri Marine Group LLC und im Jahr 2013 die norwegische Vard-Gruppe übernommen. Das US-Unternehmen ist spezialisiert auf den Bau von Marineschiffen; die Norweger haben weitreichende Erfahrungen im Bau von Offshore-Versorgungsschiffen.

Nach eigenem Bekunden ist die Fincantieri-Gruppe der umsatzstärkste Schiffsbauer in Europa und Nordamerika. Tätig ist das Unternehmen in 13 Ländern auf vier Kontinenten (Europa, Nordamerika, Südamerika und Asien). Insgesamt werden 21 Werftbetriebe in Italien, Norwegen, Rumänien, den USA, Brasilien und Vietnam unterhalten. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten besteht ein Joint Venture. Weltweit werden mehr als 20.000 Menschen beschäftigt.

In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres verzeichnete das Unternehmen allgemein gesehen einen Aufschwung. Im Besonderen hat das Segment Kreuzfahrtschiffe einen Anstieg bei der Akquisition und Auslieferung von Neubauten erfahren. Mit der italienischen Marine wird über den Neubau von Marineschiffen in Zusammenhang mit der anstehenden Renovierung der Flotte gesprochen. Aufgrund nachgebender Ölpreise lässt das Offshore-Geschäft jedoch zu wünschen übrig.

Ruby Princess in Fort Lauderdale 

Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung weist per 30.09.2014 Erlöse in Höhe von 2,935 Mrd. Euro aus (+ 8,1 Prozent). Der Auftragsbestand beträgt 9,472 Mrd. Euro. Allein in den ersten drei Quartalen 2014 konnten 4,247 Mrd. Euro akquiriert werden. Die wesentlichen Neubauaufträge gliedern sich in zwei Schiffe plus eine Option von MSC, ein weiteres Schiff von Princess Cruises, ein Luxusschiff von Seabourn Cruise Line sowie ein Luxusschiff für einen bislang ungenannten Auftraggeber.

Unter dem Strich werden 43 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen (Vorjahreszeitraum 53 Millionen Euro). Die Verschlechterung des Ergebnisses ist auf Probleme in Brasilien zurückzuführen. Das Finanzergebnis liegt bei minus 238 Millionen Euro. Das wird mit den Zahlungsbedingungen beim Bau von Kreuzfahrtschiffen erklärt. Es sei branchenüblich, dass 80 % des Verkaufspreises erst bei Auslieferung eines Schiffes vereinnahmt werden.

Zur Verbesserung der Finanzsituation hat das Unternehmen am 3. Juli 2014 eine Kapitalerhöhung am Mercato Telematico Azionario, Italiens elektronischer Börse, vorgenommen. Es wurden 450 Millionen Anteilscheine im Wert von 351 Millionen Euro emittiert. Von diesem Betrag gingen 89,05 Prozent an private Zeichner und 10,95 Prozent an institutionelle Anleger. 

 

Autor: Karl W. P. Beyer
Redakteur