27.07.2012 – bild.de wusste am 26.07.2012 um 23:43 zu berichten, „Kapitän vom Traumschiff gejagt“. Gemeint war der Master der MS Deutschland, Kapitän Andreas Jungblut. Nach BILD-Informationen musste der Kapitän auf persönliche Weisung des Eigners das Schiff verlassen, das derzeit auf der Themse in London liegt und unter dem Kommando des zweiten Kapitäns steht.

Was ist der Hintergrund dieses ungewöhnlichen Geschehens? Der Eigner des Schiffes, der Münchener Finanzinvestor Aurelius AG, plant, das Schiff unter die Flagge Maltas wechseln zu lassen. Die Gründe sind naheliegend, es geht um Kosteneinsparungen. Nicht von ungefähr fahren viele Schiffe unter maltesischer Flagge. Und sie fahren nicht schlecht dabei.

MS Deutschland vor Brasilien
Foto: Reederei Peter Deilmann GmbH

Aus Sicht des Kapitäns ist das Dumme an der Angelegenheit, dass das Schiff auf den Namen MS Deutschland getauft ist. Und eine Malta-Flagge passe nun einmal nicht zum deutschen Traumschiff. - Der Flaggenwechsel sollte bereits vollzogen sein. Da das Schiff anlässlich der Olympischen Spiele nun gerade in London liegt, wurde bislang allerdings vom Flaggenwechsel abgesehen. Umgeflaggt werden soll es nun erst nach seiner Heimkehr nach Deutschland, mit den deutschen Olympioniken an Bord.

Eskaliert ist das Geschehen um die Ausflaggung möglicherweise, nachdem der Kapitän im Namen der Crew einen Brief an den Herrn Bundespräsidenten Gauck geschrieben hat. Aus diesem Brief wird in bild.de zitiert.

Ob das Geschehen um die Flagge schon als „Meuterei“ zu gelten hat, wie einige Medien formulieren, können wir nicht beurteilen. Sicherlich möchte sich jedoch kein Investor von einem leitenden Angestellten auf diese Weise bloß gestellt wissen. Und ob es die Aufgabe des Herrn Bundespräsidenten ist, einen vorgesehenen Flaggenwechsel zu verhindern, wäre auch noch zu hinterfragen.

Es kam, wie es kommen musste. Der Kapitän weilt zwar in Urlaub, reiste aber nach London, um seiner Besatzung „beizustehen“. Von diesem Moment an ist die Angelegenheit nicht mehr trennscharf einzuschätzen. Bild.de berichtet, dass der Kapitän auf Weisung der Reederei von Bord verwiesen wurde. Die Reederei führt dazu aus, der Kapitän sei während seines Urlaubs an Bord gekommen und habe die Frage, warum er nicht seinen Urlaub genieße, als unfreundlichen Rauswurf aufgefasst. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Autor: Karl W. P. Beyer
Redakteur