Kurz nach dem Auslaufen aus Genua bleibt die Tür zum Bordcasino noch verschlossen. Erst wenn das Schiff die Küste weit genug hinter sich gelassen hat, gehen die Automaten an.
Gäste aus der Schweiz, die für die Mittelmeerroute nach Genua oder Savona anreisen, bewegen sich damit zwischen zwei Rechtswelten. An Bord gilt eine andere Ordnung als daheim in Zürich oder Bern. Wer beides auseinanderhält, erlebt weder an der Bordkasse noch später am Laptop eine Überraschung.
Casino auf der MSC World America
Die Flagge bestimmt das Recht an Bord
Welche Regeln im Casino gelten, entscheidet nicht der Wohnort der Gäste, sondern das Heck des Schiffes. Dort steht der Registerhafen, und die Flagge zeigt an, welchem Staat das Schiff völkerrechtlich zugeordnet ist. Grosse Kreuzfahrtschiffe fahren häufig unter der Flagge Maltas, Italiens oder der Bahamas, unabhängig davon, wo die Reederei ihren Sitz hat. Auf einem Schiff unter fremder Flagge gilt daher auch das Recht des Flaggenstaates, wie eine Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages festhält. Die Staatsangehörigkeit von Passagieren oder Besatzung spielt dabei keine Rolle. Deshalb legt die Reederei auf offener See Einsatzlimits und Mindestalter selbst fest. Ganz anders sieht es aus, sobald dieselben Gäste nach der Reise zu Hause vor dem Bildschirm sitzen.
Zu Hause gilt das Geldspielgesetz
Für Gäste mit Wohnsitz in der Schweiz gilt daheim das Bundesgesetz über Geldspiele. Es erlaubt den konzessionierten Spielbanken seit dem 1. Januar 2019, ihre Spiele auch im Internet anzubieten. Nötig ist dafür eine Konzessionserweiterung des Bundesrats, und zusätzlich muss die ESBK jedes einzelne Spiel bewilligen. Das Bordcasino kennt eine solche Prüfkette nicht, dort genügt die Hausordnung der Reederei.
Der Unterschied liegt in der Übersicht. Auf dem Schiff lässt sich das Angebot in zehn Minuten abschreiten, ein Blick genügt. Der heimische Markt verteilt sich auf viele Plattformen, und Angaben zu Bonusbedingungen und Auszahlungsdauer stehen selten an einer Stelle. Noch seltener finden sich Hinweise zu Zahlungen in Franken. Wie weit die für Schweizer Spieler erreichbaren Online Casinos hier auseinanderliegen, zeigt ein grosser Überblick 2026 mit Testnotizen zu einzelnen Anbietern. Die Frage der Bewilligung bleibt davon getrennt, sie beantwortet allein die Liste der ESBK.
Eng ist dieses bewilligte Feld geblieben. Bei der Vergabe der Konzessionen für die Jahre 2025 bis 2044 erhielten zwölf Spielbanken das Recht, ihre Spiele auch online durchzuführen, so viele wie nie zuvor. Was ohne diese Bewilligung aus der Schweiz erreichbar ist, müssen die Fernmeldedienstanbieterinnen sperren. Der Automat an Bord und der Bildschirm daheim gehorchen also zwei völlig verschiedenen Kontrollsystemen. An einem Punkt der Reise treffen beide Ordnungen allerdings unmittelbar aufeinander.
Im Hafen bleibt das Casino geschlossen
Sobald das Schiff in die Hoheitsgewässer eines Staates einfährt, tritt dessen Rechtsordnung hinzu. In deutschen Häfen lassen sich die gewerberechtlichen Vorschriften über Glücksspielautomaten gegenüber einem Schiff unter fremder Flagge nach der zitierten Ausarbeitung des Bundestages praktisch nicht durchsetzen. Die Reedereien lösen die Frage trotzdem auf die einfachste Weise. An Hafentagen bleiben die Automaten dunkel und die Tische abgedeckt. Andere Küstenstaaten treten strenger auf als Deutschland, und ein paar Stunden Spielpause kosten weniger als ein Streit mit einer Hafenbehörde. Wie unterschiedlich Mindestalter und Einsatzlimits dabei von Reederei zu Reederei ausfallen, zeigt ein Blick auf die Regeln an Bord. Für die Reiseplanung ergeben sich daraus ein paar Punkte, die vor dem Auslaufen geklärt sein sollten.
Was Gäste im Kopf behalten sollten
Drei Dinge kosten an der Bordkasse am häufigsten Geld oder Nerven. Das erste ist das Mindestalter. Ein Teil der Reedereien lässt Gäste ab 18 Jahren an die Automaten, bei anderen beginnt der Zutritt erst mit 21. Das zweite ist die Währung. Welche Währung das Bordkonto führt, entscheidet die Reederei, und die Abrechnung auf ein Franken-Konto bringt am Ende der Reise einen Umrechnungskurs samt Kartengebühr mit sich. Wer im Casino spielt, sollte das bei der Höhe der Einsätze einkalkulieren.
Das dritte betrifft die Spielerkarte. Auf vielen Schiffen dient die Bordkarte gleichzeitig als Casinokarte und erfasst, wie oft und wie hoch gespielt wird. Daraus entstehen Freispiele oder Getränkegutscheine, gleichzeitig entsteht ein Ausgabenprotokoll, das erst am Ende der Reise sichtbar wird. Wie die einzelnen Reedereien ihre Automaten und Kartenprogramme handhaben, steht im Casinoangebot der Reedereien. Und noch ein Punkt für die Planung: Online zu spielen ist über das Schiffs-WLAN ohnehin nicht vorgesehen.
Drei Regelwerke auf einer Reise
An Bord entscheidet die Flagge, im Hafen dagegen das Recht des Küstenstaates. Daheim gilt das Geldspielgesetz. Für Gäste aus der Schweiz sind das drei unterschiedliche Ordnungen auf einer einzigen Reise, von denen sie nur eine im Voraus nachlesen können. Die Automaten auf dem Schiff folgen der Hausordnung einer Reederei, das Angebot in der Schweiz einer behördlichen Bewilligung. Wer diesen Unterschied kennt, wundert sich weder über die geschlossene Casinotür im Hafen noch über die überschaubare Auswahl zu Hause.