Der grüne Wandel der Kreuzfahrtbranche: Welche Reedereien auf alternative Schiffskraftstoffe umsteigen

Der grüne Wandel der Kreuzfahrtbranche: Welche Reedereien auf alternative Schiffskraftstoffe umsteigen

Wenn Sie in den vergangenen Jahren an Bord eines Kreuzfahrtschiffes gegangen sind, besteht eine gute Chance, dass Sie mit einem leiseren und saubereren Antrieb unterwegs waren, als Ihnen bewusst war.

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LNG Tanker Optimus neben AIDAnova


Nach Angaben der Cruise Lines International Association (CLIA), des internationalen Branchenverbands der Kreuzfahrtindustrie, werden bereits knapp 20 Kreuzfahrtschiffe hauptsächlich mit Flüssigerdgas, kurz LNG, angetrieben. Mehr als ein Dutzend weitere LNG-Schiffe sollen branchenweit bis 2028 hinzukommen. Die CLIA geht außerdem davon aus, dass bis 2028 die Hälfte der neu entstehenden Kreuzfahrtkapazitäten mit Motoren ausgestattet sein wird, die mit LNG oder Methanol betrieben werden können. Diese Antriebssysteme sollen zudem die Möglichkeit bieten, auf Bio- oder synthetische Kraftstoffe umzusteigen, sobald diese in ausreichender Menge kommerziell verfügbar sind. Der Abschied vom traditionellen Schweröl vollzieht sich in der Kreuzfahrt schneller als in fast jedem anderen Bereich der Schifffahrt.

Doch was bedeutet das konkret – und welche Reedereien führen diesen Wandel an?

Was mit „alternativen Schiffskraftstoffen“ gemeint ist

Während eines Großteils der Geschichte der Kreuzfahrt wurden Schiffe mit herkömmlichem Marinediesel oder Schweröl betrieben. Unter alternativen Schiffskraftstoffen werden verschiedene sauberere Energieträger zusammengefasst, die inzwischen zunehmend bei den Kreuzfahrtschiffen eingesetzt werden. Dazu gehört Flüssigerdgas, also LNG, das deutlich sauberer verbrennt als herkömmlicher Bunkertreibstoff. Eine weitere Alternative ist Methanol, ein flüssiger Kraftstoff, der aus erneuerbaren Quellen hergestellt werden kann. Wasserstoff verursacht am Ort seiner Nutzung keine CO₂-Emissionen. Hinzu kommen Biokraftstoffe, die aus organischen Rohstoffen statt aus Erdöl gewonnen werden. Bei diesen Technologien handelt es sich längst nicht mehr um experimentelle Forschungsprojekte. Sie treiben bereits heute Kreuzfahrtschiffe an, auf denen Passagiere regulär Kabinen buchen können.

Welche Reedereien alternative Kraftstoffe tatsächlich einsetzen

AIDA und Costa

Die deutschen und italienischen Marken des Carnival-Konzerns gehörten zu den Vorreitern. Die im Dezember 2018 ausgelieferte AIDAnova war das erste Kreuzfahrtschiff der Welt, das mit LNG betrieben werden konnte. Seitdem wurde die Technologie auch bei weiteren Marken des Konzerns eingeführt, darunter AIDA Cruises, Costa Kreuzfahrten, P&O Cruises, Princess Cruises und Carnival Cruise Line. Die Costa Toscana, über die wir auch hier auf Kreuzfahrt Praxis berichten, wird seit ihrer Indienststellung im Jahr 2022 vollständig mit LNG betrieben. Darüber hinaus unterzeichnete die Costa Group im Februar 2023 eine Vereinbarung mit dem Schweizer Methanolproduzenten Proman. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Versorgung mit Methanol zu beschleunigen und sowohl Nachrüstungen als auch zukünftige Neubauten der Flotten von Costa und AIDA zu unterstützen.

MSC Cruises

MSC Cruises führte LNG-Antriebe im Jahr 2022 ein und entwickelte seine neueste Schiffsgeneration gezielt rund um diese Technologie. Dazu gehören unter anderem die MSC World Europa und die MSC World America. Die MSC World Asia soll im Dezember 2026 in Dienst gestellt werden und wird das vierte LNG-betriebene Schiff der Reederei sein. MSC hat zudem erklärt, dass zukünftige Neubauten mit flexiblen Antriebssystemen ausgestattet werden sollen. Diese Motoren können zunächst mit LNG betrieben werden, sollen später aber auch den Umstieg auf grünes Methanol oder synthetische Kraftstoffe ermöglichen, sobald diese in den für ein großes Kreuzfahrtschiff erforderlichen Mengen verfügbar sind.

TUI Cruises

Auch die Mein-Schiff-Flotte beteiligt sich an diesem Wandel. Die Mein Schiff Flow, die im Juni 2026 in Triest als neuntes Schiff der Mein-Schiff-Flotte getauft wurde, verfügt über eine Dual-Fuel-LNG-Technologie. Während der Sommersaison 2026 soll das Schiff in Barcelona erstmals Bio-LNG bunkern.

Kleinere Reedereien und Luxusanbieter

Beim Einsatz von Wasserstoff ist Viking besonders weit fortgeschritten. Die Viking Libra wurde von Fincantieri gebaut und ist mit einer Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie von Isotta Fraschini Motori ausgestattet. Das Schiff wurde im März 2026 erstmals zu Wasser gelassen und soll noch im Laufe des Jahres in Dienst gestellt werden. Es wird voraussichtlich das erste mit Wasserstoff betriebene Kreuzfahrtschiff der Welt sein. Hurtigruten verfolgt dagegen einen anderen Ansatz. Die Reederei führt mit der MS Richard With klimaneutrale Reisen durch und setzt dabei auf nachhaltigen Biodiesel, anstatt das gesamte Antriebssystem des Schiffes auszutauschen. Die beiden Reedereien zeigen damit, dass es mehr als einen glaubwürdigen Weg zu einem saubereren Schiffsbetrieb gibt.

Was bedeutet das für Passagiere?

Ehrlich gesagt verändert sich das eigentliche Reiseerlebnis kaum. Ob ein Schiff mit LNG oder Schweröl betrieben wird, wirkt sich weder auf die Kabine noch auf das Abendessen oder die Reiseroute aus. Was Passagiere möglicherweise bemerken können, ist ein geringerer sichtbarer Abgasausstoß und ein leiserer Maschinenraum. Dies fällt besonders Menschen auf, die auf den Schornstein und die Abgasentwicklung eines Schiffes achten. Auch die Hafenstädte nehmen die Veränderungen wahr. Städte mit Kreuzfahrtterminals fordern zunehmend sauberere Schiffe, unter anderem wegen der lokalen Luftqualität im Hafengebiet. Mit LNG oder Methanol betriebene Schiffe verursachen deutlich weniger Partikel- und Schadstoffemissionen als ältere Schiffe. Wenn Nachhaltigkeit bei der Auswahl einer Kreuzfahrt eine Rolle spielt, lohnt es sich deshalb, vor der Buchung zu prüfen, mit welchem Kraftstoff das jeweilige Schiff betrieben wird. Immer mehr Reedereien veröffentlichen diese Informationen auf ihren Flotten- und Schiffsseiten. Die Antriebsart entwickelt sich dabei zunehmend von einer technischen Randnotiz zu einem wichtigen Verkaufsargument.

Wie sich die Entwicklung fortsetzen wird

LNG war der vergleichsweise einfache erste Schritt, da die notwendige Versorgungsinfrastruktur bereits in zahlreichen Häfen vorhanden war. Methanol und Wasserstoff sind die anspruchsvolleren, aber zugleich interessanteren Bestandteile dieser Entwicklung. Beide Technologien erreichen bereits die Kreuzfahrtbranche – von den Wasserstoff-Brennstoffzellen bei Viking bis zu den Methanolvereinbarungen von Costa und AIDA. Insbesondere von AIDA, Costa und MSC dürften in den kommenden Jahren weitere Ankündigungen folgen, wenn die bislang auf dem Papier vereinbarten Vorhaben in konkrete Schiffsprojekte umgesetzt werden.

Der Wandel ist jedoch schon heute deutlich erkennbar. Wenn Sie das nächste Mal auf Cruiseturtle durch die verschiedenen Schiffsprofile stöbern, lohnt sich deshalb ein Blick auf die jeweilige Antriebsart. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das Schiff bereits sauberer betrieben wird, als Sie vermuten.