Kreuzfahrtverliebte USA: Warum die Amerikaner diese Urlaubsform so sehr lieben

Kreuzfahrtverliebte USA: Warum die Amerikaner diese Urlaubsform so sehr lieben

Gerade in der jüngeren Vergangenheit hat sich Kreuzfahren zu einem Phänomen der gesamten Welt entwickelt.

In Deutschland beispielsweise unternahmen 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie, nicht weniger als 2,6 Millionen Menschen eine solche Reise auf Flüssen oder Weltmeeren – nach einer langen Reihe jährlicher Steigerungen: Noch 2005 machten weniger als eine Million Deutsche eine Kreuzfahrt.

Betrachtet man sich allerdings nicht nur die reinen Zahlen, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, sondern blickt darauf, welchen kulturellen Einfluss Kreuzfahrten ausüben, dann dürfte es aktuell wohl kein Land geben, das man mit Fug und Recht als ähnlich „kreuzfahrtverliebt“ bezeichnen kann wie die USA. 2019 besaßen fast 48 Prozent aller Kreuzfahrtpassagiere weltweit einen US-Pass. Zum Vergleich: Wir Deutsche, als Zweitplatzierte, machten nur 8,7 Prozent aus.

Doch woran liegt es? Gerade unter dem Eindruck, dass Amerika, von tropischen Stränden bis vergletscherten Hochgebirgen, praktisch sämtliche auf der Erde vorkommenden Landschaftsformen im eigenen Land besitzt?! So viel sei bereits verraten: Es gibt einige schlüssige Gründe dafür.

Fort Lauderdale port everglades

Fort Lauderdale - Port Everglades


Grund 1: Die einfache Zugänglichkeit

Um eine Kreuzfahrt zu machen, ist es bekanntlich unumgänglich, sich zu einem Seehafen zu begeben. Zwar können auch andere Nationen damit aufwarten, in den USA gibt es jedoch eine einzigartige Verkettung von vorteilhaften Faktoren:

  1. Die USA haben einen direkten Zugang zu strenggenommen vier unterschiedlichen Meeren: Pazifik, Atlantik, Karibik und der Golf von Mexiko – selbst, wenn die beiden letztgenannten Gewässer Rand- bzw. Nebenmeere des Atlantiks sind. Außerdem müssen noch die fünf Great Lakes im Nordosten der USA erwähnt werden, die ob ihrer gigantischen Größe ebenfalls Meeres-Feeling bieten.
  2. Zirka 40 Prozent aller US-Amerikaner leben nur in denjenigen Bundesstaaten, die direkt an diese Meere angrenzen. Sogar mehr als die Hälfte aller US-Einwohner lebt in einem 50-Meilen-Radius (ca. 80 Kilometer) von der Küste. Erneut sind es noch mehr, wenn man die Great Lakes mit einbezieht.
  3. Alles in allem bringen es die USA auf fast 96.000 Meilen (154.500 Kilometer) Küstenlinie. Dadurch gibt es extrem viele Häfen, von denen aus Kreuzfahrtschiffe in See stechen.

Anders formuliert: Ein erheblicher Großteil aller US-Amerikaner kann eine Kreuzfahrt buchen, muss sich am Ablegetag nur für einige wenige Stunden ins Auto setzen, kann sozusagen direkt in den Hafen einfahren und eine Kreuzfahrt genießen. Es sind keine Anschlussflüge nötig, keine Zwischenstopps, keine überflüssigen Hotelübernachtungen, bevor der Urlaub sofort losgeht. Einen so niedrigschwelligen Zugang gibt es fast in keinem anderen Land auf der Erde. Das kommt einer anderen US-Eigenheit sehr zugute:

Grund 2: Die typischerweise wenigen Urlaubstage

AIDAcosma Infinity Pool & Ocean Bar


Wer in Deutschland in Vollzeit in einer Fünf-Tage-Woche arbeitet, der hat per Gesetz Anspruch auf mindestens 20 bezahlte Urlaubstage. Bereits, was das Gesetzliche anbelangt, sieht es in den USA völlig anders aus. Denn tatsächlich gibt es dort das Konzept des bezahlten Mindesturlaubs nicht. Alles ist Verhandlungssache zwischen Arbeitgeber und -nehmer.

Dadurch können die allermeisten in der Privatwirtschaft arbeitenden Amerikaner (fast 85 Prozent aller US-Beschäftigten) nur auf deutlich weniger Urlaubstage pro Jahr zurückgreifen – fast immer zudem gestaffelt nach Jahren der Betriebszugehörigkeit. 2017 etwa bekam ein fünf Jahre im selben Unternehmen angestellter Amerikaner im Schnitt nur 15 bezahlte Urlaubstage. Erst nach 20 Jahren wurde der deutsche gesetzliche Mindestwert erreicht. Aus Angst vor Jobverlusten nehmen zudem viele nicht einmal alle dieser wenigen Urlaubstage.

Was das für die US-Urlaubsinteressen bedeutet, liegt auf der Hand: Viele Amerikaner handeln dann nach dem Motto „wenn schon, denn schon“. Wenn es schon nur wenig Urlaub gibt, dann sollen diese Tage jedoch wirklich mit Entspannung und Erlebnis reichhaltig gefüllt sein.

Die so niedrigschwellig zugänglichen Kreuzfahrtlinien bieten auf ihren Schiffen genau das. Außerdem kommt nochmals die geographische Lage hinzu: Insbesondere Karibik und Golf von Mexiko stellen aufgrund ihrer relativ geringen räumlichen Ausdehnung in Verbindung mit zahlreichen angrenzenden Staaten und sehr vielen Inseln (allein in der Karibik mehr als 7.000) ein ideales Gebiet für Kreuzfahrten mit zahlreichen Anlaufstationen dar – obendrein fast ganzjährig mit besten Wetterbedingungen.

 

 

Grund 3: Keine Notwendigkeit für große Vorplanungen

Noch der simpelste Pauschalurlaub in einem Hotel erfordert ein bisschen Vorplanung, wenn man nicht nur die ganzen Tage am Pool und am zum Hotel gehörigen Strand verbringen möchte, sondern etwas von der Gegend sehen will. Diesbezüglich dürfte es wohl keine andere Urlaubsform geben, die so sorgenfrei ist, wie eine Kreuzfahrt.

Wer hier Passagier ist, der muss nur buchen. Er kann sich in dem guten Gewissen zurücklehnen, dass bei der Planung der Reise echte Profis ihres Schaffens am Werk waren. Das Schiff wird nur an wirklich sehenswerten Orten anlegen, man bekommt alle Must-Sees, Pläne und vieles mehr in die Hand gedrückt – wenn die Ausflüge nicht gleich vom Kreuzfahrtreeder durchgeführt werden.

Mehr All Inclusive geht praktisch nicht. Diese Tatsache trifft auf die Natur vieler US-Kreuzfahrtpassagiere:

  • Wenig Urlaubstage,
  • viel erleben,
  • idealerweise gar kein Stress, auch nicht bei der Vorplanung und
  • keine negativen Überraschungen, die das Urlaubserlebnis eintrüben könnten.

Grund 4: Die Liebe zum Zocken

Viele Amerikaner lieben das Glücksspiel. Tatsächlich hat es dort sogar eine kulturelle Bedeutung in Form der nur von Ureinwohnern betriebenen „Indian Casinos“. Gleichsam sind die USA jedoch in diesem Punkt einmal mehr ein Land der krassen Gegensätze: Von den 50 US-Bundesstaaten verbieten die meisten Glücksspiel rigoros.

Das führt zu einer Situation, in der, abgesehen von den wenigen Ureinwohner-Casinos, hauptsächlich nur in Las Vegas (Nevada) und in Atlantic City (New Jersey) Glücksspiel möglich ist. Bloß mögen die Amerikaner zwar das Zocken, aber allein deshalb hunderte oder tausende Meilen reisen, das mögen dann doch nicht alle.  

Hier kommen nun Kreuzfahrtschiffe ins Spiel – und internationales Seerecht: Zwölf Seemeilen (zirka 22 Kilometer) vor der Küste eines jeweiligen Landes endet die Gültigkeit vieler Landesgesetze, selbst wenn die echte „hohe See“ erst ab 200 Seemeilen beginnt. Das heißt, selbst, wenn man sich auf einem zum jeweiligen Land zugehörigen Schiff befindet, gelten jenseits dieser zwölf Meilen viele Regeln nicht mehr – so eben die US-Glücksspielverbote.

Was noch gilt, sind die Gesetze desjenigen Landes, unter dessen Flagge das Schiff fährt. Dadurch stehen die auf den meisten Kreuzfahrtschiffen (mit Disney Cruise Lines als prominente Ausnahme) vorhandenen Casinos US-Amerikanern grundsätzlich strafffrei zur Verfügung, selbst wenn das Schiff sich nicht in Hoheitsgewässern von Staaten befindet, in denen Glücksspiel legal ist. Sogar eine typische Kreuzfahrt-Eigenheit ist für Amerikaner noch eine Erleichterung: In Las Vegas und Co. darf man erst mit 21 spielen, auf Kreuzfahrtschiffen fast immer schon (respektive „erst“) mit 18.

Übrigens: Historisch betrachtet sind die Alkoholverbote der 1920er Jahre in den USA insgesamt, sowie danach noch in vielen anderen Bundesstaaten, mitverantwortlich dafür, dass Amerikaner mit Kreuzfahrten in Kontakt kamen.

Grund 5: Entertainment to the max

aidanova theatrium

AIDAnova Theatrium


Wenn die meisten US-Amerikaner etwas lieben, dann ist es, eine wirklich gute Show geboten zu bekommen – mit jeder Menge Extras und viel Aufwand. Was auf manche Europäer ein wenig übertrieben wirkt, kann dort nach wie vor die Massen begeistern.

Erneut können Kreuzfahrtschiffe all das in einem Komplettpaket befriedigen. Live-Musik, Partys, Galas – hier findet sich meist eine reichhaltige Auswahl von allem, was das Show-verliebte Herz höherschlagen lässt. Das alles wird garniert mit einem Service, der für viele Nicht-Amerikaner luxuriös wirkt, jedoch im Mutterland des Servicedenkens Usus ist.

Man kann sich als Passagier nach Strich und Faden verwöhnen lassen, wird ungeachtet seines gesellschaftlichen Standings wie ein Hollywoodstar behandelt und kann dabei noch so viel erleben, wie sich bei kaum einer anderen Reiseform in so wenigen Tagen zusammenfassen lässt.

Grund 6: Familiäre Zugänglichkeit

Gerate bei Kreuzfahrten von den USA aus ist es vergleichsweise einfach, eine größere Anzahl von Kabinen zu buchen. Deutlich einfacher jedenfalls, als eine ähnliche Vorgehensweise bei typischen Touristenhotels zu versuchen.

Ein finales Mal in diesem Artikel kommt diese Tatsache einer US-Eigenheit entgegen: Dort ist die Mobilität der Menschen deutlich größer als in vielen anderen Nationen. Familien leben daher oftmals über die gesamten USA verstreut.

Auf einem Kreuzfahrtschiff können alle auf einfachste Art und Weise zusammenkommen; oft sogar in benachbarten Kabinen. Denn wenn Amerikaner neben einer guten Show etwas kaum weniger mögen, dann, schöne Erlebnisse zusammen mit ihren Liebsten – egal ob angeheiratet oder blutsverwandt

 

 

Weiterführende Artikel

Publish modules to the "offcanvas" position.