Man benannte nicht nur einen Flughafen nach ihm, sondern auch einen Reiseführer und etliche Straßen, Schulen und Denkmäler in vielen Ländern der Welt: Marco Polo, der rastlose Kaufmann aus Venedig, reiste laut eigenen Erzählungen durch asiatische Steppen, Wüsten und Städte und diente fast zwei Jahrzehnte lang dem Herrscher der Mongolen.

Marco Polo steckt das Reisen im Blut: Sein Vater Niccolò und sein Onkel Maffeo waren venezianische Juwelenhändler. Sie traten im Jahr 1260 ihre erste Schiffsreise an, um am Unterlauf der Wolga am Kaspischen Meer mit kostbaren Edelsteinen zu handeln. Die Reise führte weiter als geplant und dauerte insgesamt neun Jahre. Die beiden Männer schlossen sich im Verlauf ihrer Reise einer persischen Gesandtschaft an und lernten den mongolischen Khan kennen. Als sie im Jahr 1269 nach Venedig zurückkehrten, trafen sie auf den jungen Marco Polo, der es gar nicht abwarten konnte, selbst auf große Reise zu gehen.

Fondamento Ponte Lungo

Fondamento Ponte Lungo


Marco Polos große Reise

Zwei Jahre nach der Rückkehr seines Vaters und Onkels, beschlossen die Polos erneut aufzubrechen. Vor ihrer Rückreise nach Venedig hatte der Khan den Brüdern Niccolò und Maffeo einen Brief an den Papst mitgegeben, in dem er um 100 Gelehrte bat. Sie sollten das Evangelium in seinem Herrschaftsgebiet verbreiten. Auch bat er um heilendes Öl aus der Lampe des Jesusgrabs in Jerusalem.

Der junge Marco Polo sah es als seine Pflicht an, die Bitten des Khans zu erfüllen und schloss sich einem Vater und Onkel an. Da der Papst aber in der Zwischenzeit gestorben war und es ihnen an Missionaren fehlte, brachen die Polos zunächst nur mit dem heiligen Öl im Gepäck nach China auf.

Die Venezianer zogen durch Mesopotamien und Persien gen Osten. Der ursprüngliche Plan, China mit dem Schiff zu erreichen, scheiterte, da sie am Hafen Hormus kein geeignetes Boot finden konnten. Im Jahr 1272 durchquerten sie die Salzwüste Dasht-e Lut und gelangten nach Afghanistan. Kaum erreichten sie die Oasen-Stadt Kaschgar, befiel Marco Polo eine Krankheit, von der er sich ein Jahr lang erholen musste.

Nach seiner Genesung reiste der junge Entdecker auf der Wachan-Route weiter, einem alten Handelsweg, der zuvor nur Anhängern des Buddhismus und des Islam bekannt war. Marco Polo erwähnt in seinen Erzählungen die durchlebten Strapazen seiner Reise in 4.000 Meter Höhe. Angeblich erreichte er nach rund 40 Tagen den Palast des Mongolenherrschers Kublai Khan.

Der Herrscher war so beeindruckt von dem jungen Entdecker, dass er ihn als Diplomaten und Vertrauten einstellte. Marco Polos eigenen Aufzeichnungen zufolge lernte er auf seiner 17-jährigen Reise eine Sprache nach der anderen und wurde vom Khan auf Sondermissionen geschickt, während sein Vater und sein Onkel ihren Geschäften nachgingen. Marco Polo zog durch Tibet und gelangte ins Innere von Birma und in die heutigen Länder Thailand und Vietnam. Von 1282 bis 1285 soll er im Auftrag des Khan als Gouverneur der chinesischen Stadt Hangzhou fungiert haben. Ausgestattet mit 14 Schiffen und der Prinzessin Kokejin im Anhang brachen die Polos gegen Ende der achtziger Jahre wieder gen Heimat auf. Als sie 1295 in Venedig ankamen, hatten nur 18 von ehemals 600 Mitreisenden überlebt. Erkannt wurden sie erst, als sie Rubine, Diamanten und Smaragde vorzeigten.

Rialto Brücke in Venedig

Rialto Brücke in Venedig


Entdecker und Geschichtenerzähler  

Manche Geschichtsexperten sind der Meinung, dass Marco Polos Reiseberichte übertrieben sind oder gar der Wahrheit entbehren. Auch wenn es heißt, er habe viele Erfindungen aus China nach Venedig gebracht – unter anderem auch das Kartenspiel – so lässt er in seinen Erzählungen doch wichtige „Details“ aus. Die Chinesische Mauer wird zum Beispiel nicht von ihm erwähnt.

Dagegen beschreibt er bis ins kleinste Detail die Kleidung und den Schmuck von Kublai Khans Hofdamen. Und, obwohl er drei Jahre als Statthalter der chinesischen Provinz Yangzhou fungiert haben soll, waren Marco Polo die chinesischen Schriftzeichen völlig unbekannt. Er verwendete für die meisten Orte auch nicht die chinesischen, sondern die persischen Bezeichnungen.

Es wird vermutet, dass Marco Polo die Erzählungen anderer Reisenden mit seinen eigenen Erfahrungen vermischte oder ganz und gar als seine eigenen verkaufte. Er wollte wohl seine Landsleute in Venedig mit viel phantastischen Geschichten beeindrucken.

Dogenpalast und Biblioteca Nazionale Marciana

Dogenpalast und Biblioteca Nazionale Marciana


Nachdem er in seiner Heimat ein Buch über seine Reisen veröffentlichte, galt er in Venedig sogar als ein Lügenbaron vom Schlage Münchhausens. Berichten zufolge soll er im Sterbebett von Priestern, Freunden und Verwandten bedrängt worden sein, seinen Lügengeschichten abzuschwören, um absolutes Seelenheil zu erlangen.

Zweifellos beruhen viele von Marco Polos Erzählungen nicht auf eigenen Erlebnissen. Dennoch zählt er zu den berühmtesten Entdeckern aller Zeiten, und er ist wohl der bekannteste Venezianer, der jemals gelebt hat. Wer Venedigs Sehenswürdigkeiten besucht, sollte sich das Geburtshaus des Weltreisenden auf keinen Fall entgehen lassen.