Nach Ansicht des Landgerichts Koblenz darf der Veranstalter bei einer Kreuzfahrt nicht automatisch das allgemein übliche Trinkgeld dem Bordkonto der Passagiere belasten. Mit der Entscheidung wurde der Klage der Verbraucherzentrale Bundesverband gegen einen Reiseveranstalter recht gegeben.

Mit dem bereits am 11. September 2017 gefällten Urteil (Az: 15 O 36/17) verwarf das Landgericht eine Geschäftsklausel der „Berge & Meer Touristik“ aus Rengsdorf in Rheinland-Pfalz. Die Verbraucherschützer hielten die automatische Belastung der Bordkonten mit Trinkgeld für unzulässig, da die Klausel über die vertragliche Hauptleistung der Reise hinausginge. Es sei unzulässig, dass die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe erst aktiv werden müssen, um die Abbuchung zu stoppen.

Kreuzfahrtschiffe vor Nea Kameni/Santorin

Kreuzfahrtschiffe vor Nea Kameni/Santorin


Das Landgericht in Koblenz folgte dieser Einschätzung. Neben der Hauptleistung könne ein Unternehmen laut Gesetz eine kostenpflichtige Nebenleistung „nur ausdrücklich“ vereinbaren. Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg sei dies weit zu fassen. Daher müsse auch die Trinkgeld-Vereinbarung als „Nebenleistung“ gelten. Sie verstoße aber „gegen dieses Gebot der Ausdrücklichkeit“. Der Hinweis, dass die Zahlung an der Rezeption gekürzt, gestrichen oder erhöht werden könne, reichte den Richtern nicht aus.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zurücklehnen dürfen sich Reedereien wie AIDA oder TUI Cruises, die von „zwangsweise“ erhobenen Trinkgeldern absehen. Es bleibt abzuwarten, ob zukünftig mehr Klarheit und Wahrheit in die Preisgestaltung der Kreuzfahrtunternehmen Einzug halten werden. Die internationale Norwegian Cruise Line macht vor, wie es geht. Das Unternehmen verzichtet seit Längerem auf dem deutschsprachigen Markt auf zwangsweise erhobene Trinkgelder. Stattdessen weist es „reale“ Reisepreise aus.