Das unendliche Thema: Venedig und die Kreuzfahrtschiffe

Das unendliche Thema: Venedig und die Kreuzfahrtschiffe


27. März 2021 – Seit gefühlt ewigen Zeiten wird in Venedig über die Zufahrt der Kreuzfahrtschiffe zur Stazione Marittima gestritten. Umweltaktivisten fordern, dass Kreuzfahrtschiffe nicht mehr durch den Giudecca-Kanal und am Markusplatz vorbei fahren. Das Betreiberunternehmen des Kreuzfahrtterminals und dessen Mitarbeiter sehen das Thema grundsätzlich anders.

Am 9. August 2019 schrieben wir im Artikel "Kreuzfahrtschiffe in Venedig - die alte Leier": „Seit Jahren werden Kreuzfahrtschiffe in der Lagunenstadt Venedig als Ärgernis empfunden. … Kreuzfahrtschiffe sollen schnellstmöglich aus dem historischen Stadtkern herausgehalten werden. Regulierungen der Kreuzschifffahrt bestehen seit 2013/2014. Offenbar ohne Erfolg". 

Wir hielten das Thema für abgehakt und zu den Akten gelegt. Umso mehr erstaunt es uns, dass sich am 25. März 2021 das Ministerium für nachhaltige Infrastruktur und Mobilität in Rom zu Worte meldete. Unter der Überschrift „Venedig: Die Minister einigen sich auf das vorübergehende Andocken großer Schiffe in Marghera“ lesen wir über den Beschluss einer Ministerrunde zur Zufahrt großer Kreuzfahrtschiffe in Venedig.

Eurodam im Giudecca-Kanal

Eurodam im Giudecca-Kanal


In dem Beschluss heißt es, dass die vier Minister für ökologischen Wandel, für Kultur, für Tourismus sowie für nachhaltige Infrastrukturen und Mobilität entschieden haben, den Verkehr großer Schiffe vorübergehend von Venedig in Margheras Industriehafen bei Mestre umzuleiten. Zweck der Maßnahme: Ein historisch kulturelles Erbe nicht nur Italiens, sondern der ganzen Welt sei zu schützen. Außerdem entschieden die Behördenchefs, einen Ideenwettbewerb zu starten. Ziel des Wettbewerbs sei es, Anlandungen aus Venedigs Lagune herauszuhalten und das Problem des Transits großer Schiffe in Venedig auf strukturelle und endgültige Weise zu lösen.

Venedigs Wahrzeichen - Markusdom und Dogenpalast

Venedigs Wahrzeichen - Markusdom und Dogenpalast


Es ist erstaunlich, dass im Jahr 2021 noch über dieses Thema diskutiert wird. Seit November 2013 ist festgelegt, dass Kreuzfahrtschiffe von mehr als 96.000 BRZ nicht mehr den Canale della Giudecca vor dem Markusplatz passieren. Maximal fünf mittelgroßen Kreuzfahrtschiffen ist es seitdem gestattet, den Giudecca-Kanal täglich zu passieren. Neue Liegeplätze im Vorort Marghera wären zu erschließen. Die Maßnahmen waren gedacht, um die Fundamente der Stadt vor Wellenschlag schützen und die Umweltverschmutzung zu reduzieren. Bereits im Jahr 2013 hieß es, an einer alternativen Route für Kreuzfahrtschiffe werde gearbeitet. Mindestens zwei Jahre waren für den Findungsprozess für neue Zufahrten eingeplant. Inzwischen sind mehr als sieben Jahre vergangen und dem Anschein nach ist wenig passiert.

Venedig - Canale Grande

Venedig - Canale Grande


An unserer Schlussfolgerung vom 9. August hat sich nichts geändert. Damals schrieben wir: „Bislang glaubten wir, dass Städte über die ihnen unterstellten Hafenverwaltungen regulierend auf Kreuzfahrt-Reedereien einwirken würden. Wenn Kreuzfahrtschiffe überhandnehmen und sich als Belastungen für eine Stadt erweisen, reduziert man die Zahl der Anläufe. Das kann so schwer nicht sein! Wo liegt Venedigs Problem?“ An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Wie gut, dass die COVID-19-Pandemie den Schiffsverkehr in Venedig ruhen lässt. Doch was ist nach der Pandemie?