Autor: Karl W. P. Beyer

„Entdecken Sie mit AIDAprima die Welt neu!“, so titelt die Schiffsbroschüre des jüngsten Neubaus der AIDA Cruises. Bevor AIDAprima zum Entdeckerschiff wurde, musste im Jahr 2011 der Auftrag zum Bau zweier Kreuzfahrtschiffe der neuen Hyperion-Klasse vergeben werden. Der Bauauftrag ging an die Mitsubishi-Werft im japanischen Nagasaki.

AIDAprima in Rotterdam

AIDAprima in Rotterdam

Die Aufgabe

Ein Name für das erste der beiden Schiffe war bald gefunden. AIDAprima sollte es heißen. Das zweite Schiff erhält den Namen AIDAperla. AIDA-Cruises-Insider rechnen frühestens im Sommer 2017 mit dessen Indienststellung. Im Oktober 2013 teilte Deutschlands größtes Kreuzfahrtunternehmen mit, dass sein zukünftiges Flaggschiff vom 20. Juni 2015 an ganzjährig ab Hamburg für Rundreisen zu den Metropolen Westeuropas eingesetzt würde. Und im Oktober 2013 stand bereits fest, dass AIDAprima „mehr Raum, mehr Vielfalt, mehr Individualität als je zuvor“ bieten sollte.

Kussmundschiff AIDAprima in RotterdamKussmundschiff AIDAprima in Rotterdam

Diese Aufgabe war überaus anspruchsvoll. Offenbar zu anspruchsvoll für die Werft. Im März 2015 sollte die AIDAprima als Erstes der beiden jeweils 300 Meter langen und 37,60 Meter breiten Schiffe übernommen werden. Es kam anders als geplant. Die Indienststellung musste zweimal verschoben werden. Auch zu der triumphal angedachten Überführungskreuzfahrt mit Gästen ab Nagasaki kam es nicht. Die Werft hatte sich offenbar „verhoben“ und benötigte ein Jahr mehr zur Fertigstellung als ursprünglich geplant.


Das Ergebnis

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Trotz der anfänglichen Querelen hat die Werft im März 2016 ein sehr ansprechendes Kreuzfahrtschiff abgeliefert, dass den ursprünglichen Anforderungen der Rostocker Reederei nach „mehr Raum, mehr Vielfalt, mehr Individualität als je zuvor“ gerecht wird. Es ist mit 124.100 GT wesentlich mächtiger geraten als die zuletzt übernommenen Schiffe der Sphinx-Schiffsklasse. Diese kommen gerade einmal auf knapp 72.000 BRZ.

AIDAprima vor Rotterdams SkylineAIDAprima vor Rotterdams Skyline

AIDAprima verkehrt zukünftig ganzjährig in wechselhaftem nordeuropäischen Klima. Deshalb wurde das neue Flaggschiff der AIDA Cruises als Schlechtwetter-Schiff konzipiert. Durch neue „Erlebniswelten“ soll das Schiff selbst zur Destination werden.


Kabinen
 

Insgesamt 14 Kabinenkategorien sollen keine Wünsche offenlassen. Abgesehen von den klein wirkenden Innenkabinen (16 m²) ist das Kabinenangebot recht vielseitig. Die Lanaikabinen (30 bis 34 m²) sind mit (überflüssigen) „Wintergärten“ ausgestattet. Richtig kommod wird es im Bereich der Suiten. Bereits die Junior-Suiten sind groß geraten. Die Badezimmer einiger Kabinen-Kategorien dürften allerdings größer sein. Alle Kabinen zeichnen sich durch ein angenehmes, nordisch kühles Design aus.

Den Suiten-Gästen geht bei Bedarf ein Concierge zur Hand. Außerdem genießen nur sie den exklusiven Zugang zum elitären Patiodeck


Sport, Unterhaltung und Wellness

Ein sogenanntes Activity-Deck bietet den Gästen vielfältige Betätigung: zwei Wasserrutschen, ein Klettergarten, ein weitläufiges Sportdeck, der AIDA Beach Club und geräumige Angebote für Kinder und Heranwachsende sind die Merkmale der schönen neuen AIDA-Familien- und-Ferienwelt. Und dazu gehören auch vielfältige Anwendungen in dem auf 3.100 Quadratmeter erweiterten Body & Soul Organic Spa.

Verglaste Panorama-Aufzüge in den Außenbereichen des Achterschiffs, zwei gläserne Skywalks in 45 Meter Höhe am Heck des Schiffes sowie das „Lanaideck“, das eine Reminiszenz an klassische Promenadendecks bieten soll, lassen das Schiff „wertvoller“ erscheinen. Das an Bord von AIDA-Schiffen offenbar unabdingbare, mehrstöckige Theatrium wurde weiter entwickelt und an der zweistöckigen AIDA Plaza auf den Decks 6 und 7 liegen Shops und Bars. Die Plaza ist gleichermaßen geselliger Treffpunkt und Bühne der „Straßenkünstler“. Auch an ein kleines Casino wurde gedacht.


Essen und Trinken an Bord

Damit niemand der maximal 3.500 Gäste an Bord hungern und dürsten muss, erhielt das Schiff zwölf Restaurants, drei Snack-Bars sowie vierzehn Cafés und Bars. Das Restaurant-Angebot auf den Schiffen der Sphinx-Klasse (u. a. AIDAstella) ist im Vergleich zu Schiffen internationaler Wettbewerber nach unserer Auffassung eine Schwachstelle. Auf diesem Feld hat AIDAprima erheblich gewonnen.

Zu den traditionellen Restaurants zählten bislang das Bella Donna Restaurant, das Brauhaus, das Buffalo Steakhouse, das East Restaurant, das Markt Restaurant und das Gourmet-Restaurant Rossini. Nun wird unterschieden nach Buffet-Restaurants, Spezialitäten-Restaurants, A-la-Carte-Restaurants und Snack Bars.

Hinzugekommen sind die French Kiss Brasserie, das Fuego Restaurant, das Ristorante Casa Nova, eine Sushi-Bar, eine Tapas-Bar und das Weite Welt Restaurant. Selbst an eine Bratwurst-Bude, die Scharfe Ecke,  wurde gedacht. Die Konzepte der Restaurants sind sehr verschieden. Auf diesem Gebiet gibt es allerhand zu entdecken.

Für Gäste, die im Verlauf der Reise ihre Kochkenntnisse perfektionieren möchten wurde, ein beeindruckendes Kochstudio ist vorhanden. An dessen Konzeption hat der Elmshorner Koch und Kochbuch-Autor Tim Mälzer mitgewirkt.

Vielfältig ist auch die Palette der Bars und Lounges. Angefangen beim Pier 3 Market bis zur ganz in weiß gehaltenen Spray Bar by Moët Chandon darf sich der Gast zwischen einer Fülle von Bars entscheiden.


Umweltschutz und Energieeffizienz

Kreuzfahrtschiffe der älteren Generation werden von Umweltschützern als die Umwelt belastend eingestuft. Was das anbelangt, setzt die Reederei auf konstruktive Maßnahmen hinsichtlich Umweltschutz und Energieeffizienz. Mittels wirkungsreicher Emissionsfilter werden Stick- und Schwefeloxide gefiltert und bis zu 99 % reduziert. AIDA Cruises führt den Dual-Fuel-Betrieb ein. Als weltweit erstes Kreuzfahrtschiff besitzt AIDAprima einen Dual-Fuel-Motor, der es gestattet, im Hafen die stets laufenden Aggregate mit Flüssiggas zu betreiben. Zudem ist das Schiff an Hafentagen für Landstrom vorbereitet, soweit Häfen einen solchen Service bieten.

Hinsichtlich der Energieeffizienz nutzt AIDA Cruises bei beiden Neubauten weltweit erstmals MALS-Technologie. Die lässt das Schiff auf einem Luftblasenteppich gleiten. Das Verfahren spart Treibstoff. Auch das angewandte effizientere Antriebssystem mittels zwei Azipods sowie das neue Rumpfdesign tragen zu messbarer Kraftstoffreduzierung bei. 


Design

Die äußere Erscheinung der AIDAprima ist beim ersten Hinsehen wegen des neuartigen Schiffsbugs und des abgedeckten Vorschiffs etwas gewöhnungsbedürftig. Ein zweiter Blick zeigt eine ansehnliche, wohl positionierte Linienführung. Das Schiffsinnere wurde geschmacksicher gestaltet. Die Farbwahl und die verwendeten Materialien zeugen von den hohen stilistischen und qualitativen Anforderungen der Schiffsmacher. Zweifellos wird das Schiff den unterschiedlichen Ansprüchen seiner Gäste gerecht.


Informationen zur AIDAprima

Indienststellung April 2016
Maße Länge 300 Meter; Breite 37,60 Meter
Vermessung 124.100 GT
Passagierdecks 15 Decks
Maschine Dieselelektrisch, 2 Azipods
Elektrische Leistung 46,8 MW
Geschwindigkeit 21,5 Knoten
Passagiere  Ca. 3.500 maximal
Kabinen 1.643 
Besatzungsstärke Mehr als 900 Personen
Flagge Italien, Heimathafen Genua
Werft Mitsubishi-Werft, Nagasaki/Japan
Taufpatin Emma Schweiger
Bordsprache Deutsch
Bordwährung Euro

 

Video


Fazit

Im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Schiffsklassen, für die z. B. die AIDAcara und die AIDAstella stehen, ist dem Unternehmen mit der AIDAprima, ein sehr guter Wurf gelungen. Wer mit dem für AIDA Cruises typischen eingeschränkten Kabinenservice und dem dominierenden Angebot der Buffet-Restaurants leben kann, wird die AIDAprima mögen.

AIDA Cruises bietet mit dem Neubau ein Kreuzfahrtschiff, das von der „Hardware“ im internationalen Wettbewerb punkten kann.

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