Autor: Karl W. P. Beyer

Am 6. November 2000 erhielt die französische Werft Alstom Chantiers de l’Atlantique in Saint Nazaire den Auftrag zum Bau des Passagierschiffs Queen Mary 2. Ende 2003 war das Werk vollbracht.

Mehr als 800 Millionen US-Dollar ließ sich die zum Carnival-Konzern gehörende Cunard Reederei den Bau ihres Flaggschiffs kosten. So viel war zuvor noch nie für ein Passagierschiff gezahlt worden. Für die standesgemäße Taufe wurde keine Geringere als die britische Königin Elizabeth II gewonnen. Am 12. Januar 2004 brach das Schiff zu seiner Jungfernreise auf.

Queen Mary 2 (QM2) gehört mit einer Tonnage von 148.528 BRZ derzeit noch zu den größten Passagierschiffen der Welt. Der mitternachtsblaue Rumpf, die schneeweißen Aufbauten und die elegante Linienführung wirken exquisit.

Queen Mary 2 - Brooklyn Cruise Terminal/NY

Queen Mary 2 - Brooklyn Cruise Terminal/NY

Das unverwechselbare Kennzeichen des Schiffs ist sein massiger rot-schwarzer Schornstein. Queen Mary 2 wurde als Transatlantikliner und nicht als Kreuzfahrtschiff konzipiert. Das erklärt bestimmte Eigenheiten des Schiffs, wie beispielsweise die Aufhängung der Rettungsboote. Diese sind deutlich höher als allgemein üblich positioniert.

Queen Mary 2 - Der markante Schornstein

Queen Mary 2 - Der markante Schornstein


Informationen zu Queen Mary 2

Indienststellung Dezember 2003
Maße Länge 345 Meter; Breite 37 Meter, Tiefgang ca. 10 Meter
Vermessung 148.528 BRZ
Passagierdecks 12 Decks
Maschine 4 Wärtsilä Dieselmotoren; zuzüglich 2 Gasturbinen
Antrieb elektrisch 4 Propellergondeln; 2 um 360° drehbare Gondeln dienen als Ruder 
Geschwindigkeit maximal 30 Knoten (55 km/h) 
Kabinen 1.310
Passagiere 2.620 (bei Doppelbelegung; maximal 3.090 
Crew ca. 1.250 Personen
Flagge Bermudas, Heimathafen Hamilton
Werft Alstom Chantiers de l'Atlantique, Saint Nazaire/Frankreich
Werftüberholung mehrere, zuletzt bei Blohm + Voss, Hamburg, im Jahr 2011
Bordsprache Englisch; deutschsprachiger Gästeservice
Bordwährung US-Dollar

 
Queen Mary 2 verkehrt regelmäßig zwischen Hamburg oder Southampton und New York. In den Pausen zwischen den Liniendiensten wird sie weltweit als Kreuzfahrtschiff genutzt. 

Queen Mary 2 - Brooklyn Cruise Terminal/NY

Queen Mary 2 - Brooklyn Cruise Terminal/NY

Queen Mary 2 ist ein prachtvolles Schiff. Die öffentlichen Räume sind großzügig, beinahe verschwenderisch ausgestattet. Sie präsentieren sich ausgesprochen luxuriös. In vielen Bereichen des Schiffs wird mittels Fotowänden an die glorreichen Zeiten der Transatlantikdienste erinnert. Zudem versucht die Reederei durch Regeln und Prozeduren ihren in der Vergangenheit begründeten exzellenten Ruf aufrecht zu halten. Formelle Abende mit festgelegter Kleiderordnung oder regelmäßige Teestunden sind nur einige Beispiele für die Aufrechterhaltung gebräuchlicher alter Traditionen.

Queen Mary 2 - Üppiger Blumenschmuck in der Grand Lobby

Queen Mary 2 - Üppiger Blumenschmuck in der Grand Lobby

Nicht immer passt jedoch das Publikum zu den hehren Ansprüchen. Insider bemängeln die Neigung der Reederei, auf Kurzstrecken noch den letzten Platz an Bord zu für das Unternehmen schlechtesten Konditionen zu verramschen. Die auf diese Weise gewonnenen Gäste bieten weder der Reederei noch den an Bord tätigen Konzessionären auskömmliche Erträge. Außerdem sinkt das Niveau an Bord spürbar.

Auffällig sind offensichtliche Mängel, die auf unterlassene Instandhaltung am Schiff und seiner Ausstattung schließen lassen. Der fällige Aufenthalt im Trockendock wurde um ein Jahr nach hinten geschoben. Oberhalb und vermutlich auch unterhalb der Wasserlinie täte ein Anstrich not. Die „gewöhnlichen“ Passagiere sitzen auf durchgesessenen Stühlen oder bestaunen Rostflecken auf den Balkonen und austretendes Dämmmaterial an den Fenstern der zuunterst (Deck 4) gelegenen Kabinen.

Queen Mary 2 - Schäden Balkonkabine 4187

Queen Mary 2 - Schäden Balkonkabine 4187 

Hinzu kommt auf Deck 7 ein Buffetrestaurant, das im Vergleich zu den Wettbewerbern höchstens Mensa-Charakter hat. Auch das Speisen-Angebot lässt dort hinsichtlich der Vielfalt zu wünschen übrig. Die Konzernmarke AIDA Cruises mit ihren „Clubschiffen“ kann das besser. Immerhin gibt es zur Hebung des Standards hochwertige Stoffservietten nebst darin eingerolltem Besteck.

Queen Mary 2 -Buffet-Restaurant Deck 7

Queen Mary 2 -Buffet-Restaurant Deck 7

Ganz anders geht es dagegen in den Bedien-Restaurants zu. Dort stimmt nahezu alles. Suitengäste lassen sich in den edlen Princess Grill und Queens Grill Restaurants verwöhnen. Die anderen Gäste speisen in dem imposanten, 2-geschossigen Britannia-Restaurant. Die Ausstattung und Atmosphäre ist einmalig. Die Speisen-Auswahl ist vielseitig und deren Qualität und Optik sind erstklassig. Der Service ist umsichtig und schnell.

Queen Mary 2 -Britannia Restaurant Deck 2 und 3

Queen Mary 2 -Britannia Restaurant Deck 2 und 3

Die Reederei bemüht sich offensichtlich um ihre deutschsprachigen Gäste. Man findet die deutsche Sprache in Ansagen, den Tagesmenüs der Bedienrestaurants sowie den täglichen gedruckten Nachrichtendiensten. Damit es den Deutschen auf den Atlantikpassagen nicht zu langweilig wird, werden im Jahr 2015 acht Themenreisen offeriert. Deren Titel lauten z. B. „50 Jahre Goldene Kamera“ oder „Genuss auf dem Teller und im Glas“.

Last, but not least: wer Service orientierte, glanzvolle Passagierschiffe mag, dem sei Queen Mary 2 trotz der beispielhaft aufgezeigten Schwächen wärmstens empfohlen. Eine Reise mit QM2 bietet einmalige und unvergessliche Momente. Im Folgenden berichten wir eingehend über das erstaunliche Schiff.


Video Queen Mary 2