Tour nach Marrakesch

Agadir Tour nach Marrakesch


Mein Schiff 4 bringt uns im Verlauf einer Kreuzfahrt zur marokkanischen Stadt Agadir. Zwischen unserem Starthafen Las Palmas de Gran Canaria und Agadir liegen ungefähr 640 Kilometer Luftlinie. Das Erste, was wir bei unserer Ankunft in Agadir sehen, ist ein hinter der Stadt aufragendes 240 Meter hohes Plateau mit den Ruinen der historischen Kasbah Agadir Oufella. Darunter, am Hang des Hügels, prangt unübersehbar ein arabischer Schriftzug. Seine Übersetzung ins Deutsche lautet: „Gott, Vaterland und König“.

Agadir - Inschrift unterhalb der Kasbah


Agadir - Inschrift unterhalb der Kasbah



Agadir - Inschrift unterhalb der Kasbah bei Dunkelheit 


Marrakesch mit dem Reisebus erleben

Etwa 20 von TUI Cruises gecharterte Reisebusse stehen am Kreuzfahrt-Terminal des Hafens für Touren bereit. Vier oder fünf Busse steuern an diesem Tag Marrakesch, die Metropole und ehemalige Hauptstadt Marokkos, an. Unter den Fahrgästen sind auch wir. Während unserer Kreuzfahrten bevorzugen wir individuelle Ausflüge mit Mietwagen, öffentlichen Verkehrsmitteln, Verkehrsdienstleistern wie GetYourGuide oder gelegentlich auch Fußmärsche.

Agadir - wartende Fremdenführer


Diesmal entscheiden wir uns in Hinblick auf die vor uns liegende Gesamtstrecke von 500 Kilometern für eine organisierte Tour. Fünfzehn Jahre zuvor bereisten wir bereits einmal das nordafrikanische Königreich. Auf der damaligen Routenliste stand ebenfalls die Königsstadt Marrakesch. Obwohl es im Umfeld Agadirs noch einige weitere interessante Ziele zu sehen gäbe, besuchen wir Marrakesch erneut, um zu sehen, inwieweit sich die Stadt verändert hat.

Die Fahrtzeit einer Wegstrecke dauert einschließlich einer Sanitärpause 3½ Stunden. Die Reise führt am Hohen Atlas vorbei, jener Gebirgskette, die sich vom Atlantik nach Osten bis zur algerisch-marokkanischen Grenze zieht. Die Landschaft ist unterschiedlich und abwechslungsreich. Kurz nachdem wir die sich weit ins Hinterland ausdehnende Großstadt Agadir verlassen haben sehen wir Ziegen auf Arganbäumen. Warum klettern Ziegen auf Bäume? Sie finden auf den kargen Böden wenig Futter. Folglich fressen sie die ihnen wohlschmeckenden und bekömmlichen Argan-Früchte. Die nicht verdaulichen Kerne scheiden sie aus. Aus den Kernen wird traditionell das wertvolle Arganöl hergestellt.

Der unseren Bus begleitende marokkanische Reiseleiter überbrückt die lange Fahrt mit solchen Erklärungen und weiteren interessanten Informationen und Geschichten. Uns überrascht vor allem seine Feststellung, dass Marrakesch entgegen der in Reiseführern und Nachschlagewerken allgemein genannten eine Million Einwohner mittlerweile eine Bevölkerung von 2½ bis 3 Millionen habe.

Wüstenlandschaft


Marrakesch – erste Eindrücke

Als wir endlich Marrakesch – die „Perle des Südens“ – erreichen, sehen wir fürs Erste breite Boulevards. Den neuen Bahnhof kennen wir noch nicht. Dagegen ist uns das Königliche Theater ein Begriff.


Marrakesch - Bahnhof



Marrakesch - Königliches Theater 


Als Nächstes bewundern wir die ungefähr 12 Kilometer lange, sechs bis acht Meter hohe aus Stampflehm errichtete Stadtmauer. Die in der historischen Mauer sichtbaren Löcher werden genutzt, um bei anstehenden Reparaturen Gerüste einzuhängen. Am legendären La Mamounia-Hotel fährt der Bus vorbei. Zu gern hätten wir das von vielen Reiseführern als eines der besten 5-Sterne-Hotels weltweit gepriesene Haus wieder einmal besucht.


Marrakesch - Stadtmauer



Marrakesch - Stadtmauer 


Ein Fotostopp wird an der im 12. Jahrhundert gebauten Koutoubia Moschee eingelegt. Sie wird in Reiseführern als eine der schönsten Moscheen Nordafrikas bezeichnet. Mit dem Bau des Gotteshauses wurde im Jahr 1158 begonnen. Der Bau des dominanten quadratischen Minaretts startete ab 1189. Einschließlich seiner vergoldeten Kuppel ist der Turm 77 Meter hoch. Eine seitliche Holzkonstruktion weist den Gläubigen die Himmelsrichtung nach Mekka. Der insgesamt 90 Meter breite und 60 Meter lange Bau bietet 25.000 Betenden Platz. Für einen Besuch der Moschee und des sie umgebenden Palmengartens reicht unsere Zeit allerdings nicht.


Marrakesch - Koutoubia Moschee



Marrakesch - Minarett der Koutoubia Moschee 


Besichtigung des Bahia Palasts

Besichtigt wird dagegen der Bahia Palast. Der Großwesir Si Moussa ließ den großen Palast von 1867 an im maurisch-andalusischen Stil erbauen. Sein Sohn erweiterte ihn um einen Hammam, eine Moschee und einen idyllischen Garten. Gespart wurde ob der 8.000 Quadratmeter Grundfläche offenbar nicht. Schließlich mussten repräsentative Empfangssäle, mehr als einhundert Wohnräume und diverse Innenhöfe geschaffen werden. Eine hohe Mauer umgibt den Palast. Die Räume zieren Marmor-Fliesen, kunstvolle Mosaike und schöne Stuckarbeiten. Die Zimmerdecken wurden aus Zedernholz gefertigt. Die UNESCO erklärte den Palast zum Weltkulturerbe. Filme, darunter „Lawrence von Arabien“ wurden im Palast gedreht, und dann und wann dürfen Marokkos Staatsgäste ihre Häupter im Palast betten.


Marrakesch - Bahia Palast - Palastdecke



Marrakesch - Bahia Palast - Detail 


Mittagspause im Dar Es-Salam

Auf den Bahia Palasts folgt ein Gang durch den Souk der Altstadt, bevor im marokkanischen Restaurant und Guest House Dar Es-Salam bei orientalischer Musik und unvermeidlichem Bauch- und Lichtertanz ein leichtes mehrgängiges Mittagessen serviert wird. Das Restaurant, übersetzt heißt es „Haus des Friedens“, befindet sich seit 1952 in Familienbesitz. Es war Filmkulisse, und viele Prominente besuchten dem Hörensagen nach das Etablissement. Wir sind zu unserer Überraschung nunmehr zum zweiten Mal im Dar Es-Salam, und erneut wundern wir uns über die gewaltigen Dimensionen des verwinkelten Baus. In Relation zur Masse der sich dort versammelnden Gäste ist das Gebotene vom Geschmack akzeptabel zu nennen. Besser geht es jedoch immer.


Mittagspause im Dar Es-Salam



Mittagspause im Dar Es-Salam - Lichtertanz


Im Anschluss an das Dar Es-Salam setzen wir den Rundgang durch das Soukviertel fort. Wir sehen, wie eng die Läden und Werkstätten der einzelnen traditionellen Berufsgruppen (Schmiede, Holzschnitzer, Wollfärber) beieinanderliegen. Wären nicht die vielen Mobiltelefone in den Händen der Händler und alle Arten von Motorrädern, könnte man sich um Jahrzehnte zurückversetzt fühlen.

Marrakesch - im Souk
Marrakesch - im Souk
Marrakesch - im Souk - Innenhof eines Riad-Hotels


Marrakesch - im Souk - Innenhof eines Riad-Hotels



Marrakesch - Souk Sehbaghine 


Unser letztes Ziel – der Djemaa el-Fna

Der Rundgang endet – wie könnte es anders sein – am gigantischen Djemaa el-Fna. Der Name des Platzes hat in der Umgangssprache viele Bedeutungen: Oftmals liest man vom „Gauklerplatz“, dann vom „Platz der Gehenkten“ oder vom „Platz der Geköpften“. Öffentlichen Plätzen kamen in der Vergangenheit vielfältige Bedeutungen zu. Doch so genau wollen wir das alles wirklich nicht wissen.

Marrakesch - Djemaa el-Fna - Café-Terrasse


Am zentralen Marktplatz, dem Djemaa el-Fna saßen wir schon vor 15 Jahren auf einer der wenigen Restaurant-Terrassen und blickten bei einbrechender Dunkelheit auf den sich füllenden Platz, die vielen Garküchen und das damals brodelnde Leben. Dieses Mal ist es noch nicht die richtige Zeit für das Anwerfen der Garküchen.

Marrakesch - Verkaufsstand auf dem Djemaa el-Fna
Marrakesch - Garküchen auf dem Djemaa el-Fna
Marrakesch - Dunst der Garküchen

Wir finden unser damaliges Restaurant nicht mehr, der Platz ist rundum mit Restaurants zugebaut worden und der vormalige Charme des Platzes ist verloren gegangen. Wo sind die Sänger und Geschichtenerzähler geblieben? Was ist mit den Schreibern und Naturärzten geschehen? Wir vermissen vieles von dem, was uns damals begeistert hat.

Es ist an der Zeit, nach Agadir zurückzufahren. Gelegenheit zum Besuch der Gräber der Saadier-Dynastie, der Koranschule Medersa Ben Youssef oder der Menara-Gärten, einem 100 Hektar großen öffentlichen Park, bleibt uns leider nicht mehr. Auch bleibt keine Zeit, eines der elf gewaltigen Tore der Stadtmauer aus der Nähe zu sehen oder mit einer der vielen am Djemaa el-Fna wartenden Kaleschen zu fahren.

Marrakesch - Kaleschen am Djemaa el-Fna


Marrakesch - Kaleschen am Djemaa el-Fna



Marrakesch - Djemaa el-Fna - Warten auf den Bus 


Ein Tag in Marrakesch – Fazit

Insgesamt sieben Stunden Omnibusfahrt, die Besichtigung des Bahia-Palasts, der Gang durch die Medina, das Mittagessen im „Dar Es-Salam“, der Rundgang durch die Gassen des Souks und die „Freizeit“ auf dem Djemaa el-Fna ergeben ein zwölfstündiges Programm. Wer noch nie zuvor Marrakesch besuchte, wird vermutlich von der Fahrt und der Stadt begeistert und möglicherweise „erschlagen“ sein. Als „Wiederholer“ ist es uns möglich, unsere Erinnerungen an unseren 15 Jahre zurückliegenden Besuch in Marrakesch aufzufrischen. Wir gelangen zu dem Schluss, dass in den Souks – von den vielen Mobiltelefonen und Motorrädern abgesehen – die Zeit stehengeblieben scheint. Das ursprüngliche Lokalkolorit ist dort noch vorhanden. Nicht so am Djemaa el-Fna.

Marrakesch - Djemaa el-Fna - Blick von der Café-Terrasse 15 Jahre zuvor


Der Platz hat sein exotisches Flair, das ihm vor 15 Jahren anhaftete, unwiederbringlich verloren. Wir sind dankbar, Marrakesch erneut gesehen zu haben. Doch wir werden die Millionenstadt vermutlich nicht mehr besuchen. Und das nicht nur wegen der Schäden des schweren Erdbebens vom September 2023, das auch Unheil in Marrakesch verursachte.

Update Februar 2024