Tour nach Marrakesch


Am 2. Februar 2016 läuft Mein Schiff 4 unter dem Kommando von Kapitän Todd Burgman im Rahmen einer Kanaren-Kreuzfahrt den Hafen der marokkanischen Stadt Agadir an. Zwischen dem Starthafen Las Palmas de Gran Canaria und Agadir liegen 620 Kilometer Luftlinie. Das Erste, das die Passagiere zu sehen bekommen ist ein 240 Meter hohes Plateau, über dem sich die Ruinen der historischen Kasbah erheben.

Agadir - Kasbah

Agadir - Kasbah


Darunter, am Hang des Hügels, prangt unübersehbar ein arabischer Schriftzug. Seine Übersetzung ins Deutsche lautet: „Gott, Vaterland, König“.

Agadir - Inschrift Gott, Vaterland, KönigAgadir - Inschrift „Gott, Vaterland, König"


Etwa 20 TUI-Reisebusse stehen am Kreuzfahrt-Terminal des Hafens für Touren bereit. Vier oder fünf Busse werden an diesem Tag die „magische“ Metropole Marrakesch ansteuern. Auch wir sind dabei. Während unserer Kreuzfahrten bevorzugen wir individuelle Ausflüge mit Mietwagen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder auch zu Fuß. Diesmal entscheiden wir uns in Hinblick auf die vor uns liegende Gesamtstrecke, hin und zurück sind es 500 Kilometer, für eine geführte Tour. Fünfzehn Jahre zuvor bereisten wir bereits einmal das nordafrikanische Königreich und besuchten dabei auch die Königsstadt Marrakesch. Dies war Anlass genug zu sehen, inwieweit sich das Land und die Stadt verändert haben.

Die Fahrtzeit beträgt einschließlich einer Sanitärpause 3½ Stunden. Die Fahrt in die Millionenstadt führt am Hohen Atlas vorbei, der Gebirgskette, die sich vom Atlantik nach Osten bis zur algerisch-marokkanischen Grenze zieht. Die Landschaft ist sehr unterschiedlich und abwechslungsreich. Schon bald nach dem Verlassen der sich weit ins Hinterland ausbreitenden Stadt Agadir sehen wir sogar Ziegen auf Arganbäumen.

Agadir - Neubauten in Außenbezirken Agadir - Neubauten in Außenbezirken Agadir - Stadion Berglandschaft hinter Agadir Wüstenlandschaft hinter Agadir Ziegen auf Arganbäumen

Der unseren Bus begleitende marokkanische Reiseführer überbrückt die lange Fahrt mit interessanten Informationen und Geschichten. Uns überrascht vor allem die Feststellung, dass Marrakesch entgegen der in Reiseinformationen allgemein genannten eine Million Einwohner mittlerweile eine Bevölkerung von 2½ bis 3 Millionen habe.

Das jedoch fällt uns nicht auf, als wir endlich die Stadt, die „Perle des Südens“, erreichen. Bemerkenswert sind die breiten Boulevards. Den raumgreifenden, neuen Bahnhof kennen wir noch nicht. Schön ist es, das Königliche Theater zu sehen.

Marrakesch - Bahnhof Marrakesch - Königliches Theater

Als Nächstes sehen wir die etwa 12 Kilometer lange, 6 bis 8 Meter hohe aus Stampflehm errichtete Stadtmauer. Die in der historischen Mauer sichtbaren Löcher werden genutzt, um dort bei anfallenden Reparaturen Gerüste einzuhängen. Am legendären „La Mamounia“-Hotel fährt der Bus vorbei. Zu gern hätten wir das von vielen Reiseführern als eines der besten 5-Sterne-Hotels weltweit gewürdigte Haus wieder einmal besucht. Unserem stillen Flehen wird jedoch nicht entsprochen.

Marrakesch - Stadtmauer

Marrakesch - Stadtmauer


Ein Fotostopp wird aber an der im 12. Jahrhundert gebauten Koutoubia Moschee eingelegt. Sie wird in Reiseführern als eine der schönsten Moscheen Nordafrikas bezeichnet. Mit dem Bau des Gotteshauses wurde im Jahr 1158 begonnen. Das die Moschee dominierende quadratische Minarett entstand erst ab 1189. Inklusiv der vergoldeten Kuppel misst die Höhe des Turms 77 Meter. Eine seitliche Holzkonstruktion weist die Gläubigen nach Mekka. Der insgesamt 90 Meter breite und 60 Meter lange Bau bietet 25.000 Betenden Platz. Für einen Besuch der Moschee und des sie umgebenden Palmengartens reicht unsere Zeit leider nicht.

Marrakesch - Minarett der Koutoubia MoscheeMarrakesch - Minarett der Koutoubia Moschee


Besichtigt wird dagegen der Bahia Palast. Der Großwesir Si Moussa ließ den weitläufigen Palast von 1867 an im maurisch-andalusischen Stil erbauen. Sein Sohn erweiterte ihn um einen Hammam, eine Moschee und einen idyllischen Garten. Gespart wurde ob der 8.000 Quadratmeter Grundfläche offenbar nicht. Schließlich mussten repräsentative Empfangssäle, mehr als einhundert Wohnräume und diverse Innenhöfe geschaffen werden. Eine weitläufige Mauer umgab den Palast. Die Räume zieren Marmor-Fliesen, kunstvolle Mosaike und schöne Stuckarbeiten. Die Zimmerdecken wurden aus Zedernholz gefertigt. Die UNESCO erklärte den Palast zum Weltkulturerbe. Filme, darunter „Lawrence von Arabien“ wurden im Palast gedreht, und dann und wann dürfen auch Staatsgäste ihre Häupter im Palast betten.

Marrakesch - Bahia-Palast Marrakesch - Intarsiendecke des Bahia-Palasts Marrakesch - Decke des Bahia-Palasts Marrakesch - Mauerwerk des Bahia-Palasts

Auf den Bahia Palasts folgt ein Gang durch die Souks, bevor im marokkanischen Restaurant und Guest House Dar Es-Salam bei orientalischer Musik und unvermeidlichem Bauch- und Lichtertanz ein leichtes mehrgängiges Mittagessen serviert wird. Das Restaurant, übersetzt heißt es „Haus des Friedens“ befindet sich seit 1952 in Familienbesitz. Es war Filmkulisse, und viele Prominente besuchten das Etablissement. Wir sind zu unserer Überraschung nunmehr zum zweiten Mal im Dar Es-Salam, und erneut wundern wir uns über die gewaltigen Dimensionen des verwinkelten Bauwerks. In Relation zu den Mengen der Touristen die dort hin verfrachtet werden, ist das Gebotene akzeptabel zu nennen. Besser geht es immer.

Marrakesch - Im Souk Marrakesch - Fassaden im Soukviertel Marrakesch - Souk Marrakesch - Restaurant Dar Es Salam

 

 

 

Im Anschluss an das Dar Es-Salam wird der Rundgang durch das Soukviertel fortgesetzt. Wir sehen, wie eng die Läden und Werkstätten der einzelnen traditionellen Berufsgruppen (Schmiede, Holzschnitzer, Wollfärber) beieinanderliegen. Wären nicht die vielen Mobiltelefone in den Händen der Händler und alle Formen von Motorrädern, könnte man sich um Jahrzehnte zurückversetzt fühlen.

Marrakesch - Souk - Vor dem Dar Es Salam-Restaurant

Marrakesch - Erneut im Souk Marrakesch - Im Souk Innenhof eines Riad Marrakesch - Souk Sebbaghine

 

Der Rundgang endet am gigantischen Djemaa el Fna. Der Name des Platzes hat wohl viele Bedeutungen: Oftmals liest man vom „Gauklerplatz“, dann vom „Platz der Gehenkten“ oder vom „Platz der Geköpften“. So genau wollen wir das alles nicht wissen. Hier saßen wir schon vor 15 Jahren auf einer der wenigen Restaurant-Terrassen und blickten bei einbrechender Dunkelheit auf den sich füllenden Platz, die vielen Garküchen und das damals brodelnde Leben. Diesmal ist es noch nicht die richtige Zeit für Garküchen. Wir finden unser damaliges Restaurant nicht mehr, der Platz ist rundum mit Restaurants zugebaut worden und der Charme des Platzes ist verloren. Wo sind die Sänger und Geschichtenerzähler geblieben? Was ist mit den Schreibern und Naturärzten geschehen? Wir vermissen so vieles von dem, was uns damals so begeistert hat.

Marrakesch - Platz Djemaa el Fna Marrakesch - Verkäuferin auf dem Platz Djemaa el Fna Marrakesch - Wasserverkäufer auf dem Platz Djemaa el Fna Marrakesch - Restauranterrasse über dem Platz Djemaa el Fna Marrakesch - Auf dem Platz Djemaa el Fna öffnen die Garküchen Marrakesch - Abends auf dem Platz Djemaa el Fna

Es ist an der Zeit zurückzufahren. Gelegenheit zum Besuch der berühmten Gräber der Saadier-Dynastie, der Koranschule Medersa Ben Youssef oder der Menara-Gärten, einem 100 Hektar großen öffentlichen Park, bleibt leider nicht. Auch bleibt keine Zeit, eines der elf gewaltigen Tore in der Stadtmauer zu sehen und mit einer der vielen am Djemaa El Fna wartenden Kaleschen zu fahren.

Marrakesch - Saadier-Gräber Marrakesch - Eines der 11 Stadttore Marrakesch - Kaleschen am Platz Djemaa el Fna

Fazit: Insgesamt sieben Stunden Omnibusfahrt, die Besichtigung des Bahia-Palasts, der Gang durch die Medina, das Mittagessen im „Dar Es-Salam“, der Rundgang durch die Gassen des Souks und die Freizeit auf dem Djemaa el Fna ergeben ein zwölfstündiges Programm. Wer noch nie zuvor Marrakesch besuchte, wird vermutlich von der Fahrt und der Stadt begeistert sein.

Wir frischten unsere Erinnerungen an unseren 15 Jahre zurückliegenden Besuch in Marrakesch auf und mussten feststellen, dass in den Souks – von den vielen Mobiltelefonen und Motorrädern abgesehen – die Zeit stehengeblieben scheint. Nicht so am Djemaa el Fna. Der Gauklerplatz hat sein exotisches Flair, das ihm vor 15 Jahren anhaftete, unwiederbringlich verloren. Wir sind dankbar, Marrakesch erneut gesehen zu haben. Vermutlich werden wir die Millionenstadt nicht mehr besuchen.