Ein Tag in Puerto Plata


Im Verlauf einer Karibik-Kreuzfahrt mit der MS Koningsdam besuchen das von der Carnival-Corporation errichtete Kreuzfahrtresort Amber Cove. Der Retortenort liegt im Norden der Dominikanischen Republik etwa zwölf Kilometer westlich der Großstadt Puerto Plata.

Amber Cove - Panorama

Amber Cove - Panorama


Amber Cove – ein Stopp in der Bernsteinbucht

Der in einer hufeisenförmigen Bucht gelegene Kreuzfahrthafen von Amber Cove, zu Deutsch „Bernsteinbucht“, bietet alles Nötige, um Tagesgästen den Zwischenstopp auf der Antillen-Insel Hispaniola so angenehm wie möglich zu gestalten. Wer mag, verbringt den Tag ausschließlich innerhalb des Resorts mit Wassersport, Sonnenbaden, Shopping sowie Bar- und Restaurantaufenthalten.

Amber Cove - Open Sky Bar
Amber Cove - Restaurant


Alles, was dem Gast nutzt, wird geboten. Eine Anlegepier für zwei Kreuzfahrtschiffe von den Ausmaßen der Queen Mary 2, Bars, Restaurants, Duty-Free-Shops, Poollandschaft und Zipline. Eine mehrere Hundert Meter lange Zufahrt trennt das äußerst gepflegte Resort von einer vierspurigen Landstraße. Der Zugangsbereich ist streng bewacht und abgeschottet. Nur Tour-Busse und autorisierte Taxen gelangen auf das Gelände des Resorts. Nicht autorisierte Fahrzeuge bleiben vor den Toren. Carnival regelt alles und hat dem Anschein nach alles bestens im Griff.

MS Koningsdam am Pier von Amber Cove


MS Koningsdam am Pier von Amber Cove



Amber Cove ist gut gesichert 


Amber Cove – die Umgebung auf eigene Faust entdecken

Wir beabsichtigen Land und Leute kennenlernen und nicht unseren Tag in dem Carnival-Resort mit Rundumbetreuung zu verbringen. Entgegen den in manchen Reiseportalen kursierenden Schilderungen können Gäste der in Amber Cove anlegenden Kreuzfahrtschiffe die Anlage auf eigene Faust verlassen. Die vor dem Tor wartenden unabhängige Taxen machen zwar optisch weniger her als die im Resort aufgereihten Fahrzeuge, und ihren Fahrern mangelt es auch an einer einheitlichen Ausstattung, stattdessen sind sie deutlich preiswerter.

Amber Cove - vor dem Resort wartende Taxifahrer


Monte Isabel de Torres

Wir beginnen unseren Besuchstag in Amber Cove mit einer Seilbahnfahrt hinauf auf den Hausberg von Puerto Plata, den Monte Isabel de Torres. Im Carnival-Resort wird die Taxifahrt zur Seilbahn mit 30 US-Dollar angeboten; vor den Toren der Anlage werden nur 20 US-Dollar verlangt. Wenn das kein überzeugendes Argument ist …

Zur Information: Die einzige Seilbahn im karibischen Raum führt im Süden Puerto Platas auf den 793 Meter hohen Pico Isabel de Torres.


Puerto Plata - Seilbahn vor üppigem Grün



Puerto Plata - Seilbahngondel 


Das Wahrzeichen des Berges ist eine 16 Meter hohe Cristo Redentor-Statue, die der wesentlich größeren Statue von Rio de Janeiro nachempfunden wurde. Puerto Platas Christus steht auf einer Kuppel, die ursprünglich als Artilleriestellung gedacht war. Da diese aber nicht ihrem Zweck entsprechend genutzt werden musste, wurde sie zum Standort der Erlöserstatue umgewidmet.


Puerto Plata - Bergstation der Seilbahn



Puerto Plata - Cristo Redentor-Statue 


Allein die Auffahrt mit der 20 Personen fassenden Gondel auf den Gipfel ist ihren Fahrpreis wert. Wir haben wegen Wolkenbildung zwar nur eine eingeschränkte Sicht; die allein reicht jedoch aus, um einzuschätzen, welch ein fantastischer Blick über den Atlantik und auf Puerto Plata bei gutem Wetter geboten wird.

Blick auf Puerto Plata


Das gesamte Areal des Berges ist ein Naturreservat. Abseits der Christus-Statue lädt ein gepflegter, weitläufiger botanischer Garten zur Besichtigung ein. Neben einer Vielfalt an Pflanzen und Vögeln wartet das Gelände mit Höhlen und Wasserläufen auf. Eine Cafeteria und ein Andenkenladen komplettieren das Erlebnis. Der Rundgang innerhalb des botanischen Gartens weist hervorragende Wege auf, wenngleich die Höhenunterschiede erstaunlich sind. Der Garten ist Besuchern mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit daher nicht zu empfehlen.

Fahrpreis der Seilbahn: Erwachsene (seit Jahren unverändert) 350 Dominikanische Peso (ca. 5,50 Euro). Kinder kosten 200 Dominikanische Peso.
Betriebszeiten: Montag bis Sonntag zwischen 8:30 und 17:00 Uhr.
Geführte Sightseeing-Touren werden offeriert.

Puerto Plata - Parklandschaft des Monte Isabel de Torres
Puerto Plata - Parklandschaft des Monte Isabel de Torres
Puerto Plata - Restaurant El Teleférico

Puerto Plata – unser nächstes Ziel

Die 1502 gegründete Stadt Puerto Plata gehört zu den zehn größten Städten der Dominikanischen Republik. Gemäß der Volkszählung des Jahres 2022 lebten etwa 147.000 Menschen in der Provinzhauptstadt an der sogenannten „Bernsteinküste“. Der Name Puerto Plata steht für „Silberhafen“.

Beim Blick vom Pico Isabel de Torres auf die Stadt fällt auf, dass Hochhäuser fehlen. Das Stadtbild weist überwiegend zweigeschossige Bauten auf. – Obwohl Puerto Plata keinen Preis in einem Schönheitswettbewerb für Städte erringen könnte, empfehlen wir das Zentrum zu besuchen. Der zentrale Platz, der Parque de la Restauración, umgangssprachlich der „Parque Central“, wird von Straßen gesäumt, an denen pittoreske karibische Holzhäuser stehen. Die meisten der sehenswerten Gebäude findet man in der Calle Beller.

Puerto Plata – Aussichtspavillon des Parque de la Restauración
Puerto Plata – Calle José del Carmen Ariza
Puerto Plata – Calle Beller
Puerto Plata – Calle José del Carmen Ariza

Catedral San Felipe Apóstol

Der Grundstein dieser Bischofskirche wurde im Jahr 1502 gelegt. Ihr heutiges Erscheinungsbild erlangte die Kathedrale erst im frühen 20. Jahrhundert. Ein durch Restauratoren verursachter Großbrand hatte zuvor das vormalige historische Gotteshaus in Schutt und Asche gelegt. Die Kathedrale wirkt groß und hell. Im Trubel der Großstadt erscheint sie uns als eine Insel der Stille.

Puerto Plata - Catedral San Felipe Apóstol - Kirchenschiff


Puerto Plata - Catedral San Felipe Apóstol - Kirchenschifl



Puerto Plata - Catedral San Felipe Apóstol - Seitenschiff 


Museo del Ámbar – Puerto Platas Bernstein Museum

Die Provinz Puerto Plata besitzt bedeutende Bernsteinvorkommen. Bernstein aus der Dominikanischen Republik zählt weltweit zu den schönsten und klarsten. Den Steinen ist das Bernsteinmuseum im Stadtzentrum gewidmet. Als Museum wird die im viktorianischen Stil errichtete Villa Benz genutzt. Im Erdgeschoss des großen Gebäudes werden gelbe, braune, grüne und dunkelblaue Bernsteine verkauft. Viele der Steine haben Einschlüsse. Die eigentlichen Ausstellungsräume liegen im Obergeschoss.
Adresse: Calle Duarte 59
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9:00 bis 17:00 Uhr; an Samstag und Sonntagen 9:00 bis 12:00 Uhr.

Puerto Plata - Eingang zum Bernstein Museum
Puerto Plata - Laubengang des Bernstein Museums
Puerto Plata - Plakat des Bernstein Museums

Fortaleza San Felipe 

Puerto Platas Hafenfestung liegt auf einer Halbinsel am Atlantik. Errichtet wurde sie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Schutz der Stadt und ihres Hafens vor Piratenüberfällen. Bevor sie in ein Museum mit militärischen Artefakten des 18. und 19. Jahrhunderts umgewandelt wurde, fristete sie eine unrühmliche Vergangenheit als Gefängnis. Der umgebende Park heißt Parque San Felipe. Hässliche Tanklager in direkter Nähe beeinträchtigen das Erlebnis.

Puerto Plata - Parque San Felipe

Puerto Plata - Parque San Felipe


Malecón

Die Malecón genannte Uferstraße bietet schöne Ausblicke auf Meer, Riffe, vorgelagerte Inseln und kleine Sandbuchten. Die 1971 eingeweihte, drei Kilometer lange und von Palmen und Laubbäumen gesäumte Avenida General Gregorio Luperón beginnt an der Fortaleza San Felipe und führt am Atlantischen Ozean entlang zum Spa Colón, dem „Long Beach“ von Puerto Plata.

Puerto Plata - Malecón


Neben der Straße verlaufen breite Fußwege. Erneuerungen und Umbauten erfolgten im Jahr 2006. Die stark befahrene Avenida wird gesäumt von Restaurants und Bars. Für wenig Geld werden uns dort erfrischende Getränke und schmackhafte Speisen serviert. Als negativ empfinden wir die Massen des in der Uferzone liegenden Plastikmülls.

Puerto Plata - das Meer vor dem Malecón


Puerto Plata - das Meer vor dem Malecón


Puerto Plata - Küstenlinie


Puerto Plata - Küstenlinie


Was wir uns in Puerto Plata ersparen

Casa Brugal

Die zur Glasgower Edrington-Gruppe gehörende Casa Brugal ist weniger eine Sehenswürdigkeit denn ein interessantes Ziel für Rum-Genießer. Im Jahr 1888 wurde die Rumfabrik Brugal in Puerto Plata gegründet. Das im Umland angebaute Zuckerrohr wird für die Produktionszwecke genutzt. Gemäß Firmenangaben reift Rum in 200.000 Fässern amerikanischer Eiche. Dem Hörensagen nach produziert Brugal jedes Jahr 1,5 Millionen Liter Rum.

Standort: Avenida Manolo T. Justo
Öffnungszeiten für Besucher: Montags bis Freitags 9:00 bis 12:00 Uhr und 14:00 bis 17:00 Uhr.
Der Eintritt für eine 30-minütige Rundtour durch die Destillerie inklusive zweier Rumverkostungen beträgt fünf US-Dollar.

Ocean World Adventure Park

Wer es schätzt, mit Delphinen und Haien zu schwimmen oder im „Interaction Pool“ mit Seelöwen zu kuscheln, tut dies in Puerto Platas Ocean World Adventure Park. Der Eintritt ist für Erwachsene (13+ Jahre) mit 110 US-Dollar sehr teuer. Geboten werden: der Zutritt zur Anlage, Schwimmen und Schnorcheln im tropischen Riff-Aquarium, für Kinder ein Piraten-Schwimmbecken, ein Regenwald mit Vögeln und Leguanen sowie mehrere Tiershows. Für Gäste der Amber Cove anlaufenden Kreuzfahrtschiffe werden spezielle Touren geboten. Die bucht man bei Interesse zweckmäßigerweise an Bord der Schiffe.

Fazit

Eine wichtige Erkenntnis ist: Touristen werden in Puerto Plata offensiv angegangen. Da sind die selbsternannten Führer, die uns beispielsweise die Kathedrale zeigen wollen, oder jene Guides, die uns auf dem Berg herumführen möchten. In solchen Fällen genügt ein freundliches „No, thanks“, jedoch immer, um diese Offerten zu blocken. – Eine weitere Dollar-Quelle haben auch die allenthalben auftretenden Bands entdeckt. Auch sie versuchen, mit nicht immer guter Musik, den Yankee-Dollar zu ergattern.

Eine weitere Erkenntnis: Puerto Plata ist sicher. In den touristischen Zonen ängstigen wir uns nicht, denn die Tourismus-Polizei ist überall präsent. Und auch die schwer bewaffnete Policia Nacional, eine energisch auftretende und allem Anschein nicht zu Späßen aufgelegte Polizeitruppe, ist durchweg im Zentrum vertreten.

Nichts für Schöngeister ist die Fahrt mit dem Taxi durch die heruntergekommenen Außenbezirke der Stadt. Die vielfach zur Straße offenen Autowerkstätten, Märkte und Fabriken erinnern uns daran, dass sich die Gewerbezonen der Stadt seit unserem letzten Besuch vor anderthalb Jahrzehnten kaum verändert haben. Recht unschön wirkt auch die Müllhalde von Maimón, die wir auf dem Weg vom/zum Schiff passieren. In den nächsten Jahren soll sie abgetragen und verlegt werden. Wie es ausschaut, dürfte bis dahin jedoch noch sehr viel Zeit vergehen.

Amber Cove - die Müllhalde von Maimón

Amber Cove - die Müllhalde von Maimón


Unsere Empfehlung: Taxifahrten sind eine gute und preiswerte Alternative voranzukommen. Allerdings würde es in Deutschland keinem Taxifahrer einfallen, dem Fahrgast nach der Nennung des Zieles eine Rundfahrt anzubieten. Das aber ist in Puerto Plata gang und gäbe. Die Taxen haben keine Taxameter. Deshalb ist es notwendig, vor Antritt der Fahrt den Fahrpreis auszuhandeln. Der erstgenannte Preis sollte keinesfalls akzeptiert werden. Es darf gehandelt werden. Die ursprüngliche Preisforderung ist nur einer jener Versuche, einen Extra-Verdienst herauszuschlagen.

Von all dem Sehenswerten oder auch den aufgezeigten Negativaspekten bekommen jene Gäste nichts zu sehen, die ihren Tag im gesicherten Kreuzfahrtresort von Amber Cove verbringen. Wir dagegen möchten unsere Erfahrungen außerhalb des Resorts nicht missen!

Update April 2024

Meine Landausflüge Amber Cove