Autor: Karl W. P. Beyer

Was kann man unternehmen, wenn das Kreuzfahrtziel Amber Cove in der Dominikanischen Republik heißt? Wir empfehlen einen Landausflug in das 12 Kilometer entfernte Puerto Plata. Dort gibt es ausreichend Sehenswürdigkeiten, die wir gut auf eigene Faust entdecken können.

Im Verlauf unserer Karibik-Kreuzfahrt mit der MS Koningsdam besuchen wir im November 2016 das von der Carnival-Corporation errichtete Urlaubsresort Amber Cove. Der Retortenort liegt im Norden der Dominikanischen Republik westlich der Großstadt Puerto Plata.

Amber Cove - Panorama

Amber Cove - Panorama


Der in einer hufeisenförmigen Bucht gelegene Kreuzfahrthafen Amber Cove bietet alles Nötige, um Tagesgästen den Zwischenstopp auf der Antillen-Insel Hispaniola so angenehm wie möglich zu machen. Wer will, verbringt den Tag innerhalb des Resorts mit Wassersport, Sonnenbaden, Shopping sowie Bar- und Restaurantaufenthalten.

Amber Cove - Ladenzone Amber Cove - Restaurant Amber Cove - Badelandschaft

Alles, was dem Gast nutzt, wird geboten. Eine Anlegepier für zwei Kreuzfahrtschiffe von den Ausmaßen der Queen Mary 2, Bars, Restaurants, Duty-Free-Shops, Poollandschaft und Zipline. Eine mehrere hundert Meter lange Zufahrt trennt das äußerst gepflegte Resort von einer vierspurigen Landstraße. Der Zugangsbereich ist streng bewacht und abgeschottet. Nur Tour Busse und autorisierte Taxen gelangen ins Ressort. Nicht autorisierte bleiben vor den Toren. Carnival regelt alles und hat offenbar alles bestens im Griff.

MS Koningsdam an der Pier von Amber Cove Amber Cove - Gut gesicherter Zugang zur Anlage

Entgegen den in internationalen Reiseportalen kursierenden Schilderungen können Gäste der in Amber Cove anlegenden Kreuzfahrtschiffe die Anlage auf eigene Faust verlassen, um zu den vor dem Tor wartenden unabhängigen Taxen zu gelangen. Die machen zwar optisch weniger her als die im Resort aufgereihten Fahrzeuge, stattdessen sind sie deutlich preiswerter.

Amber Cove - Wartende, nicht autoriserte Taxifahrer

Amber Cove - Auf Kundschaft wartende, nicht autoriserte Taxifahrer


Wir möchten Land und Leute kennenlernen und nicht unseren Tag in dem Carnival-Resort mit Rundumbetreuung verbringen. Daher machen wir einen Landausflug nach Puerto Plata, um die dortigen Sehenswürdigkeiten auf eigene Faust zu entdecken. Wir beginnen den Besuchstag mit einer Seilbahnfahrt hinauf auf den Hausberg von Puerto Plata, den Monte Isabel de Torres. In der Anlage wird die Taxifahrt zur Seilbahn mit 30 US-Dollar angeboten; vor den Toren der Anlage werden nur 20 US-Dollar verlangt. Deshalb starten wir außerhalb des Resorts mit dem Taxi zur …

Teleférico de Puerto Plata

Die einzige Seilbahn im karibischen Raum führt im Süden Puerto Platas auf den 793 Meter hohen Pico Isabel de Torres.

Puerto Plata - Seilbahn vor üppigem Grün

Puerto Plata - Seilbahn vor üppigem Grün


Das Wahrzeichen des Berges ist eine 16 Meter hohe Cristo Redentor-Statue, die der wesentlich größeren Statue von Rio de Janeiro nachempfunden wurde. Puerto Platas Christus steht auf einer Kuppel, die ursprünglich als Artilleriestellung konzipiert war. Da diese aber nicht ihrem Zweck entsprechend genutzt werden musste, wurde sie zum Standort der Erlöserstatue umgewidmet.

Puerto Plata - Bergstation der Seilbahn Puerto Plata - Cristo Redentor

Allein die Auffahrt mit der 20 Personen fassenden Gondel auf den Gipfel ist den umgerechnet sieben Euro teuren Fahrpreis wert. Wir haben wegen Wolkenbildung zwar nur eine eingeschränkte Sicht; die allein reicht jedoch schon aus, um einzuschätzen, welch ein fantastischer Blick über den Atlantik und auf Puerto Plata bei gutem Wetter geboten wird.

Blick auf Puerto Plata

Blick auf Puerto Plata


Das gesamte Areal des Berges ist ein Naturreservat. Abseits der Christus-Statue lädt ein gepflegter, weitläufiger botanischer Garten zur Besichtigung ein. Neben einer Vielfalt an Pflanzen und Vögeln wartet das Gelände mit Höhlen und Wasserläufen auf. Eine Cafeteria und ein Andenkenladen sind ebenfalls vorhanden. Der Rundgang innerhalb des botanischen Gartens weist hervorragende Wege, allerdings auch erstaunliche Höhenunterschiede und Treppen auf. Der Garten ist Besuchern mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit daher nicht zu empfehlen.

Fahrpreis der Seilbahn: Erwachsene 350 Dominikanische Peso (ca. 7 Euro)
Betriebszeiten: Montag bis Sonntag zwischen 8:30 bis 17:00 Uhr.

Puerto Plata - Die Parklandschaft des Pico Isabel de Torres Puerto Plata - Die Parklandschaft des Pico Isabel de Torres

Puerto Plata - Die Parklandschaft des Pico Isabel de Torres Puerto Plata - Restaurant El Teléferico

Die 1502 gegründete Stadt Puerto Plata gehört zu den zehn größten Städten der Dominikanischen Republik. Gemäß der Volkszählung des Jahres 2010 leben etwa 160.000 Menschen in der Provinzhauptstadt an der sogenannten „Bernsteinküste“. Der Name Puerto Plata steht für „Silberhafen“.

Beim Blick vom Pico Isabel de Torres auf die Stadt fällt auf, dass Hochhäuser fehlen. Das Stadtbild weist überwiegend zweigeschossige Bauten auf. - Obwohl Puerto Plata keinen Preis in einem Schönheitswettbewerb für Städte erringen könnte, ist es lohnenswert das Zentrum zu besuchen. Der zentrale Platz, der Parque de la Restauracion, umgangssprachlich der Parque Central, wird von Straßen gesäumt, an denen pittoreske karibische Holzhäuser stehen. Die meisten der sehenswerten Gebäude findet man in der Calle Beller.

Puerto Plata - Aussichtspavillon auf der Parque de la Restauracion Puerto Plata - Calle José del Carmen Ariza

Puerto Plata - Calle Beller Puerto Plata - Calle José del Carmen Ariza

Zu den städtischen Sehenswürdigkeiten zählen …

… die Catedral San Felipe Apóstol

Der Grundstein dieser Bischofskirche wurde 1502 gelegt. Ihr heutiges Erscheinungsbild erlangte die Kathedrale erst im frühen 20. Jahrhundert. Ein durch Restauratoren verursachter Großbrand hatte zuvor das vormalige historische Gotteshaus in Schutt und Asche gelegt. Die Kathedrale wirkt groß und hell. Im Trubel der Großstadt erscheint sie uns als eine Insel der Stille.

Puerto Plata - Catedral San Felipe Apóstol Puerto Plata - Kirchenschiff der Catedral San Felipe Apóstol Puerto Plata -Catedral San Felipe Apóstol

… das Bernstein Museum

Die Provinz Puerto Plata besitzt beachtliche Bernsteinvorkommen. Deshalb liegt das bedeutendste Bernsteinmuseum des Landes im Zentrum der Stadt. Als Museum wird die im viktorianischen Stil errichtete Villa Benz genutzt. Im Erdgeschoss des weitläufigen Gebäudes werden gelbe, braune, grüne und dunkelblaue Bernsteine, darunter viele mit Einschlüssen, verkauft. Die eigentlichen Ausstellungsräume liegen im Obergeschoss. Geöffnet ist die Einrichtung zwischen Montag und Samstag in der Zeit von 9:00 bis 18:00 Uhr.

Puerto Plata - Bernstein Museum Puerto Plata - Bernstein Museum Puerto Plata - Galerie vor dem Bernstein Museum

… das Fortaleza San Felipe

Die Hafenfestung liegt auf einer Halbinsel am Atlantik. Errichtet wurde sie in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum Schutz der Stadt und ihres Hafens vor Piratenüberfällen. Bevor sie in ein Museum mit militärischen Artefakten des 18. und 19. Jahrhunderts umgewandelt wurde, fristete sie eine unrühmliche Vergangenheit als Gefängnis. Der umgebende Park heißt Parque San Felipe. Schade nur, dass sich in direkter Nähe hässliche Tanklager befinden, die zum benachbarten Hafenbereich gehören.

Puerto Plata - Parque San Felipe

Puerto Plata - Parque San Felipe


… der Malecón

Die 1971 eingeweihte, drei Kilometer lange und von Palmen und Laubbäumen gesäumte Avenida General Gregorio Luperón beginnt an der Fortaleza San Felipe und führt am Atlantischen Ozean entlang zum Spa Colón, dem „Long Beach“ von Puerto Plata. Benannt ist sie nach dem 20. Präsidenten des Landes.

Puerto Plata - Malecón

Puerto Plata - Malecón


Neben der Straße verlaufen breite Fußwege. Der Malecón bietet schöne Ausblicke auf Meer, Riffe, vorgelagerte Inseln und kleine Sandbuchten. Erneuerungen und Umbauten erfolgten im Jahr 2006. Die stark befahrene Avenida wird gesäumt von Restaurants und Bars. Für wenig Geld werden uns dort erfrischende Getränke und schmackhafte Speisen serviert. Als negativ empfinden wir die Massen des in der Uferzone liegenden Plastikmülls.

Puerto Plata - Der Atlantik vor dem Malecón Puerto Plata - Der Atlantik vor dem Malecón

 

In Puerto Plata ersparen wir uns …

… die Casa Brugal

Sie ist weniger eine Sehenswürdigkeit denn ein interessantes Ziel: die 1888 gegründete Rumfabrik Brugal liegt im Stadtzentrum von Puerto Plata (Avenida Manolo T. Justo). Sie nutzt das im Umland angebaute Zuckerrohr. Besucher werden rund um die Woche eingelassen. Der Eintrittspreis für eine 30-minütige Rundtour durch die Destillerie inklusive zweier Rumverkostungen beträgt bescheidene drei US-Dollar. Es werden auch Rundgänge in deutscher Sprache angeboten. Zeitlich fixierte Touren können über das Internet gebucht werden.

… den Ocean World Adventure Park

Wer es schätzt, mit Delphinen und Haien zu schwimmen oder im „Interaction Pool“ mit Seelöwen zu kuscheln, tut dies in Puerto Platas Ocean World Adventure Park. Der Eintritt ist uns mit 69 US-Dollar zu teuer. Für den Preis werden geboten: der Zutritt zur Anlage, Schnorcheln im tropischen Riff-Aquarium, für Kinder ein Piraten-Schwimmbecken, ein Regenwald mit Vögeln und Leguanen sowie mehrere Tiershows. Für Gäste der Amber Cove anlaufenden Kreuzfahrtschiffe werden spezielle Touren bereitgehalten. Die bucht man bei Interesse zweckmäßigerweise an Bord der Schiffe.

Fazit:

Ganz allgemein ist anzumerken, dass Touristen in Puerto Plata offensiv angegangen werden. Da sind die selbsternannten Führer, die uns die Kathedrale zeigen wollen, oder jene Guides, die uns auf dem Berg herumführen möchten. Ein freundliches „No, thanks“, reicht jedoch immer, um diese Offerten abzuschütteln. - Eine weitere sprudelnde Dollar-Quelle haben auch die allenthalben auftretenden Bands entdeckt. Auch sie versuchen, mit nicht immer guter Musik, den Yankee-Dollar zu ergattern.

Puerto Plata ist sicher. In den touristischen Zonen müssen wir uns nicht ängstigen. Die Tourismus-Polizei ist überall präsent. Und auch die schwer bewaffnete Policia Nacional, eine energisch auftretende und allem Anschein nicht zu Späßen aufgelegte Polizeitruppe, ist überall im Zentrum vertreten.

Nichts für Schöngeister ist die Fahrt mit dem Taxi durch die heruntergekommenen Außenbezirke der Stadt. Die vielfach zur Straße offenen Autowerkstätten, Märkte und Fabriken erinnern uns daran, dass sich die Gewerbezonen der Stadt seit unserem letzten Besuch vor circa 15 Jahren kaum verändert haben. Recht unschön wirkt auch die Müllhalde von Maimon, die wir auf dem Weg vom/zum Schiff passieren. In den nächsten Jahren soll sie abgetragen und verlegt werden. Wie es ausschaut, dürfte bis dahin jedoch noch sehr viel Zeit vergehen.

Puerto Plata - Müllhalde von Maimon

Puerto Plata - Müllhalde von Maimon


Taxifahren ist eine gute und preiswerte Alternative voranzukommen. Allerdings würde es in Deutschland keinem Taxifahrer einfallen, dem Fahrgast nach der Nennung des Zieles eine Rundfahrt anzubieten. Das aber ist in Puerto Plata gang und gäbe.- Die Taxen verwenden keine Taxameter. Deshalb ist es notwendig, vor Antritt der Fahrt den Fahrpreis auszuhandeln. Niemals sollte der erstgenannte Preis akzeptiert werden. Es ist nur einer jener Versuche einen Extra-Verdienst herauszuschlagen.

Von all dem Sehenswerten oder auch den aufgezeigten Negativaspekten bekommen jene Gäste nichts zu sehen, die ihren Tag im gesicherten Kreuzfahrtresort von Amber Cove verbringen. Wir dagegen möchten unsere Erfahrungen außerhalb des Resorts nicht missen!