Athen - Antike und Gegenwart gut gemischt


Am 16. Juli 2016 starten wir von Piräus aus mit der Queen Victoria zu einer einwöchigen Mittelmeer-Kreuzfahrt. Wir reisen einen Tag eher an, um uns wieder einmal in der griechischen Hauptstadt Athen umzusehen. Altbekanntes und Neues stehen dabei auf unserer Tagesordnung.

Als Hotel wählten wir das in der Nähe des Syntagmaplatzes gelegene Best Western Amazon Hotel. Die Entscheidung für das Hotel müssen wir hinsichtlich seiner Ausstattung und der Lage nicht bereuen. Damit wir es nicht vergessen: Vom Athener Venizelos-Flughafen nahmen wir den Bus der Linie X95 zum Syntagmaplatz. Der legt die Strecke in ungefähr 45 Minuten bei wenig Zwischenhalten zurück, und zudem ist er ausgesprochen kostengünstig.

Athen - Syntagmaplatz

Athen - Taxen am Syntagmaplatz

Unser Hotel liegt an der Mitropoleos-Straße. Deren Parallelstraße ist die verkehrsberuhigte Ermou-Straße. Dort genießen wir zur Einstimmung das gefühlt „typische“ Ambiente einer südeuropäischen Metropole. Läden bekannter Marken, gut frequentierte Straßencafés, Bäumchen in Pflanzkübeln und freundliche Menschen charakterisieren das Umfeld.

Athen - Fußgängerstraße Ermou

Athen - Fußgängerstraße Ermou


Im Anschluss an die Ermou geht es zurück in die Mitropoleos-Straße zur Großen Mitropolis-Kirche. Sie ist die im Jahr 1862 geweihte orthodoxe Kathedrale „Mariä Verkündigung“. Zwei Glockentürme und eine Kuppel oberhalb der Vierung sind ihre Merkmale.

Athen - Die Große Mitropolis-Kirche Athen - Die Große Mitropolis-Kirche

Athen - Athene-StatueWir passieren in der Folge die Griechische Nationalbank, das Nationale Historische Museum und begeben uns in die Panepistimiou-Straße, um die berühmte Athener Trilogie von außen anzusehen. Fachleute zählen das aus den Bauten der Griechischen Nationalbibliothek, der Universität und der Akademie bestehende Ensemble zu den bedeutendsten Zeugnissen des europäischen Klassizismus. Die Gebäude entstanden allesamt im 19. Jahrhundert. Leider ist derzeit der von sechs Säulen getragene Eingangsbereich der Akademie wegen Sanierungsarbeiten mit Folien verhängt. Die Skulpturen der Philosophen Platon und Sokrates links und rechts der gewaltigen Freitreppe und die auf hohen Säulen thronenden Statuen der Göttin Athene und des Gottes Apollon vor der Akademie scheint das nicht weiter zu stören.

Athen - Nationalbibliothek Athen - Universität Athen - Akademie mit den Statuen der Athena und des Apollon

Die neben der Akademie erbaute römisch-katholische St. Dionysius-Kathedrale soll der Abtei St. Bonifaz in München nachempfunden sein. Wir begreifen das stattliche im Stil der Neorenaissance errichtete Gebäude weniger als Kirche, sondern eher wie ein profanes Bauwerk. In dieser Kirche heirateten im Mai 1962 das vormalige spanische Königspaar, Sophia von Griechenland und der spanische Thronfolger Juan Carlos de Borbón y Borbón.

Athen - St-Dionysius-Kathedrale

Athen - St-Dionysius-Kathedrale


Einen Besuch wert sind die Ausgrabungsstätten von Kerameikos im gleichnamigen Stadtteil. Auf dem Weg dorthin durchqueren wir Psyrri. Das nicht weit vom Monastirakiplatz entfernte Szeneviertel ist bekannt für sein reges Nachtleben. Dazu können wir nichts sagen, aber die Kneipenszene in der Agion Anargiron-Straße gefiel uns bereits am Nachmittag.

Athen - Kneipenszene der Agion Anargiron Athen - Kneipenszene der Agion Anargiron

Danach passieren wir die Ekklesia Agii Theodori, die Sankt-Theodori-Kirche. Das kleine, wuchtige Bauwerk mit der achteckigen Kuppel soll bereits im 11. Jahrhundert entstanden sein. Bald darauf stoppen wir an dem kleinen Ierou Lochou-Platz, um in einer Bar etwas zu trinken. Gestärkt geht es weiter zur Kimisi-Theotokou-Kirche, und in der Anargiron-Straße treffen wir erneut auf eine einladend wirkende gastronomische Szenerie. Die Lokale sind nachmittags bereits gut besucht, wie wird das erst am Abend sein?

Athen - Ekklisia Agii Theodori Athen - Ekklisia Kimisi Theotokou

Im Zickzack nähern wir uns der Ausgrabungsstätte Kerameikos an. Zwischendurch geben Querstraßen den Blick auf die Akropolis frei. Wir gehen an Athens Hauptsynagoge Beth Schalom vorbei, sehen ein Hammam mit türkischen Bädern und das Museum of Islamic Art.

Athen - Akropolis mit Erechtheion und Parthenon

Athen - Akropolis mit Erechtheion und Parthenon


Dann erreichen wir die Grabungsstätte. Seit 1913 wurden zahllose Funde aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrtausend v. Chr. bis in die Epoche der Römer zutage gefördert. Im Kerameikos lag der bedeutendste antike Friedhof Athens; außerdem war die Region das Zentrum der Töpferwerkstätten der Antike.

Athen - Kerameikos-Grabungsstätte

Athen - Kerameikos-Grabungsstätte


Zwischen den Kerameikos-Grabungsstätten und dem Monastirakiplatz liegen nur wenige Hundert Meter. Über Jahrhunderte war dieser belebte Platz das Geschäftszentrum Athens. Dort stand eines der größten Kloster der griechischen Hauptstadt. Heute „ziert“ eine stark frequentierte Metrostation den Platz. Die auf dem Platz stehende Pantanassa-Kirche stammt wohl aus dem 17. Jahrhundert. Sie ersetzte eine zuvor im 10. Jahrhundert errichtete Kirche. Eine Besonderheit der Pantanassa-Kirche ist ihr herrlich ausgemaltes Gewölbe.

Athen - Metro-Station Monastirakiplatz Athen - Pantanassa-Kirche am Monastirakiplatz

Ein bemerkenswertes Bauwerk aus der osmanischen Periode ist die gegenüber der Metrostation aufragende Moschee. Sie wurde Mitte des 18. Jahrhunderts während der annähernd 400-jährigen Herrschaft der Osmanen über Griechenland errichtet. Nach ihrem Erbauer wird sie Tzistarakis-Moschee genannt. Die Osmanen sind Geschichte, heute beherbergt der Bau eine Außenstelle des „Museums für Griechische Volkskunst“. Das Minarett der Moschee wurde bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgerissen.

Athen - Die ehemalige Tzistarakis-Moschee

Athen - Die ehemalige Tzistarakis-Moschee


Neben der Tzistarakis-Moschee liegt das immens große Areal der Hadriansbibliothek. Sie wurde nach ihrem Stifter, dem römischen Kaiser Hadrian, benannt. Der regierte zwischen 117 bis 138 n. Chr. Athen verdankt ihm mehrere bedeutende Bauwerke. Die antike „Bibliothek“ muss man sich als Kulturzentrum mit Hörsälen, einem Bibliothekssaal und einem Transkriptionsraum vorstellen. Die Maße des Komplexes sollen etwa 120 mal 78 Meter betragen haben. Gebaut wurde um einen rechteckigen Innenhof. Archäologen gehen von einem dreigeschossigen Gebäude aus. Besonders beeindruckend ist noch heute der große Portikus neben der Tzistarakis-Moschee, der als Haupteingang zur Bibliothek diente.

Athen - Portikus der Hadriansbibliothek Athen - Säulenreihe der Hadriansbibliothek

Zwischen der Hadriansbibliothek und dem alles überragenden Akropolis-Hügel liegt die Römische Agora. Im Gegensatz zu der im 6. Jahrhundert v. Chr. entstandenen Antiken Agora Athens wurde die Römische Agora während der Römerherrschaft als Versammlungsstätte errichtet. Den Anstoß zum Bau der Agora gab Kaiser Augustus. Erweitert wurde die Anlage unter Kaiser Hadrian. Man sollte sich die Agora ursprünglich als 111 mal 98 Meter messenden, von Säulengängen umgebenen Platz vorstellen. An der Ostseite steht noch immer der im 2. Jahrhunderter n. Chr. erbaute Turm der Winde, der Uhr und zugleich Wetterwarte war.

Neben dem Stadtteil Psyrri zieht die Plaka, Athens Altstadt, mit einer Unzahl kleiner Geschäfte und Tavernen die Touristen an. Sie liegt unterhalb der Akropolis. Das verkehrsberuhigte Terrain steigt zum Hügel der Akropolis steil an. Treppen sind dabei unumgänglich. Entlang der Treppen ist eine lebendige Szene mit Lokalen entstanden. Unerlässlich sind dabei griechische Speisen und die dazugehörige griechische Musik. Auch uns muss man nach einem anstrengenden Tag nicht lange bitten. Wir lassen den Tag im Dachgarten eines der Lokale mit dem Blick auf den Lykavittos und die Akropolis ausklingen.

Athen - Plaka von oben gesehen Athen - Restaurants in der Mnisikleous/Plaka Athen - Dachterrassen an der Mnisikleous/Plaka