Ein Tag in Bar Harbor


In den September- und Oktobermonaten des Jahres geht es hoch her in Bar Harbor, einer auf Mount Desert Island gelegenen Kleinstadt. In den beiden Monaten besuchen Dutzende Kreuzfahrtschiffe die traumhaft schöne, im US-Bundesstaat Maine gelegene Insel. Leider steht den Passagieren nur ein Tag für die circa 5.000 Einwohner zählende Kleinstadt und die schöne Umgebung zur Verfügung. Dabei gäbe es so viel zu sehen und zu unternehmen.

Bar Harbor Waterfront

Bar Harbor Waterfront


Bar Harbor besitzt keine Kaianlagen, an denen Kreuzfahrtpassagiere an Land gehen können. Die Schiffe ankern in der weitläufigen Frenchman Bay vor Bar Harbor. Mit Tendern werden die Gäste an Land gebracht. Die Tenderboote legen am Harbor Place in kurzer Distanz zum Ortszentrum an. Spätestens nach dem Verlassen des Tenders stellt sich die Frage: Was unternehmen wir auf diesem schönen Eiland? Eine Insel von 280 Quadratkilometer Größe lässt sich nicht an einem Tag erkunden. Es gilt, Schwerpunkte zu setzen.

Tenderboote der Celebrity Summit


Tenderboote der Celebrity Summit


Bar Harbor Place


Bar Harbor Place 


Auf Mount Desert Island angebotene Ausflüge

Die Reedereien bereiten umfangreiche Ausflugsprogramme vor. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Auf den Schiffen werden Fahrten durch den Acadia National Park, Stadtrundgänge, Whale Watching Touren und Lighthouse Touren angeboten. Das alles hat seinen Preis. – Speziell in Bar Harbor können jedoch Ausflüge „auf eigene Faust“ mit deutlich geringerem finanziellen Aufwand zu den gleichen Zielen und mit vergleichbaren Inhalten unternommen werden.

Besuch des Acadia National Parks

Wir hatten uns vor Antritt der Reise bereits für den Besuch des Acadia National Parks entschieden. Der sich über 192 Quadratkilometer Fläche erstreckende Nationalpark ist ein „Muss“ beim Besuch der Insel. 122 Quadratkilometer des Parks liegen auf Mount Desert Island; der Rest erstreckt sich über das Seegebiet und die vorgelagerten Inseln.

Unterwegs im Acadia National Park

Unterwegs im Acadia National Park


Für Kreuzfahrt-Gäste ist der Zugang zum Nationalpark einfach zu bewerkstelligen. Im Ortskern Bar Harbors liegt eine kleine Parkanlage, das Village Green. Von dort starten die „Island Explorer Busse“ in den Park. Acht Busse befahren nach Fahrplan unterschiedliche Routen. Die Busse halten vielfach an Wanderwegen und Stränden. Auch die wenigen Hotels und Restaurants sowie Camping Plätze im Bereich des Nationalparks werden von den Fahrzeugen bedient.

Bar Harbor -  Island Explorer Bus

Bar Harbor - Island Explorer Bus


Wir empfehlen, ab Village Green den Bus der Linie 3 zu nehmen. Die obligatorische Eintrittskarte für den Park kaufen wir in einem verwunschen wirkenden Häuschen in Sichtweite der Haltestelle. Der Eintritt kostet gegenwärtig 15 US-Dollar. Der Ticketkauf berechtigt uns dazu, an sieben Tagen den weitläufigen Nationalpark zu betreten.

Acadia National Park Information

Acadia National Park Information


Der Ocean Trail

Wir verlassen den Bus am „Sand Beach“ und nutzen den ungefähr fünf Kilometer langen „Ocean Trail“ entlang der Küste. Markante Ziele unseres Weges sind die Felsklippen „Thunder Hole“ und „Otter Cliff“. Dort nehmen wir den Bus zurück in den Ort. Ein Umstieg auf eine andere Busroute wäre am Otter Cliff möglich gewesen. Für längere Rundfahrten durch den Park bietet sich eine Kombination der Linien 3, 4 und 5 an.

Acadia National Park  - Sand Beach
Acadia National Park - Klippenformation
Acadia National Park - Klippen Thunder Hole
Acadia National Park - Klippen bei  Thunder Hole

Bar Harbor wartet

Obwohl uns die Wanderung entlang der Küste bei bestem Wetter spektakuläre Blicke bietet, verlassen wir den Park, nachdem wir den Ocean Trail verlassen haben. Nun wollen wir uns noch in Bar Harbor umsehen.

Ladengeschäft im Zentrum von Bar Harbor

Ladengeschäft im Zentrum von Bar Harbor


Diese Kleinstadt ist wirklich sehenswert. Wie anders wäre es zu erklären, dass schwerreiche Familien wie die Astors und die Rockefellers hier ihre Feriensitze hatten. Entzückende Läden, exquisite Hotels und einladende Guesthouses prägen den Ort. Kleine, gut gepflegte und rund um das Zentrum gruppierte Parkanlagen lockern das Stadtbild auf. An Abwechslung fehlt es nicht. – In vielen Imbissen und Restaurants kennt die Karte nur eine Speise: den Maine-Hummer. Und es verblüfft uns ungemein, mit welcher Geschwindigkeit die Schalentiere vom Teller in die Mägen der Gäste gelangen.

Bar Harbor - Gebäude am Village Green
Bar Harbor - Main Street
Bar Harbor - Main Street
Bar Harbor - Main Street - Kunst am Bau

Uns fällt es nicht schwer, auf den Hummer-Genuss zu verzichten. Stattdessen gönnen wir uns im „Bar Harbor Beerworks“ ein großes, köstliches Bier. Auch vermeiden wir es, in einer der kleinen Parkanlagen eine Pause einzulegen. Wir ersparen uns auch die Fahrt mit einer Kutsche. Die Kutschfahrt beginnt und endet am Harbor Place. Die Fahrt ist sicherlich sehr angenehm. Die massigen Pferde kennen den Weg und der Kutscher erklärt derweil die Geschichte der Stadt.

Bar Harbor Beerworks


Bar Harbor Beerworks


Kutschfahrt durch Bar Harbor


Kutschfahrt durch Bar Harbor


Wir erkunden die Stadt nach allen Himmelsrichtungen. Verirren kann sich niemand in der Kleinstadt. Als besonders angenehm empfinden wir einen ansprechenden, etwa 800 Meter langen Weg. Er beginnt in Hafennähe am Agamont Park und führt am noblen Bar Harbor Inn Hotel vorbei an der Küste entlang. Wir empfehlen ebenfalls den Weg vom Hafen über die West Street in Richtung Eddi Brook. In dieser Straße finden wir noch Gebäude, die vor dem großen Stadtbrand gebaut wurden. Dem Brand in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts fielen fünf Hotels und mehr als 200 Häuser zum Opfer. Das erklärt, weshalb die meisten der Gebäude jüngeren Ursprungs sind.

Agamont Park


Agamont Park


Agamont Park


Agamont Park 


Alternative Erlebnisse

Als Alternative zu unserer Busfahrt und zum anschließenden Stadtrundgang hätten wir auch eine Fahrradtour machen können. Fahrräder gibt es zu mieten. Der Autoverkehr im Ort und im Nationalpark ist gut zu ertragen. Die überwiegend hoch motorisierten Fahrzeuge fahren überall mit angepasster Geschwindigkeit.

Ein schöner Zeitvertreib wäre es gewesen, eine der Whale Watching Touren, eine Bootstour zu den Leuchttürmen oder eine Fahrt mit einem Windjammer zu unternehmen. Was den Windjammer anbelangt: Im Staat Maine wird eine Flotte dieser historischen Schiffe unterhalten. Den Besuchern der Stadt hat es besonders ein imposanter 151 Fuß messender Viermast-Schoner, die Margaret Todd, angetan. Das Schiff fährt zweimal am Tag mit Gästen zwischen den Inseln der Frenchman Bay umher.

Bar Harbor - Whale Watching Schiff
Einer der Leuchttürme
Segelschoner Margaret Todd
Schoner Margaret Todd unter Segeln

Und auch das hätten wir noch tun können: Wir hätten bei Niedrigwasser zur Nachbarinsel Bar Island hinübergehen können. Im Normalfall nimmt man ein Boot, um die Insel zu erreichen. Bei Ebbe ist es jedoch möglich, zu Fuß oder mit dem Auto über den solide wirkenden Bar Island Trail zu der vorgelagerten Insel zu gelangen. Man startet am Hafen und geht die West Street entlang in Richtung Eddie Brook. Hinter dem einladenden Harborside Hotel, Ecke West Street/Bridge Street, an der dem Wasser zugewandten Seite, beginnt der circa 500 Meter lange Weg. Leider ist es uns wegen des Wasserstands nicht möglich, hinüber zur Insel zu wechseln. „Gangbar“ ist die Strecke erst, nachdem wir wieder unser Schiff erreicht haben.

Bar Harbor - Zugang zum Bar Island Trail


Bar Harbor - Zugang zum Bar Island Trail


Bar Harbor - Bar Island Trail bei Ebbe


Bar Harbor - Bar Island Trail bei Ebbe 


Rückblick – der Tag in Bar Harbor

Wir hatten bei der Planung und vor Antritt unserer Kreuzfahrt Bar Harbor als einen von vielen angenehmen, aber etwas langweiligen nordamerikanischen Küstenorten eingeschätzt. Wir sind glücklich, dass wir die kleine Hafenstadt und ihr wunderschönes Hinterland kennenlernen durften. Niemand sollte bei Schiffsreisen durch die Ostenglandstaaten zögern, in Bar Harbor von Bord zu gehen. Ein Tag in Bar Harbor ist kein verlorener Tag.

Update Januar 2023