Autor: Karl W. P. Beyer

Es war alles durchgeplant. Der Direktflug startete in Frankfurt, und in Bridgetown, der Hauptstadt von Barbados, würden wir für einen Tag ein Hotel beziehen, ein Auto mieten und am Folgetag an Bord der P&O Ventura gehen. Die würde erst am darauffolgenden Tag zu einer Atlantikquerung in Richtung Southampton starten. So weit, so gut. Leider kam es anders, als wir dachten. Wir verpassten unser Flugzeug, mussten auf Caribbean Airlines umbuchen, lernten auf diese Weise den Flughafen London Gatwick und danach den von Port of Spain auf Trinidad kennen, bevor wir am Folgetag spät abends an Bord unseres Schiffs gehen konnten.

Zwei geplante Aufenthaltstage auf Barbados schrumpften auf einen Tag zusammen. Der gebuchte Mietwagen und das Hotelzimmer verfielen. Der Strandaufenthalt am feinsandigen Strand der Carlisle Bay in Bridgetown entfiel ebenfalls. Und dabei wollten wir so viel Neues kennenlernen. Was also mit dem einen verbleibenden Tag auf der Antilleninsel anfangen?

Bei unserem letzten Aufenthalt im März 2010 in Bridgetown verzichteten wir bewusst auf eine Inselrundfahrt. Dieses Mal wollten wir trotz des verkürzten Aufenthalts das Land sehen. Wir entschieden uns für eine Fahrt mit einem Taxi entlang der Westküste hinauf zu den Highlands von Barbados. Mit Horace, unserem Fahrer, „the best taxi driver of the island“, hatten wir – wieder einmal - großes Glück. Er fuhr bedächtig und sicher, gab uns viele Informationen und ausreichend Zeit, die angesteuerten Ziele zu registrieren. Taxen und Minibusse finden Gäste von Kreuzfahrtschiffen neben dem Cruise Terminal von Bridgetown.

Barbados - Hafen von Bridgetown
Barbados - Hafen von Bridgetown

Der Westen Barbados grenzt an das Karibische Meer und dort liegen die Badestrände. Viele der Strände werden von Hotels und Strandresorts beansprucht. Sie sind unzugänglich für die Öffentlichkeit. In Fitts Village hielten wir an einem der öffentlichen Strandabschnitte. Das sieht dort recht hübsch aus. Wir kennen jedoch schönere karibische Strände und sind uns gewiss, dass die besseren Strände auf Barbados überwiegend im Bereich der Resorts liegen.

Barbados - Strand bei Fitts Village
Barbados - Strand bei Fitts Village

Auf Fitts Village folgt der Ort Holetown und bald darauf war mit der anglikanischen St. James Parish Church das nächste Ziel erreicht. Die Kirche wird als die älteste Kirche der Insel beschrieben. Eine exakte Zeitbestimmung scheint schwierig zu sein. Das Gründungsjahr der Gemeinde wird mit 1628 angegeben. Die Besiedlung der Insel begann drei Jahre zuvor im Jahr 1625. Die Gründerväter haben offenbar nicht gezögert, schnell einen Ort der Andacht einzurichten. Die heutige gotische Kirche wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Die Angaben dazu differieren ebenso wie der Umstand, weshalb ein Neubau nottat. Es dürfte am ehesten wohl ein Hurrikan gewesen sein, der die Vorgängerkirche zerstörte. Der Altarraum wurde erst im Jahr 1876 gebaut. Besonders auffällig sind die schönen Bleiglasfenster. Über dem Eingang steht die Inschrift „God Bless King William, 1696“. Ein Besuch der Kirche ist lohnenswert.

Barbados - St. James Parish ChurchBarbados - St. James Parish ChurchBarbados - St. James Parish Church - Altarraum

Nach St. James fuhren wir durch das Sugar Hill Resort. Mit dem weitläufigen, grünen und von Wasserflächen durchzogenen Gelände sahen wir einen standesgemäßen Rückzugsort der Reichen und Schönen. Unser Fahrer nannte dazu eine Reihe von Namen prominenter Anwohner. Im Gedächtnis geblieben ist uns jedoch kein einziger Name. Warum auch?

Barbados - Sugar Hill ResortBarbados - Sugar Hill Resort

Bei einer Inselrundfahrt sollte ein Blick von oben auf die Insel nicht fehlen. Den erhält man, wenn man vom Sugar Hill Resort in östlicher Richtung auf den Fischerort Bathsheba zuhält. Doch nicht dieser 5.000-Seelen-Gemeinde galt der Besuch. Vielmehr wurde eine der höchsten Erhebungen Barbados‘ angesteuert. Vorbei an einem gewaltigen Wasserreservoir und grasenden Kühen ging die Fahrt zu einem Aussichtspunkt nahe dem Highland Adventure Centre

Barbados - WasserreservoirBarbados - Grasende Kühe im HochlandBarbados - Hochland

Dort in etwa 300 Meter Höhe stehen ein massiver achteckiger Pavillon und mehrere Holzhütten. Es gibt zu trinken; farbenfrohe Kleidung, Mützen, Taschen warten auf Käufer und putzige schwarze, amselgroße Vögel hüpfen herum. Die Aussicht auf das am Atlantik liegende Bathsheba mit seinem bei Surfern beliebten Küstenabschnitt ist famos. Zwischen dem Aussichtspunkt liegen Reste des tropischen Regenwalds mit gigantischen Ficus- und Mahagoni-Bäumen sowie Palmettopalmen.

Barbados - Aussichtspunkt im HochlandBarbados - Putzige Gesellen im Hochland

Barbados - HochlandBarbados - Blick vom Hochland auf Bathsheba

Am Aussichtspunkt weisen Schilder den Weg zu den umliegenden Attraktionen. Es sind die Flower Forest Botanical Gardens, die Orchid World, Hunte’s Gardens und der Welchman Hall Gulley. Der war einstmals eine Höhle, deren Decke eingebrochen ist. Durch den Bruch entstand eine mehr als einen Kilometer lange Rinne. In der erlangt der Besucher einen Eindruck, wie es wohl vor 500 Jahren auf Barbados ausgesehen haben mag, bevor europäische Siedler das Land übernahmen. In dem vom Barbados National Trust gekauften Gully gedeihen mehr als 150 Pflanzenarten. Ein Weg erschließt dieses „Paradies“. Dort findet man auch Dutzende der freilebenden Green Monkeys, die von den Park-Rangern regelmäßig gefüttert werden. Die Affen wurden im frühen 17. Jahrhundert aus dem Senegal als „Haustiere“ nach Barbados eingeführt.

Barbados - Nahe liegende Attraktionen im Hochland
Barbados - Nahe liegende Attraktionen im Hochland

Etwa drei Stunden dauert eine Rundfahrt mit dem Taxi.

Barbados - Außenbezirk von BridgetownBarbados - Außenbezirk von Bridgetown

Bevor unser Schiff am späten Nachmittag Bridgetown verlässt, bleibt noch genug Zeit für einen Besuch des Zentrums von Bridgetown. Den erledigen wir zu Fuß. Der Weg ist in etwa 20 Minuten leicht zu bewältigen. Das erste Teilstück ist die neben dem Meer verlaufende Uferpromenade, an der Palmen, Hibisken, Frangipani und uns unbekannte Bäume Schatten spenden. Ein paar Hundert Meter führt der Weg dann am Fischereihafen vorbei. Das Gewerbeobjekt ist weniger schön anzusehen. Angenehmer wird es wieder an der Careenage, einem kleinen Hafenbecken, das vor allem von Sportbooten, Segelschiffen und Ausflugskatamaranen genutzt wird.

Barbados - Im Hafen von BridgetownBarbados - UferwegBarbados - Careenage

Wenn wir wollten, könnten wir über die im Jahr 1872 vollendete Chamberlain Bridge auf die andere Seite des Hafenbeckens gelangen und hinter dem Independence Arch nach wenigen Schritten den Brownes Beach erreichen. Anfangs ist der Strand nicht sonderlich prickelnd. Auf der Höhe von The Boatyard ist er jedoch feinsandig und angenehm. Es sieht dort so aus, wie wir die Karibik gemeinhin schätzen: Liegestühle, Sonnenschirme und kühle Getränke erleichtern den Aufenthalt am Strand.

Wir ersparen uns den Strandbesuch und sehen uns erneut den Unabhängigkeitsbogen mit dem in eine Marmorplatte gravierten Pledge an. Es ist das öffentlichen Treuegelöbnis der Bürger der noch jungen Nation an ihr Land. „I pledge allegiance to my country Barbados and to my flag … („Ich gelobe meinem Land und meiner Fahne gegenüber Treue …). So etwas stelle man sich einmal in unserer Berliner Hauptstadt vor!

Barbados - The Pledge
Barbados - The Pledge

Danach führt uns unser Weg vorbei an dem auf einem Marmorsockel aufgestellten Standbild des Nationalhelden Errol Walton Barrow, dem „Vater der Unabhängigkeit“, hinüber zu der aus Korallengestein erbauten Cathedral Church of Saint Michael and All Angels. Sie ist die größte anglikanische Kirche der Insel. Geweiht wurde das Gotteshaus im Jahr 1655. Im Jahr 1780 fiel es einem Hurrikan zum Opfer. Der Neubau war im Jahr 1789 abgeschlossen. Und im Jahr 1825 wurde Saint Michael’s zur Kathedrale von Barbados und denInseln Unter dem Wind erhoben. Wie viele Kirchen auf den karibischen Inseln wirkt die Kathedrale im Inneren luftig; etwas dunkel vielleicht. An beiden Seiten des Kirchenschiffs verlaufen Emporen. Die tonnenförmige Decke ist mit dunklem Holz ausgekleidet. Im etwas verwahrlosten Garten sehen Besucher alte Gräber.

Barbados - Kathedrale von Bridgetown - AußenansichtBarbados - Kathedrale von Bridgetown - Frangipani-Baum im Garten

Barbados - Innenansicht der Kathedrale Barbados - Innenansicht der Kathedrale

Und erneut staunen wir über das Gewimmel in der Swan Street und die vielen nützlichen und unnützen Dinge, die in den oftmals kleinen Läden verkauft werden. Wer mag, delektiert sich am Angebot der Duty Free-Geschäfte in der Broad Street. Namhafte Marken werden dort geboten und erneut fragen wir uns, wer all die Dinge auf dieser und den anderen Karibikinseln wohl kaufen mag.

Barbados - Swan Street in Bridgetown
Barbados - Swan Street in Bridgetown

Durch die Shepherd Street gehen wir hinüber zur Careenage und kurze Zeit später sehen wir den Fischmarkt und danach die schmale Anlage vor uns, die sich zwischen dem Meer und dem Princess Alice Highway in Richtung Kreuzfahrt-Hafen hinzieht. Wenig später gehen wir an Bord der P&O Ventura, die im Verlauf des späten Nachmittags Kurs auf Castries, St. Lucia nehmen wird. 

P&O Ventura in Bridgetown/Barbados
P&O Ventura in Bridgetown/Barbados