Autor: Karl W. P. Beyer

Barcelona, die zweitgrößte Stadt Spaniens, führt mit neun Nennungen die UNESCO- Welterbeliste des Landes uneinholbar an. Sieben der Welterbestätten Barcelonas betreffen allein das architektonische Werk Antoni Gaudís.

Gaudí ist ein herausragender Vertreter des Modernisme, der Ende des 19. Jahrhunderts begründeten katalanischen Form des Jugendstils. Von Mäzenen großzügig gefördert konnte sich der moderne Baustil ungezügelt entwickeln. Berühmte Architekten des Modernisme sind Lluis Domènech i Montaner (Palau de la Música Catalana) und Josep Puig i Cadafalch. Der bedeutendste, genialste und kreativste von allen war aber Antoni Gaudí. 

Jugendstilgebäude am Passeig de Gracia

Jugendstilgebäude am Passeig de Gracia


Sein Werk erschießt sich dem Betrachter nur durch intensives Hinschauen. Jedes seiner Werke beansprucht viel Zeit, und das ist etwas, worüber wir als Kreuzfahrt-Touristen nur eingeschränkt verfügen. Immerhin liegt unser Kreuzfahrtschiff Anfang Juni 2017 über Nacht in Barcelona. Wir nutzen die Zeit, um an einem Tag drei der exemplarischen Werke des Meisters zu besuchen, den Palau Güell, die Basilika Sagrada Familia  und den Parque Güell.

Vorweggesagt, Gaudís berühmtestes Werk ist die Basilika Sagrada Familia. Im Jahr 1883 übernahm der junge Architekt die Planung des Gotteshauses. Von 1912 an widmete er sich bis zu seinem Tod im Jahr 1926 ausschließlich der Sagrada Familia.

Sagrada Familia

Sagrada Familia


Parallel zur Sagrada Familia arbeitete Gaudí auch für den wohlhabenden Industriellen Eusebi Güell. Zwischen 1886 und 1889 entstand der phänomenale Palau Güell und zwischen 1900 und 1914 war Gaudí mit den Planungs- und Entwurfsarbeiten zum Parque Güell befasst. 

 

Palau Güell

Das hochherrschaftliche Stadthaus ist einer jener Bauten, mit denen sich Barcelonas wohlhabendes Großbürgertum in der Blütezeit der Stadt vom Adel abheben wollte. Der Bau ist der Inbegriff des Modernisme, und er war eines der ersten großen Werke Antoni Gaudís.

Errichtet wurde er in Barcelonas historischem Stadtzentrum auf 18 x 22 Metern Grundfläche. Das setzt voraus, dass auf derart begrenztem Raum die Nutzflächen, die Wohn- und die Repräsentationsräume besonders sinnvoll angeordnet werden mussten.

Der Zugang zum Haus liegt auf Straßenniveau. Dort befanden sich auch die Wagenhalle sowie weitere Nutzräume. Im über eine Rampe zugänglichen Untergeschoss waren die Pferdeställe und die Räume der Knechte untergebracht.

Palau Güell - Pferdestall im Untergeschoss

Palau Güell - Pferdestall im Untergeschoss


In das Hochparterre führte eine breite Treppe hinauf. Über eine weitere Treppe gelangten die Bewohner und deren Gäste in die Beletage. Die bestand aus zwei Salons, dem Esszimmer, dem Billardaal und anderem mehr. Das Zwischengeschoss darüber diente Musikern als Bühne. Danach folgte eine Etage mit den Schlafräumen der Familie und den Bädern. Darüber lagen die Dienstbotenräume und der Zugang zur Dachgeschoss. Bemerkenswert sind dort die eine Klimaanlage ersetzenden, kunstvoll gestalteten Abluftschächte.  Außerdem bietet die Terrasse einen schönen Blick über die Stadt.

Palau Güell - Aufgang zur Beletage Palau Güell - Holzdecke Palau Güell - Blick auf die Privaträume Palau Güell - Dachebene

 

Vier Jahre dauerten die Bauarbeiten. In dieser Zeit schuf Gaudí nicht nur einen 17 Meter hohen Salon für die Beletage, sondern er verwirklichte auch neue Konzepte für das Raumverständnis und die Einbeziehung des Lichtes in die Architektur. Auf unnachahmliche Weise wurden Materialien wie Glas, Holz, Keramik, Schmiedeeisen und Stein sowie geniale Handwerkskunst miteinander kombiniert. Das Haus ist zu Recht seit 1984 ein UNESCO Weltkulturerbe.

Carrer Nou de la Rambla

Carrer Nou de la Rambla


Adresse, Anfahrt und Eintrittspreise des Palau Güell:

  • Adresse: Carrer Nou de la Rambla

  • Anfahrt: Gäste von Kreuzfahrtschiffen fahren mit dem Shuttlebus von Barcelonas Kreuzfahrt-Terminal zum Terminal Drassanes. Von dort gehen sie am Marinemuseum und der Kolumbusstatue vorbei die Rambla hinauf und biegen links in die Nou de la Rambla ein. Das Bauwerk liegt auf der linken Straßenseite. 

  • Eintritt: Regulär 12 Euro; ermäßigte Karten für Senioren zu 9 Euro.

 

Sagrada Familia

Sagrada Familia - Fortwährende BaustelleDer Buchhändler José Maria Bocabella hatte die Zukunftsvision, in Barcelona eine der Sagrada Familia, der Heiligen Familie, gewidmete Kirche zu bauen. Als Vorsitzender der „Heiligen Bruderschaft“ setzte Señor Bocabella das Vorhaben  durch. Im Jahr 1882 wurde mit dem Bau der Krypta begonnen. Doch schon im Folgejahr wurde der Architekt ausgewechselt; die Planung des Bauvorhabens übernahm von da an Antoni Gaudí.

Die Kirche präsentiert sich derzeit zwar immer noch als Baustelle. Doch alles ist endlich: Aus aktueller Sicht soll die Sagrada Familia nach 144-jähriger Bauzeit im Jahr 2026, zum hundertsten Todestag Gaudís, vollendet werden.

Im November 2010 weihte Papst Benedikt XVI. das Gotteshaus und erhob es zur Basilica minor. Jährlich besuchen etwa drei Millionen Besucher die Kirche, deren Bau pro Jahr etwa 25 Millionen Euro verschlingt. Mit den relativ hohen Eintrittsgeldern (offiziell: Spenden) werden die Baumaßnahmen finanziert. Obwohl noch mehrere Türme einschließlich des geplanten mehr als 170 Meter hohen Vierungsturms fehlen, findet sich die Sagrada Familia bereits heute in der UNESCO Weltkulturerbe-Liste wieder.

Sagrada Familia - Türme Sagrada Familia - Detail der Fassade Sagrada Familia - Detail der Fassade Sagrada Familia - Ostfassade

 

Die Kirche wurde als fünfschiffige Basilika geplant. Ihre ausladenden Dimensionen und die üppige Ausgestaltung des Gotteshauses sind schier unglaublich. Die Fassade, die Türme und das Innere des Gotteshauses weisen zahlreiche Allegorien auf. Allein die Fassade ist bewundernswert. Noch unter Gaudís Leitung wurde die der Geburt Jesus‘ gewidmete östliche Fassade fertiggestellt. Bedeutsam sind ebenfalls die später hinzugekommene Passions- sowie die Glorienfassade.

Sagrada Familia - Glorienfassade Sagrada Familia - Fassadendetail Sagrada Familia - Detail der Westfassade Sagrada Familia - Bronzetür der Glorienfassade

 

Das Innere der Basilika wurde von Gaudí als Wald erdacht. Baumförmige Säulen winden sich auf Höhen von 15 Metern in den Chorräumen und 75 Metern in der Apsis empor. In der Höhe verzweigen sie sich, um die Last der Dachkonstruktion aufzunehmen.

Sagrada Familia - Kirchenschiff Sagrada Familia - Zauberhafte Lichtverhältnisse Sagrada Familia - Kirchenschiff - Details Sagrada Familia - Lichtspiele

 

Bemerkenswert sind die Lichtverhältnisse im Innenraum. Erstaunlich ist der in den Bau integrierte Kreuzgang. Gegen ein zusätzliches Entgelt gelangen Besucher auf einen der Türme. Im Kellergeschoss befindet sich das großräumige Basilika-Museum. Es enthält Zeichnungen, alte Fotografien, Materialien und die Werkstatt der Modell-Entwürfe. Dort wird noch heute nach Gaudís Methodik und Arbeitsweise verfahren.

Altarraum der Sagrada Familia

Altarraum der Sagrada Familia


Adresse und Eintrittspreise der Sagrada Familia:

  • Adresse: Carrer de Mallorca 401

  • Eintrittspreise: Die Preise variieren je nach Umfang der Besichtigungsinhalte. Im Vorverkauf werden im Jahr 2017 Preise für Erwachsene zwischen 15 und 35 Euro gefordert. Senioren zahlen weniger.

Es empfiehlt sich unbedingt, online ein Ticket zu einem festen Besuchstermin zu kaufen. Wartezeiten entfallen dabei fast völlig. Besucher ohne Festtermin müssen sich auf lange Wartezeiten an den Kartenschaltern einrichten.

 

Parque Güell

Der Industrielle Eusebi Güell (Palau Güell), Mäzen und Freund Gaudís, wollte an einem Bergrücken im Norden Barcelonas eine Gartenstadt mit 60 Villen errichten lassen. Er beauftragte Gaudí mit der Gesamtplanung. Leider fanden sich nicht genügend Käufer für das Vorhaben. Gaudí aber gelang mit einer wunderschönen Gartenanlage ein weiteres viel beachtetes Werk.

Etwa 90 Prozent des weitläufigen Parks können kostenlos besichtigt werden. Der „Kernbereich“, gemeint ist der Eingang mit dem Drachen, einer geschwungenen Parkbank und der Markthalle erfordern Eintritt. Das eigentliche Problem ist, dass der Zutritt auf maximal 400 Besucher pro halbe Stunde beschränkt ist. Das kann zeitlich zu Engpässen führen. 

Eingang zum Parque Güell Brücke im Parque Güell Parque Güell Parque Güell

 

Bei unserem Besuch im Juni 2017 beschränken wir uns nur auf den allgemein zugänglichen Teil und werden dennoch nicht enttäuscht. Es versteht sich, dass auch der Parque Güell zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Adresse, Anfahrt und Eintrittspreise des Parque Güell:

  • Adresse: Haupteingang Carrer de Larrard

  • Anfahrt: Wir empfehlen, für die kurze Strecke zwischen der Sagrada Familia und dem Parque Güell ein Taxi zu nehmen.
    Zurück zur Plaça Catalunya fahren wir allerdings mit dem Bus. Der hält unterhalb des Parks an der Carretera del Carmel No. 18.

  • Eintrittspreise: Regulär 7 Euro; ermäßigt 4,90 Euro (Online-Preise).

 

Casa Batlló und die Casa Milà

Für zwei weitere am Passeig de Gràcia gelegene berühmte Gaudí-Bauten reicht an diesem Tag die Zeit leider nicht mehr. Wir werden die Casa Batlló und die Casa Milà, beide sind ebenfalls UNESCO Weltkulturerbestätten, an einem anderen Tag besuchen. Das allein ist Grund genug, erneut nach Barcelona zu reisen .

Casa Batlló - Detail der Fassade Casa Batlló Casa Batlló Casa Milà

 

 

August 2017