Autor: Karl W. P. Beyer

Belfast - City Hall

Im Jahr 1977 trällerte die Popgruppe Boney M. ein Belfast betiteltes Liedchen. Zwar will sich dem Verfasser dieser Zeilen trotz eifriger Textexegese die Botschaft des Popsongs noch immer nicht so recht erschließen, aber hübsch klang der Ohrwurm schon.

Weniger hübsch ging es zwischen 1969 und dem Ende der 1970er Jahre im Nordosten der „grünen“ Insel zu. Katholische und protestantische Milizen lieferten sich in diesem Randbezirk des Vereinigten Königreichs erbitterte Kämpfe. Der Nordirlandkonflikt hielt ganze Stadtbezirke Belfasts in Atem. Erst das Karfreitagsabkommen des Jahres 1998 beendete diese unerträgliche Situation.

Inzwischen ist die Lage entspannt. Die Stadt ist zur Ruhe gekommen. Die Zeit heilte dem Anschein nach die Wunden. Offiziell wird verschleiernd nur noch von den „troubles“ gesprochen, wenn die Rede auf die damaligen Unruhen kommt. Belfast ist ohne Zweifel eine Reise wert. Dem Gast präsentiert sich Nordirlands Hauptstadt als weltoffene und sichere Stadt. Das überzeugt die Besucher; im Jahr 2012 verzeichnete die Statistik der Stadt immerhin 7,59 Millionen Gäste.

Belfast - Castle Street

Was sollte der Fremde über Belfast wissen? - Die Stadt liegt an der Mündung des Lagan River in die Bucht von Belfast. Annähernd 280.000 der 1,82 Millionen Einwohner Nordirlands leben in der modernen Großstadt. Dabei fing vormals alles sehr klein an. In der Region errichteten Normannen im Jahre 1177 eine Burg. Eine „Royal Charter“ verlieh 1613 Belfast den Status einer Stadt. In der Folge expandierte die Stadt sprunghaft. Um ein Gegengewicht zu den katholischen Iren zu schaffen, förderte die britische Krone die Ansiedlung ihr gewogener, zuverlässiger schottischer Presbyterianer in der Region.

Die Herstellung von Leinenstoffen ließ die Stadt im 17. und 18. Jahrhundert Bedeutung erlangen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war Belfast weithin bekannt für seine Werften, Seilereien, sein Ingenieurwesen und seine Tabak- und Textilindustrie. Das musste gewürdigt werden. Königin Victoria verlieh Belfast im Jahr 1888 die Stadtrechte.

Belfast - Belfast Grand Opera House

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Werftindustrie in eine tiefe Rezession. Von ehemals bis zu 30.000 Arbeitsplätzen sind nur noch wenige Hundert Stellen geblieben. Stattdessen prosperierten andere Bereiche. Traditionell ist Belfast ein Verwaltungszentrum. Die Regierung und das Parlament Nordirlands haben dort ihren Sitz. Seit 1810 besitzt die Stadt auch eine Universität. An der Queen’s University Belfast sind 25.000 Studenten eingeschrieben. Die Bischöfe der katholischen und der anglikanischen Kirche haben ihre Amtssitze in Belfast. Zudem ist die Stadt ist ein wichtiger Seehafen und Medienstandort.

belfast city hall park

Mit dem Image der Stadt ist auch der Name der RMS Titanic verbunden. Das Luxusschiff wurde auf der Belfaster Traditionswerft Harland and Wolff gebaut. Von Belfast lief sie zur Jungfernfahrt aus. In deren Verlauf kollidierte sie auf der Nordatlantikroute mit einem Eisberg und sank innerhalb kurzer Zeit. Dabei verloren 1.514 Menschen ihr Leben. Seit dem Jahr 2012 erinnert in Hafennähe ein spektakuläres für 100 Millionen Pfund errichtetes Ausstellungs- und Tagungszentrum an das verhängnisvolle Geschehen im Atlantik.

Belfast - Titanic Museum