Autor: Karl W. P. Beyer

Es besteht keine absolute Klarheit, wem der Ruhm gebührt, Bonaire entdeckt zu haben. Historiker gehen davon aus, dass entweder der Spanier Alonso de Ojeda oder der Florentiner Amerigo Vespucci als erste Europäer den Boden der Insel betraten.

Beide standen in spanischen Diensten, und für Spaniens Krone nahmen sie im Jahr 1499 die drei ABC-Inseln in Besitz. Die Abkürzung „ABC“ steht für Aruba, Bonaire und Curaçao. Da die Eroberer auf den Inseln weder Bodenschätze noch andere Reichtümer fanden und sich diese zudem auch nicht für die Landwirtschaft zu eignen schienen, erhielten sie den Namen „Islas Inútiles“, was so viel wie „nutzlose Inseln“ bedeutet.

Pittoreske Landschaft im Norden von Bonaire

Pittoreske Landschaft im Norden von Bonaire


Bonaire, mit 288 Quadratkilometern die zweitgrößte der ABC-Inseln, ist vulkanischen Ursprungs. Die Oberfläche ist mit Kalkstein bedeckt. Geographen ordnen Bonaire den Kleinen Antillen und somit Südamerika zu. Das macht Sinn, denn Bonaire und Venezuela trennen gerade einmal 100 Kilometer.

Bonaire - Leguan auf Kalksteiniformation

Bonaire - Leguan auf Kalksteiniformation


Wegen seiner natürlichen Salinen war Bonaire dennoch nicht so nutzlos, wie es den Entdeckern ursprünglich schien. Aus niederländischer Sicht eignete sich das auf Bonaire geerntete Meersalz gut für die Konservierung von Lebensmitteln und auch für die Keramik- und Glasproduktion. Folglich übernahmen die Niederlande im Jahr 1636 die Insel. Die Spanische Krone scheint das wenig gestört zu haben, da Bonaire offenbar immer noch als „nutzlos“ galt. Später, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, wurde Bonaire für eine Übergangszeit von Großbritannien annektiert. Mit dem Abschluss des „Pariser Friedens“, fiel die Insel wieder an die Niederlande.

Bonaire - In Salinen gewonnenes Salz

Bonaire - In Salinen gewonnenes Salz


Seit dem 10. Oktober 2010 ist Bonaire eine Besondere Gemeinde der Niederlande. Staatsoberhaupt ist König Willem-Alexander. Vertreten wird er vor Ort durch einen Gouverneur.

Besucher nehmen die Insel als zweigeteilt wahr. Der nördliche Teil der Inselfläche erscheint ihnen grün und hügelig. Dieser Landstrich weist eine artenreiche Fauna und Flora auf. Dagegen wird die flache Südhälfte eher als Kakteenwüste empfunden. Im Süden liegen auch die natürlichen Salzpfannen, aus denen die ertragreichen Salinen entwickelt wurden.

Bonaire - 1000-Steps-Dive-Site

Bonaire - 1000-Steps-Dive-Site


Die Länge Bonaires wurde mit 39 Kilometern ermittelt und die Breite variiert zwischen 4 bis 11 Kilometern. Die weniger als 10.000 Einwohner zählende Kleinstadt Kralendijk fungiert als Inselhauptstadt. Sie wird jährlich von etwa 170 Kreuzfahrtschiffen angelaufen. - Stadtstatus hat auch das im Norden gelegene Rincon. Die Kleinstadt war die erste Stadtgründung auf Bonaire und ursprünglich auch die Inselhauptstadt. Die Zahl aller Inseleinwohner wird mit ungefähr 18.000 Menschen angegeben.

Bonaire - Die Uferzeile von Kralendijk Bonaire- Blick auf Rincon

Ausschlaggebend für die regionale Wirtschaft sind der Tourismus und die Salzgewinnung. Bonaire besitzt einen internationalen Flughafen. Außerdem ist die Insel ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Mit 80 ausgewiesenen Tauchplätzen zählt Bonaire weltweit zu den zehn schönsten Tauchgebieten.

Bonaire - Schnorchlerin im Tauchrevier

Bonaire - Schnorchlerin im Tauchrevier


In Zusammenhang mit der Einrichtung des Bonaire Marine Park im Jahr 1971 wurden strenge Regeln zum Schutz der Unterwasserwelt erlassen. Ein weiteres Schutzgebiet ist der im Nordwesten der Insel eingerichtete Washington Slagbaai Nationaal Parkmit dem Gotomeer. Der National Park schützt etwa 20 Prozent der Inselfläche.

Bonaire - Das Gotomeer im National Park

Bonaire - Das Gotomeer im National Park


Ein Kuriosum: Obwohl Bonaire zum Königreich der Niederlande gehört, ist seit dem 1. Januar 2011 der US-Dollar das offizielle Zahlungsmittel der Insel.

Mit Kreuzfahrtschiffen kommen im Saisonverlauf etwa 300.000 Gäste auf die Insel. Was sie dort zu sehen bekommen, beschreiben wir unter Ein Tag auf Bonaire.

Etwa 550 Meilen südöstlich von Miami/Florida liegen im Atlantischen Ozean die Inseln der Turks und Caicos. Gemeinsam mit Anguilla, den British Virgin Islands, den Cayman Inseln und Montserrat werden die beiden Inselgruppen den British West Indies zugeordnet.

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