Ein Tag auf Bonaire


Am 18. November 2016 läuft die MS Koningsdam den Hafen von Kralendijk auf Bonaire an. Das Schiff gleitet an der Insel Klein Bonaire vorbei und legt an der Pier der Inselhauptstadt an. Wir wissen, dass uns auf Bonaire, der mittleren der drei ABC-Inseln, weder überwältigende Landschaften, bewundernswerte Stadtzentren oder gotische Kathedralen erwarten. Im Übrigen fehlt Bonaire das, was eine Stadt gemeinhin ausmacht. Es fehlen Verkehrsampeln!

Bonaire - Kralendijk

Bonaire - Kralendijk


Es war im Jahr 1499 als die im Auftrag der spanischen Krone agierenden Entdecker Alonso de Ojeda und Amerigo Vespucci die sogenannten ABC-Inseln Aruba, Bonaire und Curacao entdeckten, und sie sogleich als „nutzlose Inseln“ abtaten. Denn sie fanden weder Gold, Edelsteine noch sonstige wertvolle Gegenstände, mit der man der „Krone“ hätte eine Freude bereiten können. Zur Zeit ihrer Entdeckung taugte die Insel nicht einmal zur Landwirtschaft.

Bonaire taugt nicht zur Landwirtschaft

Bonaire taugt nicht zur Landwirtschaft


Vom Schiff aus gesehen wirkt Kralendijk überschaubar und aufgeräumt. Wir sehen den internationalen Flughafen und auch die Salinen im südlichen Teil der Insel. Nach den zuvor angelaufenen Destinationen Half Moon Cay auf den Bahamas und Grand Turk verfügt Bonaire über eine teilweise besiedelte Hügellandschaft. Im Nordwesten der Insel ragen im Bereich des National Parks Washington-Slagbaai sogar ansehnliche Erhebungen auf.

Bonaire - Kralendijk mit der Kirche San Bernardo Bonaire - Kralendijk - Häuser neben der Pier Bonaire - Hügel im National Park Washington-Slagbaai

Ganz anders verhält es sich mit Klein Bonaire. Die etwa 6 Quadratkilometer große Insel vor Kralendijk ist flach wie ein Teller. Sie ragt nur wenige Meter über den Meeresspiegel hinaus. Bei Tauchern ist Klein Bonaire ein beliebtes Gebiet. Schließlich liegt die kleine Insel im streng geschützten Bonaire National Marine Park.

Bonaire - Klein Bonaire

Bonaire - Klein Bonaire


Für Bonaire haben wir keine der von der Reederei angebotenen, organisierten Reisen gebucht. Stattdessen unternehmen wir eine Inselrundfahrt mit einem Taxi. Dazu kombinieren wir eine durch den Norden der Insel führende Tour mit der südlichen Runde. Das kostet uns 50 Dollar pro Person; die Fahrpreise auf Bonaire sind per Dekret festgelegt. Die Dauer der erweiterten Rundfahrt wird allgemein mit vier Stunden angegeben, und ein Taxi ist schnell gefunden. Uns begleiten ein kanadisches Paar und dessen Vater. Aythel, unser Taxifahrer, erweist sich als kundiger und engagierter Fahrer und Inselführer. Wieder einmal haben wir es auf unseren Reisen gut getroffen.

Bonaire - Festgelegte Taxipreise Bonaire - Unser Taxi

Die Fahrt führt zuerst auf die Höhen des außerhalb Kralendijks gelegenen Ortes Santa Barbara. Von dort oben überblicken wir einen großen Teil der Insel. Die kaum bebaute Landschaft ist mit Buschwerk und imponierend hohen Kakteenpflanzen bestanden. Sie ist die Heimat der Leguane und der wilden Esel. 

Bonaire - Blick auf Kralendijk Bonaire - Landschaft bei Karpata Bonaire - Wilde Esel

Aythel lässt uns an den 1000 Steps aussteigen. Die 1000 Steps sind eine der bekanntesten Tauchgebiete der Insel. Es führen nur 67 Treppenstufen hinab zum Strand. - Taucher sollen diese Höhendistanz wie 1000 Stufen empfinden, wenn sie nach ihren Tauchgängen mit vollständiger Ausrüstung vom Strand zurückkommen. - Und wie bestellt schwimmen im Wasser ein paar Schnorchler, und Gerätetaucher machen sich auf einem Tauchboot bereit. Bewundert werden sie von uns und einigen Leguanen und Eidechsen, die auf den Klippen neben den zum Strand führenden Stufen leben.

Bonaire - Die 1000 Steps Bonaire - Gerätetaucher vor dem Tauchgang Bonaire - Heimstatt der Leguane

Der Küstenabschnitt ist außerordentlich zerklüftet und ausgehöhlt. Das Land ist karg, aber Säulenkakteen scheint der Boden gut zu bekommen. In größerer Distanz sehen wir ein riesiges Tanklager. Dazu erklärt unser Fahrer, dass dort venezolanisches Öl gelagert wird, das zuvor mit kleinen Tankschiffen transportiert wurde und nun darauf wartet, in Großtanker umgeladen zu werden. Betreiber des Lagers ist die BOPEC, ein Unternehmen in venezolanischem Besitz.

Bonaire - Öde Landschaft im Norden

Bonaire - Öde Landschaft im Norden


Das nächste Mal halten wir oberhalb des am Rande des National Parks Washington-Slagbaai liegenden Goto Meers. Es ist ein flacher Binnensee mit zerklüfteten Ufern und kleinen Inseln, in dessen Mitte sich viele Flamingos aufhalten. Diese wunderbaren Vögel müssen wir nach Meinung unseres Fahrers unbedingt sehen.

Bonaire - Goto Meer Bonaire - Das Goto Meer - Paradies der Flamingos

Der nächste Halt erfolgt in Rincon. Es ist kaum vorstellbar, dass der heute 2.000 oder 3.000 Einwohner zählende Ort ursprünglich die Hauptstadt Bonaires war. Zentraler Anlaufpunkt des Ortes ist die Kirche. Außerdem gibt es einen Polizeiposten und eine Feuerwehrstation mit der holländischen Bezeichnung Brandweer.

Bonaire - San Ludovico, katholische Kirche in Rincon Bonaire - San Ludovico - Kirchenschiff Bonaire - Fahrzeug der Brandweer

Ein weiteres unerlässliches Ziel der Insel ist das Magazina di Rei, das „königliche Lagerhaus“. Es heißt, das aus dem Jahr 1824 stammende Gebäude sei das zweitälteste Bauwerk der Insel. Im Magazin versorgten sich die in den Salinen arbeitenden und lebenden Sklaven mit den notwendigen Gegenständen des täglichen Lebens. - Die Sklaven arbeiteten im Süden der Insel. An Freitag-Nachmittagen durften sie zu ihren in Rincon lebenden Familien zurückkehren und sich in dem Magazin versorgen, bevor sie sich am Sonntag wieder auf den siebenstündigen Rückweg machten.

Bonaire - Magazina di Rei Bonaire - Magazina di Rei

Unser Fahrer lässt es sich nicht nehmen, uns sein Haus an der Tras Montaña zu zeigen. Auf der kargen Höhe hat sich Aythel ein kleines Paradies geschaffen. Dort lebt er mit Frau und Kind, Hund und Hühnern. An einer Längsseite ersetzt eine Kaktushecke den Zaun. Es ist schon erstaunlich, wozu Säulenkakteen nützen.

Bonaire - Säulenkakteen als Zaunersatz

Bonaire - Säulenkakteen als Zaunersatz


Nahebei liegt der Aussichtspunkt Seru Largu. In Papiamentu, der auf Aruba, Bonaire und Curacao gesprochenen Kreolsprache, heißt das in etwa „Großer Berg“. Von der Anhöhe blicken wir auf Kralendijk und die Insel Klein Bonaire hinunter. Ein Monument mit der in Papiamentu verfassten Inschrift Kristu Ayera Awe Semper bezeichnet den Aussichtspunkt. Die Worte bedeuten „Christus, gestern, heute und für immer“.

Bonaire - Seru Largu

Aythel steuert das Taxi zurück nach Kralendijk. Das Land wird wieder flacher, die Straße rückt näher an das Meer heran. Wir befinden uns nun auf südlichem Kurs. Ziel dieser Fahrt sind die im Süden der Insel gelegenen riesigen Salinen und Salzberge und die Verladeeinrichtungen zur Übergabe des Salzes auf die Frachtschiffe.

Bonaire - Bucht südlich von Kralendijk Bonaire - Die Salzwerke Bonaire - Meersalz en gros

Zu den Sehenswürdigkeiten der Insel zählen auch solche, die Besucher betroffen machen. Gemeint sind die 1850 während der Sklaverei errichteten Slave Huts. Die unvorstellbar engen Hütten dienten jeweils mehreren Salinen-Sklaven innerhalb der Arbeitswoche als Unterkunft und Schlafmöglichkeit.

Bonaire - Slave Huts Bonaire - Slave Hut

Südlich der Lagunen liegt das Pekel- oder Salz Meer. Im Pekelmeer Flamingo Sanctuary leben und brüten mehr als 10.000 Flamingos. Es ist strikt verboten, das Schutzgebiet zu betreten; allerdings können die Vögel mit Ferngläsern von der Straße beobachtet werden. Neben den Flamingos leben in dem Schutzgebiet auch Fischadler, Fregattvögel, Kormorane und Reiher.

Bonaire - Flamingos im Pekelmeer Bonaire - Fregattvogel

Nach unserer vierstündigen Rundreise durch die 288 km² große Insel erkunden wir Kralendijk zu Fuß. Vom Schiffsanleger führt eine gepflegte, gepflasterte Uferpromenade zum Stadtzentrum. Rechts neben der Promenade sehen wir die Stände von freien Tour-Anbietern. Es folgt der im Fort Oranje untergebrachte Hof van Justitie. Die Einrichtung dient der Rechtsprechung auf den karibischen, niederländischen Besitzungen, den ABC Inseln, Sint Maarten, Saba und Sint Eustatius. An die gepflegte Anlage grenzt der Wilhelminaplein. Er ist alles in einem: Besucherzentrum, Versammlungsort und Marktplatz.

Bonaire - Seepromenade in Kralendijk Bonaire - Fort Orajne

Bonaire - Kralendijk - Hof van Justitie Bonaire - Kralendijk - Wilhelminaplein

Die für Touristen ausschlaggebende Zone verläuft in Ufernähe. Hier finden wir Bars, Cafés, Restaurants und Läden. Das Leben der Einwohner spielt sich in der dem Meer abgewandten Seite der Stadt ab. Dort liegen die Kirchen, der Sportplatz und die Supermärkte.

Bonaire - Kralendijk - Kaya Isla Riba Bonaire - Kralendijk - Häuserzeile im Zentrum Bonaire - Kralendijk - Cappuccino Bar

Bonaire - Kralendijk - Speisekarte eines Restaurants Bonaire - Kralendijk - Restaurant Zeezicht Bonaire - Kralendijk - Sandwich Bar

Die Geschichte der Insel wird vom Terramar Museum im Stadtzentrum präsentiert. Es ist zugleich ein historisches und archäologisches Museum, das seine Besucher in die 7.000jährige Geschichte der Insel und des karibischen Raums einführt. Ausstellungsstücke sind Steine, Muscheln, Werkzeuge, Keramiken unterschiedlicher Epochen.Bonaire - TERRAMAR Museum

Bonaire - TERRAMAR Museum


Fazit:

Bonaire ist nicht allein für Tauchsportler ein lohnenswertes Ziel. Die im Norden und Süden so unterschiedliche Landschaft, Fauna und Flora machen Bonaire zu einer sehenswerten Destination für Kreuzfahrer. Die Kreuzfahrtsaison dauert von November bis April.