Im Verlauf einer im kanadischen Québec beginnenden und in Fort Lauderdale endenden Kreuzfahrt legt unser Kreuzfahrtschiff, die MS Zuiderdam, einen Zwischenstopp im Hafen von Cape Canaveral ein. Port Canaveral ist der weltweit zweitgrößte Kreuzfahrthafen. Die Stadt liegt an der Atlantikküste, auf halbem Weg zwischen Jacksonville und Miami.
Das Kennedy Space Center – die Top-Sehenswürdigkeit der Region
Cape Canaveral ist ein wenig bedeutender Küstenort mit annähernd 10.000 Einwohnern (Schätzung Juli 2022). Die Stadtfläche misst 5.755 Quadratkilometer; statistisch gesehen leben nicht einmal zwei Einwohner auf einem Quadratkilometer. Unter normalen Umständen wäre Cape Canaveral nur Eingeweihten ein Begriff. Und dennoch ist Cape Canaveral weltberühmt: Die Stadt ist nämlich der Ausgangspunkt für Besuche zum nahe gelegenen Kennedy Space Center. Pro Jahr zieht der 28 Hektar große Ausstellungskomplex 1,7 Millionen Interessierte an. Im laufenden Jahr zählen auch wir zum Heer der Besucher.
An unserem Kreuzfahrtterminal stehen komfortable Reisebusse für den Transport zum Raumfahrtzentrum bereit. Die Fahrtzeit dauert wenig mehr als eine halbe Stunde. Ungefähr 15 Minuten Wartezeit nimmt die gründliche Einlasskontrolle in Anspruch. Informationstafeln entnehmen wir, dass Schusswaffen, Munition oder Messer und andere gefährliche Gegenstände auf dem Gelände verboten sind. Wer hätte gedacht, dass es notwendig ist, darauf hinzuweisen?
Im Jahr 2023 kosten die Tagestickets für Erwachsene 75 US-Dollar.
Die Anlage ist von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.
Wissenswertes zum Kennedy Space Center
Das Kennedy Space Center gehört der NASA, der US-amerikanischen Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft. Offiziell ging das Kennedy Space Center am 1. August 1967 an den Start. Seitdem erfuhr es als Folge der fortschreitenden Ansprüche an die Raumfahrt vielfältige Erweiterungen und Verbesserungen. Ausgestellt werden Raketen und Raumfahrzeuge, Erinnerungsstücke sowie umfangreiche Dokumentationen. Es gibt zwei IMAX-Theater und themenbezogene Shows. Wer mag, chattet (gegen Entgelt) mit Astronauten oder unternimmt unterschiedliche Bustouren auf dem ausgedehnten Gelände.
Das Kennedy Space Center ist nicht für flüchtige Besuche geeignet. Die Masse der ausgestellten Objekte und das parallel dazu gebotene Edutainment erfordern nach unserer Einschätzung mehrtägige Aufenthalte.
Tagesbesucher – wir halten uns annähernd sechs Stunden auf dem Gelände auf – sind gezwungen, aus den vielen Attraktionen jene auszuwählen, die den persönlichen Interessen entsprechen. In unserem Fall heißt das, wir orientieren uns an den sogenannten „Mission Zones“, die sich jeweils einem bestimmten Thema durch entsprechende Ausstellungsstücke oder Touren widmen.
Für das leibliche Wohl, zumeist Fast Food, ist gesorgt. Über den gesamten Ausstellungskomplex sind insgesamt acht Imbissstände und Schnellrestaurants verstreut. Das gilt auch für die drei Andenken-Shops; immerhin möchte man durch ein Mitbringsel für sich oder Dritte noch lange an diesen einmaligen Ort erinnert werden.

Kennedy Space Center - der Name ist Programm
The U.S. Astronaut Hall of Fame
Um zu verstehen, was einen Astronauten ausmacht, sollte man die von Boeing betreute Ruhmeshalle der Astronauten besuchen. Bedeutende Ausstellungsstücke sind die dort aufbewahrten Objekte, wie eine Redstone Rocket-Rakete, die Sigma 7-Kapsel sowie die Gemini 9-Kapsel. In der Hall of Fame wird außerdem der 24 Astronauten und Testpiloten gedacht, die bei Raum- und Testflügen ihr Leben verloren.
Kennedy Space Center - Ruhmeshalle der Astronauten
Der „Spaceport of the Future“, er veranstaltet vier unterschiedliche imaginäre Touren durch den Weltraum, kommt für uns wegen der knappen, für den Center-Besuch reservierten Zeitspanne nicht infrage. Für die simulierten Reisen wurden folgende Namen gewählt: Red Planet (der rote Planet), Daring Explorers (kühne Entdecker), Cosmic Wonders (kosmische Wunder) und Uncharted Worlds (unbekannte Welten).
Rocket Garden
Neben der U.S. Astronaut Hall of Fame liegt die Ausstellungsfläche historischer Raketen. Alle Flugkörper, ausgenommen der Nachbau einer Mercury-Atlas-Rakete, beförderten Astronauten und Satelliten ins Weltall. Die Raketen stehen aufrecht nebeneinander. Lediglich die Saturn IB, als größtes Geschoss, wird in liegender Position gezeigt. Im Rocket Garden werden zudem Attrappen von Raumkapseln der Mercury-, Gemini- und Apollo-Programme gezeigt. Die Kapseln dürfen von innen besichtigt werden, und täglich werden drei geführte Touren im Garten der Raketen angeboten.
Apollo/Saturn V Center
Knapp zehn Kilometer außerhalb des Ausstellungsgeländes liegt im Nordwesten des Raketen-Startplatzes 39 das Apollo/Saturn V Center. Bereit stehende Shuttle-Busse verbinden das Kennedy Space Center mit dem Apollo/Saturn V Center.
Kennedy Space Center - Startplatz der Shuttle-Busse
Besuchern wird wegen des stetigen Besucherandrangs empfohlen, frühzeitig einen der Busse zu nehmen. Das tun wir, und wir bereuen diese Entscheidung nicht.
Die Busse verkehren zwischen 9:30 und 14:30 Uhr.
Die 9.300 Quadratmeter große Halle wurde errichtet, um eine restaurierte, liegende Saturn V-Rakete auszustellen. Sie war das größte jemals gestartete Geschoss. Zur Geltung kommen ebenfalls das Apollo 14-Kommandomodul Kitty Hawk, Raumanzüge und vieles andere mehr. Die Saturn V-Rakete beförderte Astronauten zum Mond. In zwei Kinos erleben Besucher den Start der Apollo 8 sowie die Mondlandung der Apollo 11.
Vor der Halle zieht ein Monument der Apollo-11-Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins die Aufmerksamkeit auf sich. Die Figurengruppe steht im Moon Tree Garden. Was es mit dem „Mond-Baum-Garten“ auf sich hat? Zwölf Bäume repräsentieren zwölf Apollo-Missionen. Die Samen der Bäume unternahmen, bevor sie gepflanzt wurden, eine Reise zum Mond.
Space Shuttle Atlantis
Zurück im Kennedy Space Center: Die Atlantis-Mission Zone berichtet über das Shuttle-Programm der NASA. Space Shuttles starteten über einen Zeitraum von 30 Jahren huckepack auf Raketen und landeten nach Abschluss ihrer Mission wie Gleitflugzeuge auf der Shuttle-Landeeinrichtung des Weltraumbahnhofs.
Vor der Halle ragen in Originalgröße zwei Raketen und ein riesiger, orangefarbener Treibstofftank in die Luft.
In der Halle sehen die Besucher über ihren Köpfen das Atlantis Space Shuttle in Seitenlage mit offener Frachttür und mit ausgefahrenem Lade-Arm. Die Art der Darstellung beflügelt die Illusion, dass das Space Shuttle soeben von der International Space Station (ISS) abgelegte.
Das gezeigte Shuttle ist einer von drei von der NASA eingesetzten Raumgleitern. Mehr als 60 interaktive Objekte nehmen neben dem Space Shuttle Bezug auf die Geschichte und die Technologie des Shuttle Programms.
NASA Now
Im Gateway-Pavillon erfahren Besucher mehr über die Gegenwart und die Zukunft der Raumfahrt. Sie sehen die momentan genutzten Raumfahrzeuge und erahnen die visionären Vorstellungen der NASA und der ihr verbundenen kommerziellen Partner zu den zukünftigen tief ins All reichenden Weltraummissionen.
Kennedy Space Center - der Gateway-Komplex
Ausgestellt ist u. a. die von Lockheed Martin entwickelte Orion EFT-1 Kapsel. Sie wurde erstmals 2014 eingesetzt. In den zukünftigen Artemis-Missionen der NASA – sie haben erneut den Mond zum Ziel – kommt dieser Kapsel eine bedeutende Rolle zu.
Kennedy Space Center - Standort der Orion EFT-1 Kapsel
Die Firma SPACEX, Elon Musk lässt grüßen, ist mit der Cargo Dragon COTS-2 und dem Spacex Falcon 9 Booster vertreten.
Ein weiteres spektakuläres Ausstellungstück ist der Sierra Space Dream Chaser. Das mehrfach nutzbare Raumschiff wird zukünftig die ISS mit Fracht versorgen. Wenn alles läuft wie geplant, wird der Dream Chaser, wie zuvor das Space Shuttle, wieder auf irdischen Landebahnen aufsetzen. Das im Flugmodus gezeigte Modell ist maßstabsgerecht dargestellt.
Kennedy Space Center - Sierra Space Dream Chaser
Die Attrappe der Boeing CST-100 Starliner-Kapsel wurde für Testzwecke entwickelt. Der CST-100 Starliner wird zukünftig vier oder fünf Astronauten und Fracht ins All befördern.
Boeing entwickelte für ihre Starliner-Kapsel auch die Raumanzüge der Astronauten. Ein solches, knapp 10 Kilo schweres Outfit, gilt es zu bewundern.
Das James Webb Solar Telescope sucht und erforscht mit seinen Infrarot-Fertigkeiten die ersten nach dem „Big Bang“ entstandenen Galaxien. Das Teleskop ist ein Gemeinschaftswerk der NASA, der kanadischen und der europäischen Weltraumbehörde.
Kennedy Space Center - James Webb Solar Telescope
Eine letzte Attraktion
Das Mars Rover Vehicle Navigator ist das letzte uns verbleibende Objekt des Kennedy Space Centers, bevor wir den Rückweg zu unserem Bus und zum Kreuzfahrtschiff antreten. Der mit sechs Rädern ausgestattete Mars Rover ist der Prototyp eines Fahrzeugs der nächsten Generation. Das für Weltraumexperimente ungewöhnlich große, fahrende Laboratorium wurde für die Fortbewegung in unwegsamem Mars-Gelände, wie Dünen, Felsen oder Kratern entwickelt.
Kennedy Space Center – Resümee
In mehr als zehn Jahren Kreuzfahrt-Praxis war es uns zum ersten Mal vergönnt, Port Canaveral als Kreuzfahrtziel kennenzulernen. Der Hafen rankt als Kreuzfahrt-Destination weltweit nach Miami an zweiter Stelle. Das ist einerseits erstaunlich; aus unserer Sicht liegen Cape Canaveral und sein Hafen irgendwo in Floridas Niemandsland. Andererseits hat sich Port Canaveral einen Namen für Reisen auf die Bahamas und in die karibischen Regionen erworben. Viele Amerikaner nutzen den Hafen als Ausgangspunkt für mehrtägige Kreuzfahrten.
Cape Canaveral - Port Canaveral Exploration Tower
Wir entdeckten Port Canaveral als Zwischenziel einer von Québec nach Miami führenden Kreuzfahrt. Als Ausflugsziel hätten wir uns neben dem Kennedy Space Center auch für die 85 Kilometer entfernte Großstadt Orlando mit den vielen Themenparks entscheiden können. Für uns steht nach dem Besuch des Weltraumbahnhofs fest, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben. Die Chance, nochmals nach Cape Canaveral zu gelangen, steht für uns in den Sternen. Und selbst wenn es möglich wäre, würden wir nicht zögern, das Kennedy Space Center nochmals zu besuchen. Was wir als einmaliges Erlebnis empfinden, darf auch zum zweiten Mal angesehen werden.
Bliebe noch die Frage zu klären, wie erreichen Interessenten den Weltraumbahnhof? Als gut aufgestellte Individualisten bevorzugen und empfehlen wir im Allgemeinen selbst organisierte Touren. Was das Kennedy Space Center anbelangt, raten wir zu den angebotenen organisierten Ausflügen der Kreuzfahrtschiffe. Die Holland America Line belastet Erwachsenen für derartige Touren das Bordkonto mit 130 Euro im Jahr 2023. – Taxen schließen wir aus praktischen Erwägungen gänzlich aus. Das gilt ebenfalls für Mietwagen. Die Büros der Autovermieter liegen außerhalb des großräumigen Hafengebiets und sind über Shuttle-Dienste der Vermieter zu erreichen. Das führt zwangsläufig zu Zeitverzögerungen und spricht gegen die Anmietung von Fahrzeugen.
Oktober 2023













