Autor: Karl W. P. Beyer

Cartagena ist eine schöne Stadt. Damit meine ich die von Mauern umgebene Altstadt, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehört. Das gesamte Ensemble ist stimmig: Die Häuser und Plätze sind liebevoll restauriert, immer wieder sieht man in tropisch bewachsene, schattige Innenhöfe, und die Aussicht von den Festungsmauern ist beeindruckend. Dazu kommen die freundlichen Menschen, die sauberen Straßen und ein starkes Gefühl der Sicherheit. Die Polizei ist sehr dezent überall präsent. Cartagena ist Touristenmagnet und Devisenbringer und soll das auch bleiben.

Cartagena - Grundsolide Festungsmauern

Wir erreichen Cartagena morgens um 9.30 Uhr. Es ist bemerkenswert, wie schnell dieses doch sehr große Kreuzfahrt-Schiff die Anlagemanöver absolviert und die Freigabe durch die Behörden erreicht, nicht nur heute. Schon um 10.00 Uhr verlassen wir das Schiff. Es ist heiß, über 30°, leicht diesig. Die hohe Luftfeuchtigkeit wird durch den Wind etwas gemildert.

Kreuzfahrt-Schiffe docken im Containerhafen, daher müssen wir 300 m – 400 m bis zum Hafenausgang und Kreuzfahrt-Terminal gehen. Die Anlagen dort sind sehr hübsch gestaltet mit hohen Bäumen und Wasserflächen, auf abgeteilten Freiflächen gibt es Flamingos und Papageien. Alles ist ordentlich und sauber. Am Taxistand herrscht schon großer Andrang. Die Preise für Fahrten sind an einer Tafel angezeigt: 10 US$ bis zur Altstadt, 20 US$ für eine Stunde.

Die Fahrt zur Altstadt dauert etwa 15 Minuten. Nach einigen Minuten Wartezeit haben wir den heute inoffiziell verlangten Fahrpreis zur Altstadt von 20 US$ – Angebot und Nachfrage! - auf 15 US$ herunter gehandelt und noch einen Mitfahrer gefunden. Alles wäre sehr einfach, wenn Touristen etwas disziplinierter in Bezug auf Preise wären.

Cartagena - Empfangskomitee

Wir starten unseren Altstadt-Rundgang an der Puerta de Reloj (Uhrenturm), die Einlass durch die mächtige Stadtmauer gewährt, und erreichen die Plaza de los Coches, auf der früher Sklaven verkauft wurden. Gegenüber und rechts der Mauer befinden sich Häuser, teilweise mit Arkaden, unter denen Händler ihre Waren anbieten. Links geht es weiter zur Plaza de la Aduana mit dem Kolumbusdenkmal. Auch hier sind alle Häuser ringsum wunderschön restauriert, der Platz selbst wird gerade erneuert und ist teilweise gesperrt. Weiter geht es in Richtung Iglesia de San Pedro Claver, zu der auch ein Kloster und ein Museum gehören. Auf dem Platz vor der Kirche und dem Museum stehen in lockerer Folge Metallskulpturen, die vor allem frühere Bewohner Cartagenas darstellen. Da gibt es die Näherin, den Bergarbeiter, den Friseur und die Dominospieler. Es gibt Bänke zum Ausruhen; überall in Cartagena sollte man sich Zeit nehmen nur zum Schauen und Staunen.

Cartagena - Puerta de Reloj Cartagena - Der Uhrenturm Cartagena - Plaza de los Coches und Heredia DenkmalCartagena - Laubengänge an der PlazaCartagena - Plaza de la AduanaCartagena - Iglesia de San Pedro ClaverCartagena - Plaza de San Pedro ClaverCartagena - Plaza de Bolivar

Vor der Kirche halten wir uns rechts und gehen weiter zur Plaza de Bolivar, dem zentralen Platz der Altstadt. Der Platz ist eigentlich ein kleiner Park mit Schatten spendenden Bäumen, vielen Bänken und natürlich vielen Straßenhändlern. Die gibt es überall in Cartagena, es werden Hüte, Uhren, Schnitzereien, T-Shirts, Früchte, Getränke etc. angeboten. Ein freundliches „no thank you“ reicht, dann wird man nicht weiter bedrängt. Während unseres Stadtrundgangs sehen wir nur zwei Bettler; in Cartagena wird gearbeitet, nicht gebettelt. Das muss man bedenken, wenn der 20. oder auch 40. Straßenhändler seine Ware anpreist.

Rund um die Plaza de Bolivar liegen die Kathedrale, das Museo del Oro und der Inquisitionspalast mit dem prächtigen Eingangstor. Wir besichtigen die Kathedrale, müssen dafür 5US$ Eintritt zahlen und erhalten eine sehr gute Audiopräsentation, allerdings in Englisch. Für spanische Ursprünge ist die Kathedrale sehr schlicht. Es ist ruhig hier, nur wenige Touristen sind anscheinend bereit, für die Besichtigung einer Kirche Geld auszugeben. Auch in anderen Städten, die wir besucht haben, ist mir das aufgefallen.

Cartagena - Seitenschiff der KathedraleCartagena - Portal des InquisitionspalastsCartagena - Teilansicht des Inquisitionspalasts

Weiter geht es in Richtung Stadtmauer. Kurz vor der Bastion de Cartagena machen wir eine Rast in der Café-Bar Teatrino. Das Haus ist 400 Jahre alt und besteht aus verschiedenen Gebäudeteilen, die durch Gänge und Innenhöfe verbunden sind. Wir müssen uns alles ansehen, die Inhaber sind – zu Recht – sehr stolz auf dieses schöne Objekt. Alles ist sehr liebevoll restauriert mit hohen Balkendecken, alten Fliesen und Kunstobjekten. Abends gibt es hier Life-Musik. Das muss ein Erlebnis sein.

Cartagena - Santiagobollwerk und die NeuzeitCartagena - Cafe und Bar TeatrinoCartagena - Innenhof des Teatrino

Wir marschieren auf der Festungsmauer bis zum Heredia-Theater und von dort weiter zur Klosterkirche Santo Domingo. Auch der Platz vor der Kirche, die Plaza Santo Domingo, ist ein Kleinod. Etliche Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein.

Cartagena - Universitätsgebäude und Heredia TheaterCartagena - Plaza und Klosterkirche Santo Domingo

Unser Altstadt-„Programm“ haben wir erledigt. Jetzt schlendern wir durch die Straßen, gehen in die Höfe und lassen Cartagena wirken. Ich hatte vor der Reise genug über diese Stadt gelesen und wusste in groben Zügen, was mich hier erwartet. Cartagena hat die Erwartungen übertroffen.

Bevor wir die Altstadt durch die Puerta de Reloj wieder verlassen, stoppen wir noch im Eco-Bistro des 4*Hotels Urban Royal del Reloj. Man trinkt und tafelt hier umweltbewusst, auch in Kolumbien durchaus an der Tagesordnung. Das Lokal ist supermodern eingerichtet, durch bis zum Boden reichende Fenster kann man das Leben auf der Plaza de los Coches beobachten.

Cartagena - Arkaden an der Plaza de los CochesCartagena - Hotel Urban Royal

Das Taxi zurück zum Schiff kostet 10 US$, Angebot und Nachfrage sind wieder auf normalem Stand. Eigentlich wollten wir noch zum Castillo San Felipe, von dem aus man einen besonders guten Blick über Cartagena haben soll, aber die Hitze ist inzwischen schwer zu ertragen. Es ist zudem immer noch diesig, so dass auch die Sicht auf die Stadt eingeschränkt ist.

Cartagena - Castillo San Felipe

Fazit: Superschön, sauber, nette Menschen, zu Recht von den Kreuzfahrt-Gesellschaften als Highlight in Zentralamerika gepriesen. Ich weiß nicht, ob ich noch einmal nach Cartagena kommen werde, aber ich werde mich sicher nicht dagegen wehren.

(Anne P.)