Rom mit der Bahn entdecken


Blickfang in CivitavecchiaAm 14. Mai 2013 läuft die Celebrity Silhouette den Hafen von Civitavecchia an. Von dort aus starten die Exkursionen nach Rom. Wir kennen die Stadt hinreichend; keiner der angebotenen, geführten (und teuren) Ausflüge kommt für uns infrage. Am nahe gelegenen Bahnhof steigen wir in die Regionalbahn der Linie 5 nach Rom. Siehe dazu Mit der Bahn von Civitavecchia nach Rom fahren. Der Zug verlässt den Bahnhof kurz vor 8:00 Uhr mit nur fünf Minuten Verspätung. Kein schlechtes Omen für den Tag.

Roma Stazione OstienseEtwa eine Stunde später verlassen wir den Zug am Bahnhof Roma Ostiense und wenden uns nach links, um die paar hundert Meter zur Metrostation Piramide Cestia zu gehen. Dort nehmen wir die Metrolinie B (Fahrtrichtung Roma Termini). Fahrkarten ziehen wir am Automaten. Zwei Stationen später steigen wir an der Haltestelle Colosseo aus.

Nicht einmal eine Viertelstunde dauert das alles, bis wir uns in eine der Warteschlangen vor dem Kolosseum einreihen. Wir haben nicht online vorgebucht, da wir nicht wussten, wann wir ankommen, außerdem wollten wir uns den Buchungsaufschlag ersparen. Das Glück ist uns hold, schon 30 Minuten später sind wir im Besitz unserer Tickets und dürfen das riesige historische Bauwerk betreten. Da es vom Verfall bedroht ist, wird es z. Zt. gründlich saniert. Die Arbeiten sollen 915 Tage dauern. Die Modemarke Tod’s unterstützt die Aktion großzügig.

Amphitheatrum Flavium

Amphitheatrum Flavium


Mit dem Bau des Amphitheatrum Flavium wurde 73 n. Chr. begonnen. Im Jahr 80 soll es teilweise fertiggestellt gewesen sein. Das damals größte Amphitheater der Welt bot 50.000 bis 60.000 Menschen Platz. Es ist historisch belegt, dass zu Beginn noch Naumachien, antike Seeschlachten, in der Arena nachgestellt wurden. Die zweistöckigen Katakomben wurden wohl erst später eingebaut. Sie sind gut zu erkennen. Die Untergeschosse enthielten Kerker, Tierkäfige und Räume für die technischen Einrichtungen (Hebezeug, Rampen, Vorrichtungen für Gegengewichte, Aufzüge). Wie das alles zusammenwirkte, ist heute nur schwer vorstellbar.

Kolosseum vom Forum Romanum gesehen Katakomben des Kolosseums Katakomben - Anderer Blickwinkel Galerie des Kolosseums Nordfassade des Kolosseums Details des Kolosseums

Den besseren Überblick über die Arena gewinnen wir auf der Galerie. Von oben offenbaren sich erst recht die einmaligen Dimensionen des Kolosseums. Im nördlichen Bereich des Bauwerks ist die ehemalige viergeschossige, 49 m hohe Fassade noch teilweise erhalten. Von oben sind der Palatin, der Konstantinsbogen und das Forum Romanum gut zu betrachten.

Rom - Der Palatinhügel Konstantinsbogen Rom - Forum Romanum

Bei Verlassen des Kolosseums stehen inzwischen Hunderte Menschen an den Kassen an. Das dürfte dauern. Wir machen uns auf dem Weg zum Forum Romanum. Dabei passieren wir den aus weißem Marmor errichteten Konstantinsbogen. Der mit drei Durchgängen gestaltete Triumphbogen soll an den Sieg Kaiser Konstantins über Maxentius bei der Milvischen Brücke erinnern. Der Bogen wurde im Jahr 312 errichtet. Seine Höhe beträgt 21 Meter.

Details des Konstantinbogens

Details des Konstantinbogens


Wir gehen die Via di San Gregorio hinauf. Nach vielleicht 200 Metern öffnet sich der Seiteneingang zum Forum Romanum. Wer nicht im Besitz der kombinierten Karte für das Kolosseum, den Palatin und das Forum Romanum ist, kann dort ein Ticket kaufen. Warteschlangen gibt es keine.

Was eigentlich war das Forum Romanum? Es war der Mittelpunkt des römischen Lebens. Ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. wurde das ursprünglich sumpfige Gebiet in die Stadt einbezogen. Zur Blüte des Römischen Kaiserreichs entstanden auf dem Gelände viele Tempelbauten und weltliche Bauwerke.

Forum Romanum   - Denkmal des Vittorio Emanuele II

Forum Romanum   - Denkmal des Vittorio Emanuele II


Nach Roms Blütezeit verkam die ganze Pracht. Einerseits beschädigten mehrere Erdbeben die altertümliche Bausubstanz. Andererseits wurden die edlen Baumaterialien bis zur Zeit der Renaissance für andere Bauvorhaben verwendet. Der Petersdom sowie Villen und Allerweltsbauten zogen einen unvorstellbaren Materialschwund nach sich. Es bedarf großer Fantasie, sich die ursprüngliche Struktur des imposanten Areals vorzustellen.

Wir bewegen uns in Richtung des weiter westlich gelegenen Kapitols. Sehenswert ist der gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. zu Ehren des Kaisers Titus errichtete Titusbogen. Der wurde ihm zum Andenken an seinen Sieg über die Aufständischen in Judäa und die Eroberung Jerusalems geweiht.

Titusbogen - Details

Titusbogen - Details


Weiter rechts erhebt sich das erhaltene Seitenschiff der Maxentiusbasillika. Der antike Hallenbau wurde um 310 n. Chr. begonnen und auf einer Fläche von 70 mal 100 Metern errichtet. Das Hauptschiff des Gebäudes dürfte circa 35 m hoch gewesen sein. Es wird angenommen, dass sich die Baumeister anstelle einer Balkendecke eines Kreuzgewölbes bedienten. Mit der Bezeichnung „Basilika“ wurden in der Antike Versammlungshallen und Gerichtsgebäude bezeichnet.

Seitenschiff der Maxentiusbasilika

Seitenschiff der Maxentiusbasilika


Wir sehen den Tempio di Romolo, den Tempel des Romulus. Der Überlieferung nach ließ ihn Kaiser Maxentius zum Angedenken an seinen Sohn Romulus errichten, der im Jahr 309 zu Tode kam. Auch andere Deutungen werden zu seiner Entstehung geboten. - Das Gebäude ist achteckig angelegt. Die dominierende Bronzetür ist original erhalten. Im 6. Jahrhundert wurde der Tempel zum Vestibül einer Kirche umgestaltet. Dann, im Jahr 1947, erhielt der Tempel seine ursprüngliche Form zurück.

Tempel des Romulus

Tempel des Romulus


Linkerhand erhebt sich der Palatin, einer der sieben Hügel Roms. Besiedelt wurde er ab dem 10. Jahrhundert v. Chr. Im Altertum war er der bevorzugte Standort für Tempelanlagen, die Villen reicher Römer und der Aristokraten sowie die Wohnsitze der Kaiser.

Markant ist die auf Kaiser Tiberius zurückgehende Palastanlage Domus Tiberiana. Die über dem Forum Romanum aufragenden Arkaden ließ Kaiser Hadrian bauen. Es ist wenig über das Bauwerk bekannt, da es im Jahr 80 n. Chr. durch einen Brand zerstört wurde. Kaiser Domitian ließ die Palastanlagen als Bestandteil eines neuen Prachtbaus zu einem späteren Zeitpunkt wieder errichten. Bei der Anlage der Farnesischen Gärten in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Komplex endgültig umgestaltet.

Domus Tiberiana Domus Tiberiana Domus Tiberiana

Es folgt das Atrium Vestae, der Wohnsitz der Priesterinnen der Vesta. Sie waren die Hüterinnen des heiligen Feuers. Ihnen durfte es in der zweigeschossigen Villa an nichts fehlen.

Atrium Vestae Atrium Vestae

Vor uns liegen in einiger Entfernung die Reste des Saturntempels. Er wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. unterhalb des Kapitolhügels erbaut. Er war Saturnus gewidmet, dem Gott des Ackerbaus. In einem Vorraum des Tempels wurden der römische Staatsschatz, die Gesetzestafeln und die Senatsbeschlüsse aufbewahrt.

Säulen des Saturntempel

Säulen des Saturntempel


Weiter rechts steht die Curia. Sie war der Versammlungsort der stimmberechtigten römischen Volksvertreter.

Die Curia

Die Curia


Die genannten Bauwerke sind nicht die einzigen Überreste auf dem Forum Romanum; wohl aber die bekanntesten Objekte. Wir verlassen das Forum Romanum hinter dem Bogen des Settimio Severo.

Castor und Pollux Tempel Antonius und Faustina Tempel Arco di Settimio Severo

Die außerhalb der antiken Zone gelegenen Kaiserforen ersparen wir uns. Stattdessen steigen wir hinauf zum Kapitol. Dort sind der von Michelangelo entworfene Kapitolsplatz, der Senatorenpalast (das römische Rathaus), der Konservatorenpalast und der Palazzo Nuovo bemerkenswert. Das Zentrum des Platzes nimmt eine Reiterstatue des römischen Kaisers Mark Aurel ein. An der vom Kapitol hinabführenden Freitreppe stehen die beeindruckenden Skulpturen der Rossebändiger Castor und Pollux.

Kapitolsplatz Senatorenpalast Konservatorenpalast mit der Mark Aurel Statue Palazzo Nuovo Pollux der Rossbändiger

Nationaldenkmal des Vittorio Emanuele IIVon fern sehen wir die Kirche dei Santi Luca e Martina. Ganz nah vor uns und alles überragend steht das 70 m hohe und 135 m breite Nationaldenkmal des Vittorio Emanuele II., der Altare della Patria.

Wir verlassen den prachtvollen Kapitolsplatz und steigen hinunter zur Via del Teatro di Marcello und gehen bis zum Tempel des Apollon Sosiano. Wenig später queren wir mittels der Ponte Fabricio den Tiber. Auf der schmalen Tiberinsel Tiberina liegt die Kirche San Bartolome all’Isola. Papst Johannes Paul II. weihte die Kirche im Jahr 2002 den neuen Märtyrern des 20. Jahrhundert.

Tempel des Apollon Sosiano Ponte Fabricio und Isola Tiberina San Bartolomeo all Isola

Der TiberNoch eine Tiberbrücke, die Ponte Cestio, und wir befinden uns im Stadtteil Trastevere, dem volkstümlichsten Stadtteil Roms. Wir starten an der Piazza della Gensola. Alte Wohnhäuser, enge Gassen, Bars und Restaurants und kleine Läden kennzeichnen den Stadtteil. Als typisch für das Viertel empfinden wir die Via dei Salumi.

 

Roms Statteil Trastevere Via dei Salumi

Wir sehen die Piazza dei Mercanti sowie die Kirche und das Kloster Benedettine S. Cecilia. Kurz danach gehen wir am Ufer des Tiber entlang. Die stark befahrene Straße heißt Porto di Ripa Grande. Wer sich vom Lärm gestört fühlt, wechselt hinunter ans Ufer. Wir nutzen die Uferpromenade. Der Tiber wird an der Ponte Sublicio gequert.

Kloster und Kirche Benedettine S. Cecilia

Kloster und Kirche Benedettine S. Cecilia


Von der Tiberbrücke kommend gehen wir nur noch die Via Marmorata entlang bis zur Metro Station Piramide. Die Straße zieht sich ein wenig. Wie heißt es noch so schön? „Der Weg ist das Ziel“. Von der Isola Tiberina bis zur Metro Piramide laufen wir insgesamt drei Kilometer.

Via Marmorata mit dem Aventinhügel

Via Marmorata mit dem Aventinhügel


Neben der Metrostation Piramide steht die Porta San Paolo. Der treffendere Name lautete Porta Ostiensis. Das aus mächtigen Doppeltürmen und einem Verbindungsteil bestehende Bauwerk war das südliche Tor der im 3. Jahrhundert entstandenen Aurelischen Mauer. Es lag am Anfang der Via Ostiense, die Rom mit Ostias Hafen verband.

Porta San Paolo

Porta San Paolo


Pyramide des Caius Cestius - VerhülltGegenüber der Porta San Paolo steht tatsächlich eine Pyramide. Sie wurde in den Jahren zwischen 18 bis 12 v. Chr. als Grabmal des Caius Cestius erbaut. Mehrere Inschriften erklären das Bauwerk. Eine der Inschriften besagt, dass es nur 330 Tage Bauzeit bedurfte, um es zu erstellen.

Das wäre eine außerordentlich gute Leistung für damalige Zeiten. Schließlich misst das quadratische Bauwerk 29,50 Meter Seitenlänge und 36,40 Meter in der Höhe. Die Pyramide kann besichtigt werden, wenn sie nicht gerade – wie in unserem Fall – renoviert wird. Enttäuschend! Durch einen zehn Meter langen, mit Ziegeln verblendeten Gang gelangt der Besucher ins Innere des Bauwerks und zur Grabkammer. Deren Maße betragen 5,85 mal 4 Meter.

Von der Pyramide gehen wir in fünf Minuten hinüber zum Bahnhof Roma Ostiense. Einer der regelmäßig verkehrenden Züge der Regionalbahnlinie Civitavecchia/Grosseto bringt uns zurück nach Civitavecchia. Ein schöner und informativer Ausflug geht zu Ende. Vor dem Hafenbereich wartet der kostenlose Shuttlebus, der die eintreffenden Individualtouristen zurück zum Schiff bringt.