Rom mit der Bahn entdecken

Rom mit der Bahn entdecken


Die Celebrity Silhouette läuft an einem schönen Tag im Mai den Hafen von Civitavecchia an. Von dort starten die organisierten Ausflüge nach Rom. Wir kennen die Stadt hinreichend; keiner der angebotenen, geführten (und teuren) Ausflüge kommt für uns infrage. Wir nehmen wie bei vorherigen Besuchen die Regionalbahn. Am Bahnhof von Civitavecchia steigen wir in die Regionalbahn der Linie 5 nach Rom. Siehe dazu Mit der Bahn von Civitavecchia nach Rom fahren. Der Zug verlässt den Bahnhof kurz vor 8:00 Uhr mit nur fünf Minuten Verspätung. Kein schlechtes Omen für den Tag.

Civitavecchia - Bahnhof


Civitavecchia - Bahnhof


Rom - Stazione Ostiense


Rom - Stazione Ostiense 


Unser erstes Ziel: Das Kolosseum

Etwa eine Stunde später steigen wir am Bahnhof Roma Ostiense aus. Von dort gehen wir ungefähr vierhundert Meter zur Metrostation Piramide Cestia. Wir nehmen die Metrolinie B (Fahrtrichtung Roma Termini). Fahrkarten ziehen wir am Automaten. Zwei Stationen später steigen wir an der Haltestelle Colosseo aus.

Nicht einmal eine Viertelstunde dauert das alles, bis wir uns in eine der Warteschlangen vor dem Kolosseum einreihen. Wir haben nicht online vorgebucht, da wir nicht wussten, wann wir ankommen, außerdem wollten wir uns den Buchungsaufschlag ersparen. Das kostet Zeit, doch 30 Minuten später sind wir im Besitz unserer Tickets und dürfen das riesige historische Bauwerk betreten.

Roms Kolosseum

Roms Kolosseum


Mit dem Bau des „Amphitheatrum Flavium“ wurde im Jahr 73 nach Christus begonnen. Die Geschichtsschreibung berichtet, dass es schon sieben Jahre später in Teilen fertiggestellt war. Das damals größte Amphitheater der Welt bot 50.000 bis 60.000 Menschen Platz. Es ist historisch belegt, dass zu Beginn noch „Naumachien“, tödliche, antike Seeschlachten, in der mit Wasser gefluteten Arena nachgestellt wurden. Die zweistöckigen Katakomben wurden wohl erst später eingebaut. Sie sind gut zu erkennen. Die Untergeschosse enthielten Kerker, Tierkäfige und Räume für die technischen Einrichtungen (Hebezeug, Rampen, Vorrichtungen für Gegengewichte, Aufzüge). Wie das alles zusammenwirkte, ist heute nur schwer vorstellbar.

Kolosseum und Katakomben
Die Galerie des Kolosseums
Die Nordfassade des Kolosseums
Details des Kolosseums

Den besseren Überblick über die Arena gewinnen wir auf der Galerie. Von oben offenbaren sich erst recht die einmaligen Dimensionen des Kolosseums. Im nördlichen Bereich des Bauwerks ist die ehemalige viergeschossige, 49 m hohe Fassade noch teilweise erhalten. Von oben sind der Palatin, der Konstantinsbogen und das Forum Romanum gut zu betrachten.

Unser nächstes Ziel: das Forum Romanum

Als wir das Kolosseum verlassen stehen Hunderte Menschen an den Kassen an. Die Wartezeit hat sich vervielfacht. Wir schlagen den Weg zum Forum Romanum ein.

Unterwegs auf dem Forum Romanum

Unterwegs auf dem Forum Romanum


Zuerst passieren wir den aus weißem Marmor errichteten „Konstantinsbogen“. Der mit drei Durchgängen gestaltete Triumphbogen ist dem Sieg Kaiser Konstantins über seinen Rivalen Maxentius gewidmet. Die Entscheidungsschlacht fand bei der über den Tiber führenden Milvischen Brücke statt. Der Bogen wurde im Jahr 315 eröffnet. Seine Höhe beträgt 21 Meter.

Konstantinsbogen


Konstantinsbogen


Konstantinsbogen - Details


Konstantinsbogen - Details 


Wir gehen die Via di San Gregorio hinauf. Nach geschätzt 200 Metern öffnet sich der Seiteneingang zum Forum Romanum. Wer nicht im Besitz der kombinierten Karte für das Kolosseum, den Palatin und das Forum Romanum ist, kauft dort ein Ticket. Warteschlangen gibt es keine.

Was eigentlich war das „Forum Romanum“? Nach heutiger Lesart war es der Mittelpunkt des römischen Lebens. Vom 7. Jahrhundert vor Christus an wurde das ursprünglich sumpfige Gebiet in die Stadt einbezogen. Zur Blüte des Römischen Kaiserreichs entstanden auf dem Gelände viele Tempelbauten und weltliche Bauwerke.

Nach Roms Blütezeit verkam die ganze Pracht. Mehrere Erdbeben beschädigten die Bausubstanz, und wertvolle Baumaterialien wurden bis zur Zeit der Renaissance für andere Bauvorhaben genutzt. Der Petersdom sowie Villen und sonstige Bauten führten zu einen unvorstellbaren Materialschwund. Es bedarf großer Fantasie, sich die ursprüngliche Struktur des weitläufigen Areals vorzustellen.

Wir gehen in Richtung des weiter westlich gelegenen Kapitols. Sehenswert ist der gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus zu Ehren des Kaisers Titus errichtete „Titusbogen“. Der wurde ihm zum Andenken an seinen Sieg über die Aufständischen in Judäa und die Eroberung Jerusalems geweiht.

Kapitolshügel


Kapitolshügel


Titusbogen - Details


Titusbogen - Details 


Weiter rechts erhebt sich am Rande des Forum Romanum das erhaltene Seitenschiff der „Maxentiusbasilika“. Der antike Hallenbau wurde um 310 nach Christus begonnen und auf einer Fläche von 70 mal 100 Metern errichtet. Es wird davon ausgegangen, dass das Hauptschiff des Gebäudes 35 Meter hoch war. Es wird ferner angenommen, dass die Baumeister anstelle einer Balkendecke ein Kreuzgewölbe errichteten. Mit der Bezeichnung Basilika wurden in der Antike Versammlungshallen und Gerichtsgebäude bezeichnet.

Forum Romanum - Seitenschiff der Maxentiusbasilika

Forum Romanum - Seitenschiff der Maxentiusbasilika


Wir sehen den „Tempio di Romolo“, den Tempel des Romulus. Der Überlieferung nach ließ ihn Kaiser Maxentius zum Angedenken an seinen Sohn Romulus errichten, der im Jahr 309 nach Christus zu Tode kam. Es gibt jedoch auch andere Deutungen zu seiner Entstehung. –

Das Gebäude ist achteckig angelegt. Die dominierende Bronzetür ist im Original erhalten. Im 6. Jahrhundert nach Christus wurde der Tempel zur Vorhalle einer Kirche umgestaltet. Erst im Jahr 1947 erhielt der Tempel seine ursprüngliche Form zurück.

Tempel des Romulus

Tempel des Romulus


Auf unserem Weg ragt linkerhand der „Palatin“ auf; einer der sieben Hügel Roms. Besiedelt wurde er ab dem 10. Jahrhundert vor Christus. Im Altertum war er der bevorzugte Standort für Tempelanlagen, die Villen reicher Römer und der Aristokraten sowie die Wohnsitze der römischen Kaiser.

Der Palatinhügel

Der Palatinhügel


Markant ist die auf Kaiser Tiberius zurückgehende Palastanlage „Domus Tiberiana“ auf dem Palatin. Die über dem Forum Romanum aufragenden Arkaden entstanden auf Befehl des Kaisers Hadrian. Über das Bauwerk ist wenig bekannt. Es fiel im Jahr 80 nach Christus einem Brand zum Opfer. Kaiser Domitian ließ die Palastanlagen als Teil eines neuen Prachtbaus zu einem späteren Zeitpunkt neu errichten. Bei der Anlage der „Farnesischen Gärten“ auf dem Palatin in der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Komplex endgültig umgestaltet.

Domus Tiberiana


Domus Tiberiana


Domus Tiberiana


Domus Tiberiana 


Auf unserem Weg passieren wir das „Atrium Vestae“, den Wohnsitz der Priesterinnen der Vesta. Sie waren die Hüterinnen des heiligen Feuers. Ihnen fehlte es in der zweigeschossigen Villa an nichts.

Atrium Vestae


Atrium Vestae


Atrium Vestae


Atrium Vestae 


Vor uns liegen in einiger Entfernung die Reste des „Saturntempels“. Er wurde im 6. Jahrhundert vor Christus unterhalb des Kapitolhügels erbaut. Er war Saturnus gewidmet, dem Gott des Ackerbaus. In einem Vorraum des Tempels wurden der römische Staatsschatz, die Gesetzestafeln und die Senatsbeschlüsse aufbewahrt.

Die Säulen des Saturntempels

 

Die Säulen des Saturntempels


Weiter rechts steht die „Curia“. Sie war der Versammlungsort der stimmberechtigten römischen Volksvertreter.

Forum Romanum - die Curia
Forum Romanum - Castor und Pollux Tempel
Forum Romanum - Antonius und Faustina Tempel
Forum Romanum - Arco di Settimio Severo

Die genannten Bauwerke sind nicht die einzigen Überreste auf dem Forum Romanum; wohl aber die bekanntesten Objekte.

Unser nächstes Ziel: Das Kapitol

Die außerhalb der antiken Zone gelegenen „Kaiserforen“ ersparen wir uns. Stattdessen steigen wir hinauf zum Kapitol. Bemerkenswerte Bauten sind dort der von Michelangelo entworfene „Kapitolsplatz“, der „Senatorenpalast“ (das ehemalige römische Rathaus), der „Konservatorenpalast“ und der „Palazzo Nuovo“. Das Zentrum des Platzes nimmt eine Reiterstatue des römischen Kaisers Mark Aurel ein. An der vom Kapitol hinabführenden Freitreppe stehen Skulpturen der Rossebändiger Castor und Pollux.

Der Kapitolsplatz
Der Kapitolsplatz - der Senatorenpalast
Der Kapitolsplatz - der Konservatorenpalast mit Mark Aurel Statue
Der Kapitolsplatz - Pollux der Rossebändiger

Vom Kapitolsplatz erblicken wir den auf dem Forum Romanum errichteten Triumphbogen zu Ehren des Kaisers Septimius Severus und seiner beiden Söhne. Ganz nah vor uns – und alles überragend – steht das 70 m hohe und 135 m breite Nationaldenkmal des Vittorio Emanuele II., der Altare della Patria.

Triumphbogen des Kaisers Septimius Severus


Triumphbogen des Kaisers Septimius Severus


Nationaldenkmal des Vittorio Emanuele ll - Detail


Nationaldenkmal des Vittorio Emanuele ll - Detail 


Besuch im Stadtteil Trastevere

Wir verlassen den Kapitolsplatz und steigen hinunter zur Via del Teatro di Marcello und gehen bis zum „Tempel des Apollo Sosianus“. Die Reste weisen auf ein im 4. Jahrhundert vor Christus gebautes Heiligtum hin. Wenig später queren wir mittels der Ponte Fabricio den Tiber.

Tempel des Apollo Sosianus


Tempel des Apollo Sosianus


Ponte Fabricio und Isola Tiberina


Ponte Fabricio und Isola Tiberina 


Auf der schmalen Tiberinsel „Tiberina“ liegt die Basilica di San Bartolomeo all’Isola. Papst Johannes Paul II. widmete die Kirche im Jahr 2002 den neuen Märtyrern des 20. Jahrhunderts.

San Bartolomeo all'Isola

San Bartolomeo all'Isola


Noch eine Brücke, die Ponte Cestio, und wir befinden uns im Stadtteil Trastevere, dem volkstümlichsten Stadtteil Roms. Wir starten an der Piazza della Gensola. Alte Wohnhäuser, enge Gassen, Bars und Restaurants und kleine Läden kennzeichnen den Stadtteil. Als besonders typisch für das Viertel empfinden wir die Via dei Salumi.

Stadtteil Trastevere


Stadtteil Trastevere


Stadtteil Trastevere - Via dei Salumi


Stadtteil Trastevere - Via dei Salumi 


Wir sehen die Piazza dei Mercanti sowie die Kirche und das Kloster Benedettine S. Cecilia. Kurz danach wandern wir am Ufer des Tibers entlang. Die stark befahrene Straße heißt Porto di Ripa Grande. Wer sich vom Lärm gestört fühlt, wechselt hinunter ans Ufer. Wir nutzen die Uferpromenade. Danach queren wir den Tiber an der Ponte Sublicio.

Kloster Benedettine S. Cecilia


Kloster Benedettine S. Cecilia


Der Tiber


Der Tiber 


Von der Ponte Sublicio kommend folgen wir der Via Marmorata bis wir wieder die Metro Station Piramide erreichen. Die Straße zieht sich ein wenig. Aber wie heißt es so schön? „Der Weg ist das Ziel“. Von der Isola Tiberina bis zur Metro Piramide laufen wir mehr als zwei Kilometer.

Eine Pyramide im Stadtteil Trastevere

Vor der Metrostation Piramide steht die „Porta San Paolo“. In der Antike lautete ihr Name „Porta Ostiensis“. Das aus zwei mächtigen Doppeltürmen und einem Verbindungsteil bestehende Bauwerk war das südliche Tor der im 3. Jahrhundert errichteten Aurelianischen Mauer. Es lag am Anfang der Via Ostiense, die Rom mit Ostias Hafen verband.

Porta San Paolo

Porta San Paolo


Nahe der Porta San Paolo und gegenüber der Haltestelle Piramide der Metrolinie B steht tatsächlich eine Pyramide. Sie wurde in den Jahren zwischen 18 bis 12 vor Christus als Grabmal des Caius Cestius erbaut. Mehrere Inschriften erklären das Bauwerk. Eine der Inschriften besagt, dass es nur 330 Tage Bauzeit bedurfte, um es zu erstellen. Das wäre eine unvorstellbare Leistung für damalige Zeiten. Schließlich misst das quadratische Bauwerk 29,50 Meter Seitenlänge und 36,40 Meter in der Höhe. Die Pyramide ist im Rahmen von Führungen an ausgewählten Terminen zu besichtigen. Durch einen zehn Meter langen, mit Ziegeln verblendeten Gang gelangt der Besucher ins Innere des Bauwerks und zur Grabkammer. Deren Maße betragen 5,85 mal 4 Meter. Beste Blicke auf die Pyramide des Cestius bietet im Übrigen der „Cimitero Acattolico“, der „Friedhof der Nichtkatholiken“.

Pyramide des Caius Cestius


Pyramide des Caius Cestius


Pyramide des Caius Cestius


Pyramide des Caius Cestius 


Wir verlassen Rom

Von der Pyramide gehen wir in fünf Minuten hinüber zum Bahnhof Roma Ostiense. Einer der regelmäßig verkehrenden Züge der Regionalbahnlinie Civitavecchia/Grosseto bringt uns zurück nach Civitavecchia. Ein schöner und informativer Aufenthalt in der Metropole Rom geht zu Ende. In Civitavecchia erwartet uns an der Piazza della Vita neben der Promenade die Skulptur „Unconditional Surrender“. Von der Figurengruppe existieren weltweit mehrere Kopien. Ein ähnliches Exemplar sahen wir in San Diego in Kalifornien.  

Skulptur Unconditional Surrender

Skulptur Unconditional Surrender


Vor dem Hafenbereich warten die kostenlosen Shuttlebusse, die die ankommenden Individualtouristen zurück zu ihren Schiffen bringen.

Update November 2022

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