Autor: Karl W. P. Beyer

Rom – die Stadt der Superlative

Viele Städte der Welt beeindrucken uns ungemein. Doch Rom ist für uns die Stadt der Superlative. An ihr können wir uns nicht sattsehen. Kreuzfahrten, die wir von Roms Hafen Civitavecchia aus antreten, nutzen wir regelmäßig für einen Aufenthalt in Italiens Hauptstadt.

Ende Mai 2017 testen wir die Celebrity Reflection auf einer Kreuzfahrt durch das westliche Mittelmeer. Der Rundkurs der Celebrity Reflection startet und endet in Civitavecchia. Das bietet uns die Möglichkeit, vor Reiseantritt Rom weiter zu „entdecken“. Vieles haben wir bislang noch nicht gesehen, und manche Sehenswürdigkeiten der „ewigen Stadt“ verdienen es, erneut betrachtet zu werden.

Civitavecchia - Amore mio

Civitavecchia - Amore mio


Villa Borghese – Fürstlicher Sommersitz

Obwohl der Park ziemlich im Zentrum Roms liegt, besuchten wir bislang nie die weitläufige Parkanlage. Diesmal aber wollen wir die Villa Borghese erkunden, schließlich wohnen wir im Ludovisi Palace Hotel; von dort gelangen wir nicht nur in kürzester Zeit zur Spanischen Treppe sondern auch zu einem der vier Eingänge des Parks, die Porta Pinciana. Das Hotel liegt in einem der gehobenen Stadtteile Roms, in der Via Ludovisi. Die stößt auf die Via Vittorio Veneto, der Federico Fellini im Film „La Dolce Vita“ 1960 ein bleibendes Denkmal setzte.

Rom - Spanische Treppe mit der Trinità dei Monti

Rom - Spanische Treppe mit der Trinità dei Monti


Die Villa Borghese ist eine der weitläufigsten Parkanlagen Roms. Eine penibel gepflegte Gartenlandschaft mit kurz geschnittenem, englischen Rasen sollte der Besucher allerdings nicht erwarten. Vielmehr erstreckt sich auf circa fünf Quadratkilometern Fläche eine abwechslungsreiche mediterrane Landschaft. Der Park ist zum einen mit dem Museo e Galleria Borghese die Heimstatt einer weltberühmten Kunstsammlung. Zum anderen ist er ein gärtnerisches Juwel mit Teichen, Brunnenanlagen, kleinen Tempeln, einem Obelisken und anderem mehr. Vorzügliche Wege durchziehen das Gelände, und auch ein Reitplatz und ein Kinderhort sind vorhanden. An den Park grenzt der Bioparco, Roms Zoologischer Garten.

Villa Borghese - Viale del Museo Borghese

Villa Borghese - Viale del Museo Borghese


Mit dem heute gebräuchlichen Begriff einer „Villa“ hat der zu Beginn des 17. Jahrhunderts entstandene Park nichts gemein. In jener Zeit wurde unter dem Begriff der Landsitz einer bedeutenden Person verstanden. Eine solche war Kardinal Scipione Caffarelli Borghese, ein Neffe Papst Pauls V. Der adelige Kirchenmann erwarb im Jahr 1605 Weinberge, Gärten, Ställe, eine Wagenremise sowie einen Tiergarten, um daraus einen standesgemäßen Sommersitz errichten zu lassen. Etwas konfisziertes Vermögen einer anderen Familie soll auch zur Größe des Parkgeländes beigetragen haben. Das Terrain musste ein wenig hergerichtet werden, und auch eines prachtvollen Wohnsitzes bedurfte es. Der wurde zwischen 1613 und 1616 erbaut. Das Gebäude ist der Standort des Museo e Galleria Borghese.

Museo e Galleria Borghese - Südseite

Museo e Galleria Borghese - Südseite


Museo e Galleria Borghese

Der Kardinal war offenbar ein glühender Kunstsammler. Zudem war er auch nicht unvermögend. Er trug am Sommersitz eine wertvolle Antiken- und Skulpturensammlung zusammen. Die der Fürstenfamilie Borghese gehörenden Ölgemälde weltberühmter Künstler hingen da noch im Stadtpalast in Rom. Die außergewöhnliche private Kunstsammlung wurde später in der Galleria Borghese zusammengeführt. Seit 1903 befindet sich die Anlage im Besitz der Stadt Rom.

In eingängigen Internetforen überschlagen sich die positiven Kritiken. Allerdings ist auch nachzulesen, dass die tägliche Besucherzahl limitiert ist und der Besuch der Ausstellung beträgt maximal zwei Stunden. Karten sollten vorher im Internet erworben werden.

Die Kunstsammlung muss man nicht unbedingt besuchen; ein Rundgang durch die weitläufige Parkanlage ist allerdings empfehlenswert. 

Rundgang durch die Parkanlage der Villa Borghese

Von unserem Hotel gehen wir wenige Hundert Meter zum Largo Federico Fellini. Dort passieren wir die gewaltige Porta Pinciana. Der gut 1.600 Jahre alte Bau wurde im Laufe der Jahre mehrfach umgestaltet und verbessert. Dem Torgebäude gegenüber liegt einer der Eingänge zur Villa Borghese. Auf beiden Seiten der Straße flankieren die Propyläen der Adler den Zugang zur Parkanlage. Hinter den Propyläen öffnet sich die mit hohen Pinienbäumen bewachsene Parkanlage der Villa Borghese.

Porta Pinciana - Nordseite Villa Borghese - Propyläen der Adler

 

Auf direktem Weg gehen wir hinüber zum Museo e Galleria Borghese. Das ist ein mächtiger, repräsentativer Bau mit fünf Rundbögen im Eingangsbereich. Hinter dem Gebäude öffnet sich eine gepflegte Gartenanlage mit kunstfertig angelegten Beeten, Buchsbaumarrangements sowie anderen Pflanzen, einer Vielzahl von Skulpturen und einem Venusbrunnen.

Museo e Galleria Borghese - Rückseite Piazzale Scipione Borghese - Gartenanlage Rückseite Museum

 

Als Nächstes gehen wir auf die in einer Linie mit der Galleria liegende Voliere zu. In den Käfigen auf dem Dach des Gebäudes wurden seltene Vögel gehalten. Als nächstes Gebäude folgt das Edificio de la Meridiana. Es schloss die an der Galleria beginnenden sogenannten Geheimen Gärten effektvoll ab.

Villa Borghese - Voliere in den Geheimen Gärten La Meridiana in den Geheimen Gärten La Meridiana in den Geheimen Gärten - Rückseite Villa Borghese - Blick von La Meridiana auf die Voliere

 

Kurz darauf liegt der Piazzale dei Cavalli Marini vor uns. In der Mitte des Platzes steht ein Brunnen: vier im Wasser sitzende Pferde balancieren über ihren Häuptern eine Brunnenschale. Ganz klar, das müssen Seepferde sein.

Villa Borghese - Fontana dei Cavalli Marini

Villa Borghese - Fontana dei Cavalli Marini


Danach folgt die Piazza di Siena. Auf dem Reitplatz wird jährlich im Mai das internationale Springreitturnier „CSIO Rome“ ausgetragen. Im Moment laufen gerade die Vorbereitungen für die Veranstaltung.

Hinter der Reitanlage steht die Casina di Raffaello. Der Reiseführer Marco Polo schreibt dazu, dass Kindern zwischen drei und zehn Jahren in der Casina ein Spielhaus und Kinderkino geboten werden.

Villa Borghese - Casina di Raffaello

Villa Borghese - Casina di Raffaello


Nur wenige Schritte sind es von dort zum Diana Tempel, einem von acht Säulen getragenen Rundbau.

Villa Borghese - Diana Tempel

Villa Borghese - Diana Tempel


Unser Weg führt in Richtung der Terrazza del Pincio. Von diesem hochgelegenen Aussichtspunkt wollen wir Blicke auf die Piazza del Popolo, den Petersdom und die Vatikanstadt gewinnen. Um zu der Plattform zu gelangen, nehmen wir die Viale Goethe. Am Ende des Weges steht ein monumentales Goethe-Standbild. Es zeigt den großen Literaten, wie er in Achtung gebietender Haltung in die Ferne blickt. Kaiser Wilhelm II. hat es gestiftet; das erklärt die Dimension des Denkmals.

Villa Borghese - Goethe-Monument

Villa Borghese - Goethe-Monument


An der nachfolgenden Piazza Bucarest ragt einer von insgesamt 13 Obelisken Roms in die Höhe. Diese Steinsäule ist kein Monoblock wie es ägyptische Obelisken im Allgemeinen sind, sondern er besteht aus vier Platten, die auf einer zentralen Säule stehen. Der Obelisk ist mehr als neun Meter hoch, und gekrönt wird er von einem Stern.

Villa Borghese - Obelisk an der Piazza Bucarest

Villa Borghese - Obelisk an der Piazza Bucarest


Neben dem Pfeiler sehen wir das zwischen 1818 und 1837 erbaute Casina Valadier. Heute wird das elegante, neoklassizistische Gebäude als Café und Restaurant genutzt.

Villa Borghese - Casina Valadier

Villa Borghese - Casina Valadier


Terrazza del Pincio - Einer der schönsten Blicke über Rom

Die auf dem gleichnamigen Hügel befindliche Terrazza del Pincio bietet einen herrlichen Blick auf die Piazza del Popolo, den Vatikan, den Petersdom und unzählige Kirchen. Wenn wir noch weiter nach links blicken, sehen wir das gerundete Dach des Pantheons und den riesigen Altare della Patria, das monumentale, König Vittorio Emanuele ll. gewidmete Denkmal. Es liegt auf dem Kapitolshügel am Ende der Via del Corso zwischen der Piazza Venezia und dem Forum Romanum.

Blick auf die Terrazza del Popolo Blick von der Terrazza del Pincio auf Petersdom und Vatikan Rom - Altare della Patria Rom - San Giacomo in Augusta und Oberstes Gericht

 

Auf dem Rückweg zum Hotel passieren wir mit der Villa Medici ein weiteres prächtiges Gebäude. Es wurde im 16. Jahrhundert auf dem Pincio-Hügel errichtet. Seit 1803 beherbergt es die französische Akademie in Rom.

Rom - Villa Medici

Rom - Villa Medici


Es steht fest, dass wir bei unserem Rundgang durch die Villa Borghese nur einen Teil des weitläufigen Geländes und der Bauten entdeckt haben. Wir werden alles unternehmen, um auch noch den Rest zu sehen. Es lohnt sich!

(Karl Beyer - November 2017)