Autor: Karl W. P. Beyer

Der „ADAC Reiseführer Rom“ weist in der 2017er-Auflage für die Stadt 125 sehenswerte Objekte aus. Aus einschlägiger Erfahrung sind wir überzeugt, dass der Guide noch längst nicht alle Attraktionen der nahezu drei Millionen Einwohner zählenden Metropole nennt. Es würde mehrere Wochen erfordern, um Rom und seine Wunder auch nur halbwegs zu erkunden. Doch dafür fehlt uns die Zeit. Wir beschränken uns darauf, die Stadt im Rahmen von in Civitavecchia startenden oder endenden Kreuzfahrten zu entdecken.

Anlässlich einer Reise mit Royal Caribbeans Mariner of the Seas starten wir im September von Civitavecchia aus zu einer Kreuzfahrt im östlichen Mittelmeer. Am Vortag reisen wir früh genug an, um den Nachmittag und den Abend in Roms Zentrum zu verbringen. Folgendes sehen wir an:

 

Piazza della Repubblica

Die nahe am Hotel gelegene Piazza della Repubblica besuchten wir zuvor noch nie. Grund genug, um den weitläufigen Platz mit dem riesigen Kreisverkehr anzusehen. Im Westen wird der Platz von zwei imposanten, bogenförmigen Gebäuden mit herrlichen Arkaden begrenzt. Die Bauten liegen links und rechts der vom Platz abgehenden Via Nazionale. Im Osten des Platzes liegt die Basilika Santa Maria degli Angeli dei Martiri. Als römische Titelkirche wird sie von einem Kardinal geleitet. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde sie über den Ruinen der Diokletiansthermen erbaut. Im Zentrum des Platzes zieht der mächtige Najadenbrunnen den Blick der Besucher auf sich. Um den Brunnen herum spielen Wassernymphen, die Najaden, mit allerlei Wassertieren.

Dominierende Bauten an der Piazza della Repubblica Arkaden an der Piazza della Repubblica Santa Maria degli Angeli e dei Martiri Der Najadenbrunnen an der Piazza della Repubblica

 

 

Piazza di Spagna

Als Nächstes fahren wir mit der Metrolinie 2 zur Station Piazza di Spagna im Stadtteil Marsfeld. Der Platz ist nach der Botschaft Spaniens beim Heiligen Stuhl benannt. Über Jahrhunderte war der Platz ein exterritorialer Besitz Spaniens. An der einen Seite führt die Spanische Treppe hinauf zur Kirche Trinità dei Monti. Unterhalb der Treppe liegt die Brunnenanlage der Fontana della Barcaccia. Mit dem Bau des eigenwillig geformten Brunnens wurde im Jahr 1627 begonnen.

Piazza di Spagna Piazza di Spagna Kirche Trinità dei Monti  und Spanische Treppe Fontana della Barcaccia

 

An der anderen Seite der Piazza liegen die Kongregation für die Förderung des katholischen Glaubens in der Welt, die Botschaft Spaniens und die Colonna dell'Immacolata, die „Säule der Unbefleckten“.

Kongregation für die Förderung des Glaubens & Säule der Unbefleckten

Kongregation für die Förderung des Glaubens & Säule der Unbefleckten


 

Von der Spagna zum Augustus-Mausoleum

Die Piazza di Spagna gilt allgemein als Zentrum der römischen Mode. Insbesondere in der vom Platz abgehenden Via Condotti sind die bekanntesten italienischen Mode-Label vertreten. Mode interessiert uns momentan überhaupt nicht, schließlich möchten wir noch bei Tageslicht mehr von Rom sehen. Deshalb schlendern wir durch die parallel zur Via Condotti verlaufende Via delle Carozze in Richtung des Tibers. Auch in dieser Straße gibt es einige Modeläden sowie Bars und Restaurants. Allerdings geht es in dieser Straße familiärer und entspannter zu als in der berühmten Nachbarstraße.

Via delle Carrozze

Via delle Carrozze


Das in Tiber-Nähe gelegene Augustusmausoleum erweist sich in diesem Jahr als Baustelle. Augustus, der erste römische Kaiser, wusste, dass er sterblich war, vergessen sollte man ihn nicht. Daher ließ er 29 v. Chr. für sich, seine Familienmitglieder und einige Nachfolger eine angemessen große Grabstätte einrichten. Die Maße sollen 87 mal 40 Meter betragen haben.

Augustus Mausoleum

Augustus Mausoleum


Für das neben dem Tiber errichtete Museo dell’Ara Pacis Augustae fehlt leider die Zeit. An sich wäre der Besuch dieses Museum sehr interessant. Es beinhaltet den Ara Pacis Augustae, den glanzvollen „Altar das Friedens des Augustus“. Den ließ der römische Senat seinem Kaiser nach Siegen über Spanien und Gallien errichten.

Museo dell'Ara Pacis Augustae

Museo dell'Ara Pacis Augustae


Wir folgen stattdessen dem Lauf des Tibers bis zur Ponte Umberto I. Von dort blicken auf den mächtigen Justizpalast, die Engelsburg und die Kuppel des Petersdoms. Inzwischen ist die Abenddämmerung angebrochen; der Petersdom ist beispielsweise nur noch schwer zu erkennen. Es ist an der Zeit, zur mit Leben erfüllten Piazza Navona hinüberzuwechseln.

Justizpalast und Kirche Sacro Cuore del Suffrago Tiber und Sankt Peter

 

 

Die drei Brunnen der Piazza Navona

Dazu laufen wir von der Brücke circa 500 Meter geradewegs in Richtung des Platzes. Ursprünglich war der erst in der Barockzeit angelegte Platz ein Stadion, später eine Arena, in der den römischen Massen Spiele und Gladiatorenkämpfe geboten wurden.

Piazza Navona

Piazza Navona


Später wurde im Stadion eine erste Kirche errichtet. Im Mittelalter kamen im Bereich der Anlage einige Häuser hinzu und 1477 zog ein Markt vom Kapitol zur Piazza Navona um. Mitte des 17. Jahrhunderts erhielt der Platz seine heutige Form. Und was uns Nachgeborenen geboten wird, ist wirklich sehenswert.

Umgeben von Kirchen und Profanbauten, darunter Brasiliens Botschaft, sowie vielen Restaurants, sehen wir auf dem Platz einen Obelisken und drei Brunnenanlagen. Der bedeutendste der Brunnen ist der Vierströmebrunnen in der Mitte des Platzes. Dessen Männergestalten symbolisieren die großen Flüsse in vier Erdteilen: die Donau, den Ganges, den Nil und den Rio della Plata.

Vierströmebrunnen - Die Donau

Vierströmebrunnen - Die Donau


Flankiert wird der Vierströmebrunnen von der Fontana del Moro und dem Neptunbrunnen. Fachleute würdigen die Piazza Navona als eines der schönsten Ensembles italienischer Stadtlandschaften. Unter „Rom an einem Tag“ haben wir den Platz schon einmal vorgestellt.

Fontana del Moro & Brasilianische Botschaft Der Neptunbrunnen

 

 

Zum Schluss: Pantheon, Hadrianstempel und Fontana di Trevi

Von der Piazza Navona gehen wir in fünf Minuten hinüber zur Piazza della Rotonda. An der steht das Pantheon. Das unter Kaiser Hadrian ursprünglich als Tempel aller römischen Götter vollendete Bauwerk (128 n. Chr.) wurde wohl im Jahr 609 n. Chr. in eine Kirche umgewandelt. Bemerkenswert am Pantheon ist die Kuppel. Deren Innendurchmesser beträgt 43,35 Meter. Dieses Maß entspricht zugleich der Innenhöhe des Baus. Am Innendurchmesser gemessen war die Kuppel über 1700 Jahre die ausladendste Kuppelkonstruktion der Welt. Es wundert uns immer wieder, wie eine solche technische Meisterleistung ohne die heute üblichen Bautechniken im zweiten Jahrhundert n. Chr. errichtet werden konnte.

Pantheon bei Nacht Pantheon - Das Kircheninnere

 

Nach einer Pause bei unserem „Lieblings-Italiener“ schlendern wir durch die Via dei Pastini hinüber zu den Resten des Hadrianstempels. Er liegt an der Piazza di Pietra und ist dem vergöttlichten römischen Kaiser Hadrian gewidmet. Dessen Nachfolger ließ in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. ein 45 Meter langes und 27 Meter breites Heiligtum erschaffen. In den darauf folgenden 1800 Jahren erging es dem Tempel wie vielen anderen antiken Bauten Roms. Er diente als Lieferant von Baumaterialien, denn letztendlich musste überall etwas gebaut oder verschönert werden. Immerhin konnten elf der ehemals vermutlich 13 korinthischen Säulen gerettet werden. Sie zieren die Fassade eines von der römischen Börse und der Handelskammer genutzten Verwaltungsgebäudes.

Die Säulen des Hadrianstempels

Die Säulen des Hadrianstempels


Vierhundert Meter trennen den Hadrianstempel von der Fontana di Trevi. Der größte Brunnen Roms misst in der Breite circa 50 Meter und in der Höhe bemerkenswerte 26 Meter. Dreißig Jahre wurde an der Fassade, dem vorgesetzten Triumphbogen und den sich in einer Felslandschaft tummelnden Meeresgestalten gearbeitet, bevor die Arbeiten im Jahr 1762 erfolgreich abgeschlossen wurden. Die Legende lässt uns glauben, dass wir wieder nach Rom zurückkehren, wenn wir eine Münze in den Brunnen werfen.

Fontana di Trevi

Fontana di Trevi


In den letzten Jahren kamen jeweils mehr als eine Million Euro an Münzgeld zusammen. Bis zuletzt wurde das Geld der Caritas gespendet. Vom Jahr 2018 an wird es im römischen Haushalt untergehen.

Fontana di Trevi

Fontana di Trevi


Der Trevi-Brunnen wurde oftmals als Filmkulisse genutzt. Für alle Filme steht La Dolce Vita. Im Film „Das süße Leben“ nehmen Anita Ekberg und Marecello Mastroianni bei Nacht ein Bad im Trevi-Brunnen.

 

Basilika Santa Maria Maggiore 

Am Vormittag des Folgetags fahren wir vom Hauptbahnhof Roma Termini mit der Regionalbahn 5 nach Civitavecchia. Unser Hotels liegt ideal. Wir rollen den Koffer bequem zum Bahnhof und nehmen den Zug ins 70 Kilometer entfernte Civitavecchia.

Bevor wir jedoch Rom verlasen, nutzen wir die restliche Zeit und besuchen schnell noch die Basilika Santa Maria Maggiore. Die Kirche liegt ebenfalls in Bahnhofsnähe. Das in der ersten Hälfte des fünften Jahrhunderts errichtete Gotteshaus ist eine der vier Patriarchalbasiliken Roms. Zugleich ist sie die größte der über 40 Marienkirchen Roms. Auf dem großflächigen Platz vor der Kirche steht eine über 14 Meter hohe Mariensäule; und auf der Piazza Esquilino hinter der Basilika ragt einer der 13 Obelisken Roms in die Höhe.

Basilika Santa Maria Maggiore - Vorderseite Basilika Santa Maria Maggiore - Rückseite Die Mariensäule Piazza Esquilino mit dem Obelisken

 

 

(Update November 2017)