Autor: Karl W. P. Beyer

Die Metropole Rom ist eine gelungene Symbiose aus kulturellem Erbe, prunkvoller Architektur und italienischer Lebensart. Die Stadt ist unsagbar reich an Sehenswürdigkeiten. Doch eines fehlt ihr: ein stadtnaher Hafen. Kreuzfahrtschiffe, auf deren Routenführung „Rom“ steht, docken stattdessen im 70 Kilometer von Rom entfernten Civitavecchia, dem einstigen Kriegshafen des Kirchenstaates.

Civitavecchia - Kreuzfahrtschiffe an der Molo Bramante

Civitavecchia - Kreuzfahrtschiffe an der Molo Bramante


Die etwa 52.800 Einwohner zählende Stadt hat leider nichts Sehens- oder Bemerkenswertes zu bieten. Deshalb fühlen wir uns immer wieder zum „ewigen“ Rom hingezogen. Den Passagieren der Kreuzfahrtschiffe werden vielfältige Optionen für Fahrten nach Rom geboten. Wir entscheiden uns bei unserem Civitavecchia-Aufenthalt gewohnheitsmäßig für die individuelle Bahnfahrt nach Rom. Das ist preiswert, sicher und bequem; außerdem verkehren die Züge in der Hauptverkehrszeit in kurzen Abständen. Zugfahrkarten nach Roma Termini sind am Fahrkartenschalter, an den Fahrkartenautomaten (mit deutscher Menüführung) oder gegen Zahlung eines geringen Aufschlags im benachbarten Reisebüro erhältlich.

Der Petersdom – die größte Kirche der Welt 

Erster Tagesordnungspunkt ist der Petersdom. Wir verlassen den Zug an der Station Roma San Pietro. Von dort gehen wir etwa einen Kilometer zum Petersdom. Unsere Eintrittskarten haben wir online bei den Musei Vaticani gebucht, um die befürchtete, allfällige Warteschlange zu vermeiden.

Der Petersplatz, wie ihn der Papst sieht

Der Petersplatz, wie ihn der Papst sieht


Vor dem Betreten des Petersdoms ist, ähnlich wie an Flughäfen, eine Sicherheitskontrolle zu absolvieren. Danach dürfen wir die Größe, Pracht und Schönheit der weltweit größten Kirche genießen.

Der Petersdom

Der Petersdom


Wir verzichten an dieser Stelle auf eine Beschreibung, denn die würde den Rahmen sprengen. Nur so viel sei gesagt: 211,50 Meter in der Länge, 132,50 Meter in der Höhe, 15.160 m² Innenfläche, eine Hauptkuppel, zehn Nebenkuppeln sowie 800 Säulen; das sind die bestimmenden Eckdaten des Gotteshauses. Der Grundstein zum Bau wurde im Jahr 1506 gelegt, aber erst nach 117 Jahren Bauzeit konnten die Baumeister dem Papst Vollzug der Aufgabe melden. Finanziert wurde das grandiose Bauwerk durch den Peterspfennig, den Verkauf von Ablassbriefen sowie spezielle Spenden der in der Neuen Welt zu Reichtum gelangten spanischen Eroberer.

Petersdom - Das Empfangskomitee der Schweizer Garde Im Petersdom Kuppel im Petersdom Petersdom

 

Die drei Brunnen der Piazza Navona 

Gut zwanzig Minuten gehen wir vom Petersdom hinüber zur Piazza Navona. Dabei passieren wir die zu Beginn des zweiten Jahrhunderts errichtete Engelsburg. Das Gesamtensemble der um den Piazza Navona gruppierten barocken Bauten und die drei Brunnen beeindrucken uns ein um das andere Mal aufs Neue.

Die Engelsburg von der Engelsbrücke gesehen

Die Engelsburg von der Engelsbrücke gesehen


Im Süden des Platzes, vor der Brasilianischen Botschaft, liegt die Fontana del Moro. Der „Mohrenbrunnen“ entstammt der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die wesentlichen Gestalten der Brunnenanlage sind die vier Tritonen, Mischwesen der griechischen Mythologie. Der mit einem Delphin kämpfende Äthiopier (il Moro) wurde erst später ins Zentrum der Figuren eingefügt.

Fontana del Moro - Dahinter Brasiliens Botschaft

Fontana del Moro - Dahinter Brasiliens Botschaft


In der Mitte der Piazza liegt der gewaltige, die Piazza dominierende Vierströmebrunnen. Er entstand Mitte des 17. Jahrhunderts und stellt je einen Fluss stellvertretend für die damals bekannten vier Erdteile dar. Die Flüsse werden als Männerfiguren gezeigt. Es sind die Donau für Europa, der Ganges für Asien, der Nil für Afrika und der Rio de la Plata für Südamerika. In der Brunnenmitte ragt ein Obelisk auf. Der Brunnen ist der manifestierte Machtanspruch der damaligen Päpste über die gesamte Erde.

Vierströmebrunnen - Gestalt des Rio de la Plata

Vierströmebrunnen - Gestalt des Rio de la Plata


Das dritte Wasserspiel ist die Fontana del Nettuno, der Neptunbrunnen. Die ursprüngliche Ausführung des Brunnens entstand in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Sein heutiges Aussehen erhielt er erst 300 Jahre später. Die Zentralgestalt der Fontäne ist der mit einem Oktopus kämpfende Wassergott Neptun.

Der Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen


Das Pantheon an der Piazza della Rotonda

Von der Piazza Navona ist es nur ein kurzer Weg zur Piazza della Rotonda. An der steht das Pantheon. Kaiser Hadrian ließ den Rundbau zu Beginn des zweiten Jahrhunderts n. Chr. ursprünglich als Tempel aller römischen Götter errichten. Später, im Jahr 608, wurde das Heiligtum in eine Kirche umgewandelt. Das Innere der Kirche ist wegen seiner ausgewogenen Form unbedingt sehenswert. Das Ausmaß der Kuppel (Innendurchmesser 43,35 Meter) ist unter Würdigung der damaligen technischen Gegebenheiten atemberaubend. Im Pantheon fanden berühmte Zeitgenossen ihre letzte Ruhestätte, darunter auch der bedeutende Renaissancemaler Raffael. Das Bauwerk ist täglich geöffnet. Eintritt wird nicht erhoben.

Innenraum des Pantheon

Innenraum des Pantheon


Das nächste Ziel – die Fontana di Trevi 

Wir gehen durch die Via di Pastini hinüber zu den Resten des Hadrianstempels und von dort zur Fontana di Trevi. Die 50 Meter breite und 26 Meter hohe Brunnenanlage ist eine der unerlässlichen Sehenswürdigkeiten Roms. Der Volksglaube sagt, dass es Glück bringt, wenn man mit der linken Hand eine Münze über die rechte Schulter wirft. Die Münze führe zu einer sicheren Wiederkehr nach Rom. Bei uns hat es gewirkt.

Fontana di Trevi bei Nacht

Fontana di Trevi bei Nacht


Die Spanische Treppe

Ein weiteres bedeutendes Glanzlicht Roms erreichen wir zehn Minuten später. Gemeint ist die Spanische Treppe. Sie zählt zu den bekanntesten Freitreppen der Welt. Der Anstoß zum Bau der Treppe soll von französischer Seite im 17. Jahrhundert ausgegangen sein. Benannt wurde sie nach der Botschaft Spaniens beim Heiligen Stuhl. An der Treppe treffen sich Menschen jeden Alters und jeder Nation, um das Gefühl zu genießen, einmal auf einer der 138 Stufen dieser Treppe gestanden oder gesessen zu haben. Die Treppe wird im oberen Bereich von der Kirche Trinità dei Monti abgeschlossen. Unterhalb der Treppe liegt die Piazza di Spagna mit der Fontana della Barcaccia, der spanischen Botschaft und des Palasts der Kongregation für die Förderung des katholischen Glaubens in der Welt. Von der Piazza die Spagna geht die Via Condotti, Roms Mode-Mekka, ab.

Spanische Treppe mit der Trinità dei Monti Kirche Trinità dei Monti Piazza di Spagna - Fontana della Barcaccia Piazza die Spagna mit der Colonna dell'Immacolata

 

Das Augustus-Mausoleum

Der Via Condotti folgen wir bis zum Augustus-Mausoleum. Dahinter fließt der Tiber. Und am Tiber steht das Ara Pacis Augustae Museum. Es beinhaltet den glanzvollen „Altar des Friedens des Augustus“. Den ließ der römische Senat seinem Kaiser nach Siegen über Spanien und Gallien errichten.

Das Augustus Mmausoleum

Das Augustus Mmausoleum


Es schadet nicht, die benachbarte Tiber-Brücke Ponte Cavour zur Hälfte zu queren. Auf der anderen Seite des Flusses erstreckt sich der mächtige, weiße Justizpalast. Daneben sehen wir nochmals die Engelsburg. Und auch die Kuppel des Petersdoms ist vom Standort gut zu sehen.

Justizpalast und die Kirche Sacro Cuore del Suffrago

Justizpalast und die Kirche Sacro Cuore del Suffrago


Den Rückweg nach Civitavecchia treten wir wieder vom Bahnhof Roma San Pietro an. Die letzten zwei oder drei Kilometer legen wir mit dem Taxi zurück. Der bezeichnete Rundgang entspricht in etwa einer Länge von fünfeinhalb Kilometern und eignet sich nicht nur für Hartgesottene. Wir gewinnen dabei eine Unmenge neuer Eindrücke und frischen auf dem beschriebenen Weg Erinnerungen auf.

Reisende, die zum ersten Mal Rom besuchen, sollten sich etwas Zurückhaltung beim Tagespensum auferlegen. Weniger Programmpunkte können mehr bewirken. Entlang des beschriebenen Weges könnten wir in vielen Bars und Restaurants unseren Durst und Hunger zu stillen. Wir schätzen besonders das Restaurant Miscellanea in der Via della Palombella. Von der Außenterrasse sieht man zwar nur einen Ausschnitt des Pantheons, dafür stimmen die Küche und die Preise. Außerdem muss man sich nicht mit Dutzenden anderer Menschen um einen Platz in einem der vielen Restaurants vor dem Pantheon balgen.

Pantheon von der Seite gesehen

Pantheon von der Seite gesehen


Der Regionalzug bringt uns nach einem Tag voller Eindrücke zuverlässig nach Civitavecchia zurück. Die letzten zwei Kilometer bis zum vor einiger Zeit verlagerten Hafenzugang und den im Hafenbereich kostenlos verkehrenden Shuttlebussen ertragen wir auch noch.

 

(Karl Beyer – Update Dezember 2017)