Mit der Bahn nach Cork

Mit der Bahn nach Cork


Regelmäßig laufen Kreuzfahrtschiffe die Kleinstadt Cobh im Süden Irlands an. Von Cobh aus unternehmen Schiffsgäste Panorama-Rundfahrten durch den Süden Irlands. Dazu zählen Touren durch die Grafschaft Tipperary (bekannt wegen des Marschlieds „It’s a long way to Tipperary“), Küstenspaziergänge in Kinsale, der Besuch einer Whiskey Destillerie oder eine Fahrt zur nahe gelegenen Kreisstadt Cork, Südirlands zweitgrößter Stadt.

Cork auf eigene Faust besuchen

Wir schätzen individuelle Unternehmungen und entscheiden uns für eine Fahrt mit Irish Railways nach Cork. Die Stadt ist eine Universitätsstadt und Verwaltungszentrum der gleichnamigen und größten Grafschaft der Republik Irland.

Cork - Cornmarket Centre

Cork - Cornmarket Centre


Für einen individuellen Ausflug ist es von Vorteil, dass der Bahnhof direkt gegenüber dem Anleger der Kreuzfahrtschiffe liegt. Einfacher geht es nicht. Züge in die zweitgrößte Stadt Irlands verkehren an Vormittagen halbstündlich. Die Fahrt in einem der modernen Nahverkehrszüge dauert 25 Minuten und kostet wenig. Der Zug fährt durch eine schöne Landschaft mit viel Wasser und Grün. Auf dem Weg nach Cork hält die Bahn an fünf Stationen.

Corks Bahnhof

Corks Bahnhof


Unser erstes Ziel – St. Anne’s Church im Stadtteil Shandon

Corks Bahnhof wirkt hell, freundlich und einladend. Die Station liegt in fußläufiger Entfernung zum Zentrum. Zuerst folgen wir der Lower Glanmire Road. Nach wenigen Minuten liegt rechter Hand die katholische Pfarrkirche St. Patrick’s Church. Ihre Merkmale: ein von mächtigen Säulen getragener Vorbau und ein eigentümlich wirkender Turm. Die Besichtigung der Kirche ersparen wir uns. Wir sind bemüht, unser erstes Ziel, die anglikanische Kirche St. Anne’s im nördlichen Stadtteil Shandon, auf schnellstem Wege zu erreichen.

Cork - St. Patrick's Church

Cork - St. Patrick's Church


Wir wechseln hinüber an den Penrose Quay und gehen ein Stück am Lee River entlang. Auf diese Weise sehen wir Corks Opernhaus. Der breite Fluss ist im Zentrum kanalisiert. Zwei Flussarme umschließen den Stadtkern. In regelmäßigen Abständen queren Brücken das Gewässer.

Cork Opera House

Cork Opera House


Bevor wir St. Anne’s Church erreichen, passieren wir das Dominikanerkloster St. Mary’s und The Firkin Crane. Das kreisrunde Gebäude stammt aus dem Jahr 1855. Es war ursprünglich ein Teilbereich der ehemaligen Butterbörse. Im Firkin Crane wurden Butterfässer, „Firkins“ gefüllt, gewogen, markiert und versandt. Die Butterbörse war ein irisches Phänomen; bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde von Cork aus der Handel mit Butter über fünf Kontinente organisiert. The Firkin Crane ist heutzutage ein Veranstaltungsort des Irish National Balltet und die Heimstatt des Institute of Choreography and Dance.

Cork - Dominikanerkloster St. Mary's
Cork - Rundbau des Firkin Crane

St. Anne’s Church entwickelte sich vom Jahr 1722 an aus einer Kapelle. Sie ragt als Landmarke über Shandon auf. Auffällig wirkt ihr quadratischer Turm. Zwei gegenüberliegende Seiten des Turms wurden aus rotem Sandstein gebaut. Die beiden anderen Fronten bestehen aus Kalkstein. Den Turm ziert eine Wetterfahne in Gestalt eines Lachses, genannt „the goldie fish“. Seine Länge beträgt stattliche vier Meter. Er erinnert an die in früheren Zeiten für Cork wichtige Lachsfischerei. Außerdem symbolisiert der Fisch als frühes christliches Symbol die Gottheit.

Cork - St. Annes Church - Glockenturm mit Lachs

Cork - St. Annes Church - Glockenturm mit Lachs


Eine Besonderheit der Kirche sind die Shandon Bells. Besuchern ist es gegen Zahlung eines kleinen Entgelts gestattet, von der ersten Turmebene die acht Glocken mit eigener Muskelkraft zu läuten und nach einem vorgegebenen Zahlenschema bekannte Weisen zu spielen. Die Kirchenleitung bittet, auf die Nachbarn Rücksicht zu nehmen. Aus der Fülle der genannten christlichen und weltlichen Melodien entscheiden wir uns für Bob Dylons „Blowin’ in the Wind“.

St. Annes Church - Partitur des Glockenspiels

St. Annes Church - Partitur des Glockenspiels


Der folgende Aufstieg im Turm bis zur Außenplattform auf 37 Meter Höhe ist mit Mühen verbunden. Um noch oben zu gelangen, zwängen wir uns mit Ohrschützern, die Glocken könnten schlagen, durch ein enges Mannloch. Die Außenplattform bietet eine ausgezeichnete Sicht über die gesamte Stadt und das Umland. Nebenan liegt St. Mary & St. Anne’s Cathedral. Sie ist die Mutterkirche der römisch katholischen Diözese von Cork und Ross. Von oben blicken wir in den mit alten Grabsteinen durchsetzten Garten des Dominikanerklosters. Wir schauen in adrette Innenhöfe und auf die weit entfernte, grüne Hügellandschaft. Unterhalb der Kirche sehen wir Firkin Crane; daneben das Butter-Museum.

Corks adrette Innenhöfe
Cork - St. Fin Barre's Cathedral
Cork - Garten des Dominikanerklosters
Cork - Butter Museum

Unsere nächste Etappe – Saint Fin Barre’s Cathedral

Wir verlassen den Stadtteil Shandon und gehen durch schmale Gassen, über Treppen und schiefe Ebenen hinunter in Richtung des Pope’s Quay. An dem liegt die katholische St. Mary’s Church. Dort queren wir den River Lee. Unser nächstes Ziel ist die St. Francis Church. Wegen eines Gottesdienstes ersparen wir uns den Kirchenbesuch. Danach passieren wir den Fachwerkbau der Beamish & Crawford Brewery. Kein Stadtführer versäumt es, auf die Traditionsbrauerei hinzuweisen. Das nutzt wenig: Im Jahr 2009 übernahm ein internationaler Braukonzern den Betrieb, die Anlage wurde geschlossen und die Biere an anderem Ort gebraucht.

Cork - St. Mary's Church
Cork - die ehemalige Beamish and Crawford Brauerei

Corks Schutzheiliger ist Finn Barre. Es heißt, er sei Corks erster Bischof gewesen und habe das Kloster Cork errichtet. Im Jahr 1536 wechselte die ursprünglich römisch-katholische Kathedrale zur Kirche von Irland. Im Jahr 1864 wurde die alte Kathedrale abgetragen und durch die heutige Saint Fin Barre’s Cathedral ersetzt. Großzügige Spenden wurden für den im Stil französischer Gotik errichteten Neubau eingeworben, unter anderem von den Bierbrauern und einer Whiskey-Brennerei. Geweiht wurde die zur anglikanischen Kirche gehörende Kathedrale im Jahr 1870.

Cork - Portal der Saint Fin Barre’s Cathedral

Cork - Portal der Saint Fin Barre’s Cathedral


Gegen einen bescheidenen Eintrittspreis betreten wir das Gotteshaus. Auffallend sind die schönen Glasfenster mit Motiven des Alten und des Neuen Testaments. Eine Aufsichtsperson bemüht sich rührend um uns. Nachdem sie erfährt, dass wir aus Deutschland kommen, wird uns ein deutschsprachiger Leitfaden der Kirche ausgehändigt.

 

 

 

 

Die Zeit drängt – Corks Zentrum erwartet uns

Es ist an der Zeit, zurück ins Zentrum zu gehen. Am Weg liegt das im Jahr 1626 errichtete Elizabeth Fort. Dem Hörensagen nach ist sie die gepflegteste und am besten erhaltene Artillerie-Festung in Irland. Auf uns wirkt sie wenig spektakulär. Interessant ist eines: Der Vorgängerbau der Zitadelle wurde im Jahr 1601 erbaut. Stadtbewohner zerstörten das Fort und mussten zur Strafe das Fort auf eigene Kosten neu errichten.

Cork - Eingang zum Elizabeth Fort

Cork - Eingang zum Elizabeth Fort


Wir folgen dem Weg bis zur Red Abbey. Dort, wo heute ein einzelner Turm steht, befand sich eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Augustiner-Abtei. Der noch existente Turm wurde dem Bau im 14. Jahrhundert angefügt.

Der English Market – Anziehungspunkt im Zentrum

Das nächste Ziel ist der English Market an der Grand Parade. In der wunderbaren Markthalle werden seit 1788 alle erdenklichen Lebensmittel verkauft. Im Farmgate Café, dem Restaurantbereich im Obergeschoss der Halle, essen und trinken wir gut.

Cork - im English Market

Cork - im English Market


St. Patrick’s Street – Corks Hauptgeschäftsstraße

Gestärkt verlassen wir den English Market und gehen durch die St. Patrick’s Street zurück zum Bahnhof. In Corks Hauptgeschäftsstraße liegen die Kaufhäuser und gehobenen Geschäfte der Stadt. In dieser Straße finden wir die führenden Marken Europas. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, dem bekannten Kaufhaus Debenhams einen Besuch abzustatten.

Cork - St. Patrick's Street

Cork - St. Patrick's Street


Kurz darauf sehen wir die Statue des Father Mathew. Im Jahr 1814 zum Kapuzinerpater geweiht entwickelte er sich zum „Apostel“ der Enthaltsamkeit. In der Zeit zwischen 1830 und 1840 engagierte er sich in Kampagnen gegen den Alkohol. Während der „großen Hungersnot“ zwischen 1845 und 1849 erwarb er sich große Verdienste. Zum Lohn wurde ihm an der St. Patrick’s Street ein großes Denkmal errichtet.

Cork - St. Patrick's Bridge mit dem Father Mathew Denkmal im Hintergrund

Cork - St. Patrick's Bridge mit dem Father Mathew Denkmal im Hintergrund


Fazit unseres Cork-Besuchs

Cork hat uns gut gefallen. Die zweitgrößte Stadt der Republik Irlands ist einen Besuch wert. Wir kannten vor unserem Besuch in Cork lediglich die umtriebige südirische Metropole Dublin. Cork ist das Gegenteil von Dublin. Cork steht für das geerdete Leben in der Provinz.


Update Juli 2020