Autor: Karl W. P. Beyer

Celebrity Equinox hat sich in der Morgenstunde an den Colón 2000 Terminal herangeschlichen und liegt nun fest vertäut im Hafen. Wir gehen über eine gedeckte Fußgängerbrücke in den modernen gegenüberliegenden Kreuzfahrt-Terminal. Hinter der Rolltreppe stoßen wir auf Rey, unseren Guide vom heutigen Tag, der uns im Auftrag von My Friend Mario - Almiza Tours, die Gatunschleusen und Panama City zeigen soll. Die Agentur hat zuvor per Mail alles getan, dass wir den Treffpunkt gut finden. Sie macht Individualreisenden, die den Wunsch haben, eine der Kanalschleusen und Panama City zu sehen, ein gutes Angebot. Sicherlich könnten wir das alles auch mit einem Mietwagen machen, zwei Vermieter haben ihre Büros im Terminal Cólon 2000, so weit reicht unsere Zuversicht dann aber doch nicht, unter Zeitdruck eine Tour nach Panama City unbeschadet zu absolvieren.

Panama - Kreuzfahrtterminal von Colon

Wir wissen noch immer nicht, was wir von Colón halten sollen. Die Stadt hat etwa 200.000 Einwohner. Trotz ihres in der prosperierenden Panama-Kanalzone gelegenen Containerhafens soll die Arbeitslosenquote extrem hoch sein. Als extrem hoch wird auch die Kriminalität geschildert. Von all dem sehen wir auf unserem Trip nichts. Auffällig sind jedoch die in und außerhalb des Hafenareals präsenten, schwerbewaffneten Polizisten oder Militärs. So genau können wir das nicht erkennen.

Panama - Safety first

Der Bus umkurvt das äußere Hafengebiet und bald darauf sehen wir einen Zug der Panama Canal Railway Company. Auf Kreuzfahrt-Schiffen werden Fahrten mit dem Zug angeboten. Wer es besonders luxuriös haben und dabei alles sehen möchte, bucht den Dome Car-Aussichtswaggon. Die Fahrt entlang der Kanalzone soll, wie zu hören ist, sehr schön sein.

Panama - Panamakanal Eisenbahn

Wir erfahren inzwischen, dass der Tourverlauf etwas verändert wurde. Anstelle der Mirafloresschleusen (2 Schleusenkammern) besuchen wir die ca. 20 Autominuten von Colón entfernt gelegenen Gatunschleusen mit ihren 3 Schleusenkammern. Das stört uns nicht im Geringsten, es dürfte eher interessanter zu werden. Die Kanalgesellschaft bewirbt den Kanal gern als 8. Weltwunder der Neuzeit. Infolgedessen wird auch an den Gatunschleusen ein viel besuchtes Besucherzentrum unterhalten. Auf dem Weg zu den Gatunschleusen sind die gigantischen Ausbaumaßnahmen zur Erweiterung der Kanalschleusen für die Generation der Post-Panamaxschiffe nicht zu übersehen. Im Jahr 2014, zum 100jährigen Jubiläum des Kanals, sollen die Bauarbeiten beendet sein. Das mag man kaum glauben.

Panama - An der Gatunschleuse

Von einer Aussichtsplattform wird uns Besuchern die Möglichkeit gegeben, hoch über der oberen Schleusenkammer den Schleusungen zuzusehen. Außerdem darf man auf zwei ausrangierten Mulis, Zugmaschinen mit denen die Schiffe in die Kammern gezogen werden, herumklettern. Ein riesiges Antriebsrad der alten Maschinerie ist zu sehen. Im Übrigen erklären Skizzen die Abläufe. - Das Niveau des Pazifik und des Karibischen Meers differiert zwar nur um 20 cm, problematisch waren beim Bau des Kanals jedoch die extrem harten Felsformationen, die es unmöglich machten, den Kanal wie vorgesehen auf direktem Weg durch die Felsen zu bauen. Der Bau von Schleusen wurde beschlossen. Um die kontinentale Wasserscheide zu passieren und um die 20 cm Höhenunterschied zu überwinden, müssen die Schiffe zuerst um 26 Meter angehoben werden und danach wieder abgesenkt werden. Dies übernehmen 3 Schleusen. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1914 haben mehr als 1 Million Schiffe den 82 km langen Isthmus von Panama passiert. Mehr als 14.000 Schiffe befahren jährlich den Kanal. Die Kanalgesellschaft bringt 9.500 Menschen in Lohn und Brot.

Panama - Besucherzentrum der Gatunschleuse

Panama -  Muli zum Anfassen

Noch eine letzte Zahl: In jede der Schleusenkammern passen 101.000 m³ Süßwasser. Mit jeder Schleusung geht diese gigantische Wassermenge verloren. Ein Rückgewinnungssystem, das 60 % des eingesetzten Wassers einsparen soll, wird es erst mit der Inbetriebnahme der neuen Schleusenkammern geben. Eine Schleusenfüllung dauert heute 8 Minuten.

Wir haben Glück. Wir können die Schleusung zweier Schiffe verfolgen. Dabei sehen wir, wie eng es beim Schleusen zugeht. Es geht bei der Einfahrt in die Schleusen tatsächlich um wenige Zentimeter. Die mit dem Ziehen der Schiffe befassten Mulis, je 3 auf einer Schiffsseite, haben mächtig zu tun. Nach dem Neubau der Schleusenkammern im Jahr 2014 werden die Kammern eine Länge von 427 m und eine Breite von 55 m aufweisen.

Panama - Es geht eng zu

Panama - Schleusenkammer

Panama - Schleusentore

Jeder von uns hat wohl schon einmal Schleusen gesehen. Wir kennen beispielsweise die mächtigen Donauschleusen in der Nähe des Eisernen Tors. Bisher beeindruckten uns diese Schleusen durch ihre schiere Größe. Seit Panama wissen wir aber, wie „richtige“ Schleusen aussehen.

Weiter geht es auf guten Straßen in Richtung Panama City. Schon denken wir wieder daran, dass man wohl auch in Panama ohne Probleme ein Auto lenken kann. Dann sind wir auf der im Jahr 2004 fertiggestellten Centennial Bridge nahe der Pedro Miguel Schleuse. Die 1.052 m lange Schrägkabelbrücke überquert den Kanal am Culebra Cut. Die Durchfahrtshöhe für Schiffe beträgt 80 Meter. Zum besseren Sehen überquert unser Bus die Brücke in beiden Fahrtrichtungen. Von hier oben können wir auch auf die engste Stelle des Kanals schauen, den Gaillard Cut.

Panama - Centennialbridge

Bis Panama City ist es nicht mehr weit. Vorbei an den früheren US-Militärbasen und dem auf einer Höhe liegenden Verwaltungsgebäudes der Kanalgesellschaft steuert unser Bus eine Verkaufsausstellung von Gebrauchskunst und Souvenirs an. Wir haben gegenüber solchen Stopps gemeinhin Vorbehalte. In diesem Fall geht es wohl um einen technischen Stopp. Denn hier haben die Teilnehmer die Möglichkeit, letztmalig vor einem kurzen Altstadt-Rundgang die Toiletten aufzusuchen.

Danach steuert der Bus das Casco Antiguo (die Altstadt) von Panama City an. Das Stadtviertel besitzt den Status eines Weltkulturerbes. Eine Vielzahl von Baustilen, von spanisch bis neoklassizistisch, macht uns staunen. Leider sehen wir noch viel heruntergewirtschaftete Bauten. Zurzeit wird jedoch intensiv an der Sanierung und Restaurierung der Häuser sowie des gesamten Stadtviertels gearbeitet. Zum Nachteil der bisherigen Bewohner, sie verlieren ihre Wohnungen. Wohlhabendere Mieter ziehen ein, nur sie können die steigenden Mietpreise zahlen. In der Nähe der französischen Botschaft verlassen wir den Bus und gehen bis zur Plaza de Francia. Hier wird an die französischen Ingenieure und Arbeiter erinnert, die am Bau des Kanals beteiligt waren. Ein Obelisk, auf dessen Spitze der gallische Hahn steht, vervollständigt das Ensemble.

Panama - Panama City Schöner Wohnen

Panama - Plaza de Francia

Oberhalb des Monuments verläuft der Paseo Las Bovedas, der den 300 Jahre alten Gebäudekomplex früherer Gefängnisse und Munitionslager überdeckt. Heute residieren in den Gemäuern u. a. ein französisches Restaurant und die INAC Kunstgalerie. Auf der alten Wallanlage gehen wir am Instituto Nacional de Cultura vorbei bis zum mit Bougainvilleen gedeckten Paseo Esteban Huertas. Auf dem mit Pflanzen gedeckten Weg werden Kunsthandwerk, Panamahüte etc. angeboten. Von dort oben lassen wir uns von der gewaltigen Wolkenkratzerkulisse an der Punta Paitilla einnehmen. Wer wie wir in der Nähe von Frankfurt wohnt und die Kulisse von Mainhattan gewohnt ist, gerät in Panama City schon ins Grübeln. Eins ist klar, hier wie dort dominieren Banken die Hochhauskulisse.

Panama - Paseo las Bovedas

Panama - Paseo Esteban Huertas

Panama - Skyline an der Punta Paitilla

Am Nationaltheater besteigen wir wieder unseren Bus, der uns nun aus der Altstadt herausbringt. Wir fahren an der Plaza De La Independencia vorbei; hier können wir noch einen Blick auf die Kathedrale Metropolitana werfen, die insbesondere durch ihre beiden mit Perlmutt verzierten Türme auf sich aufmerksam macht. Das Perlmutt soll die Meeresreichtümer Panamas in früheren Zeiten symbolisieren.

Panama - Nationaltheater

Panama - Plaza de la Independencia

Ein letzter Weg führt uns in Panama City über die Avenida Amador in Richtung Flamenco Island. An der Avenida Amador sehen wir von Weitem das im Bau befindliche Museo de la Biodiversidad, das im Jahr 2014 fertiggestellt sein soll. Der vom Architekten Frank Gehry gelieferte Entwurf sieht aus, wie ein Haufen übereinander geworfener farbiger Container. Die Avenida führt über einen schnurgeraden Damm zur Insel Flamenco Island. Ein moderner, großer Jachthafen, Restaurants usw. sind hier in den letzten Jahren entstanden. Wenn wir es richtig verstanden haben, wurden der Damm und die Insel aus den Massen von Abraum aufgeschüttet, die infolge der Erweiterung der Kanalzone anfallen.

Panama - Museo de la Biodiversidad

Panama - Jachthafen auf Flamenco Island

Nach Verlassen der künstlichen Insel öffnet sich der Blick auf die nun vor uns liegende Bridge of the Americas. Der Name der Brücke formuliert exakt den dahinter stehenden Gedanken. Die Brücke verbindet die Landmassen Nord- und Südamerikas.

Panama - Bridge of the Americas

Zur Rückfahrt nach Colón ist wenig zu vermelden. Die Fahrt verläuft ohne Probleme. Nach annähernd 8 Stunden liefern Rey und sein Fahrer unsere Gruppe wieder am Kreuzfahrt-Terminal von Colón ab. Wir vertreten uns noch ein wenig die Beine im Terminal und schauen auch außerhalb des Terminals in die Läden. Danach entern wir unser Schiff, um uns wieder nach der anstrengenden Tour in Tages- und Abendschönheiten zu verwandeln.

Panama - Colons Kreuzfahrtterminal von Aussen

Panama - Wohlgemeinter Hinweis im Kreuzfahrtterminal

Zusammenfassung: Eine gelungen Reise. Ein schöner Tag. Die Tour war das Geld wert (65 US$). Wir wurden vor der Reise von Almiza Tours ausgezeichnet betreut. In Anbetracht der zwischen unseren Zeitzonen liegenden Zeitverschiebungen reagierte der Touroperator zügig auf unsere (An-) Fragen. Die gegebenen Hinweise waren präzise und verlässlich. Unser Fahrer verrichtete seinen Dienst umsichtig und gut, obwohl wir den Eindruck hatten, dass er und unser Guide zum ersten Mal zusammenarbeiteten. Womit wir bei Rey, unserem Guide wären. Rey ist eine Klasse für sich. Er ist ein ausgezeichneter Fremdenführer. Dazu ist er ein erstklassiger Entertainer, der uns in rasend schnellem Englisch über knapp 8 Stunden viel Wissenswertes über Panama vermittelt hat. Unser Rat: Don’t miss a trip around Panama, but do it with Rey.

(Karl Beyer)