Neufundland anlaufende Kreuzfahrtschiffe zieht es hauptsächlich in den Osten der 110.000 Quadratkilometer großen Insel. Etwa 50 Schiffe steuern im Jahr St. John’s die mehr als 100.000 Einwohner zählende Provinzhauptstadt und ihre nähere Umgebung an. Weitere „Ports of Call“ für Kreuzfahrtschiffe sind das circa 25 Kilometer südlich von Neufundland liegende französische Überseegebiet Saint-Pierre et Miquelon und Corner Brook an der Westküste Neufundlands. Im Jahr 2014 liefen acht Schiffe das französische Überseegebiet an, und neun Kreuzfahrtschiffe wurden auf dem Humber Arm in Corner Brook gezählt.

Corner Brook - Rush Hour zur Mittagszeit

Die 20.000 Einwohner zählende Stadt Corner Brook wird von Besuchern als sehr angenehm empfunden. Sanfte, baumbestandene Hügel umgeben den Ort. Hochhäuser sucht man vergeblich, stattdessen ziehen sich Einfamilienhäuser die Hanglagen hinauf. Die Stadt liegt an einem 35 Seemeilen langen Fjord, in den der mächtige, an Lachsen reiche Humber River fließt. Weiter entfernte Berge erreichen mehr als 800 Meter Höhe.

Corner Brook - HangbebauungCorner Brook - Der Humber River

Die Einwohnerzahl täuscht ein wenig. Im Jahre 1956 wurden vier weit auseinanderliegende Gemeinden unter Führung von Corner Brook zusammengeschlossen. Das erklärt, weshalb sich das Stadtgebiet über 150 km² erstreckt, obwohl die Kernstadt allem Anschein nach gerade einmal sechs- bis siebentausend Einwohner zählt.

Die Top-Sehenswürdigkeit Corner Brooks ist das am Ortsrand auf einer Anhöhe errichtete Captain James Cook Monument. Captain Cook vermaß Neufundland im Auftrag des englischen Königs George III. zwischen den Jahren 1763 und 1767. Die heutige, satellitengestützte Vermessungstechnik belegt, dass er in jener Zeit mit der damalig gebräuchlichen Technik zu erstklassigen Ergebnissen gelangt ist. - Der hoch über dem Fjord liegende Aussichtspunkt gefällt mit einer schönen, lebensgroßen Bronzestatue des Kartographen und lehrreichen Schautafeln. Außerdem bietet er beste Panoramablicke auf den breiten Wasserarm, die hügelige Landschaft und den Ort. Störend wirken beim Rundblick lediglich die große, am Hafen liegende Papierfabrik sowie ein System von Kläranlagen.

Corner Brook - Captain James CookCorner Brook - Eine der Schautafeln des Captain James Cook MonumentsCorner Brook - Blick auf Cruise Terminal, Ppapierfabrik und Kläranlage

Der Corner Brook Stream Trail ist nicht unbedingt eine Sehenswürdigkeit; zu einer einstündigen Wanderung am Corner Brook Stream entlang taugt der auf Initiative der Rotarier angelegte und leicht zu begehende Weg allemal. Die Bezeichnung „Stream“ für den etwa 15 Meter breiten, sehr flachen und naturbelassenen Wasserlauf wirkt übertrieben. Gut zu wissen, dass es sich bei dem Flüsschen um ein Gewässer handelt, in dem atlantische Wildlachse zu ihren Laichplätzen am Oberlauf schwimmen können.

Corner Brook - Der Corner Brook Stream

Das Gewässer durchfließt das in den Jahren 1921/1922 geschaffene Wasserreservoir Glynmill Pond. Der künstliche See versorgt die Papierfabrik zur Sicherung der Betriebsabläufe mittels eines Röhrensystems kontinuierlich mit Wasser. In der Mitte des Sees wurde aus ästhetischen Gründen eine kleine Insel angelegt, die den auf dem See lebenden Schwänen als geschütztes Nistrevier dient.

Corner Brook - Glynmill Pond

Hinter dem Teich beginnt der Margaret Bowater Park, an den sich der Blomindon Golf & Country Club anschließt. Bei gutem Wetter bieten der Trail und der Park einen guten Spazierweg.

Corner Brook -  Im Margaret Bowater ParkCorner Brook -  Im Margaret Bowater Park

Geschichtlich Interessierten steht das Corner Brook Museum and Archives für einen Blick in die Stadtgeschichte offen.

Als Tagestour wird ein Besuch des Gros Morne National Park empfohlen. Der unter dem Patronat des UNESCO-Welterbe stehende Nationalpark wird für seinen einmaligen, geologischen Reichtum, seine Pflanzen und Tiere gerühmt. Im Distrikt der circa 100 Kilometer entfernten Tablelands liegen Teile des Erdmantels, der gemeinhin weit unterhalb der Erdkruste beginnt, frei. Diese geologische Besonderheit entstand aufgrund einer vor Millionen Jahren stattgefundenen tektonischen Verschiebung. Mit etwas Glück sieht man im Nationalpark Elche und die südlichsten Karibu-Herden Nordamerikas.

Corner Brook - Unterwegs auf dem Humber River

Alles in allem gehört Corner Brook nicht zu jenen Orten auf der Welt, die ein Urlauber unbedingt gesehen haben muss. Wenn man aber schon einmal mit einem Kreuzfahrtschiff in jene Region gelangt, sollte man die einmalig schöne Landschaft genießen.