Ein Tag in Willemstad auf Curaçao

Ein Tag in Willemstad auf Curaçao


Curaçao – Eine unwiderstehliche Insel

Es mag Menschen geben, die Curaçao für eine Likörmarke halten. Ein Besuch auf der gleichnamigen Antilleninsel im Norden Venezuelas stellt klar, dass „Curaçao“ mehr meint als Likör. Besuche mit Kreuzfahrtschiffen bieten gute Voraussetzungen, die Insel und ihre Hauptstadt Willemstad zu entdecken.

Kreuzfahrtschiffe nutzen zwei Piers: Kleine und mittelgroße Schiffe legen am Anleger Mathey Wharf an. Sofern der Anleger genutzt wird, liegen die Schiffe dem Stadtteil Punda gegenüber. Große Schiffe docken am Mega Pier hinter dem Rif Fort. Dort liegt im November 2016 unser Schiff, die MS Koningsdam der Holland America Line.

Mathey Wharf mit MS Rotterdam
Mega Pier mit MS Koningsdam

Besucher werden vor der Pier an einem Stand des Curaçao Tourist Board mit Hinweisen versorgt. Nebenan finden wir unter einem ausladenden Zeltdach Souvenirshops und die Zollbehörde. Die Curacao Ports Authority informiert auf einer Anschlagtafel über die (festgelegten) Taxipreise; der dazugehörige Taxenstand und die Stände der Tour-Anbieter schließen sich an. Bis zum Rif Fort, einer der Sehenswürdigkeiten Willemstads, laufen wir wenige Minuten.

Mega Pier - Information Desk
Willemstad - Cruise Terminal - Taxi Tarife

Teile der historischen Stadt stehen unter dem Schutz des UNESCO Welterbes. Bei unserem Rundgang durch die Stadtteile Otrabanda und Punda folgen wir den Empfehlungen eines Faltplans der Tourismusbehörde Curaçaos.

Willemstad – Stadtteil Otrobanda

Der Stichkanal Sint Annabaai verbindet den geschützten Naturhafen Schottegat mit dem offenen Meer. Das Schottegat war ein geeigneter Schutzhafen für eine zu errichtende Hafenstadt. Begonnen wurde zuerst mit dem östlich des Kanals gelegenen Stadtteil Punda.

Sint Annabaai mit Frachtschiff

Sint Annabaai mit Frachtschiff


Als dort der Raum für Siedlungen nicht mehr reichte, entstand westlich des Kanals ein weiterer Stadtteil. Begonnen wurde im Jahr 1707, und auch ein Name war schnell gefunden: Otrobanda, was so viel wie „auf der anderen Seite“ hieß.

Stadtteil Otrobanda - der Gouverneur

Stadtteil Otrobanda - der Gouverneur


Das ehemals bürgerliche Stadtviertel war durch eine lockere, weitläufige Bebauung geprägt. Durch die später auftretende verdichtete Bebauung verwandelte sich die Gegend in ein „Arme-Leute-Viertel“ und verkam. Die Wende brachte im Jahr 2001 das Engagement des niederländischen Unternehmers und Philanthropen Jacob Gelt Decker. Er kaufte mehrere Straßenblocks zum Zwecke der Sanierung auf.

Die Renovierung des Komplexes gelang ihm in beispielloser Weise. Das Areal des Kurá Hulanda Museums und des verbundenen 4,5* Hotels Kurá Hulanda ist eine Kleinstadt in der Stadt. Wunderschöne farbige Häuser, schmale Gassen, gepflasterte Wege, kleine Plätze, schattenspendende Bäume, Restaurants und vieles mehr schaffen ein beschauliches Ambiente. Das ethnologische Kurá Hulanda Museum widmet sich der Geschichte der Sklaverei und des Sklavenhandels auf Curaçao. Kurá Hulanda ist für uns eine Offenbarung.

Kurá Hulanda Museum
Kurá Hulanda Hotelbereich
Kurá Hulanda Hotel und Museum
Kurá Hulanda Hotel - die Rubens Lounge

Nach dem Besuch des Kurá Hulanda-Komplexes erreichen wir die Breedestraat, die Hauptstraße des Stadtteils. Später werden wir im gegenüberliegenden Punda erneut auf die Breedestraat treffen. Im Ortsteil Otrobanda flankierten die ehemaligen Handelshäuser die Straße. In den Erdgeschossen befanden sich die Geschäftsräume der Kaufleute; die privaten Räume lagen in den Geschossen darüber.

 

 

Auf dem Brionplein, dem großen Platz neben der Sint Annabaai, erleben wir am 20. November den Einzug von „Sinterklaas“ hoch zu Ross. Der Nikolaus wird begleitet von seinen Helfern, den „Pieten“, unter ihnen der „Zwarte Piet“. Tribünen sind aufgebaut, Lautsprecherboxen lärmen, Marschkapellen begleiten Sinterklaas auf seinem Weg nach Punda; Willemstad spielt für ein paar Stunden „verrückt“.

Sinterklaas erreicht Willemstad

Sinterklaas erreicht Willemstad


Begeisterung weckt das auf der UNESCO Welterbeliste stehende Rif Fort. Gebaut wurde es in den späten 1820er Jahren. Anderthalb Meter dicke Wände aus Korallenkalk und 56 Kanonen schützten die Hafenzufahrt von Westen her.

Rif Fort und der Rouvilleweg

Rif Fort und der Rouvilleweg


Das Fort wurde komplett saniert. Ladengeschäfte und gastronomische Einrichtungen fügen sich gut in das Objekt ein. Wir empfehlen, auf die zugänglichen Mauern der Festung zu steigen und einen Blick in den weitläufigen Innenhof des Forts zu werfen.

Rif Rort
Läden, Restaurants und Cafés im Rif Rort
Bar im Rif Rort
Sie verteidigten das Rif Fort

In der benachbarten Renaissance Shopping Mall finden die auf Curaçao nicht allein mit Kreuzfahrtschiffen anreisenden und auf Luxus erpichten Gäste mehr als 50 Geschäfte bekannter Marken, gastronomische Betriebe und ein Casino. Willemstad wirkt wie ein großzügiges Shopping-Paradies.

Ladenzeile des Rif Fort und Weg zum Mega Pier

Ladenzeile des Rif Fort und Weg zum Mega Pier


Willemstad – Stadtteil Punda

Um von Otrobanda nach Punda, der Keimzelle Willemstads zu gelangen, queren wir die Sint Annabaai mittels einer schwenkbaren Pontonbrücke, der „Königin Emma Brücke“. Gebaut wurde die Fußgängern vorbehaltene Brücke im Jahr 1888; restauriert wurde sie in den Jahren 2005 und 2006. Wenn Seeschiffe auf dem Weg zum Schottegat oder von dort kommend den Stichkanal durchfahren, schwenkt sie zur Seite. Sobald die Brücke geöffnet ist, verbinden zwei Fähren die beiden Stadtteile.

Koningin Emmabrug - im geöffneten Zustand

Koningin Emmabrug - im geöffneten Zustand


Der Blickfang an der Ecke Handelskade/Breedestraat ist das prächtige, sonnengelbe Penha-Gebäude. Mit dessen Bau wurde 1708 begonnen. Die geschwungenen Giebel weisen das Gebäude als ein Musterbeispiel des „Curaçao Barocks“ aus.

Das Penha-Gebäude in der Breedestraat

Das Penha-Gebäude in der Breedestraat


Zu den häufig fotografierten Motiven Willemstads zählt die neben der Sint Annabaai verlaufende Handelskade. Der als „niederländisch“ empfundene Baustil wurde nicht ausschließlich von der Kolonialmacht der Niederlande beeinflusst. Portugiesen und Spanier hinterließen in Willemstad ebenfalls Spuren. In den ehemaligen, bunten Kaufmannshäusern der Handelskade sind Bars und Restaurants eingezogen. Unter unzähligen Sonnenschirmen genießen Touristen das karibische Flair.

Die Handelskade von Otrobanda gesehen

Die Handelskade von Otrobanda gesehen


Am Ende der Handelskade mündet die Waaigat in die Sint Annabaai. An diesem Wasserarm lag bis zum März 2018 der Floating Market. Da Curaçao nicht genügend Anbauflächen für Gemüse und Obst besitzt, übernahmen Venezolaner die Versorgung Curaçaos. Mit Lastkähnen lieferten venezolanische Händler Lebensmittel an, die von Marktständen und Booten verkauft wurden.

Der ehemalige Floating Market

Der ehemalige Floating Market


Knapp hinter dem stillgelegten Floating Market liegt der Rundbau des Ronde Markt. Der wie ein kleines Stadion aussehende Bau beherbergt feste Marktstände, an denen Artikel des täglichen Bedarfs, Werkzeuge, Kleidung sowie Souvenirs und andere Mitbringsel verkauft werden.

Der Ronde Markt

Der Ronde Markt


Zweihundert Meter trennen den Ronde Markt von der Plasa Bieu, dem „Old Market“. Dort lernen Besucher die traditionelle Küche der Insel kennen. An diversen Kochstellen werden regionale Speisen zubereitet. Gegessen wird an einfachen, mit Wachstüchern bedeckten Tischen. Für unser Empfinden wirkt die Atmosphäre der Halle rustikal und gewöhnungsbedürftig.

Plasa Bieu - der Old Market
Garküche in der Plasa Bieu

Jenseits des Waaigat grenzt der Stadtteil Scharloo an Punda. In Sichtweite des Floating Market liegt an der gegenüberliegenden Van der Brandhofstraat das Curaçao Maritime Museum. Es repräsentiert die 500 Jahre andauernde maritime Geschichte der Insel. Nautische Karten, maritimes Equipment, Schiffsmodelle und audiovisuelle Techniken sind zu besichtigen. Untergebracht ist das Museum in einer alten Villa. Daneben liegt ein weiteres sehenswertes Gebäude, die grün gestrichene „Villa Maria“.

Curaçao Maritime Museum

Curaçao Maritime Museum


 

 

Wir bleiben im Stadtteil Punda und gehen durch die Columbusstraat hinüber zum Wilhelminaplein. An unserem Weg liegt die Mikvé Israel-Emmanuel Synagoge. Sie gilt als älteste stets in Betrieb gebliebene Synagoge der westlichen Welt. Erbaut wurde sie im Jahr 1732. Der Boden der Synagoge ist mit Sand bedeckt. Das erinnert an Zeiten, in denen aus Sicherheitsgründen Sand den Trittschall der Gemeindemitglieder dämmte. Die Synagoge ist eine der Touristen-Attraktionen der Stadt. An die Synagoge grenzt das Jewish Cultural Historical Museum.

Die Mikvé Israel-Emmanuel Synagoge

Die Mikvé Israel-Emmanuel Synagoge


Pundas zentraler Platz ist der Wilhelminaplein. Neben einer Statue der vormaligen niederländischen Königin Wilhelmina, dem gigantischen Schriftzug „Curaçao“ sowie ein paar schattenspendenden Bäumen bietet uns der Platz wenig. In den aktuellen Instagram-Zeiten mutierte der mannshohe Schriftzug „Curaçao“ zu einem beliebten Selfie Point.

Selfie Point auf dem Wilhelminaplein
Selfie Point auf dem Wilhelminaplein


Hinter dem Wilhelminaplein liegt am Hendrikplein die ehemalige Synagoge Emanu-El. Wegen ihres hoch aufragenden Turms könnte sie für eine Kirche gehalten werden. Tatsächlich war der Bau ein jüdisches Gotteshaus. Nach dem Zusammenschluss zweier konkurrierender jüdischer Gemeinden fand sich eine andere Verwendung für den Sakralbau. Nutzer des Gebäudes ist heute die Staatsanwaltschaft Curaçaos.

Synagoge Emanu-El am Hendrikplein

Synagoge Emanu-El am Hendrikplein


Zum Schutz des Stadtteils Punda wurde die Waterfort errichtet. Ursprünglich war ein weit größeres Bollwerk geplant; wegen Finanznöten wurde auf weitere Sicherungsmaßnahmen verzichtet. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurden dem Waterfort Bogengewölbe, sogenannte „Boogjes“, hinzugefügt. Heute logieren in den Bögen Läden und Restaurants. Im Hof der Anlage wurde das Hotel-Hochhaus „Plaza“ errichtet.

Der Waterfort-Komplex mit dem Plaza Hotel und Casino
Die Waterfort Boogjes

Fort Amsterdam ist der wichtigste Zeitzeuge der Kolonialzeit. Mit dem Bau der dem Rif Fort gegenüberliegenden Festung wurde im Jahr 1635 begonnen. Die Anlage sicherte im Notfall die Zufahrt zum Schottegat. Wesentlicher Bestandteil des Forts ist der repräsentative Gouverneurspalast. Ministerien und Behörden der zentralen Regierung der Niederländischen Antillen nutzen ebenfalls die ehemalige Bastion als Dienstsitz. Im Inneren der Festung steht De Fortkerk. Sie war Curaçaos älteste protestantische Kirche. Seit 1990 wird sie als Museum genutzt.

Der Gouverneurspalast

Der Gouverneurspalast


Die meisten Gebäude des Stadtteils blieben trotz Brandschäden oder zwischenzeitlicher Verwahrlosung erhalten. Viel repräsentative, historische Bausubstanz wurde in die Neuzeit gerettet. Die als erfrischend empfundene Farbigkeit der Häuser beruht auf einer behördlichen Anordnung des Jahres 1817. Zum Schutze der Augen waren die Häuser nicht mehr kalkweiß sondern in gedeckten Farben zu streichen. Historische Quellen belegen, dass bei dieser Entscheidung nicht der Schutz der Augen maßgeblich war; vielmehr sei ein für den Beschluss entscheidender Ratsherr an einer Farbenfabrik beteiligt gewesen …

Farbenfrohe Häuser in der Breedestraat

Farbenfrohe Häuser in der Breedestraat


Fazit

Mit der im Jahr 1997 erfolgten Aufnahme Willemstads in das UNESCO Weltkulturerbe traf die Weltorganisation eine weise Entscheidung. Willemstad ist eine der schönsten und attraktivsten Städte, die wir im karibischen Raum kennen. Unsere Begeisterung schmälern weder die seit den 1920er Jahren am Schottegat existierende, unschöne Erdölraffinerie noch die sich hinter dem historischen Zentrum erhebende, gewaltige Königin-Juliana-Hochbrücke.

Erdöl-Raffinerien am Schottegat
Koningin Julianabrug - davor die Waaigat

Der gut und gern vier Stunden dauernde Rundgang durch die beiden Stadtteile bringt uns Willemstad näher. Besucher, denen eine Stadtbesichtigung zu Fuß zu beschwerlich ist, wählen die Trolley Train Tour. Ausgangspunkt und Ende der 60-minütigen durch Willemstad führenden Tour ist der Gouvernementsplein vor Fort Amsterdam. Die Fahrt führt an den bekanntesten Attraktionen der Stadt vorbei. Erwachsene zahlen für das Vergnügen 25 US-Dollar.

Update März 2020