Autor: Karl W. P. Beyer

Kreuzfahrtschiffe mit der Destination Dominica legen an der vor Roseau ins Meer gebauten Mole an. Die Landkarte weist die Inselhauptstadt Roseau im ersten unteren Viertel der Insel aus. Dominicas Fläche wird mit 751 km² angegeben. Das ist zu viel Land, um die Insel an einem Tag wirklich kennen zu lernen. Was sollte der Kreuzfahrer über die Insel wissen, um seine Aktivitäten zu planen?

Dominica ist vulkanischen Ursprungs. Schwefeltöpfe, heiße Quellen und ein „kochender See“ (Boiling Lake) zeugen heute noch von den ursprünglichen Aktivitäten. Eine 900 Meter hohe Bergkette durchzieht die Insel von Norden nach Süden. Vom Meer ausgehend steigt das Gelände schnell an. Die höchste Erhebung ist der 1.447 Meter hohe Morne Diablotin. Das Tropenklima lässt die Luft feuchtheiß erscheinen. Dichter Regenwald überzieht die Insel. In diesem Regenwald sollen die Boa Constrictor, Leguane und Kaiseramazonen ihr zuhause haben. Giftschlangen fehlen. Das begrüßen wir sehr.

Wir und die anderen Kreuzfahrer mussten uns entscheiden, was wir an diesem Tag sehen wollten. Dominica wird nicht wegen seiner Strände besucht. Vielmehr ist Dominica The Nature Island. Die Insel Dominica bietet mehr Sehenswertes, als der Gast an einem Tag verarbeiten kann. Darunter sind einige Ziele, die man als Herausforderung bezeichnen könnte. Davon lassen wir die Finger. Als einfach zu bewältigende Attraktion gilt die Aerial Tram, eine Gondelbahn, die mehr als einen Kilometer über den Baumwipfeln fährt und bleibende Einblicke in das Ökosystem des Regenwalds gewährt. Als ein zweites angenehm zu bewältigendes Ziel gilt der Emerald Pool im etwa 7.000 ha großen Nationalpark Morne Trois Pitons, der seit Längerem UNESCO Weltnaturerbe ist. Walbeobachtungen sind ebenfalls sehr beliebt. Vor der Küste finden verschiedene Walarten ihren Lebensraum. Vor allem Pott- und Buckelwale leben ganzjährig in den dominicanischen Gewässern. Es soll beinahe unmöglich sein, bei einer Beobachtungstour nicht auf die Meeressäuger zu treffen.

Wir entschieden uns für den Emerald Pool. Das ist ein kleiner See im Regenwald, der von einem Wasserfall gespeist wird. Zusammen mit anderen Reisenden eroberten wir ein Sammeltaxi. Erneut trafen wir auf einen guten und engagierten Fahrer, der auf Interessantes hinwies und für die Fotografen unter uns anhielt, wenn es etwas zu fotografieren gab. Vorbei am Küstenort Mahaut ging die Fahrt in Richtung der Berge und des Regenwaldes. Die Insel ist sehr wasserreich. Von 360 Bächen und Flüssen ist die Rede. Es wundert daher nicht, dass wir auf dem Weg ins Inselinnere an einem größeren Fluss entlangfuhren, auf dem Kanuten sich im Wildwasser mit ihren Kanus vergnügten.

Dominica - Rush Hour in RoseauDominica - MahautDominica - Gebirgsfluss

Unser Ziel war ein Parkplatz mit einer Art Snackbar und ordentlichen Toilettenanlagen. Wir zahlten den Eintritt für den Zugang und wurden von Park Rangern etwa eine Viertelstunde über gute Wege mit Aussichtspunkten zum Emerald Pool geführt. Dann sahen wir auch den etwa 12 Meter hohen Wasserfall, der den See speist. Drumherum ist Fels, der von der üppigen Vegetation beinahe vollständig verdeckt wird. Riesige Baumfarne machen staunen. In den höheren Bäumen gedeihen Epiphyten. Abgehärtete Naturen baden in dem doch recht kalten Wasser des Sees. Hier können man(n) noch den Tarzan und frau die Jane geben.

Dominica - Emerald Pool Visitor Centre Dominica - Baumfarn im Regenwald Dominica - Der Emerald Pool

Zwei deutlich größere Wasserfälle sahen wir dann noch auf dem Rückweg zum Parkplatz. Ein leichter, andauernder Regen begleitete uns auf unserem Weg. Kein Wunder, wir waren schließlich im Regenwald. Der Naturpark verhehlt seinen vulkanischen Ursprung nicht. Nach Verlassen des Emerald Pools zeigte uns unser Fahrer in der menschenleeren Region einige Schwefelquellen, aus denen heißes Wasser emporsteigt. Solche Quellen kannten wir zwar schon von St. Lucia. Es beeindruckt jedoch immer wieder, diese tödlichen Ausströmungen der Natur zu erleben.

Dominica - Wasserfall im Morne Trois Pitons Nationalpark Dominica - Schwefelquelle

Die Zeit verging. Wir waren schon einige Stunden unterwegs. Es wurde Zeit für den Rückweg. In Roseau wurde am Stadtrand noch ein längerer Stop im botanischen Garten eingelegt. In Europa haben wir zwar andere Vorstellungen von botanischen Gärten, lehrreich war es dort dennoch. Zum ersten Mal sahen wir einen der in der Karibik seltenen Cannonball Trees. Dieser bis zu 35 Meter hoch wachsende und orangerot blühende Baum produziert eine Masse Früchte, die groß und rund - und ebenso hart - wie Kanonenkugeln sind. Der Rinde, den Blättern und den Blüten dieser Kuriosität wird von Naturheilern eine antibakterielle und antiseptische Wirkung zugesprochen. Ebenso interessant war es, im Park einen Blick auf einen Baobab Baum zu werfen, der von einem Hurrikan umgeworfen wurde und dabei einen Schulbus zerquetschte. Glücklicherweise erlitt niemand außer dem völlig zerstörten Bus einen Schaden.

Dominica - Baobab trifft Schulbus

Der Trip in den Regenwald dauerte fünf Stunden und kostete nicht einmal die Hälfte dessen, was wir auf dem Schiff hätten dafür bezahlen müssen. Obwohl Dominica nicht unser Traumziel war, haben wir den Ausflug genossen. Es ist immer wieder ein angenehmes Empfinden, solche Exkursionen nur mit einer kleinen Gruppe durchzuführen.