Wie hieß es noch gleich? DominicaThe Nature Island“. Auf dieser Karibikinsel verzichten die modernen Kreuzfahrer auf lange, gepflegte Strände, an denen sie im warmen karibischen Seewasser planschen und sich einen gepflegten Sonnenbrand holen können. Dominica lässt auch die beeindruckenden Kulturdenkmäler vermissen, über die wir an anderen Orten stolpern. Tagesgäste, die mit dem Kreuzfahrtschiff in Roseau auf Dominica einfallen, müssen sich gut überlegen, was sie den Tag über ansehen oder welchen Aktivitäten sie nachgehen wollen.

Wir beginnen mit Roseau, der am Roseau River liegenden Inselhauptstadt.

In der Stadt leben etwa 16.000 Einwohner. An der Mole von Roseau legen die Kreuzfahrtschiffe an. Von hier gehen auch die Fähren nach Guadeloupe und Martinique ab. Nicht allein der Hafen prägt Roseau. Die Stadt ist das Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum der Insel.

Dominica - Die Mole von Roseau

Dominica - Die Mole von Roseau


Es fällt schwer, dem Gast etwas Sehenswertes zu empfehlen. Roseau enttäuscht schon ein wenig. Sofern anderswo noch nicht geschehen, könnte man sich die Stadt ansehen, um einen Eindruck vom Leben auf einer der ärmeren Karibikinseln ohne Duty-free-Zirkus und ähnlichen Späßen zu gewinnen.

Sehenswert in einem weiteren Sinne sind ...

  • der an Samstagen stattfindende Wochenmarkt;

  • der Botanische Garten im Südosten der Stadt. Der kleine und unscheinbare Botanische Garten wurde vor 100 Jahren angelegt. Er ist nicht mit Einrichtungen zu vergleichen, die wir aus Europa kennen. Immerhin spenden uns hier hohe Bäume Schatten. Bis auf die zahlreichen Vögel, die ihre Stimmen erheben, ist es ruhig in der Anlage. Es gibt einige sehenswerte Bäume, z. B. den Cannonballtree. Leider fehlen die Bezeichnungen der einzelnen Spezies. Etwas gruselig anzusehen ist ein von einem Baum zerquetschter Schulbus. Vor Jahren hat ein Hurrikan den mächtigen Baum umgeworfen. Der Schulbus stand daneben. Der Fall des Baumes ist ihm schlecht bekommen. Verletzt wurde glücklicherweise niemand.

Dominica - Cannonball Tree

Dominica - Cannonball Tree


  • und da wäre dann noch Morne Bruce. Vom Park geht es, nachdem zuerst 35 Treppenstufen überwunden wurden, über „Jack’s Walk“ steil bergauf zum höher gelegenen Aussichtspunkt Morne Bruce. Wenn man ein großes Steinkreuz sieht, weiß man, dass man richtig ist. Von hier oben lässt sich ein schöner Blick auf Roseau genießen.

Die Hauptattraktion Dominicas ist der querab von Roseau im Süden der Insel liegende Nationalpark Morne Trois Pitons. Der 7.000 ha große Nationalpark hat den Status eines UNESCO Weltnaturerbes erhalten. Mehr als 300 Meilen Wege und Pfade durchziehen das Areal. Verschiedene Attraktionen warten auf Besucher.

Dominica - Tropischer Regenwald

Dominica - Tropischer Regenwald


Ein interessantes Ziel im Morne Trois Pitons Park ist der erst 1922 entdeckte Boiling Lake. Er gilt als einer der wichtigsten touristischen Orte Dominicas. Der Weg zum See ist anstrengend und zeitraubend. Es sind ordentliche Höhenunterschiede bei tropischen Temperaturen zu bewältigen.

Tourangebote werden auch für den Emerald Pool unterbreitet. Im Gegensatz zum Boiling Lake ist diese Sehenswürdigkeit mit dem Auto recht einfach zu erreichen. Ein Wasserfall ergießt sich in eine Felsgrotte. Die Meinungen über den Pool sind geteilt. Beklagt wird die Überfüllung, wenn wieder einmal viele Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs den Emerald Pool sehen wollen. Unsere eigene Erfahrung dazu ist, dass die Fahrer von privat organisierten Touren die Besucherfrequenz der Kreuzfahrtschiffe überblicken. Wir verließen den Pool, als die Busse von Mein Schiff erst anrollten.

Dominica - Der Emerald Pool

Dominica - Der Emerald Pool


Titou Gorge. Der Spot war Drehort des Films “Piraten der Karibik”. Die Klamm wird allgemein als sehr reizvoll empfunden. Der Weg durch die Schlucht ist allerdings recht anspruchsvoll. Die Wanderer werden an einzelnen Stellen durch Life-Belts gesichert. Man kann auch zu den in die Schlucht stürzenden Wasserfällen schwimmen. Aber: Kaltes Wasser und starke Strömung fordern den ganzen Mann oder die ganze Frau.

Nach Titou Gorge sollten die Trafalgar Falls besucht werden. Zwei hohe Wasserfälle begeistern die Besucher. Kritisch wird es nur, wenn die Schiffsgruppen einfallen. Eine Gruppe von englischen Rentnern im Gebiet ist nicht unbedingt spaßig.

Außerordentlich beliebt ist die Rain Forest Aerial Tram. Mittels einer 8-sitzigen Gondel wird der Regenwald aus der Luft erkundet. Die Gondelfahrer werden von einem Guide begleitet, der während der Fahrt Informationen über Dominica und die umgebende Natur liefert. Die Gondel passiert Riesenfarne, Palmen und andere Bäume. Die Bahn fährt ca. 40 Minuten aufwärts. An der Bergstation schließt sich ein 15minütiger Weg durch den Regenwald an. Dabei wird u. a. eine Hängebrücke über eine tiefe Schlucht passiert. Danach geht es von der Mittelstation der Bahn mit der Bahn zurück zum ursprünglichen Ausgangspunkt. Die Fahrt dauert etwas 1 ½ Stunden und kostet um die 60 US$. Sie kann wegen häufiger Regenfälle ein nasses Vergnügen werden. Es empfiehlt sich deshalb, etwas Wasserfestes mitbringen. Wer das vergessen hat, kann an der Bahn auch einen Regenponcho für 5 US$ kaufen. Die Meinungen über das Abenteuer sind geteilt. Die einen möchten die Fahrt nicht missen, andere sind eher enttäuscht.

Überlegenswert ist es, die vorgenannten Ziele, Titou Gorge, Trafalgar Falls und Rain Forest Aerial Tram, miteinander zu verbinden. Dazu bedarf es allerdings eines qualifizierten Führers. Ken’s Hinterland Adventure Tours ist, wie wir hören, für ein solches Abenteuer geeignet. Selbstverständlich holt und bringt der Veranstalter die Gäste vom und zum Schiff. Eine Recherche und Kontaktaufnahme im Internet ist zielführend.

Die beiden folgenden sehenswerten Wasserfälle sind ebenfalls nur mit Führer machbar.

  • Die Middleham Falls erreicht der Kreuzfahrer auf abenteuerlichen Straßen. Vom Parkplatz schließt sich noch ein teilweise mühsamer Weg an. Zum Schluss wird die Mühe jedoch von einem Wasserfall von gut 60 Meter Höhe belohnt. Von einer Plattform aus lassen sich gute Fotos machen.
  • Die beeindruckenden Victoria Falls werden aus dem Boiling Lake gespeist. Der Weg ist nur für geübte Wanderer geeignet. Es müssen auf dem Weg hinauf immer wieder knietiefe Furten überwunden werden.

Angenehmer scheint uns die Indian River Tour, die im nördlich von Roseau gelegenen Portsmouth startet. Die Fahrt mit dem Schiff geht 40 Minuten durch Kanäle und Sumpfgebiete, in denen Mangroven, Lianen und Bromelien gedeihen. Einziger Nachteil: Zwischen beiden Städten liegen 50 Kilometer Wegstrecke.

Whale Watching
Wale bevorzugen Dominica. Vor den Küsten werden diverse Walarten beobachtet. Die Unterwasserregionen um Dominica herum bieten den Meeressäugern über das ganze Jahr ideale Lebensbedingungen. Die Insel gilt als sicherer Ort, um ganzjährig Pott- und Buckelwale zu sehen.