Autor: Karl W. P. Beyer

Im Südosten Englands liegt die Grafschaft Kent, der „Garten Englands“. Die bekannteste Stadt der Region ist die etwa 50.000 Einwohner zählende Universitätsstadt Canterbury. Der Sage nach wurde die Stadt etwa 900 v. Chr. gegründet. Von 43 n. Chr. bauten die römischen Besatzer Canterbury zu ihrem Verwaltungszentrum aus. Später errichteten sie dort das größte Amphitheater Britanniens.

Auf die Römer folgten Angelsachsen. Nachdem sie sich zum Christentum bekannt hatten, kamen im Jahr 597 n. Chr. christliche Missionare nach Canterbury. Bald darauf wurde Canterbury zum Sitz eines Erzbischofs erkoren, und eine Kathedrale wurde gebaut. Weitere 600 Jahre später entwickelte sich Canterbury nach der Ermordung des Erzbischofs Thomas Becket zum berühmtesten Wallfahrtsort Englands. In der Gegenwart ist die Stadt das Zentrum der Anglikanischen Kirche und Sitz des Erzbischofs von Canterbury.

Turm der Kathedrale von Canterbury Kathedrale von Canterbury - Krchenschiff

 

Canterbury zählt ebenso wie London zu den bevorzugten Zielen der Gäste von Kreuzfahrtschiffen, die in Dover festmachen. Von der die Hafenstadt Dover mit London verbindenden Autobahn A 2 ist die Kathedrale bereits von Weitem zu sehen.

Christ Church Gate

Die gewaltige, in einer Parklandschaft eingebettete Kathedrale ist zur Stadt hin durch Häuserfronten oder Stadtmauern abgegrenzt. Einen Durchlass bietet das Christ Church Gate am Old Butter Market. Das Tor entstand vor circa 500 Jahren zwischen 1504 und 1521. Das mehrgeschossige Tor ist an beiden Seiten von Türmen eingefasst. Im Zentrum des Bauwerks sitzt eine moderne, bronzene Christusfigur. Unter seinen Füßen befindet sich eine Wappenleiste. Rechts und links von seinen Schultern sind Gestalten mit Engelsflügeln angeordnet.

Canterbury - Christ Church Gate Canterbury - Christ Church Gate - lebendige Geschichte

 

Canterburys Kathedrale – ein wahres UNESCO Weltkulturerbe

Sobald das normannische Christ Church Gate durchquert ist, öffnet sich der Blick auf die riesige Cathedral of Christ Church, so lautet ihr offizieller Name. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gotteshaus vielfach erweitert und verändert. Die Baumaßnahmen dauerten mehrere Jahrhunderte. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche vom Jahr 1067 an. Der Bau vereint romanische und gotische Stilelemente. Die in Form eines erzbischöflichen Doppelkreuzes errichtete Kathedrale ist 160 Meter lang und 48 sowie 40 Meter breit. Auffällig sind die beiden mächtigen viereckigen Türme des westlichen Querschiffs sowie der Vierungsturm des östlichen Querschiffs.

Kathedrale von Canterbury Kathedrale von Canterbury - Haupteingang

 

Das Gotteshaus wird durch den Südwestturm betreten. Dort beginnt der empfohlene Rundgang. Er führt durch folgende Bereiche: Kirchenschiff, Krypta, Kapitelsaal, Kreuzgang, Chor und Altarraum. Die Pracht der Kathedrale ist überwältigend. Zum Altar gelangt der Besucher über zwei Höhenebenen, die durch Stufen verbunden sind. Der Kreuzgang ist riesig, und beachtenswert sind auch die größtenteils aus dem 12. und 13. Jahrhundert stammenden Buntglasfenster. Der Rundgang führt vorbei an den Sarkophagen von Soldaten, die bereits 1914 auf den Falklandinseln ihr Leben ließen. Beeindruckend ist in diesem Zusammenhang, dass dabei auch der Mannschaftsgrade gedacht wird.

Kathedrale von Canterbury - Altarraum Kathedrale von Canterbury - Kirchenfenster

 

Kathedrale von Canterbury - Soldatengräber Kathedrale von Canterbury - Kreuzgang

 

Seine letzte Ruhestätte fand in der Kathedrale auch Heinrich der IV., der erste englische König aus dem Hause Lancaster. Auch Edward of Woodstock, der „Schwarze Prinz“, er lebte von 1330 bis 1376, wurde in der Kathedrale begraben. Ihm wurden ein monumentales Grabmal und einige ausgestellte Devotionalien gewidmet.

Grab des Schwarzen Prinzen Grabbeigaben des Schwarzen Prinzen

 

An Thomas Becket, ehemals Lordkanzler und danach Erzbischof von Canterbury, wird noch heute erinnert. Becket wurde im Dezember des Jahres 1170 in der Kirche von vier Rittern ermordet. Sein Schrein entwickelte sich danach zur Pilgerstätte. Mit einer brennenden Kerze wird ständig des Platzes gedacht, an der bis zum Jahr 1538 der Schrein des St. Thomas of Canterbury stand, bevor dieser auf Befehl Heinrich VIII. zerstört wurde.

Eintrittspreis: Die Kathedrale finanziert sich u. a. durch Eintrittspreise. Erwachsene zahlen 12,50 £. Familientickets sind erhältlich; Preisnachlässe werden gewährt.

Wissenswertes über Canterbury

Die am Flüsschen Stour gelegene Stadt wird gemeinhin mit ihrer Kathedrale in Verbindung gebracht. Dabei wird häufig übersehen, dass Canterbury auch eine Universitätsstadt ist. Die University of Kent und die Canterbury Christ Church University haben ihren Sitz in Canterbury. Zudem existieren weitere Bildungseinrichtungen, wie beispielsweise eine Graduiertenschule für japanische Studenten.

Canterbury - Straßenszene

Canterbury - Straßenszene


Sehenswert sind die historischen Weberhäuser am Stour und der Bergfried des ehemaligen Canterbury Castle. Zu den Attraktionen zählt auch St. Augustine’s Abbey. Das Kloster ist ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist auch die normannische Treppe der King’s School. Es heißt, sie sei die älteste Schule Englands und der Welt. Gegründet wurde sie im Jahre 597 n. Chr. Ein weiteres Highlight ist die Stadtmauer. Obwohl Canterbury im 2. Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe schwer beschädigt wurde, konnten die Bombardements dem größten Teil der Mauer nichts anhaben.

Am Old Buttermarket

Am Old Buttermarket


Empfehlung für Kreuzfahrt-Passagiere

Neben geführten Exkursionen können an Bord der Kreuzfahrtschiffe auch einfache Bustransfers nach Canterbury gebucht werden. Die etwa vierstündigen Ausflüge sind teuer und häufig ihr Geld nicht wert. Als preisgünstige Alternative dazu dienen die regelmäßig zwischen Dover Priory und Canterbury East Rail  Station verkehrenden Züge. Unter www.bahn.de können die Fahrpläne eingesehen werden. Zwischen der Canterbury East Rail Station und der Kathedrale liegt ein beschaulicher Spaziergang von gerade einmal einem Kilometer Länge.

Fazit:

Canterbury ist ein sehr empfehlenswertes Tagesziel. Gäste von Kreuzfahrtschiffen, die bei einem Zwischenhalt in Dover nicht London besuchen, sind gut beraten, wenn sie nach Canterbury fahren.

Update November 2018