Autor: Karl W. P. Beyer

In Dover anlandende Kreuzfahrtteilnehmer stehen vor der Qual der Wahl: Sollen sie an Bord bleiben, den Tag in Dover verbringen, eine Fahrt ins nahegelegene Canterbury oder ins entferntere London unternehmen?

Wir überlegen nicht lange. Wir entscheiden uns für London, die Hauptstadt Englands und Großbritanniens. Die Busfahrt nimmt viel Zeit in Anspruch; doch am Ende des Tages wissen wir, dass wir viel gesehen haben.

Neues und Altes auf engem Raum

Das erste Bauwerk, das wir allein wegen seiner immensen Höhe von 180 Metern wahrnehmen, ist die Gherkin. Sie beherrscht den Londoner Finanzdistrikt. Entworfen hat sie der britische Star-Architekt Norman Foster. Die Londoner nennen das Gebäude etwas respektlos die „Essiggurke“. Was soll’s? Uns gefällt der Londoner Verwaltungssitz der Swiss Re sehr. Seit unserem Besuch im Jahr 2012 sind zwar noch weitere beeindruckende Wolkenkratzer hinzugekommen, den optischen Reiz der Gherkin schmälern sie jedoch nicht.

Die Gherkin

Die Gherkin


Der Tower of London ist eine der bekanntesten Londoner Sehenswürdigkeiten. Die von zwei Verteidigungsringen umgebene Stadtfestung ist beispiellos. Sie ist zu Recht ein UNESCO Weltkulturerbe. Viel fotografiert werden die Wächter des Towers, die Tower-Raben, das Traitors’ Gate, das Verräter Tor, und der St Thomas’s Tower, einer der 21 Türme der Burg.

Tower of London Yeoman Warder des Tower

 

In der Nähe des Towers steht die Tower Bridge. Die im Jahr 1894 erbaute Klappbrücke ist weltbekannt. Das im oberen Teil untergebrachte Museum sowie das alte Maschinenhaus können besichtigt werden.

Tower Bridge Tower Bridge

 

WWII und Korea-Kriegs-Veteran

Unweit von Tower und Tower Bridge liegt am südlichen Themse-Ufer der Kreuzer HMS Belfast. Das 1938 in Dienst gestellte Schlachtschiff nahm aktiv am Zweiten Weltkrieg und am Korea-Krieg teil. Seit 1971 dient die Belfast als Marine-Museum.

HMS Belfast

HMS Belfast


St Paul’s Cathedral

Am Nordufer der Themse liegt St Paul’s Cathedral, die Bischofskirche der Church of England. Die dem Schutzheiligen Londons gewidmete Kirche ist das fünfte an diesem Ort errichtete Gotteshaus. Die prächtige Kathedrale ist oftmals Veranstaltungsort staatlicher Zeremonien. Dazu zählen die Hochzeiten von Mitgliedern des Königshauses. Außerdem ist sie die letzte Ruhestätte bedeutender Persönlichkeiten.

St Paul's Cathedral

St Paul's Cathedral


Zwei Millenniums-Konstruktionen

In Sichtweite der St Paul’s Cathedral liegt die 325 Meter lange Millennium Bridge. Die über die Themse führende Fußgängerbrücke verbindet den nördlichen Stadtteil City of London mit dem am Südufer der Themse liegenden Stadtteil Southwark. Dort schließen das Tate Modern Museum und das Globe Theatre an die Brücke an. Für den Entwurf zeichnete ebenfalls Norman Foster verantwortlich. Der im Juni 2000 eröffnete Übergang geriet für seine ursprünglichen unkontrollierten, inzwischen aber beseitigten, Vibrationen in die Schlagzeilen.

Millennium Bridge

Millennium Bridge


Nicht mehr aus dem Stadtbild fortzudenken ist das London Eye. Das größte Riesenrad Europas trägt den Beinamen „Millennium Wheel“. Eröffnet wurde es jedoch erst im März 2000. Seine Höhe misst 135 Meter. Die 32 Gondeln fassen je 25 Personen. Eine Umdrehung dauert 30 Minuten. Die Fahrt ist wegen der gebotenen Ausblicke ein traumhaftes Erlebnis. Was ursprünglich nur fünf Jahre währen sollte, erscheint wegen des beispiellosen Erfolgs nun als unverzichtbar.

London Eye

London Eye


Covent Garden und das Royal Opera House

Der Covent Garden Market im West End ist ein weiteres Highlight im Londoner Besuchsprogramm. Seit dem frühen 17. Jahrhundert wurde zwischen St Martin’s Lane und Drury Lane Markt abgehalten. Um einen permanenten Marktbetrieb zu gewährleisten, wurden im Jahr 1830 Markthallen gebaut. In den 1960er Jahren musste der Markt wegen aufgekommener Verkehrsprobleme an einen anderen Ort verlagert werden. Nach Sanierungen startete der Covent Garden Market im Jahr 1980 eine zweite Karriere als Einkaufszentrum und Touristenanziehungspunkt.

Covent Garden Covent Garden Covent Garden - Eine der Markthallen Opernarien im Covent Garden Market

 

Neben dem Covent Garden Market liegt das legendäre Royal Opera House. Unter einem Dach sind die Königliche Oper und das Königliche Ballett vereint.

Die Royal Opera am Covent Garden Market

Die Royal Opera am Covent Garden Market


Londons quirliger Verkehrsknotenpunkt

Auch der Piccadilly Circus im West End zählt zu Londons Top-Attraktionen. An dem im Jahr 1819 angelegten dreieckigen Platz treffen als Hauptstraßen die Regent Street und die wichtige Piccadilly zusammen. Insgesamt münden fünf Straßen in den Verkehrsknotenpunkt. Eine mächtige Fontäne ziert den Platz.

Piccadilly Circus

Piccadilly Circus


Parlamentsgebäude und Buckingham Palace

Mit dem Palace of Westminster, den Houses of Parliament, leistet sich Großbritannien einen monumentalen Parlaments-Standort. Zusammen mit der benachbarten Westminster Abbey und der St Margaret’s Church steht der im neugotischen Stil errichtete Bau auf der Liste des UNESCO Welterbes. Berühmt ist das Gebäude nicht zuletzt wegen seines Glockenturms, des Elizabeth Towers. Der Klang der 13,5 Tonnen schweren Big Ben-Glocke dürfte vielen Menschen vertraut sein. Markant sind auch die beiden anderen Türme des Palace of Westminster, der Victoria Tower und der Jewel Tower. Aktuell wird das Gebäude eingehend saniert.

Palace of Westminster

Palace of Westminster


Königlich endet die Hauptstadtvisite am Buckingham Palace, der Residenz der Königin. Im Palast werden die Staatsgäste empfangen. Vor dem Palast steht das von einer vergoldeten Siegesgöttin gekrönte „Victoria Memorial“. Berühmt ist die Wachablösung vor dem Palast. Wer Glück hat, beobachtet den Ausritt der Königlichen Horse Guard. Für Besucher geöffnet sind die Queen’s Gallery und der Königliche Fuhrpark. Bei der Queen’s Gallery handelt es sich um die Gemäldesammlung der Königin.

Buckingham Palace Ausritt der Horse Guard

 

Fazit

Gäste von Kreuzfahrtschiffen, die Touren nach London unternehmen, sollten wissen, dass die Hin- und Rückfahrt bei guten Verkehrsbedingungen circa vier Stunden beansprucht. Sie sehen aus Zeitgründen an und für sich nur wenige Highlights der Stadt. Eine Fahrt in die Hauptstadt lohnt sich aber allemal. London zählt zu den Reisezielen die man gesehen haben sollte. Noch mehr Eindrücke gewinnen „Kreuzfahrer“ mit knappem Zeitkonto von der Stadt, wenn deren Schiff im Londoner Stadtteil Greenwich in der Themse dockt. Dazu in Kürze mehr.

(Update – Oktober 2018)