Autor: Karl W. P. Beyer

Unser Kreuzfahrtschiff, die MS Astor, liegt gut vertäut im Hafen von Dublin, und wir nutzen die Gelegenheit, bei bestem Wetter einen Tag in der Hauptstadt der Republik Irland zu verbringen. Mit dem Taxi lassen wir uns in wenigen Minuten zur nah gelegenen O’Connell Street im Zentrum der Stadt bringen. Dort beginnen wir unseren Stadtrundgang. Alles, was man dazu braucht, ist ein Stadtplan.

Dublin - O'Connell Street

Dublin - O'Connell Street


Wir starten mit dem historischen General Post Office. Dieses hatten die irischen Freiheitskämpfer während des Osteraufstandes im Jahr 1916 gegen die englische Besatzungsmacht zu ihrem Hauptquartier erkoren.

Dublin - Statue des David O'ConnellIn der Nähe des General Post Office steht die Dublin - The SpireStatue des Daniel O’Connell. Der auf diese Weise Gewürdigte setzte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts für die rechtlose katholische Masse ein.

Ein Blickfang der O’Connell Street ist The Spire. Das ist eine circa 120 Meter hohe, nach oben spitz zulaufende Metallsäule. Sie wurde 2003 im Nachgang zu den Millenniumsfeierlichkeiten errichtet.

Vor uns sehen wir die O’Connell Bridge. Die Besonderheit der Brücke: Sie ist so breit, wie sie lang ist. Erbaut wurde sie Ende des 18. Jahrhunderts. Damals wie heute war und ist sie eine der wichtigsten Brücken über den River Liffey.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Liffey Rivers liegt der Stadtteil Temple Bar. Um dorthin zu gelangen, gehen wir am nördlichen Ufer des Flusses den Bachelors Walk entlang. Wieso die Flusspromenade nach den „Junggesellen“ benannt wurde, wüssten wir nur allzu gern.

Dublin - Bachelors Walk und Ha'penny Bridge

Dublin - Bachelors Walk und Ha'penny Bridge


Mittels der Ha’penny Bridge überqueren wir den Fluss. Ihren Namen erhielt die kleine, filigrane Fußgängerbrücke von dem halben Penny, der einst als Brückenzoll zu entrichten war.

Vor uns liegt das Merchants Arch. Wir sind nun in Temple Bar. Das Viertel erstreckt sich zwischen der Liffey und dem Universitätsviertel. Bars, Nachtklubs, Restaurants, Kunstgalerien und vieles mehr machen den Reiz des Stadtteils aus.

Dublin - Straßenzug im Stadtviertel Temple Bar

Dublin - Straßenzug im Stadtviertel Temple Bar


Für uns ist es zu früh am Tag, um solchen Reizen zu erliegen. Wir wollen schließlich noch viel von Dublin sehen. Unser nächstes Ziel ist der Verwaltungssitz der Bank of Ireland, nicht zu verwechseln mit der Central Bank of Ireland. Bevor die Großbank dort einzog, wurde das erhaben wirkende Gebäude von 1729 an als Parlamentsgebäude genutzt.

dublin 751 bank of ireland

Dublin - Bank of Ireland


Neben der Bank liegt am Foster Place das National Wax Museum. Das ersparen wir uns, ebenso wie die St. Andrews Church, die zwischen zwei Häuserfronten auf der gegenüber liegenden Straßenseite hervorlugt.

Schräg gegenüber der Bank of Ireland sehen wir das Trinity College. Dorthin wenden wir uns. Gegründet wurde die Hochschule im Jahr 1592 für protestantische Studenten. Der Campus ist frei zugänglich. Auffallend sind der circa 30 Meter hohe Glockenturm Kampanile und die aus dem 8. Jahrhundert stammende Old Library mit dem Book of Kells. Im Jahr 2011 wurde diese einmalige Handschrift zum Weltdokumentenerbe erklärt. Das Buch stammt wohl aus dem 8. Jahrhundert. Es enthält die vier Evangelien des Neuen Testaments. Wer sie sehen möchte, muss Geduld mitbringen. Die Warteschlangen sind beträchtlich.

Dublin - Trinity College - Theater

Dublin - Trinity College - Theater


Gefallen hat uns Arnaldo Pomodoros Skulptur Sphere within a Sphere. Sie steht vor der Berkeley Library. Ein wenig ähnelt sie der im Battery Park, New York, aufgestellten Skulptur The Sphere, die ursprünglich am World Trade Center stand und beim Anschlag auf das Center und dem darauf folgenden Einsturz verschüttet und beschädigt wurde.

Hinter dem College befinden sich der große College Park und der Rugby Ground. Dort verlassen wir das College-Gelände. - An den Campus grenzt das Regierungsviertel mit dem repräsentativen Parlamentsgebäude, den Government Buildings und den Museen. Reizvoll sind die in der Region vorkommenden mehrgeschossigen, aneinandergereihten Stadthäuser. Diese Häuser prunken mit den prächtigen Dublin Doors, die früher viel über den Status ihrer Eigentümer und Bewohner aussagten. Sie sind aufwendig mit Vorbauten, Fenstern und imposanten Türklopfern ausgestattet.

Dublin - Moyne Institute und College ParkDublin - Stadthäuser und Dublin Doors

Über Leinster Street und Clare Street gehen wir zuerst zum Merrion Square. Ursprünglich sollte an dieser Stelle eine Kathedrale errichtet werden. Das Vorhaben wurde aber nie verwirklicht. Heute werden in dem großen, rechteckige Park historische Straßenlaternen und diverse Skulpturen ausgestellt. Auffällig ist die Statue des Oscar Wilde. Der irische Dichter wohnte in der Nachbarschaft des Merrion Square. Seine Statue stellt ihn in dandyhafter Pose im Morgenrock an einen Findling gelehnt dar. – Am Rande des Parks liegt das Irish War Memorial mit der ewigen Flamme.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt die National Gallery. Das in der Mitte des 19. Jahrhunderts geschaffene Bauwerk beherbergt eine bedeutende Kunstsammlung europäischer und speziell irischer Malerei.

Dublin - National Gallery of Ireland

Dublin - National Gallery of Ireland


An sie schließt das Natural History Museum an. Präparierte Tiere, wohin das Auge blickt. Ein „Dead Zoo“ allemal.

Es folgen die Government Buildings. Das Finanzministerium und vor allem der Sitz des Premierministers fallen auf. Am Tag unseres Urlaubs besuchte der japanische Regierungschef Irland. Wegen der damit verbundenen Sicherheitsmaßnahmen gelangten wir nicht auf das Gelände.

Dublin - Sitz des Premierministers

Dublin - Sitz des Premierministers


Auf der Rückseite des Gebäudes liegt Leinster House. Einst als Sommerresidenz des Earl of Kildare erbaut, ist das georgianische Gebäude heute der Sitz des irischen Parlaments.

Dublin - Leinster House

Dublin - Leinster House


Nebenan stehen das National Museum (mehr als zwei Millionen Objekte zu Irlands Geschichte wurden dort zusammengetragen) und die National Library of Ireland.

Wir wechseln hinüber in den St. Stephens’s Green Park. Er grenzt an das Regierungsviertel an. Beim Betreten des Parks von der North Merrion Row ist die Skulptur „Famine" nicht zu übersehen. Sie ist der Hungersnot und dem Elend der Menschen in Irland Mitte des 19. Jahrhunderts gewidmet. An anderer Stelle werden wir eine weitere, noch eingehendere Skulptur zu diesem Thema zu sehen bekommen. Der Park ist wunderschön. Alte Bäume, zwei Wasserflächen ein weitflächiges Wegenetz, allerhand Wassergetier und Hunderte Menschen die auf den Rasenflächen entspannen.

Dublin - St. Stephen's Green ParkDublin - Fusilier Arch

Durch den „Fusilier Arch“ verlassen wir den Park und gelangen in die Grafton Street. Sie ist Dublins bekannteste Einkaufsstraße. Der Disney Logoshop, Straßenkünstler, Bewley’s Café und das edle Brown-Thomas-Kaufhaus mit dem Doorman bieten dem Besucher viel Abwechslung.

Dublin - Doorman vor Brown Thomas

Dublin - Doorman vor Brown Thomas


Dublin - Molly MaloneDann sehen wir die Statue der Molly Malone. Der Skulptur nach zu urteilen, muss Molly Malone ein hübsches Landeskind des 16. Jahrhunderts gewesen sein. Tagsüber verkaufte sie Fische; des Nachts ihren Körper. Ihr ist ein populäres irisches Lied gewidmet.

Dublin Castle ist unser nächstes Ziel. Um dahin zu gelangen, gehen wir erneut zur Bank of Ireland und von dort durch die Dame Street. Und dann sehen wir schon bald Dublin Castle. Die von Normannen erbaute Burg konnte aus jener Zeit nur noch den gewaltigen Rundturm bewahren. Die anderen Bauten entstammen dem 18. Jahrhundert. Wir dürfen das Areal des Dublin Castle leider nicht betreten. Wegen der Irischen Ratspräsidentschaft in der ersten Hälfte des Jahres 2013 bleibt Dublin Castle für Besucher geschlossen. Wir können die imposante Anlage nur von außen bewundern.

Dublin - Hofportal Dublin Castle

Dublin - Hofportal Dublin Castle


Neben Dublin Castle liegt die Dublin City Hall. Es ist ein schöner, repräsentativer Bau, wie es sich eben für das Rathaus einer Hauptstadt gehört.

Die Christ Church Cathedral folgt auf die City Hall. Die ursprünglich römisch-katholische Kathedrale gehört heute der Church of Ireland. Errichtet wurde das Gotteshaus in den Jahren zwischen 1172 und 1240. Ihr heutiges Aussehen erhielt die Kirche im 16. Jahrhundert.

Dublin - Christ Church Cathedral

Christ Church Cathedral Dublin


Dublin - St. Patrick's CathedralBis zur St. Patrick’s Cathedral sind es nur wenige Hundert Meter. Auch sie gehört der Church of Ireland. Allerdings ist nicht sie, sondern die kleinere Christ Church Cathedral der Bischofssitz. Mit 91 Meter Länge ist St. Patrick’s Irlands größte Kirche. Nach einem Brandschaden wurde um 1860 eine Reparatur notwendig. Dabei verlor die Kathedrale ihre ursprüngliche Form.

Im Schatten der St. Patrick’s Cathedral liegt die Marsh’s Library. Sie wurde 1707 eröffnet. Damit ist sie die älteste öffentliche Bibliothek Irlands. Die letzten 300 Jahre hat sie nahezu unverändert überdauert.

Zwischendurch ist es an der Zeit, einen schnellen Imbiss in einem Pub einzunehmen. Wir machen es wie die Angestellten der umliegenden Bürogebäue. Ein warmes Sandwich und ein dunkles Bier vom Fass. Vorbei am bombastischen Verwaltungsgebäude des Dublin City Council, der Stadtverwaltung, gehen wir hinunter zum River Liffey. Den überqueren wir, und schon stehen wir vor den Four Courts, Irlands wichtigstem Gerichtsgebäude. Benannt ist es nach den ursprünglich vier höchsten irischen Gerichten. Heute residieren im ehrwürdigen Gebäude der Supreme Court, der High Court und derCentral Criminal Court der irischen Republik.

Dublin - The Four Courts

The Four Courts Dublin


Wir haben inzwischen viele historische Bauten angesehen. Moderner geht es in den Docklands dem sanierten und umgestalteten Hafenviertel zu. Hier wurden in den letzten Jahren – und zu besseren Zeiten – kühne und üppig dimensionierte Bank- und Versicherungsgebäude errichtet. Großartige, von Stararchitekten geschaffene Brückenbauten überspannen den Fluss.

Um dorthin zu gelangen nehmen wir die Straßenbahn, das kostest uns pro Person gerade einmal 1,60 Euro. Vermutlich hätten wir für diesen wer weiß wohin fahren können. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert prächtig in Dublin. Am Haltepunkt „Busaras“ verlassen wir die Bahn. Wir passieren danach das prächtige Customs House; die ehemalige Zollstelle dient heute dem Umweltministerium als Dienstsitz.

Dublin - Customs House

Dublin - Customs House


Vor uns liegen nun die Docklands. Ehemals zweckbestimmtes Hafenviertel, heute trendige Adresse. Sie sind unser letztes Tagesziel. Im Stadtbezirk wurden zu beiden Seiten des River Liffey zukunftsweisende Bauten errichtet. Vor allem Finanzinstitute haben sich dort repräsentative und groß dimensionierte Geschäftsbauten zugelegt. In diesem Stadtteil wird die Liffey von zwei modernen, futuristischen Brücken überbrückt. Die eine ist die Sean O’Casey Bridge. Die Zweite, die Samuel Beckett Bridge, ist wegen ihrer Konstruktion der „Eye Catcher“ schlechthin. Ihr Pylon ragt 48 Meter in die Höhe.

 Dublin - Sean O'Casey BridgeDublin - Samuel Beckett Bridge

Bevor wir aber zu den Brücken gelangen, sehen wir das zweite Famine Memorial. Es steht am Customs House Quay. Die im Denkmal verewigten Hungergestalten erinnern wieder an die große Hungersnot der Jahre 1845-1849. In Sichtweite des Denkmals liegt der Nachbau der Jeannie Johnston. Das Original der Jeanie Johnston, ein Dreimaster, war eines der übel beleumdeten „Famine Ships“ die während der Hungersnot Millionen Auswanderer vor allem nach Amerika brachten.

Dublin - Famine Momorial am Customs House QuayDublin - Jennie Johnston

Mit dem Taxi geht es den kurzen Weg vom Customs House Quay zurück zur MS Astor. In annähernd sieben Stunden haben wir - vorwiegend zu Fuß - den inneren Zirkel Dublins erkundet. Bestimmte Sehenswürdigkeiten der Stadt bleiben uns zwar verborgen. Doch können wir feststellen, dass es uns möglich war, die wesentlichen Attraktionen von Irlands Hauptstadt an einem Tag anzusehen.