Ein Tag in Falmouth


Die MS Astor besucht Falmouth in der englischen Grafschaft Cornwall. Die Liegezeit ist kurz bemessen. Nur sechseinhalb Stunden bleiben den Passagieren für Unternehmungen in Falmouth und in der Grafschaft. Uns interessiert keiner der angebotenen Ausflüge; wir erkunden Falmouth auf eigene Faust.

MS Astor am Kai von Falmouth

MS Astor am Kai von Falmouth


Bevor wir englischen Boden betreten, durchlaufen wir an Bord eine Pass- und Gesichtskontrolle. Von uns geht dem Anschein nach keine Gefahr aus, wir passieren den Kontrollposten. Vor dem Schiff wartet das Begrüßungskomitee der „Cruise Ship Ambassadors“ auf jene Gäste, die Falmouth individuell besuchen. Informationen werden gegeben und Druckstücke überreicht, darunter eines in deutscher Sprache. Als wir erklären, dass wir beabsichtigen, zuerst Pendennis Castle zu besuchen, erhalten wir zu den Unterlagen als Zugabe eine schriftliche Wegweisung mit nützlichen Hinweisen. Die geben wir nach Rückkehr im Hafen zurück.

Der Weg führt nach Pendennis Castle

Der Weg zu der über Falmouth wachenden Festung ist leicht zu finden. Der Anstieg über den Pendennis Rise strengt nicht an. Wir werfen einen Blick auf die Falmouth Docks. Am Weg informiert eine Tafel über die Bedeutung des Hafens in Vergangenheit und Gegenwart. Weitere Schilder folgen. Eines berichtet über die fünfmonatige Belagerung der Festung während des englischen Bürgerkriegs im Jahr 1646.

Erläuterungen zum Hafen von Falmouth
Falmouth - Näheres zu Pendennis Castle

Pendennis Castle ist geschlossen. Der Einlass wird erst ab 10:00 Uhr gewährt. Durch eine halb geöffnete Tür werfen wir einen Blick ins Innere der gewaltigen Anlage. Was die Dimensionen anbelangt, fühlen wir uns nach Koblenz in die Festung Ehrenbreitstein versetzt.

Falmouth - Pendennis Castle
Falmouth - das Torhaus von Pendennis Castle

Da unser Aufenthalt zeitlich limitiert ist, verlassen wir das Fort, um uns anderen Zielen zuzuwenden. Wir gehen ein Stück um die Anlage herum und staunen über das solide Torhaus und die Bauten, die über den hohen Wall lugen. – Inzwischen hat es heftig zu regnen begonnen. Das stört Falmouths Hundehalter nicht. Sie sind Regen gewohnt und den Hunden gefällt der Spaziergang.

Gyllyngvase Beach – ein idealer Strand an Sonnentagen

Von der Höhe aus sehen wir hinunter auf das Meer und die Strandabschnitte Castle Beach und Gyllyngvase Beach. Auffällig ist das in vorderster Position liegende Falmouth Hotel. Was für ein Anblick: Laubbäume wechseln sich mit Palmen ab. Die Vegetation wirkt mediterran. Dabei bewegen wir uns auf 50° nördlicher Breite!.

Falmouth - englische Gartenpracht
Falmouth - Falmouth Hotel

Oberhalb des Strandes verläuft die Cliff Road. An der Straße liegen weitere Hotels. Dem Anschein nach sind wir in der Hotelzone von Falmouth angekommen. Sehenswert ist der neben der Straße befindliche Abhang. Er ist dicht bewachsen. Grün dominiert in allen Nuancen, dazwischen breiten sich Blütenteppiche in verschwenderischer Pracht aus. Willkommen am Strand!

Falmouth - Hotels an der Cliff Road
Falmouth - Blütenpracht auf 50° nördlicher Breite
Falmouth - Gyllingvase Beach
Falmouth - Gyllingvase Beach

Gyllyngdune Gardens

Mitten im Weg steht die Chapel. Der kleine Bau sieht wie eine Kapelle aus. Der Fußweg, auf dem wir gekommen sind, unterquert die Chapel. Wir könnten von dort die Treppen hinunter zum Strandabschnitt Tunnel Beach nehmen. Wir entscheiden uns gegen den Strand und gehen stattdessen hinauf zu den Gyllyngdune Gardens und zum Princess Pavilion.

Falmouth - The Chapel
Falmouth - der Bandstand in den Gylliyngdune Gardens

Leider sind die „Quarry Gardens“, ein Teil der Gartenanlage, wegen Bauarbeiten geschlossen. Macht nichts: Wir folgen dem Weg zum Bandstand, dem viktorianischen Musikpavillon. Vorher passieren wir den aus Felssteinen errichteten Monolithic Arch und den Darwin Garden. Der wurde nach dem englischen Wissenschaftler Charles Darwin benannt. Nach einer fünfjährigen Expedition zu den Galapagosinseln ging Darwin wohlbehalten im Jahr 1836 in Falmouth an Land.

Falmouth - Blütenfülle in den Gyllyngdune Gardens

Falmouth - Blütenfülle in den Gyllyngdune Gardens


Wissenswertes zur Gartenanlage verraten die aufgestellten Informationstafeln. Wir lesen, dass die Gyllyngdune Gardens vom Heritage Lottery Fund unterstützt werden.

Fox Rosehill Gardens

Unser Weg führt weiter zu den Fox Rosehill Gardens. Postschiffkapitäne brachten von ihren Reisen exotische Pflanzen mit, die in Cornwalls frostfreiem Klima gut gediehen. Die Reederfamilie Fox bot den Pflanzen in ihrer großen Gartenanlage ein neues Zuhause. – Der Garten ging später ins Eigentum der Stadt über. Fox Rosehill Gardens Schönheit hat darunter nicht gelitten. Ob Agaven, Bambus, Bananenstauden oder Palmen, in der Anlage gedeiht alles. Rhododendren, ausladend und hoch wie Obstbäume, säumen die Wege. Selbst an einem Regentag wie heute macht es Spaß, durch diese variantenreiche und großzügige Anlage zu spazieren.

Falmouth - exotische Pflanzen in den Fox Rosehill Gardens

Falmouth - exotische Pflanzen in den Fox Rosehill Gardens


 

 

 

 

Zurück ins Zentrum

Am University College Falmouth vorbei gehen wir hinunter ins Stadtzentrum. Auf Höhe des Custom House biegen wir in die Arwenack Street ein und halten uns in Richtung des Prince of Wales Piers. Seitenstraßen gewären Blicke auf das Wasser oder den Hang hinauf auf die oberen Stadtlagen.

Was hat es mit The Custom House auf sich? Sechs prächtige Säulen schmücken die Fassade des alten Zollhauses. Das Gebäude wurde lange Zeit nicht genutzt; es verfiel, wie das Foto beweist. Inzwischen ist eine Pizzeria eingezogen. Optisch ist die neue Nutzung dem Custom House gut bekommen. Nebenan steht ein aus Backsteinen erbauter Schornstein, der vom Volksmund The King’s Pipe genannt wird. Welchem Zweck diente der Schornstein? In früheren Zeiten wurde in einem darunter befindlichen Ofen beschlagnahmte Schmuggelware verbrannt.

Falmouth Zentrum - The Custom House

Falmouth Zentrum - The Custom House


Am Weg liegt die Falmouth Parish Church, besser bekannt unter dem Namen Church of King Charles the Martyr. Die Pfarrkirche der Church of England wurde von August 1662 an errichtet. Sie ist eine von sieben englischen Kirchen, die Charles the Martyr gewidmet wurden. König Charles I., glückloser König von England, Schottland und Irland, wurde zum Märtyrer, nachdem ihn Parlamentarier am 30. Januar 1649 exekutieren ließen. Das missfiel der Church of England. Sie sprach Charles I. in den 1660er Jahren heilig.

Falmouth - Church of King Charles the Martyr

Falmouth - Church of King Charles the Martyr


Wir passieren die St George’s Arcade. Der Bau, ursprünglich ein Kino, stammt aus dem Jahr 1912. Zur jener Zeit galt es eines der größten Lichtspielhäuser Englands. Heute findet es als Shopping Mall Verwendung. Das Angebot der Läden ist eher bescheiden. Die Fassade interessiert uns. Sie zeigt den heiligen Georg, den Drachentöter.

Falmouth - Portal der St George's Arcade

Falmouth - Portal der St George's Arcade


Der Prince of Wales Pier

Wenige Minuten später stehen wir auf dem Prince of Wales Pier. Der Grundstein des Piers wurde vor nahezu 120 Jahren, im Juli 1903 vom Prince of Wales gelegt. An einigen Buden werden Tickets für Boots- und Fährfahrten verkauft. Die Preise halten sich im Rahmen. Das Wetter dürfte besser sein, zumindest regnet es nicht mehr. Die Aussicht vom Pier auf den Naturhafen und den gegenüberliegenden Ort Flushing macht den Pier zu einem sehenswerten Platz.

Falmouth - der Prince of Wales Pier
Falmouth - das St Mawes Ferry Boat

Zurück zum Schiff

Unser Aufenthalt in Falmouth neigt sich dem Ende zu. Um 15:00 Uhr verlässt MS Astor den Hafen. Wir gehen zurück, passieren erneut das Custom House und erreichen das Killigrew Monument, eine schmale, spitz aufragende Pyramide. Im Jahr 1737 ließ Martin Lister Killigrew das Monument mit der Absicht errichten, den Hafen von Falmouth zu verschönern. Geschadet hat es nicht. Von der Pyramide sind es nur noch wenige Schritte bis zu unserem Schiff.

Falmouth - das Killigrew Monument

Falmouth - das Killigrew Monument


Am Weg zum Hafen liegt das National Maritime Museum Cornwall. Das Motto des im Jahr 2003 eröffneten und preisgekrönten maritimen Museums lautet „Sea, Boats & Cornwall“.

Falmouth - das National Maritime Museum Cornwall

Falmouth - das National Maritime Museum Cornwall


Falmouth ein Blick zurück

Wir haben in Falmouth allerhand Interessantes gesehen. Es sind die kleinen Dinge, die in Erinnerung bleiben, wie der Hinweis im Eingangsbereich eines Buchladens „Wir lieben wirklich gut erzogene Kinder und deren Eltern in diesem Laden“. Das empfinden wir als „very british“. Für solche Ansagen und für ihr Understatement schätzen wir die Briten. Uns gefallen ebenfalls die urigen Pubs. Häufig wirken sie schmucklos; ein gepflegtes Guiness und freundliche Bedienungen bieten sie alle. Das gilt ohne Einschränkung ebenso für Falmouth.

Falmouth - ein wohlgemeinter Wunsch
Falmouth - der Dublin Pub - der passende Ort für ein Guiness

Bis zur Abfahrt des Schiffes klart das Wetter auf und die Sonne scheint. Wir genießen den Blick auf die Stadt, die Carrick Road genannte Bucht, die vielen Segelboote und die umgebende Landschaft.

Falmouth - der beste Ausblick auf Carrick Road
Falmouth - das Lotsenboot wartet
Falmouth - St Anthon Lighthouse
Cornwall - Lizard Point Lighthouse

Wir bleiben noch an Deck bis wir Lizard Point Lighthouse sehen. Das für seine beiden Türme bekannte Schifffahrtszeichen steht auf dem südlichsten Punkt des englischen Mainlands. Das Leuchtfeuer wird seit 1752 oberhalb der Steilküste betrieben. Good bye Cornwall. 

Update Juli 2020