Am 17. Juni 2013 legt MS Astor gegen 8:30 Uhr in Falmouth/Cornwall an. Die Liegezeit ist knapp bemessen. Um 15:00 soll das Schiff bereits wieder den Hafen verlassen. Keiner der angebotenen Ausflüge interessiert uns. Wir erkunden Falmouth auf eigene Faust.

Falmouth - MS Astor vor Landungsschiff RFA Lyme Bay

Falmouth - MS Astor vor Landungsschiff RFA Lyme Bay


Vor dem Betreten englischen Bodens unterziehen wir uns an Bord einer Pass- und Gesichtskontrolle. Schnell steht fest, dass von uns keine Gefahr ausgeht. Wir dürfen passieren. Dort wartet bereits das Begrüßungs-Komitee der Cruise Ship Ambassadors auf die Gäste, die sich individuell in Falmouth bewegen möchten. Unterlagen werden überreicht, eine davon ist in deutscher Sprache verfasst. Als wir erklären, dass wir zuerst zum Pendennis Castle hinauf gehen wollen, erhalten wir zusätzlich zu den Druckstücken noch eine schriftliche Wegweisung mit nützlichen Hinweisen. Die geben wir nach Rückkehr zurück.

Der Weg zur Festung hinauf ist einfach zu finden. Der Anstieg über den Pendennis Rise strengt auch nicht an. Wir werfen einen Blick auf die Falmouth Docks. Eine Tafel informiert über die Bedeutung des Hafens in Vergangenheit und Gegenwart. Weitere Schilder folgen. Eines berichtet über die fünfmonatige Belagerung der Festung während des ersten Bürgerkriegs im Jahr 1646.

Nützliche Erläuterungen zum Hafen Falmouth

Nützliche Erläuterungen zum Hafen Falmouth


Die Festung ist geschlossen. Einlass wird erst ab 10:00 Uhr gewährt. Der Eintritt hätte uns jeweils ₤ 6,70 gekostet. Durch eine halb offen stehende Tür werfen wir einen Blick ins Innere der gewaltigen Anlage. Von den Dimensionen erinnert das Kastell an die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz.

Unser Aufenthalt in Falmouth ist zeitlich begrenzt. Deshalb verlassen wir das Areal des Forts, um uns anderen Zielen zuzuwenden. Wir gehen ein Stück um die Anlage herum und bewundern das solide Torhaus und die Bauten, die über den hohen Wall lugen. Inzwischen hat es ordentlich zu regnen begonnen. Das stört Englands Hundehalter offenbar überhaupt nicht. Sie führen ihre Lieblinge aus und grüßen uns freundlich.

Falmouth - Erläuterungen zu Pendennis CastleFalmouth - Pendennis Castle Torhaus

Von der Höhe aus werfen wir einen Blick auf das Meer und einige Strandabschnitte. Auffällig ist das Falmouth Hotel, das in vorderster Position liegt. Was für ein Anblick: Laubbäume wechseln sich mit Palmen ab. Die Vegetation wirkt beinahe mediterran. Und doch befinden wir uns auf dem 50.° nördlicher Breite!

Falmouth - Hotels an der Cliff Road

Falmouth - Hotels an der Cliff Road


Oberhalb des Strandes liegt die Cliff Road. Dahinter in erster Reihe eine Anzahl Hotels. Wir folgen der Straße unterhalb der Hotels. Der Hang unterhalb der Straße ist dicht bewachsen. Grün dominiert in allen Nuancen, dazwischen Blütenteppiche. Weiter voraus lockt der Gyllyngvase Beach.

Falmouth - Blütenpracht auf 50 Grad nördlicher Breite

Falmouth - Blütenpracht auf 50 Grad nördlicher Breite


Mitten im Weg steht die Chapel. Sie heißt so und sieht auch wie eine Kapelle aus. Unter ihr führt der Fußweg hindurch. Wir überlegen, ob wir von dort die Treppen hinunter zum Strandabschnitt Tunnel Beach gehen sollten. Wir entscheiden uns dagegen. Stattdessen zieht es uns hinauf zu den Gyllyngdune Gardens und zum Princess Pavilion.

Falmouth - The Chapel

Falmouth - The Chapel


Neben den wegen Bauarbeiten geschlossenen Quarry Gardens steigen wir den Hang hinauf zum Bandstand, dem viktorianischen Musikpavillon.

Falmouth - Gyllyngdune Gardens mit dem Bandstand

Falmouth - Gyllyngdune Gardens mit dem Bandstand


Dabei passieren wir den aus gigantischen Felssteinen errichteten Monolithic Arch und den Darwin Garden. Er wurde nach dem englischen Wissenschaftler benannt, der im Jahr 1836 nach einer fünfjährigen Expedition zu den Galapagosinseln wohlbehalten in Falmouth landete.

Falmouth - The ArchFalmouth - Darwin Garden

Über Wissenswertes unterrichten uns die Informationstafeln, von denen es in Falmouth wimmelt. Wir lernen auch, dass Lotterien nutzbringend sind; die Gyllyngdune Gardens werden durch den Heritage Lottery Fund gefördert.

Falmouth - Schaustück am Rose WalkFalmouth - Gyllyngdune Gardens

Falmouth - Fox Rosehill GardensBananenstaude in Fox Rosehill GardensWir gehen weiter zu den Fox Rosehill Gardens. Postschiffkapitäne brachten von ihren Reisen exotische Pflanzen mit. Cornwalls frostfreies Klima begünstigte das Überleben und Wachstum tropischer Pflanzen. Die Schiffsmaklerfamilie Fox bot den Pflanzen in einer großen Gartenanlage ein neues Zuhause. - Inzwischen wurden aus privaten Gartenanlagen öffentliche Gärten. Und Fox Rosehill Gardens ist ein besonders schönes Exemplar.  Agaven, Bambus, Bananenstauden oder Palmen, hier gedeiht vieles.

Bambus-Pflanzen in Fox Rosehill Gardens   

Bambus-Pflanzen in Fox Rosehill Gardens


Rhododendren, so ausladend und hoch wie Obstbäume, säumen die Wege. Es macht Spaß, durch diese variantenreiche und großzügige Anlage zu flanieren.

Rhododendronbaum in Fox Rosehill Gardens

Rhododendronbaum in Fox Rosehill Gardens


Am University College Falmouth vorbei gehen wir hinunter ins Zentrum von Falmouth. Wir biegen auf Höhe von The Custom House in die Arwenack Street ein und halten uns in Richtung des Prince of Wales Pier. Seitenstraßen bieten Blicke hinunter zur Bucht oder den Hang hinauf auf die oberen Stadtlagen.

 Am Weg liegt die Falmouth Parish Church, besser bekannt unter dem Namen Church of KingCharles the Martyr. Die Pfarrkirche der Church of England, deren Oberhaupt die englische Königin ist, wurde vom August 1662 an errichtet. Sie ist eine von sieben englischen Kirchen, die Charles the Martyr gewidmet wurden. König Charles der I. wurde zum Märtyrer, nachdem ihn Parlamentarier am 31. Januar 1649 exekutieren ließen.

falFalmouth - Church of King Charles the Martyr

Falmouth - Church of King Charles the Martyr


Wir passieren die St Georges Arcade. Sie wurde im Jahr 1912 gebaut und als erstes Kino Falmouths genutzt. Zur damaligen Zeit war es eines der größten Lichtspielhäuser Britanniens. Ein Feuer beschädigte das Gebäude im Krieg stark. Heute dient es als Shopping Mall. Das Angebot ist eher begrenzt. Seine Fassade zeigt den hl. Georg, den Drachen tötend.

 Falmouth - St Georges Arcade

Falmouth - St Georges Arcade


Einige Minuten später stehen wir auf dem Prince of Wales Pier. Der Grundstein des Piers wurde vor 110 Jahren, im Juli 1903 vom Prince of Wales gelegt. Im Eingangsbereich liegt ein Café. An einigen Buden werden Tickets für Boots- und Fährfahrten verkauft. Die Preise halten sich im Rahmen. Das Wetter könnte besser sein. Zumindest regnet es aber nicht mehr. Die Aussicht vom Pier auf das Wasser und die umgebende Landschaft ist sehr schön.

Falmouth - The Prince of Wales PierFalmouth - Blick auf die Stadt

Leider neigt sich unser Aufenthalt dem Ende zu. Um 14:30 Uhr müssen wir zurück an Bord der MS Astor sein. Wir gehen den Weg den wir gekommen sind zurück. In der Arwenack Street steht linkerhand The Custom House, das alte Zollhaus. Sechs mächtige Säulen schmücken das im letzten Jahr außer Dienst gestellte Gebäude. Nebenan erhebt sich ein aus Backsteinen gebauter Schornstein. Er wurde The King’s Pipe genannt. An dieser Stelle wurden zuvor aufgebrachte Schmuggelwaren öffentlich verbrannt.

Falmouth - The Custom House

Falmouth - The Custom House


 

 Falmouth - Killigrew MonumentNicht zu übersehen ist das Killigrew Monument. Es ist eine schmale, spitz aufragende Pyramide. Im Jahr 1737 ließ ein gewisser Martin Lister Killigrew das Monument mit der Absicht errichten, den Hafen von Falmouth zu verschönern. Von der Pyramide gehen wir nur wenige Schritte hinüber zur MS Astor.

Bevor wir es vergessen: Am Hafen liegt das National Maritime Museum Cornwall. Das Wirken des vor 10 Jahren eröffneten und preisgekrönten maritimen Museums steht unter dem Motto „Sea, Boats & Cornwall“. Neben einer umfangreichen Dauerausstellung informieren wechselnde Veranstaltungen über spezielle Themen. Interaktive und audiovisuelle Präsentationen gefallen den Besuchern.

Falmouth - National Maritime Museum Cornwall

Falmouth - National Maritime Museum Cornwall


Wir haben in Falmouth nichts Spektakuläres, aber allerhand Interessantes gesehen. Es sind die kleinen Dinge, die im Ort Freude bereiten, wie der Hinweis im Eingangsbereich eines Buchladens „Wir lieben wirklich gut erzogene Kinder und deren Eltern in diesem Laden“. Das klingt in unseren Ohren very british. Dafür mögen wir die Engländer. Wir schwärmen auch für ihre urigen Pubs. Schlicht und einfach in der Optik, aber ein gepflegtes Guiness und freundliche Bedienungen. - Unsere Schlussfolgerung: Falmouth gefällt uns trotz des durchlebten wechselhaften Wetters.

Bis zur Abfahrt des Schiffes klart das Wetter auf. Die Sonne scheint. Nun genießen wir den Blick auf die Stadt, die Bucht, die vielen Segelboote und die umgebende Landschaft.

Falmouth - Penryn RiverFalmouth - Häuser am gegenüberliegenden UferSt MawesFalmouth - St Anthon Lighthouse

Wir halten uns noch drei Stunden an Deck auf, bis wir den letzten bemerkenswerten Ort Cornwalls sehen, Lizard Point Lighthouse.

Lizard Point Lighthouse

Lizard Point Lighthouse


 

Die für ihre beiden Türme bekannte Anlage steht auf dem südlichsten Fleck des englischen Mainlands. Seit 1752 wird hoch oben auf der Steilküste das Leuchtfeuer unterhalten. Good bye Cornwall.

(Karl Beyer)