Im Hoch- und Spätmittelalter war die Seerepublik Genua einer der einflussreichsten und mächtigsten Stadtstaaten Italiens. Genueser Kaufleute und Seefahrer begründeten durch ihre Aktivitäten den Ruhm der Stadt und häuften kolossalen Reichtum an, der mittels beeindruckender Kirchen und Paläste demonstrativ zur Schau gestellt wurde.
Die Sehenswürdigkeiten in Liguriens Hauptstadt entdecken
Eine Auswahl der Bauten fand 2006 Aufnahme in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes. Einwohner und Besucher Genuas passieren sie regelmäßig auf ihren Wegen durch die Stadt.

Genua - vom Hafen gesehen
Genuas Sehenswürdigkeiten stehen vor allem in der Altstadt und am Porto Antico, dem alten Hafen. Das historische Zentrum wird als die größte Altstadt Europas bezeichnet. In ihrem Kernbereich ist sie von schmalen Straßen und engen Gassen geprägt, die das Sonnenlicht nicht erreicht. Weiträumige Plätze fehlen im Stadtbild nahezu völlig. Ein Beispiel für eine urbane Straße, in der die Zeit stehengeblieben scheint und in der es keine Kettenläden gibt, ist die Via San Luca. Von Mobiltelefonen und moderner Ladentechnik abgesehen, fühlen wir uns im Mai 2019 in die 1950/60er Jahre zurückversetzt.

Unterwegs in Genuas Altstadt - Via S. Luca
Sehenswerte Gotteshäuser
Kirchen gibt es in Genua in Hülle und Fülle. Sehenswürdigkeiten sind vor allem die Kathedrale und die Gesù-Kirche.
Genuas einmalige Kathedrale
Historische Quellen belegen: Der Duomo di San Lorenzo wurde im Jahr 1118 geweiht. Die Baumaßnahmen fanden erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts ihren endgültigen Abschluss. Infolge der langen Bauzeit sind romanische und gotische Elemente in den Kirchenbau eingeflossen.

Kathedrale San Lorenzo
Nach einem Brand im Jahr 1296 musste der Dom teilweise erneuert werden. In der Folge erhielt er seine unverkennbare Fassade mit den dunklen und weißen Bändern. Im Inneren der Kirche sehen wir wunderbare Freskenmalereien, einen herrlichen Altarraum und schöne Seitenkapellen.
Eine pikante, wenn auch nicht verbürgte Randnotiz: Der Bau der Kathedrale wurde mutmaßlich mit Mitteln aus den erfolgreichen Operationen der genuesischen Flotte während der Kreuzzüge finanziert.
Piazza San Lorenzo
Chiesa del Gesù
Eine unbedingte Sehenswürdigkeit unter Genuas Kirchen ist die Jesuitenkirche Chiesa del Gesù. Sie steht nur wenige Meter vom Dom entfernt. Ihr vollständiger Name lautet Chiesa del Gesù e dei Santi Ambrogio e Andrea.

Das Kirchenschiff der Jesuitenkirche del Gesù
Das von außen eher unscheinbare Gotteshaus präsentiert sich im Inneren mit verschwenderischer Pracht. Den Kirchenraum zieren mehrere großformatige Gemälde. Zwei der Bilder malte der flämische Maler Peter Paul Rubens.
Via di Porta Soprana 2
Chiostro di Sant‘Andrea
Nicht minder sehenswert ist das Chiostro di Sant’Andrea. Der Kreuzgang von Sant’Andrea war Teil eines Klosters des Männerordens von San Benedetto. Das Bauwerk entstand im 12. Jahrhundert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fiel das Kloster der Stadterneuerung zum Opfer; der rechteckige Kreuzgang blieb erhalten. Abseits des hektischen Geschehens der Großstadt ist er ein Ort der Ruhe und Entspannung.

Chiostro di Sant'Andrea
Via di Porta Soprana, 12
Der Kreuzgang liegt wenige Meter von der Porta Soprana entfernt.
Genuas Paläste
Was wäre Genuas Stadtbild ohne seine Paläste und Patrizierhäuser? Die Bauten häufen sich in drei Straßen: in der zum Bahnhof führenden Via Balbi, der Via Cairoli und der Via Giuseppe Garibaldi. Zweiundvierzig der unter der Bezeichnung Palazzi dei Rolli zusammengefassten Prachtbauten gehören zum UNESCO Welterbe.
Prachtbauten der Via Giuseppe Garibaldi
Unsere Aufzählung ist nur wenigen von vielen architektonisch herausragenden Bauten gewidmet. Unsere Favoriten in der Via Garibaldi sind der Palazzo Bianco und der Palazzo Rosso. Die nach ihren Fassadenfarben benannten Stadtpaläste entstammen dem 16. Jahrhundert. Zusammen mit dem Palazzo Doria Tursi finden sie als Kunstgalerien Verwendung. Ausgestellt werden Werke bekannter Maler wie Rubens, Caravaggio, Van Dyck, Murillo und Veronese. Kurz gesagt: Alles, was gut und teuer ist, wird gezeigt.
Seit 1848 ist der beidseits von Loggien flankierte Palazzo Doria Tursi Sitz der Kommunalverwaltung.

Palazzo Doria Tursi - 1. Ebene
Er gilt als der imposanteste Palast der Via Garibaldi und als eine der Top-Sehenswürdigkeiten. An den Palast grenzt der Palazzo Nicolosio Lomellino an. Er fällt wegen seiner pastellfarbigen Stuckdekorationen auf. Hinter dem Eingangsbereich liegen das Nymphäum und ein schöner Garten, der sich in Stufen den Hang hinaufzieht.

Palazzo Lomellino
Prachtbauten der Via Balbi
Das Patriziergeschlecht der Balbi ließ sich zwischen 1618 und 1620 einen standesgemäßen Palast errichten, den Palazzo Balbi. Zum Palazzo Reale, der offiziellen Residenz des Königshauses Savoyen, wurde der Palast nach 1823. In dieser Zeit wurden dem Bau ein Thronsaal, ein Ballsaal und ein Audienzzimmer hinzugefügt.

Palazzo Reale
Knapp 100 Jahre später übernahm der Staat den Palast. Er dient heute ebenfalls als Museum. Ausgestellt werden das Originalmobiliar, Fresken und mehr als 200 Gemälde. Vertreten sind berühmte Künstler wie Bassano, Tintoretto und van Dyck.
Via Balbi 10
Der Palazzo Balbi Senarega ist gleichfalls eine Sehenswürdigkeit. Er ist eines der wichtigsten Beispiele des genuesischen Barocks. Sein heutiges Erscheinungsbild mit Garten und Nymphen-Heiligtum erhielt er in der Mitte des 17. Jahrhunderts. Das mit Fresken geschmückte Gebäude wird von der Universität genutzt.
Via Balbi 4
Ein weiteres Monument des genuesischen Barocks ist der eigentliche Universität-Palast. Ein ehemaliges Jesuitenkolleg ist seit 1775 der Sitz der Hochschule. Zum besseren Verständnis: Seit dem 13. Jahrhundert war Genua Standort mehrerer Akademien. Die Akademie für Theologie wurde auf Veranlassung von Papst Sixtus IV. im Jahre 1471 als Universität anerkannt. Sie bildete den Grundstein der heutigen Universität.

Universität - Hauptbau
Via Balbi 5
Weitere Prachtbauten im Altstadtbereich
Im Palazzo Ducale residierten die Dogen. Sie waren die gewählten Oberhäupter der Stadtrepublik Genua. Der Palast findet heute als Kulturzentrum Verwendung. ln der Beletage, den Sälen des Großen und Kleinen Rats, finden Ausstellungen und Konzerte statt. Der Bau wird bei Bedarf als Konferenzzentrum genutzt. Der Innenhof ist zugänglich. Dort warten Läden und Restaurants auf Besucher.

Palazzo Ducale
zugänglich von der Via San Lorenzo
Der farbenprächtige Palazzo San Giorgio ist mehr als 750 Jahre alt. Der Bau wurde aus dem Material der zuvor in Konstantinopel abgerissenen Botschaft Venedigs errichtet.

Palazzo San Giorgio
Nach 1262 wurde der Palast zeitweilig als Gefängnis genutzt. Der berühmteste Insasse war Marco Polo. Heute residiert in dem auffälligen Gebäude Genuas Hafengesellschaft.
Piazza Caricamento am Porto Antico
Der in der Altstadt versteckt liegende Palazzo Spinola ist ein Beispiel für die Baukunst der Renaissance. Der Palast wird von der ligurischen Nationalgalerie als Ausstellungsfläche für Gemälde berühmter europäischer Künstler beansprucht. Unter ihnen sind: Rubens, Van Dyck, Grechetto, Neben der Gemäldesammlung besitzt die Nationalgalerie eine außergewöhnliche Keramiksammlung.

Palazzo Spinola - Galleria Nazionale
Piazza Pellicceria 1
Zum Besuchsprogramm in Genua gehört die Villa del Principe, die Villa des Prinzen. Ein erster Bau wurde zwischen 1521 und 1529 auf Weisung des Admirals Andrea Doria errichtet. Vollendet wurde der Bau erst 100 Jahre später. Im Inneren laden aufwendige Holzdekorationen, Fresken und Wandteppiche zum Schauen ein. Sehenswert ist die Gartenanlage mit dem Neptunbrunnen. Die Zeus-Statue auf der rückwärtigen Seite wird leicht übersehen.

Villa del Principe
Die Villa del Principe liegt gegenüber der Stazione Marittima. Sie ist eines der beiden Kreuzfahrtterminals von Genua.

Stazione Marittima
Piazza del Principe 4
Genuas Stadttore und Monumente
Im 12. Jahrhundert bedrängte der Staufer-Kaiser Friedrich Barbarossa Genua. Zur Abwehr der Gefahr wurden in kürzester Zeit Stadtmauern errichtet. Die Porta Soprano war das östliche von insgesamt drei Stadttoren.
Anmerkung: Nur wenige Schritte vom Stadttor entfernt stehen das Säulen-Geviert des erwähnten Chiostro di Sant’Andrea sowie das Geburtshaus des Christoph Kolumbus. Der Legende nach soll der Entdecker Amerikas in der Casa Colombo aufgewachsen sein.
Ein weiteres Stadttor ist die Porta dei Vacca. Errichtet wurde es im 12. Jahrhundert als Teil der nach Westen gewandten Festungsanlage. Zur Wasserseite hin blieben die Türme nahezu unverändert. Zur Stadt hin wurden weitgehende Modifikationen vorgenommen.
Porto Soprano liegt an der Via S. Pietro della Porta
Porta dei Vacca liegt an der Via del Campo
An Christoph Kolumbus, den weltberühmten Sohn der Stadt, erinnert nicht nur das Geburtshaus. Ihm wurde vor dem Bahnhof ein monumentales Denkmal gewidmet, eine Sehenswürdigkeit schlechthin.

Das Kolumbus-Denkmal am Bahnhof
Piazza Principe und Piazza Acquaverde
Die wichtigsten Straßen und Plätze Genuas
Die Via San Lorenzo ist eine der angesagtesten Straßen Genuas. Angelegt wurde sie im 8. Jahrhundert. Zuletzt wurde sie in eine Fußgängerstraße umgewandelt. Sie führt von der in Hafennähe gelegenen Piazza della Raibetta bis zur Piazza Giacomo Matteotti. An der Straße liegen interessante Geschäfte und die Kathedrale San Lorenzo.
An die Via San Lorenzo schließt unmittelbar die Piazza Matteotti an. An diesem Platz liegen der Palazzo Ducale und die Chiesa del Gesù.
Ein Durchgang führt hinüber zur Piazza De Ferrari. In deren Zentrum speit eine gewaltige Springbrunnenanlage Wasser. Vom Platz gehen die wichtigsten Straßen der Stadt ab. Die Piazza ist von prachtvollen Bauten umstanden: dem Palazzo della Regione Ligurie, dem Palazzo Ducale und dem Palazzo dell’Accademia Ligustica di Belle Arti. Ein Blickfang ist das Opernhaus Teatro Carlo Felice. Das Reiterstandbild davor stellt Italiens Nationalhelden Giuseppe Garibaldi dar. Zwei weitere Bauten schließen das Ensemble. Es sind der Palazzo della Nova Borsa Valori und der Palazzo del Duca di Galliera.

Bürogebäude und Fontäne an der Piazza de Ferrari
Den Geschmack unserer Zeit treffen die Lokale an der unauffällig wirkenden Piazza delle Erbe. Dort liegen einige der angesagtesten Treffpunkte der Genuesen.
Genuas Aussichtspunkte und Parks
Vom Belvedere Montaldo, dem „Balkon“ über der Altstadt, genießen Schaulustige einen weiten Ausblick über die Stadt und den Hafen. Der Belvedere wurde auf den Grundmauern der ehemaligen Festung Castelletto errichtet. Der Aussichtspunkt ist mit einem Aufzug, dem Ascensore Castelletto, von der Piazza Portello aus zu erreichen.

Ausblick vom Belvedere Montaldo
Ausgangspunkt: Piazza Portello
Die Fahrt mit dem Aufzug kostet 0,90 Euro pro Fahrt.
In Sichtweite des Belvedere Montaldo liegt auf einer Anhöhe der öffentliche Park Villetta Di Negro. Die Genueser verdanken ihn dem Marquis Di Negro. Er erwarb 1802 das Gelände einer ehemaligen Festung. Dort ließ er eine Villa erbauen und einen Park anlegen. Auch ein künstlicher Wasserfall wurde installiert. Die Villa beherbergt das Museum für orientalische Kunst.

Blick auf die Parkanlage Villetta di Negro
Castello d’Albertis
Der Kapitän Enrico Alberto d’Albertis ließ sich Ende des 19. Jahrhunderts auf den Resten einer alten Festung ein standesgemäßes Wohnhaus im gotischen Baustil errichten. Die Grundmauern der Festung und einer der Erkertürme wurden fachgerecht konserviert und in den Bau einbezogen. Der Wohnsitz wurde im Jahr 1892, pünktlich zum 400. Jubiläum der Entdeckung Amerikas, fertiggestellt. Das zum Wohnen bestimmte Kastell steht auf dem Monte Galletto. Von der Höhe überblicken Besucher den Hafen, das Meer und Teile Genuas.

Castello d'Albertis
Sehenswürdigkeiten im Umfeld des Porto Antico
Genuas Hafen ist einer der wichtigsten Seehäfen des Mittelmeers. Er bedient die norditalienischen Städte Mailand und Turin. Wie viele andere Häfen der Welt war auch Genuas Hafenareal nicht unbedingt ein Beispiel für Schönheit.
Die Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas im Jahr 1992 kamen gerade recht, um den alten Hafen, den Porto Antico, zu verschönern. Mit der Umgestaltung wurde der in Genua geborene Star-Architekt Renzo Piano beauftragt. Der Meister entwickelte den Hafenbereich zu einem Mittelpunkt des öffentlichen Lebens.
Eine der Sehenswürdigkeiten des Porto Antico ist das Meerwasser-Aquarium. Es gilt als Europas zweitgrößtes Aquarium.

Acquario di Genova
Reizvoll ist ebenfalls der Panoramaaufzug Bigo. Er befördert Fahrgäste in 40 Meter Höhe. Und dann gibt es noch die einen Regenwald abbildende Glaskugel der Biosfera.
Von Bedeutung ist das Meeresmusum Galata. Dort, wo im Mittelalter die Galeeren der See-Republik gebaut wurden, steht heute das größte maritime Museum des Mittelmeers. Ein Prunkstück der Exponate ist der Nachbau einer genuesischen Galeere. Thematisch geht es dem Museum vor allem um den Seehandel zur Zeit der Seerepublik Genua, um Überseeschiffe und um nautische Karten. In einem Raum wird ein Sturm vor Kap Hoorn simuliert. Zur Ausstellung gehört ebenfalls das im Hafenbecken liegende U-Boot S 518. Ein Café und ein Andenkenladen runden das Museums-Erlebnis ab.

Galata Museo del Mare
Calata Ansaldo De Mari 1
Nicht allein Kinder freuen sich über die 65 Meter lange Galeone Neptune. Sie ist über der Wasserlinie eine korrekte Nachbildung einer spanischen Galeone des 17. Jahrhunderts. Das Schiff wurde für Roman Polanskis Film „Pirates“ gebaut. Der Schauspieler Walter Matthau gab im Film den Kapitän Thomas Bartholomew Red. Das Schiff darf besichtigt werden.

Galeone Neptune
Der Leuchtturm Torre della Lanterna di Genova steht für die Stadt und ihren Hafen. Ein erster Leuchtturm wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts gebaut. Der heutige Turm wurde im Jahr 1543 fertiggestellt. Er ist 76 Meter hoch und steht auf einem 41 Meter hohen Felsen.

Torre della Lanterna
Rampa della Lanterna
Fazit
Nach einem mehrtägigen Aufenthalt haben wir Genua als eine attraktive, saubere und sichere Stadt schätzen gelernt. Mit Kreuzfahrtschiffen anreisende Besucher sollten wissen, dass es in Genua viel zu sehen gibt. Die Stadt lässt sich bei etwas Vorbereitung gut auf eigene Faust entdecken.





