Gibraltar

Gibraltar Sehenswürdigkeiten - Affenfelsen und mehr


Im Jahr 2018 haben 243 Kreuzfahrtschiffe einen Besuch in Gibraltar, die britische Enklave auf dem spanischen Festland besucht. Die Hafengesellschaft zählte 407.000 Passagiere sowie 169.000 Crewmitglieder.

Gibraltar - Von See gesehen

Gibraltar - Von See gesehen


Am 5. Juni 2017 läuft die Celebrity Reflection das Britische Überseegebiet Gibraltar an. Sie allein bringt circa 3.000 Tagesgäste nach Gibraltar. Auch einige Crewmitglieder werden zeitweilig das Schiff verlassen.

Celebrity Reflection am Cruise Terminal von Gibraltar

Celebrity Reflection am Cruise Terminal von Gibraltar


Kreuzfahrtschiffe docken am Cruise Liner Terminal, der langen Mole hinter der North Mole Road. Das Cruise Terminal macht wenig her. Es ist nüchtern, praktisch und wirkt sicher. Vor dem Terminal warten Shuttle-Busse, Rundfahrtbusse und Taxen.

Gibraltars schmuckloses Cruise Terminal

Gibraltar - Cruise Terminal


Unseren Tagesbesuch in Gibraltar haben wir intensiv vorbereitet. Nützliche Informationen für individuell planende Besucher fanden wir beispielsweise unter http://www.visitgibraltar.gi.

 

Gibraltars Sehenswürdigkeiten

Die Top-Sehenswürdigkeiten der Halbinsel sind:

  • Der Felsen und die dort lebenden Berberaffen
  • Michael‘s Cave
  • Die Great Siege sowie die World War II Tunnels
  • Der Europa Point

 

Den Affenfelsen mit der Seilbahn erobern

Der Felsen, The Rock, ist etwa vier Kilometer lang und maximal 1,2 Kilometer breit. Seine Höhe beträgt mehr als 420 Meter. Am einfachsten wäre es, am Cruise Liner Terminal mit einem Taxi zu einer Rock Tour aufzubrechen. Die Sammeltaxen bringen ihre Fahrgäste auf annähernd 400 Meter Höhe. Gehalten wird auch an Michael’s Cave und bei der Kolonie der etwa 250 Berberaffen. Von der Höhe genießen die Fahrgäste vorzügliche Ausblicke. Rock Tours werden nicht nur am Hafen sondern  überall in der Stadt angeboten.

Überall im Zentrum gibt es Rock Tours zu kaufen

Überall im Zentrum gibt es Rock Tours zu kaufen


Ein bewährtes Transportmittel für Gipfelstürmer ist die Seilbahn. Sie ist seit 1966 in Betrieb. Die etwa 20 Personen fassenden Gondeln sind sichere und zügige Verkehrsmittel. Sechs Minuten dauert die Fahrt hinauf auf 412 Meter Höhe.

Zwischen dem Kreuzfahrtterminal und der Cable Car Base Station liegen drei Kilometer. Eine direkte Busverbindung zur Talstation der Seilbahn gibt es nicht. Ein Taxi wollen wir nicht nehmen, schließlich möchten wir etwas von der Stadt sehen. Folglich gehen wir eine knappe halbe Stunde zu Fuß in die Stadt. Unser Ziel ist die North Bastion bei den Waterport Casemates. Durch die danebengelegenen Grand Casemates Gates führt der Weg über die Main Street in das Stadtzentrum.

Talstation der Seilbahn Talstation der Seilbahn


An der North Bastion steigen wir in einen Bus der Linie 3 und fahren zur Cable Car-Station an der Kreuzung Eliott's Way/Boyd Street. Sie liegt am südlichen Ende des Stadtzentrums, bei den Gibraltar Botanic Gardens.

Die North Bastian BusstationDie North Bastian Busstation


Dann kaufen wir ein Seilbahn-Ticket für die Hin- und Rückfahrt. Die Auffahrt allein wäre zwar geringfügig preisgünstiger gewesen, wir wissen jedoch nicht, ob wir nicht auch mit der Bahn zurückfahren wollen. Mit dem Kauf einer Fahrkarte kann auch gleichzeitig der Eintrittspreis in das Naturreservat bezahlt werden. Das sollten jene Besucher wissen, die nach der Bergstation die tiefer gelegene St. Michael’s Cave besichtigen möchten. Als Senioren zahlen wir für die Hin- und Rückfahrt ohne Eintritt in das Nature Reserve pro Person 13 Gibraltar-Pfund ( Stand Juni 2017: circa 15 Euro).

Die Wartezeit an der Talstation ist gleich null. Von der Plattform der Bergstation genießen die Besucher atemberaubende Ausblicke auf die Stadt, das benachbarte Spanien, die Straße von Gibraltar, die Ostküste der Halbinsel und auf den Flug- sowie den Kreuzfahrthafen. Zudem besteht die Möglichkeit, das Restaurant der Seilbahnstation zu besuchen.

Das Zentrum von Gibraltar Der Upper Rock

Gibraltars Flughafen, dahinter liegt Spanien Gibraltars Mid Harbours Marina

Viele Schiffe liegen vor Gibraltar auf Reede. Kein Wunder, Tausende Schiffe bunkern jährlich Treibstoff in dem Britischen Überseegebiet. Wir blicken auf Rosia Bay, Gibraltars einzigen natürlichen Hafen, und wir sehen die von den Briten angelegten massiven Küstenbefestigungen, darunter Parson’s Lodge Battery. Dort waren bereits im Jahr 1744 mehr als 20 Kanonen zum Schutz des Küstenstreifens installiert worden.

Vor Gibraltar - Schiffe auf Reede Parson's Lodge Battery

 

Nächstes Ziel – O’Haras’s Battery

Um zu der stillgelegten Geschützstellung O’Hara zu gelangen, gehen wir auf guter Straße den Berg steil bergab, dem Strom der Sammeltaxen entgegen. Deren Fahrgäste kommen wie wir wegen der herrlichen Aussicht und wegen der in den Spalten und Höhlen des Felsens lebenden Berberaffen. Sie tummeln sich vorzugsweise unterhalb der Bergstation der Gondelbahn.

Sammeltaxen am Aussichtspunkt

 Sammeltaxen am Aussichtspunkt


Als beliebte Touristenattraktion des Nature Reserve werden die putzigen Primaten von Amts wegen mit Gemüse und Obst gefüttert. Die etwa 250 Affen auf dem Affenfelsen sind nicht nur possierlich, sie sind auch verschlagene, kleine Diebe. Sie riechen in Plastiktüten verpackte Lebensmittel über große Distanzen, und sie unternehmen alles, um an diese Nahrung zu gelangen. Wenn sie sich bedroht fühlen, reagieren sie mit Beißen und Kratzen. Schließlich sind die Affen trotz der ihnen angedeihenden Fürsorge Wildtiere. Sehr leicht kann bei einer Beißattacke ein Glied eines Fingers oder mehr verloren gehen. Also Vorsicht!

Berberaffe - an den Tischmanieren ist noch zu arbeiten Fellpflege

Wir folgen der schmalen Fahrstraße in Richtung St. Michael’s Cave und sehen ein wenig von Afrikas Nordküste. Tief unter uns die liegen eine Schiffswerft und weitere Hafenbetriebe. Das spanische Festland wirkt sehr nah. An der Ostküste, gut 300 Meter oberhalb von Sandy Bay, wurde im Jahr 2018 ein Skywalk als Touristenattraktion fertiggestellt.

Der Skywalk - Gibraltars neuer Aussichtspunkt

Der Skywalk - Gibraltars neuer Aussichtspunkt


O‘Hara’s Battery ist gut ausgeschildert. Drei Pfund soll der Eintritt zur Anlage kosten. Aber niemand kassiert das Geld. Aus militär-historischer Sicht mag die in der Höhe installierte 9,2‘ Kanone interessant sein. Sie wurde 1901 mit einer Reichweite von mehr als 32 Kilometern installiert. Seit der Aufgabe der Stellung kümmert sich der Gibraltar Heritage Trust um die verwaiste Anlage.

Gibraltar - Zugang zu O'Hara's Battery Gibraltar - O'Hara's Battery, die Kanone

Der Weg hinauf zur Batterie ist extrem steil und beschwerlich, denn die Geschützstellung liegt in 421 Meter Höhe nahezu auf dem höchsten Punkt des Felsens. Eine gute Viertelstunde ist für den Aufstieg einzukalkulieren. Der Weg und die Mühen lohnen sich jedoch. Der Rundumblick ist phantastisch. Wir sehen die südliche Spitze der Halbinsel, den Europa Point. Seine Markenzeichen sind ein Leuchtturm und eine der größten Moscheen Europas. Und selbst Marokkos Küstenlinie mit dem weit mehr als 800 Meter hohen Jebel Musa erkennen wir im Dunst. Der Legende nach waren dieser und der Felsen von Gibraltar die Säulen des Herkules.

Europa Point von O'Hara's Battery gesehen Der Europa Point von See gesehen

Im Dunst - Marokko mit dem Jebel Musa Sandy Bay an der Ostküste

 

St. Michael‘s Cave

Für den nun folgenden Abstieg hätten wir gern die ursprünglich vom britischen Militär angelegten Mediterranean Steps genutzt. Sie führen von der nahe gelegenen Lord Airey’s Battery im Zickzackkurs hinunter zum Jew’s Gate Friedhof. Aber schon der Einstieg in den Weg ist in sehr schlechtem Zustand. Den an den Klippen entlangführenden Weg überlassen wir besser trainierten Wanderern als wir es sind.

Die Mediterranean Steps

Die Mediterranean Steps


Stattdessen folgen wir der Fahrstraße hinunter zur 800 bis 900 Meter entfernten St. Michael’s Cave. Bereits in der Antike wurde Gibraltar als Berg mit wundervollen Höhlen beschrieben. Heute weiß man es wesentlich besser. Die Upper Hall der Tropfsteinhöhle ist über fünf Stationen mit einer kleineren Höhle verbunden. Weitere Höhlungen liegen bis zu 62,50 Meter Tiefe unter dem Eingang. Sprengungen, die einen Eingang für Touristen freilegten, führen in eine weitere Kammer. Sie wird Lower St. Michael’s Cave genannt.  Außerdem gibt es noch die Cathedral Cave, deren 400 Sitzplätze für Konzerte und Theateraufführungen genutzt werden.

St. Michael's Cave

St. Michael's Cave


Aus Zeitgründen und auch wegen der vielen vor der Höhle parkenden Kleinbusse meiden wir die Höhle. Wir könnten nun weitere 900 Meter bergab bis zur Ape’s Den gehen. Dort liegt die Mittelstation der Seilbahn. Allerdings halten die Bahnen dort nicht in der Zeit zwischen April und Oktober. Keine Chance auf eine Entlastung.

 

Hinunter nach Gibraltar Stadt

Gezwungenermaßen folgen wir einem Bergpfad zurück in das Zentrum. Der unterscheidet sich jedoch erheblich von der bisherigen Fahrstraße. Zu Anfang ist der Weg ausgesprochen unwegsam; später wird er besser. Am Jew’s Gate, dem historischen jüdischen Friedhof ist alles wieder bestens. Dort wurde auch das Nature Reserve Informationscenter eingerichtet und dort steht auch das Pillars of Hercules Monument. Es ist den Säulen des Herkules gewidmet.

Gibraltar - Das Pillars of Hercules Monument bei Jew's Gate Gibraltar - Nature Reserve Informationszentrum

Auf diesem Niveau haben wir mittlerweile viele Höhenmeter überwunden. Über uns ragen spektakuläre Felsformationen auf. Unter uns liegt die Stadt, nun zum Greifen nah. Zwischendurch erblicken wir auch die in der Napier of Magdala Battery stationierte 100 Ton Gun.

Die 100 Ton Gun

Die 100 Ton Gun


Und dann verlassen wir endgültig das Naturreservat und sehen eine Viertelstunde später die vor der South Bastion errichtete Horatio Nelson-Statue. Wir werden im Übrigen später noch weitere Statuen im Stadtbild sehen. Gibraltars Bürger schätzten es offenbar, Monumente zu errichten.

Die Horatio Nelson Statue

Die Horatio Nelson Statue


In das Stadtzentrum gelangen wir durch The Referendum Gates.

Referendum Gates

Referendum Gates


Dahinter beginnt Main Street. Ein Teilbereich der Straße ist fußläufig gestaltet. In der Hauptstraße liegt unser nächstes Ziel, die römisch-katholische Kathedrale. Zuvor passieren wir das Inces Hall Theatre, blicken die Convent Ramp hinunter und stehen dann vor The Convent. Das mächtige Backsteingebäude war ursprünglich Wohnstätte von Franziskaner-Brüdern. Seit 1728 ist es die Residenz des Gouverneurs von Gibraltar. Neben dem Convent steht die schmale King’s Chapel, die Garnisonskirche. Das im klassizistischen Stil errichtete Government Building und der Pub The Angry Friar liegen praktischerweise dem Convent gegenüber.

Inces Hall Theatre The ConventKing's Chapel Das Government Building

Als weitere bemerkenswerte Bauten folgen der Supreme Court, die anglikanische Cathedral of The Holy Trinity und schließlich die römisch-katholische Kathedrale Saint Mary the Crowned. Ihr geht die Pracht und der Prunk vieler katholischer Bischofssitze gänzlich ab.

Turm der römisch-katholischen Kathedrale
Turm der römisch-katholischen Kathedrale


Hinter der nach rechts abzweigenden City Mill Lane folgen linkerhand das repräsentative Parlamentsgebäude. An dessen Rückseite liegt der weite John Mackintosh Square den die City Hall auf der anderen Seite abschließt. Zwischen beiden Gebäuden sehen wir Gibraltars Touristen-Information.

Das Parlamentsgebäude - Rückseite

Das Parlamentsgebäude - Rückseite


Die Main Street ist eine angenehme Straße. Außer den erwähnten öffentlichen Gebäuden gibt es dort eine Anzahl Bars, Restaurants und diverse Läden. Darunter ist auch ein großer Store des britischen Einzelhandelsunternehmens Marks & Spencer. Die uns aus anderen Städten Europas vertrauten Kettenläden haben in Gibraltar dem Anschein nach noch nicht Fuß gefasst.

Beschauliches Gibraltar

Beschauliches Gibraltar


Sandy Bay

In einer Bar im Zentrum nehmen wir einen Drink. Dann fragen wir uns zur nächsten Bushaltestelle durch, besteigen einen Bus der Linie 4, schließlich haben wir ein Tagesticket erworben, und fahren unterhalb der Great Siege Tunnels zur Ostseite des Felsens bis zu dem künstlich angelegten Strandabschnitt von Sandy Bay. Den hatten wir Stunden zuvor bereits aus 400 Meter Höhe wahrgenommen.

Sandy Bay aus der Vogelperspektive

Sandy Bay aus der Vogelperspektive


Würden wir der Straße weiter folgen, gelangten wir nach dem Passieren eines langen Tunnels an den Europa Point im äußersten Süden der Iberischen Halbinsel. Dort stehen ein Leuchtturm und die Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee, die zu den größten Moscheen Europas zählen soll.

Die Zeit drängt. Die Celebrity Reflection wartet nicht. Mit dem Bus fahren wir zurück zur North Bastion und gehen dann die letzten circa zwei Kilometer zurück zum Schiff. Die Strecke ermüdet uns diesmal mehr als am Vormittag. Im Cruise Liner Terminal verabschiedet sich Gibraltar artig mit „Thank you for your visit”. Gern geschehen! Wir haben es genossen.

 

Fazit:

Das kleine Gibraltar erscheint uns ganz groß, nicht zuletzt wegen des gigantischen (Affen)Felsens. Wer mag, und außerdem gut zu Fuß ist, sieht an einem Liegetag die wesentlichen Teile des Britischen Überseegebiets. Die von uns bevorzugten Verkehrsmittel Seilbahn und Busse helfen dabei ungemein. Im April 2019 besuchten wir Gibraltar erneut, diesmal mit der brandneuen Mein Schiff 2.

Update – Juni 2019