Ein Tag in Las Palmas de Gran Canaria


Die weit vor der marokkanischen Küste im Meer liegenden Kanarischen Inseln sind ein beliebtes und bewährtes Reiseziel für all jene, die das häufig graue Winterwetter unserer Breiten eine Zeit lang vergessen und bei angenehmen Temperaturen ausspannen möchten.

Das machen sich Kreuzfahrt-Reedereien zunutze. Bekannte Unternehmen stationieren Schiffe in der Winterzeit auf dem Archipel. Die Schiffe verkehren nach einem festen Fahrplan wöchentlich auf bestimmten Routen. Am Ende der Woche verlassen die „alten“ Gäste das Schiff, es wird aufgeklart und die „neuen“ Gäste werden übernommen. Und schon startet der nächste Umlauf.      

Las Palmas - Parque de Santa Catalina                     

Las Palmas - Parque de Santa Catalina


Las Palmas de Gran Canaria ist Start- oder Haltepunkt auf diesen Rundreisen. Die 1.560-km²-Vulkaninsel Gran Canaria bietet dem Tagesbesucher viele Attraktionen. Es reicht allerdings, sich nur auf die 400.000 Einwohner zählende Inselhauptstadt Las Palmas beschränken und die touristisch interessanten Stadtteile Triana und Vegueta zu besuchen. Sie sollte man gesehen haben, bevor das Schiff den Hafen verlässt.

Las Palmas - Kreuzfahrt TerminalDazu verlassen wir das Cruise Terminal und gehen in kurzer Zeit von der Muelle Santa Catalina hinüber zum Parque de Santa Catalina. Er ist einer der beiden bedeutenden touristischen Plätze der Stadt. Von dort fahren regelmäßig Busse in Richtung Parque San Telmo im Stadtteil Triana. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten.

Las Palmas - Café im Parque San Telmo

Las Palmas - Café im Parque San Telmo


Der weitläufige, von Palmen und Gummibäumen geschützte Platz ist ein Ort der Ruhe. Altmodische Pavillons und ein Café laden zum Ausruhen ein. Die auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Seefahrerkapelle Ermita de San Telmo und der imposante Dienstsitz des Generalgouverneurs fallen auf.

las palmas 710 ermita de san telmo

Las Palmas - Ermita de San Telmo


Vom Parque de San Telmo lässt sich die Altstadt Vegueta gut erkunden. Unsere beiden wichtigsten Ziele in der Vegueta sind die Kathedrale Santa Ana und die Casa Museo de Colón. Der Weg führt durch die angenehme Fußgängerzone Calle Mayor de Triana. Der abwechslungsreich Mix von inhabergeführten Läden und den Ladenketten internationaler Marken fällt auf. Viele der denkmalgeschützten Bauten haben schöne Fassaden und Giebel. Zur Hangseite zweigen schmale Straßen mit kleinen Läden, Cafés und Restaurants ab.

Las Palmas - Calle Mayor de Triana

Las Palmas - Calle Mayor de Triana


Nach einigen Hundert Metern teilt sich die Calle Mayor de Triana an einem kleinen, dreieckigen Platz, den drei Bronzefiguren schmücken. Im Vordergrund steht ein Herr in gediegener Kleidung; in gebührendem Abstand sehen wir zwei Damen in sehr freizügigem Auftritt. Interessant!

Las Palmas - Kunst im Öffentlichen Raum     Las Palmas - Kunst im Öffentlichen Raum

Las Palmas - Carretera del CentroAn diesem kleinen Platz halten wir uns links. Kurz darauf stehen wir vor der vierspurigen Entlastungsstraße, der Carretera del Centro. Vor 1972 verlief an der Stelle das Flusstal des Barranco de Guiniguada. Die Entlastungsstraße trennt die Stadtteile Triana und Vegueta. Eine der Wegmarken an dieser Straße ist das Teatro Peréz Galdós. Es ist das bedeutendste Theater der Stadt. Von der Vorderseite wirkt es recht betulich. Der Rückseite wurde ein moderner Anbau mit Bühnenturm und Ateliers spendiert. Eine zweite Wegmarke ist der dem Theater gegenüberliegende Mercado de Vegueta. Sofern geöffnet, sollte er besucht werden. Spanische Markthallen sind immer einen Besuch wert. Uns bleibt der Zugang verwehrt. Es ist ein Samstag Nachmittag; da denken spanische Markthändler nur noch ans wohlverdiente Wochenende.

Las Palmas - Teatro Peréz Galdós    Las Palmas - Die moderne Rückfront des Teatro Peréz Galdós    Las Palmas - Mercado de Vegueta

An der rechten Seite der Markthalle führt die Calle Mendizábal in die Altstadt hinein. Wir folgen der Straße, bis wir zur Calle Los Balcónes gelangen. In die biegen wir ein. Von Ferne erhaschen wir schon einen Blick auf die Fassade der Kathedrale Santa Ana. Sie ist nach der Heiligen Anna benannt, der Mutter Marias. Die Straße trägt ihren Namen nicht zu Unrecht. Wir sehen viele, schöne Balkone.

Las Palmas - Calle los Balcones

Las Palmas - Calle los Balcones


Am Weg liegt das Centro Atlántico de Arte Moderno. Das im Jahr 1989 in einem ehemaligen Adelspalast eröffnete Museum präsentiert moderne kanarische Kunst und zeigt die wechselseitigen Beziehungen zu afrikanischer, amerikanischer und europäischer Kunst auf.

Las Palmas - Centro Atlantico de Arte Moderno

Las Palmas - Centro Atlantico de Arte Moderno


Die Calle Los Balcones mündet an der Rückseite der Kathedrale in die Plaza del Pilar Nuevo. Früher standen auf dem Platz die Frauen zum Wasserholen an. Gebäude verschiedener Stilrichtungen und Zeiten umgeben den Platz. An den Platz reichen die Rückfront der Kathedrale und ein Teil der Casa Museo de Colón.

Las Palmas - Plaza del Pilar mit der Casa Museo de Colón

Las Palmas - Plaza del Pilar mit der Casa Museo de Colón


Die Casa Colón, das Haus des Kolumbus, überrascht uns mit seiner schieren Größe. Mehrere Häuser wurden vor etwa 50 Jahren zusammengefasst. Darunter war auch der Palast der Inselgouverneure. Es heißt, dass Kolumbus in diesem Haus seine Aufwartung machte, bevor er weiter nach Westen segelte.

Las Palmas - Casa Museo de Colón    Las Palmas - Casa Museo de Colón    Las Palmas - Innenhof Casa Museo de Colón

Als Nächstes umrunden wir die Kathedrale. Ihre Vorderseite ist der Plaza de Santa Ana zugewandt. Der Platz wurde im 16. Jahrhundert angelegt. Reiseführer erwähnen, die Plaza sei der erste städtebaulich geplante Platz Spaniens gewesen. Bedeutende Bauwerke umstehen den Platz.

Las Palmas - Kathedrale Santa Ana

Las Palmas - Kathedrale Santa Ana

 Las Palmas - Vorderfront der Santa Ana KathedraleDie fünfschiffige Kathedrale mit den beiden Türmen ist die größte und älteste Kirche der Insel. Die Arbeiten am Gotteshaus wurden im Jahr 1497 nach königlicher Order begonnen.

Nach Abschluss des ersten Bauabschnitts ging im Jahr 1570 das Geld aus. Die Arbeiten ruhten über 200 Jahre, bevor sie schließlich abgeschlossen werden konnten. Insgesamt brauchte es mehr als 400 Jahre die Kathedrale zu errichten. Der Unterbrechung ist es geschuldet, dass in der Kirche verschiedene Architekturstile zur Geltung kommen.

Die Kathedrale wird außerhalb des Gottesdienstes über den um die Ecke liegenden Patio de los Naranjos betreten. Am Hof der Orangenbäume liegen ein Kloster und das Diözesanmuseum. Einer der beiden Türme darf bestiegen werden. Ein Aufzug reicht bis zur Aussichtsplattform. Wer will, kann weiter in die Turmspitze hinauf steigen. Uns war das alles verwehrt. An Samstag Nachmittagen ist die Kirche für Besucher gesperrt.

Am anderen Ende der Plaza Santa Ana steht das alte Rathaus aus dem Jahr 1853. Weitere um den Platz errichtete Gebäude sind Gemeindehäuser, der Sitz des Regenten, der Obergerichtshof und das historische Archiv der Provinzen.

Las Palmas - Das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert

Las Palmas - Das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert


Neben der Plaza Santa Ana verläuft die Calle Espíritu Santo. Sie führt zur dreieckigen Plaza del Espíritu Santo, dem Platz des Heiligen Geistes. Dort steht die gleichnamige Kapelle. Ein weiterer Blickfang ist eine überdachte Fontäne mit einem Tempelmonument. Herrschaftliche Häuser umgeben den Platz.

Las Palmas - Plaza del Espiritu Santo     Las Palmas - Plaza del Espiritu Santo

Vor der Kathedrale wurde den sagenumwobenen kanarischen Hunden an der Plaza Santa Ana ein Denkmal gesetzt worden. Acht Hundeskulpturen haben wir gezählt.

Las Palmas - Hommage an die kanarischen Hunde

Las Palmas - Hommage an die kanarischen Hunde


Bevor wir die Vegueta verlassen, besuchen wir die Kapelle des San Antonio Abad. Vor der Kapelle macht eine Inschrift darauf aufmerksam, dass Kolumbus in diesem Kirchlein betete, bevor er zu seiner Reise in die Neue Welt aufbrach.

Las Palmas - Plaza de San Antonio Abad

Las Palmas - Plaza de San Antonio Abad


Das nahe gelegene Museo Canario ersparen wir uns. Es ist dem Leben der Guanchen gewidmet, den Ureinwohnern der Kanaren.

Die Zeit drängt. Wir müssen zurück gehen und vor uns liegen noch ein paar sehenswerte Bauwerke. Wir passieren zuerst das Teatro Guiniguada. Das im Jahr 1938 fertiggestellte Bauwerk sieht interessant aus. Im Theater finden Theater- und Tanzvorführungen, Konzerte und Kinoveranstaltungen statt.

Las Palmas - Teatro Guiniguada

Las Palmas - Teatro Guiniguada


Wir queren die Entlastungsstraße auf der Höhe des Theaters. Gegenüber liegt im Stadtteil Triana die kleine Plaza de las Ranas. Hohe Bäume beschatten den Platz. Er ist benannt nach den Fröschen, die vor dem Bau der Carretera del Centro im ehemaligen Flussbett des Barranco lebten.

Las Palmas - Plaza de las Ranas     Las Palmas - Plaza de las Ranas

Unser nächstes Ziel ist die Plaza de Cairasco. Am Weg liegt die beeindruckende Biblioteca Insular. 

Las Palmas - Biblioteca Insular     Las Palmas - Biblioteca Insular

Las Palmas - Ilustrisimo Gabinete LiterarioUnd bald darauf stehen wir bereits vor unserem nächsten Ziel, dem Gabinete Literario. Es wird als eines der schönsten Gebäude der Stadt bezeichnet. Im Jahr 1844 bildete sich eine private Initiative hochgestellter Bürger mit dem alleinigen Ziel, die Mitglieder mit englischen, spanischen und französischen Zeitungen und literarischen Werken zu versorgen. Auch dem Glücksspiel konnte gehuldigt werden; schließlich gehörten Briten zu den Gründungsmitgliedern. In der heutigen Zeit werden im Erdgeschoss ein allgemein zugängliches Café, ein Zeitungsarchiv und eine Bibliothek betrieben. Für Events und Veranstaltungen werden Festräume und Veranstaltungssäle angeboten. Touristen dürfen nicht eintreten; ein Blick ins Innere des prunkvollen Gebäudes ist jedoch gestattet.

Las Palmas - Ilustrisimo Gabinete Literario     Las Palmas - Lesebereich im Ilustrisimo Gabinete Literario

Las Palmas - Treppe im Ilustrisimo Gabinete Literario     Las Palmas - Blick von der Plaza de Cairasco auf die Kathedrale

Neben dem Gabinete Literario liegt das Hotel Madrid. Für Spanien ist es ein geschichtsträchtiger Ort. Nach einem Aufenthalt in diesem Hotel begann General Franco im Jahr 1936 die Machtübernahme in Spanien.

Las Palmas - Hotel Madrid

Las Palmas - Hotel Madrid


Neben dem Gabinete Literario liegt die Plaza de Cairasco. Wenn wir schon einmal hier sind,schauen wir uns die dort aufgestellte Büste von Christoph Kolumbus an.

La Palmas - Plaza de Cairasco mit Büste des Christoph Columbus

La Palmas - Plaza de Cairasco mit Büste des Christoph Columbus


An der Rückseite des Teatro Peréz Galdós besteigen wir an der nahe gelegenen Bushaltestelle (Avenida Rafael Cabrera) den Bus, der uns zurück zum Parque de Santa Catalina bringt. Er fährt über die Uferschnellstraße, vorbei am Stadtstrand, den Jachthäfen und dem Club Náutico.

Vom Haltepunkt des Busses ist es eigentlich nur noch ein Katzensprung zum Kreuzfahrtschiff. Wer möchte, wirft noch einen Blick in das Centro Comercial El Muelle, die moderne Shopping Mall mit den vielen Läden.

Las Palmas - Centro Comercial el Muelle

Las Palmas - Centro Comercial el Muelle


Die wesentlichen Attraktionen der Stadt haben wir auf unserem Rundgang gesehen. Das kommerzielle Pueblo Canario, das kanarische Dorf, ersparten wir uns. Stattdessen hätten wir gern das futuristische Alfredo Kraus Auditorium gesehen. Dazu reichte die Zeit nicht. Nicht zu übersehen war dagegen der 2005 vollendete Torre Woermann. Das 72 Meter hohe Wohnhochhaus fällt wegen seiner eigenwilligen Formgebung auf.

Las Palmas - Torre Woermann

Las Palmas - Torre Woermann


Bei engen Zeitverhältnissen ist der aufgezeigte Weg empfehlenswert. Die Kosten für die Bustickets sind gering. Es bleibt sogar genügend Zeit für einen oder zwei Drinks in einer Bar.

(Karl Beyer)