Autor: Karl W. P. Beyer

Nur wenige Kilometer vor der Londoner Tower Bridge macht die Themse an der Isle of Dogs eine letzte Schleife. Dort liegt Greenwich. Zwei Dinge machten die Stadt weltweit bekannt. Es sind der Prime Meridian und die Greenwich Mean Time (GMT). Beide verdankt die Welt dem Royal Observatory.

Greenwich Pier

Greenwich Pier


Von Belang sind zudem das National Maritime Museum, das zugehörige Queen’s House, das Old Royal Naval College sowie der schöne und weitläufige Greenwich Park. An Großbritanniens Seefahrertradition erinnert auch das Frachtsegelschiff Cutty Sark. Sie fand in Greenwich ihren letzten Liegeplatz. Nicht unbedingt Sehenswürdigkeiten aber dennoch touristische Anziehungspunkte sind die Kirche St Alfege, der Greenwich Market, die Emirates Air Line Cable Car und die O2-Arena. Der Reihe nach stellen wir diese städtischen Attraktionen vor. Sie liegen beinahe ausschließlich im Zentrum des klein und beschaulich wirkenden Londoner Stadtteils.

Royal Greenwich Observatory

Das Königliche Observatorium liegt auf einer Anhöhe des Greenwich Parks. Sehr früh erkannten Englands Herrscher den Nutzen einer Sternwarte. Bereits im Jahr 1676 war mit dem Flamsteed House der ursprüngliche Bau des Observatoriums vollendet. Es war der Arbeitsplatz der königlichen Hofastronomen.

Royal Greenwich Observatory

Royal Greenwich Observatory


Inzwischen dient Flamsteed House als Museum für Astronomie und astronomische Werkzeuge. Den speziellen Reiz des Observatoriums machen die Prime Meridian Line und die Prime Meridian Uhr aus. Die Besucher lieben es, im Hof des Observatoriums mit beiden Beinen über einer im Boden eingelassenen Metallschiene zu stehen. Damit befinden sie sich zugleich in der westlichen und östlichen Hemisphäre. Bei Nacht markiert ein grüner Laserstrahl den Null-Längengrad. Im angrenzenden Hof, dem Meridian Courtyard, ist das größte Teleskop Großbritanniens ausgestellt.

Mit den Füßen in zwei Hemisphären stehen

Mit den Füßen in zwei Hemisphären stehen


Ein weitere Sehenswürdigkeit des Observatoriums ist der Time Ball. Der rote Signalball wurde bewusst an erhöhter Stelle und weithin sichtbar installiert. Mittels des Balls konnten die Seeleute ihre Schiffschronometer justieren. Exakt um 13:00 Uhr Greenwich-Zeit fällt der von der Themse gut sichtbare Ball hinab. Fünf Minuten zuvor wird er auf die halbe Fallhöhe und drei Minuten später in die oberste Position gezogen.

Der rote Time Ball über Flamsteed House

Der rote Time Ball über Flamsteed House


Eintrittspreis Observatorium: Erwachsene 15 £ (ca. 17,00 Euro)

Außerhalb des Geländes sind die offizielle Prime Meridian Uhr, sowie einige britische Längenmaße zu sehen. Die Shepherd 24-hour Gate Clock ist eine der ersten elektrisch betriebenen Uhren. Sie wurde 1852 installiert.

Shepherd Clock

Shepherd Clock


Von der Anhöhe des Observatory sollte das überwältigende Panorama wahrgenommen werden. Es gibt keinen besseren Standort um die Themse und das majestätische Royal Naval College wahrzunehmen. Im Westen liegt die Skyline der City of London und gegenüber ragen auf Canary Wharf die Hochhäuser des neuen Finanzzentrums auf.

Themse und Hochhäuser der City of London Canary Wharf Finanzdistrikt

 

National Maritime Museum

Das National Maritime Museum von Greenwich soll weltweit das größte Museum für Seefahrtsgeschichte sein. Eröffnet wurde es im Jahr 1937. Der Fundus umfasst etwa zwei Millionen Exponate. Darunter sind merkwürdige Dinge, wie die Kleidung, die Admiral Lord Nelson während der Schlacht von Trafalgar am Tag seines Todes trug. - Das Museum geht mit der Zeit. Ein Teil der Ausstellung ist interaktiv gestaltet; zur Freude der Kinder und der Erwachsenen.

Der Eintritt ist kostenlos.

Queen’s House

Neben dem Marinemuseum liegt Queen’s House. Der Bau der königlichen Residenz wurde im Jahr 1616 für Anne von Dänemark begonnen. Sie war die Ehefrau von König Jacob I. Die Königin erlebte die Fertigstellung nicht mehr, denn sie starb drei Jahre später. Fertiggestellt wurde der Bau erst im Jahr 1635.

Queen's House

Queen's House


Der Englische Bürgerkrieg, er begann im Jahr 1642 und dauerte sieben Jahre, beendete die königliche Epoche in Greenwich. Das prächtige Gebäude wurde danach zuerst als Seemannsschule genutzt, und seit 1937 gehört es zum National Maritime Museum, das es als Gemäldegalerie nutzt.

Der Eintritt ist kostenlos.

Old Royal Naval College

Der barocke Gebäudekomplex liegt an der Themse. Ursprünglich sollte an seinem Standort ein königlicher Palast errichtet werden. Der Bauherr, König Wilhelm III., litt jedoch an Asthma. Der Standort wäre seiner Gesundheit abträglich gewesen. Eine andere Verwendung musste gefunden werden. In Anlehnung an ähnliche Einrichtungen in Paris und Chelsea wurde ein Marinehospital für alte und verwundete Seeleute gebaut, von denen es genug gab.

Old Royal Naval College Old Royal Naval College

 

Die Bauphase dauerte 30 Jahre. Bis zu 2.000 Pensionäre sollen die Anlage gleichzeitig bewohnt haben. Als Hospital wurde sie bis 1869 genutzt. Danach fand sie als Royal Naval College eine gänzlich andere Verwendung. Derzeit nutzt die Universität Greenwich die repräsentative Anlage. Als Teil von Maritime Greenwich steht das Bauwerk seit 1997 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Die Painted Hall, der ehemalige Speisesaal des Hospitals, ist berühmt für ihr monumentales Deckengemälde. Es ist das größte dekorative Gemälde Englands.– Das College besitzt auch eine Kirche. Die im neoklassizistischen Stil erbaute St Peter und St Paul-Chapel wird für Gottesdienste, aber auch für weltliche Musikveranstaltungen genutzt. Das Interieur der Kirche gilt im gesamten Königreich als beispielhaft für das 18. Jahrhunderts.

Greenwich Park

Der ehemalige königliche Jagdgrund wurde im Jahr 1433 mit einer Mauer umgeben. Rotwild wurde in den Park gegeben, und fertig war der königliche Jagdgrund. Die Tourismuswerbung bezeichnet die 73 Hektar große Anlage gar als Londons schönsten königlichen Park.

Parkzugang - St Mary's Gate Sonniger Sonntag im Greenwich Park

 

Die Jagdszenen sind Geschichte. Der Park wird in der Gegenwart als Erholungsbereich genutzt. Wasserflächen, Spielbereiche für Kinder, Themengärten sowie eine 200 Meter lange Staudenrabatte bieten vielfältige Freizeiterlebnisse.

Cutty Sark

In Sichtweite der Themse steht in einem Trockendock der zuletzt gebaute Tee- und Wollklipper Cutty Sark. Das 85 Meter lange Vollschiff war eines der schnellsten Segelschiffe seiner Zeit. Seit 1954 liegt es in Flussnähe in einem speziellen Trockendock. Im Jahr 2007 brannte das Schiff bei Restaurierungsarbeiten aus. Die Renovierung wurde im Jahr 2012 abgeschlossen.

Cutty Sark von der Themse gesehen Cutty Sark

 

Ticketpreis: Erwachsene 12,15 £ (13,80 Euro)

In Sichtweite der Cutty Sark steht ein kreisrundes Gebäude. Es ist der südliche Eingang des Greenwich-Fußgängertunnels. Er verbindet den Ort mit der gegenüberliegenden Isle of Dogs.

Eingang zum Fußgängertunnel unter der Themse

Eingang zum Fußgängertunnel unter der Themse


St Alfege

Mehr als 1.000 Jahre steht im Stadtzentrum eine Kirche. Seit etwa 300 Jahren ist es die St Alfege-Kirche. Benannt ist sie nach dem Märtyrer St Alfege, einem Erzbischof von Canterbury. Vikinger entführten ihn im Jahr 1012. Sie ermordeten ihn, weil ihrer Lösegeldforderung nicht entsprochen wurde.

St Alfege

St Alfege


Greenwich Market

Im Stadtzentrum liegt der Greenwich Market. Mit Gemüse und Lebensmitteln hat er nichts zu tun. Designer und Kunsthandwerker bieten in der Markthalle ihre Leistungen an. Daneben werden Retro-Kleidung, Hüte, Antiquitäten und vieles mehr verkauft.

Öffnungszeiten: 10:00 bis 17:30 - an sieben Tagen in der Woche, auch an Feiertagen

Greenwich Market

Greenwich Market


Emirates Air Line Cable Car

Die erste städtische Seilbahn Großbritanniens verbindet Greenwich mit den Docklands am Nordufer des Flusses. Gebaut wurde sie für die an London vergebenen Olympischen und Paralympischen Spiele des Jahres 2012. Aus 50 Meter Höhe bieten sich gute Rundblicke auf Greenwich, London und die Themse. Der Blick schweift flussabwärts bis zum Sturmflut-Sperrwerk von Woolwich.

Emirates Air Line Cable Car

Emirates Air Line Cable Car


Ticketpreis: Erwachsene 3,50 £ (4,00 Euro)

O2-Arena

Ein derartig gewaltiges Bauwerk gibt es kein zweites Mal in Großbritannien. Die Arena ist zugleich der größte Kuppelbau der Welt. Sein Durchmesser beträgt 365 Meter, und die Höhe liegt bei 52 Metern. Die Maße sind Symbolik pur. Sie repräsentieren die Tage und die Anzahl der Wochen eines Jahres. Die zwölf gelben, 100 Meter hohen Masten stehen für die Monate des Jahres. Die Halle ist ein Millennium-Bauwerk.

O2-Arena O2-Arena

 

Der Bau gilt allerdings als Fehlinvestition. Seit 2007 wird er für Sportveranstaltungen genutzt. Auch Konzerte finden regelmäßig statt. Ein Kinocenter, Restaurants, Bars, Pubs und Läden sind ebenfalls Bestandteile des Bauwerks. Es werden auch Klettertouren auf das Dach der Arena angeboten. Die Steigung bis zu einem zentralen Aussichtspunkt in 53 Meter Höhe beträgt maximal 30 Prozent.

Unter „Up at The O2“ sind Tickets für Klettertouren erhältlich. Die Tickets kosten zwischen 36,00 und 39,00 £ (40,80 und 44,20 Euro).

Greenwich für Kreuzfahrer

Gäste von Kreuzfahrtschiffen können von mehreren englischen Häfen Ausflugstouren nach London unternehmen. Dies ist im allgemeinen mit erheblichem Zeitaufwand verbunden. Äußerst zufrieden dürfen Kreuzfahrtpassagiere sein, deren Schiffe in Greenwich anlegen. Von dort gelangen sie in kurzer Zeit ins Zentrum von London. Zwischen dem Anleger und der Tower Bridge liegen nur wenige Fluss-Kilometer. Nachteilig ist: Nur kleinere Schiffe können vor Greenwich am schwimmenden Ponton festmachen.

Azamara Journey liegt vor Greenwich

Azamara Journey liegt vor Greenwich