Kreuzfahrtschiffe, deren Ziel Guadeloupe ist, laufen den Hafen von Pointe-à-Pitre, der größten Stadt Guadeloupes, an. Die Stadt ist der wirtschaftliche Mittelpunkt des 1.628 km² großen französischen Überseedépartements. Der Großraum Pointe-à-Pitre dürfte etwa 100.000 Einwohner zählen. Vom Schiff aus gewinnt der geneigte Kreuzfahrer einen ersten Eindruck von der Stadt. Soweit erkennbar, bestimmen vorwiegend zweigeschossige Häuser das Stadtbild. In der Nähe des Piers geben einige Hochhäuser dem Stadtbild ein beliebiges Gepräge.

Guadeloupe - Der erste EindruckGuadeloupe - Der zweite Eindruck

Von ihrer Gestalt erinnert Guadeloupe an einen Schmetterling. Daher wird sie von der Fremdenverkehrswerbung auch die Schmetterlingsinsel genannt. Die beiden Schmetterlingsflügel, Basse-Terre (im Westen) und Grande-Terre (im Osten), sind durch die Rivière Salée, einen schmalen, nur 50 Meter breiten Meeresarm, voneinander getrennt. Basse-Terre ist vulkanischen Ursprungs mit bemerkenswert hohen Bergen im Landesinneren. Grande-Terre dagegen gründet auf Kalksandstein. Dieser Inselteil ist relativ flach. In Grande-Terre liegt das Zentrum der Hotellerie und des Tourismus. Basse-Terre zehrt von seiner Natur.

Für den zeitlich befristeten Kreuzfahrt-Touristen eignet sich Guadeloupe nicht zum Baden und Sonnen. Die Insel offeriert nur wenige Ziele, die innerhalb eines Tages vom Gast bequem erreicht werden können. Diese Ziele wollen entdeckt werden. Wie so oft hatten wir an Bord des Kreuzfahrtschiffes, wir reisten mit Mein Schiff, keine Tour gebucht. Auf unserer Agenda standen der Parc National de la Guadeloupe und die Stadt Pointe-à-Pitre.

Parc National de la Guadeloupe

Wir vertrauten zu Recht auf die am Pier wartenden Reiseagenten und Taxifahrer. Wir hatten uns, einer Empfehlung folgend, entschieden, vormittags einen Ausflug in den Nationalpark zu machen. Die Cascade aux Écrevisses, ein Wasserfall mit kleinem Badesee, lockte uns. Ein Taxi war schnell gefunden. Das Ziel wurde besprochen und nach einer gewissen Wartezeit, der Fahrer wartete noch eine Zeit lang auf Mitfahrer, ging es los. Etwa 30 Minuten später hatte er das Ziel erreicht, das Auto geparkt und mit uns einen Termin für die Rückfahrt abgesprochen.

Vom großen Parkplatz führt ein hervorragend angelegter Weg zum eigentlichen Ziel. Der Weg ist so angelegt, dass sowohl Rollstuhlfahrer als auch Kinder ihn leicht benutzen können. Nach einem eher kurzen Weg, vorbei an unbekannten Bäumen und Pflanzen, standen wird dann am See und am Wasserfall. Von einem Wasserfall haben wir bestimmte Vorstellungen. Die Cascade aux Écrevisses wird diesem Anspruch nicht gerecht. Die anwesenden Besucher und einige Badegäste hatten jedoch genügend Spaß. Auf uns traf das nicht zu. Zwar stimmt die Mischung aus Wasser und Botanik, dennoch sind wir der Meinung, dass man sich diesen Ausflug getrost schenken kann. Der Wasserfall ist die 20 Euro Fahrpreis pro Person nicht wert. Etwas enttäuscht ließen wir uns zum Schiff zurückfahren, um danach Pointe-à-Pitre zu erkunden.

Guadeloupe - DschungelpfadGuadeloupe - Geordneter tropischer RegenwaldGuadeloupe - Cascade aux Écrevisses


Pointe-
à-Pitre

Das kleine, gut gemachte Terminal Croisières liegt nicht allzu weit vom Zentrum entfernt. Entlang der schnurgerade verlaufenden Rue Achille René Boisneuf gingen wir Richtung Stadtmitte. Die Häuser wirken morbide und vom Zahn der Zeit gezeichnet. Hier wäre vieles zu sanieren. Es ist Fakt, dass Pointe-à-Pitre keinem Vergleich mit Fort-de-France auf Martinique standhält.

Guadeloupe - Morbider Charme

Am Ende des Weges stößt die Rue Boisneuf auf ein Hafenbecken, in dem kleinere Schiffe anlegen. Hier, am Marché Darse, steht auch die offene Markthalle. Davor, direkt am Kai, befinden sich die Stände der Fischhändler. Wenn sie den Catch of the Day ausnehmen, entsorgen sie die Innereien der Fische praktischerweise sogleich im Hafenbecken. Sehr zur Freude der über dem Hafen kreisenden Fregattvögel, die sich auf diese leichte Beute stürzen. Aus der Nähe konnten wir sehen, wie groß diese wunderbaren Flieger sind und um was für hässliche Vögel es sich bei ihnen eigentlich handelt.

Guadeloupe - Catch of the day Guadeloupe - Die Fregattvögel lauern

Dem Hafenbecken gegenüber liegt die weitläufige Place de la Victoire, an deren Rand mächtige Bäume Schatten spenden. Unter den Bäumen kann man gut ausruhen und in einem der Straßencafés etwas trinken. Von hier ist es dann nicht mehr weit bis zur Kathedrale, der kleinen, hellen Basilika St Pierre et St Paul. Die Kirche ist um ein eisernes Skelett herum errichtet worden, das vor Erdbeben und Hurrikanen schützen soll. Bislang hat es geholfen. Der Kathedrale gegenüber befindet sich das Palais de Justice.

Guadeloupe - Schattenspender am Place de la VictoireGuadeloupe - Die KathedraleGuadeloupe - Hauptschiff der Kathedrale

Zurück zum Schiff ging es durch die Rue Henri IV. Die Straße verläuft ebenso schnurgerade wie die Rue Boisneuf. Am Wege liegt das Musée Schoelcher (Rue Peynier). Es ist Victor Schoelcher gewidmet, der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Aufenthalten auf Kuba und an anderen Orten zum Kämpfer gegen die Sklaverei avancierte.

Guadeloupe - Musée Schoelcher

Wie unter Guadeloupe – Sehenswertes ausgeführt, ist die Insel nicht gespickt mit Attraktionen. Alles in allem hat uns der Aufenthalt auf der Insel doch gefallen. Es war lohnenswert, die Insel im Wege zweier so unterschiedlicher Exkursionen kennen zu lernen. Auch wenn uns die gewonnenen Eindrücke nicht spektakulär vorkamen, möchten wir sie dennoch nicht missen.

(Karl Beyer)