Autor: Karl W. P. Beyer

Am 14. Mai 2016 läuft die Azamara Quest den Hafen von Haifa an. Die drittgrößte Stadt Israels erreichen wir in den frühen Morgenstunden. Anderthalb Tage liegt das Schiff im wichtigsten Seehafen des Landes. Wie der Zufall es will, fällt der erste Besuchstag in Haifa auf den Schabbat, den siebten Tag der Woche. Am Schabbat sollen gläubige Juden keine Arbeit verrichten; entsprechend ruhig geht es an Land zu.

Azamara Quest am Cruise Terminal von Haifa

Azamara Quest am Cruise Terminal von Haifa

Viele der Schiffsgäste brechen trotz des Ruhetags zu organisierten Touren nach Jerusalem, Nazareth und Galiläa oder Bethlehem auf. Uns zieht es jedoch nicht in diese entfernteren Regionen; wir werden einen Teil des Tages im nur 25 Kilometer entfernten Akko (Akkon) zubringen. Die 50.000 Einwohner zählende Stadt wird gepriesen wegen ihres schönen vom feinen Sand des Nildeltas gespeisten Strandes, ihrer geschäftigen Marina und vor allem wegen ihrer geschichtsträchtigen Altstadt.

Altstadt von Akko

Altstadt von Akko

Uns interessiert speziell die auf einer Landzunge liegende, von gewaltigen Festungsmauern umschlossene Altstadt. Ihre Ursprünge gehen bis ins 3. Jahrtausend vor der Zeitrechnung zurück. Zwischen 638 und 1104 n. Chr. stand Akko unter arabischer Herrschaft. In jener Zeit wurde der Hafen am östlichen Rand des Mittelmeers ausgebaut. Im Jahr 1104 n. Chr. eroberten die in das Heilige Land drängenden Kreuzritter die Stadt und ihren sicheren Hafen, der für sie von hoher strategischer Bedeutung war. Akko wurde das Tor zum Heiligen Land. Die ohnehin schon gut gesicherte Stadt wurde über- und unterirdisch weiter befestigt. Zudem entwickelte sich Akko in den beiden folgenden Jahrhunderten zu einem prosperierenden Handelszentrum.

Stadtbefestigung von Akko Hafenfestung und Strände von Akko Stadtbefestigung von Akko

Die Herrschaft der Kreuzritter endete im Mai 1291 mit der Eroberung der Stadt durch ägyptische Mamluken. Im Jahr 1948 nahmen israelische Streitkräfte Akko ein; seit 2001 ist Akkos Altstadt Teil des UNESCO Weltkulturerbes.

Das Hafenviertel von Akko

Das Hafenviertel von Akko

Zu den Sehenswürdigkeiten Akkos zählen …

Der Palast der Kreuzritter

Die in der Zeit der Kreuzzüge vom militärisch-mönchischen Hospitaliterorden geschaffene Zitadelle von Akko besitzt mit 8.300 m² beachtliche Ausmaße. Bereits Anfang 1930 wurden Teile des Palastes freigelegt. Weitere Entdeckungen und systematische Ausgrabungen folgten erst in den 1960er Jahren und danach. Mehr als die Hälfte des Areals (5.000 m²) wurde bislang erschlossen; an verschütteten Bereichen wird noch gearbeitet. Besuchermagnet ist der unterirdische, Kommandantur genannte, Palast der Kreuzritter. Der Betrachter überlegt zwangsläufig, wie es möglich war, derartige Bauten ohne schweres Gerät zu errichten. Besucher der Anlage folgen mittels Audioguide einer empfohlenen Route, in die Animationsclips eingebettet sind und die nacheinander die nachstehenden Wegmarken erschließt:

Akko - Der Palast der Kreuzritter Akko - Oberirdische Bauten und Zugang zur unterirdischen Festung

Akko - Informationszentrum Akko - Zugang zur Zitadelle

Das Gefängnis
Zweieinhalb Meter tiefer als die angrenzenden Säle gelegen, stellt sich der aus dem Felsen herausgeschlagene, fenster- und lichtlose Raum als furchtbarer Ort der Geschichte dar. Dutzende quadratische Öffnungen zur Befestigung von Metallhaken unter den sechs 5 Meter hohen Kreuzgewölben lassen vermuten, dass dort Gefangene gefesselt waren. Ein wirklich ungastlicher Ort, der heutzutage aber vorteilhaft ausgeleuchtet und mit interessanten Informationstafeln ausgestattet ist.

Akko - Der Kerker Akko - Der Kerker

Der Schöne Saal
Vom Gefängnis führt der Rundgang durch die „Östliche Straße“ zum „Schönen Saal“. Archäologen nehmen an, dass der Saal als eine Art Empfangsraum für die in Akko neu eintreffenden Kreuzfahrer und Pilger diente. Fein bearbeiteter Sandstein und aufwendig dekorierte Fenster lassen den Raum freundlich wirken.

Akko - Die Östliche Straße Akko - Der schöne Saal

Das Refektorium
Durch die weitläufige Krypta der Kirche des Heiligen Johannes und über die „Südliche Straße“ gelangen die Besucher in einen Saal, der offenbar als Speisesaal genutzt wurde. Drei Steinsäulen von jeweils drei Meter Durchmesser tragen ein insgesamt 10 Meter hohes Spitzbogengewölbe. Teile des Refektoriums wurden aus den Felsen herausgeschlagen.

Akko - Krypta der Kirche des Hl. Johannes Akko - Refektorium

Die Südliche Straße
Diese öffentliche Straße durchquerte bogenförmig das Hospitaliterviertel. Mittels zweier Tore konnte der Durchgang unterbrochen werden.

Akko - Die Südliche Straße

Akko - Die Südliche Straße

Der zentrale Hof
Der ungedeckte zentrale Hof misst 1.200 m² Fläche. Mauern mit gewaltigen Bögen grenzen den Hof ein. Es wird angenommen, dass der Freibereich als Exerzierfläche der Kreuzritter diente.

Akko - Burghof Akko - Burghof Akko - Burghof

Die Latrinenanlage
An den zentralen Hof schließt sich der nordwestliche Turm mit der öffentlichen, zweigeschossigen Toilettenanlage an. Die bot 32 Rittern und Bediensteten gleichzeitig Platz; heute mag man sich das nicht vorstellen, aber die Kreuzritter dürften wohl kaum zimperlich gewesen sein. Immerhin verfügt der Raum über ein in den nördlichen Stadtgraben fließendes Abwassersystem. Und auch an Lüftungsöffnungen wurde damals bereits gedacht.

Akko - Beschreibung der Latrinenanlage

Akko - Beschreibung der Latrinenanlage

Der Pfeilersaal
Der 1.300 m² große, von einem acht Meter hohen Kreuzgewölbe überspannte Saal dürfte ursprünglich als Versammlungs- und Lagerraum gedient haben. Quadratische Stützpfeiler tragen das Gewölbe. In der Halle wird an mehreren Ständen Kunsthandwerk verkauft.

Akko - Der Pfeilersaal Akko - Kunstmarkt in dem Pfeilersaal Akko - Pfeilersaal

Die Rittersäle
Der nördliche Flügel der Festung wurde neben der Stadtmauer errichtet. Zwischenwände mit bogenförmigen Öffnungen teilen den weiträumigen Saal in sechs getrennte Bereiche. Das Tonnengewölbe reicht zehn Meter in die Höhe, und das an die Stadtmauer grenzende Mauerwerk ist 3 ½ Meter dick.

Akko - Die Ritterhalle Akko - Die Ritterhalle Akko - Die Ritterhalle mit Kanonen aus osmanischer Zeit

Der Saal der Zuckerschalen
Dieser Gebäudeteil erstreckt sich über drei Stockwerke. Im untersten Stockwerk befindet sich eine Zisterne von erstaunlicher Größe. Darüber liegt der eigentliche, sieben Meter hohe Zuckergefäße-Saal. Der Orden produzierte in Akko Rohrzucker und bewahrte den Zucker in Hunderten Gefäßen in diesem Saal auf. Wissenschaftler vermuten, dass die Herstellung des Kristallzuckers ein einträgliches Geschäft der Kreuzritter darstellte.

Akko - Saal der Zuckerschalen

Akko - Saal der Zuckerschalen

Der Templer-Tunnel

Der Hospitaliter-Orden agierte nicht allein in Akko. Einzelnen italienischen Stadtstaaten wurden ebenfalls Refugien in der Stadt zugestanden. Und nach der Einnahme Jerusalems im Jahr 1187 verlegten die Templer ihren Sitz nach Akko, um im südlichen Teil der Altstadt ihr Festungsareal zu erschließen. Die Templer waren ein militärisch-mönchischer Orden, der die Leitbilder des adligen Rittertums und der Mönche vereinte. Die Brüder hatten es sich zur Aufgabe gemacht, nach Palästina reisende Kreuzfahrer im Namen des Papstes beim Besuch der Heiligen Stätten zu unterstützen.

Die Altstadt von Akko

Die Altstadt von Akko

Sie ließen eine Festung mit zwei Türmen erbauen, deren Mauern 8 ½ Meter Dicke besaßen. Dieses Fort war das am besten gesicherte Gebäude Akkos. Unabhängig davon legte der Orden zwischen der Festung und dem Hafen einen Fluchttunnel an. Der erst 1994 wieder entdeckte Bau ist 350 Meter lang, und seit 2007 ist der Tunnel in ganzer Länge begehbar. Der untere Teil des Tunnels wurde in den Fels geschlagen, die Decke bildet ein Bogengewölbe. Mit Hilfe von kurzen Animationsclips wird den Besuchern des Tunnels ein Eindruck geboten, wie sich das Leben der Stadt Akko zur Zeit der Kreuzfahrer gestaltet haben mag. Einzelne Bereiche des Bauwerks wirken sehr niedrig und eng; keine Empfehlung für an Raumangst leidende Menschen!

Akko - Der Templer-Tunnel

Akko - Der Templer-Tunnel

Die Stadtmauer

Bereits zur Zeit der Kreuzritter war die Stadt von Festungsmauern gesichert. Die auffälligen äußeren Festungsanlagen wurden aber von den später regierenden ottomanischen Herrschern in Auftrag gegeben. Sie waren stark genug, um der Belagerung durch die Truppen Napoleon Bonapartes im Jahr 1799 und des ägyptischen Herrschers Muhammad Ali in der Zeit um 1830 zu widerstehen.

Akko - Stadtbefestigung Akko - Stadtbefestigung

Die Stadtmauer ist begehbar. Wir empfehlen den Abschnitt zwischen dem Leuchtturm und dem Hafen. Dieser Weg führt an der St. Johannes Kirche vorbei. Außerdem ist die nahe an der Zitadelle gelegene nordöstliche Stadtmauer gut begehbar. Sie bietet Ausblicke über die Stadt.

Der Leuchtturm von Akko Akko - St. Johannes Kirche

Die Al Jazzar-Moschee

Die wichtigste Moschee der Stadt wurde in der osmanischen Zeit zwischen 1775 und 1801 gebaut. Sie ist die größte außerhalb von Jerusalem errichtete Moschee und gilt im Übrigen als eines der schönsten moslemischen Gotteshäuser in Israel. Um den weitläufigen Innenhof gruppieren sich Dutzende Studienzimmer der angeschlossenen Madrasa.

Akko - El Jazzar Moschee Akko - Innenhof der El Jazzar Moschee

Die Karawanserei Khan al Umdan

Erbaut wurde das um einen großen Innenhof entwickelte zweigeschossige Bauwerk im Jahr 1782. Sein Erdgeschoss nahmen das Zollhaus des Hafens sowie die Lagerräume der Händler ein. Im Obergeschoss befanden sich die Gästezimmer der Karawanserei. Von antiken Stätten wie Caesarea Maritima im heutigen Israel geraubte Granitsäulen umgeben den Innenhof. Der an der Nordseite aufragende Uhrturm entstand erst im Jahr 1906.

Akko - Karawanserei Khan al Umdan Akko - Karawanserei Khan al Umdan Akko - Uhrturm der Karawanserei Khan al Umdan

 

Weitere Sehenswürdigkeiten

Der türkische Basar

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstand der gedeckte türkische Basar. Damals wie heute wird er im Wesentlichen von den überwiegend arabischstämmigen israelischen Bewohnern der Altstadt als Markt für den Bedarf des täglichen Lebens genutzt. Der Basar ist eine sehr pittoreske Einrichtung mit vielen Läden und kleinen Restaurants.

Akko - Der türkische Basar Akko - Im Altstadtviertel

Die Marina im Hafen von Akko

Im Bereich der heutigen Marina lag bereits der antike Hafen von Akko. Im Altertum war er der wichtigste Hafen Palästinas. Errichtet wurde er etwa im 3. Jahrhundert vor Beginn der Zeitrechnung. Seine Grundform blieb bis heute erhalten. Akko war im Mittelalter der bedeutendste Hafen der Kreuzfahrer. Über ihn liefen die Versorgung mit Waren, der Nachschub an Soldaten und der Pilgerstrom.

 Akko - Festung am Hafen

Akko - Festung am Hafen

Wie hinkommen?

Sparsame Reisende besuchen Akko vorzugsweise mit der Bahn. Der regelmäßig von Haifa nach Akko fahrende Zug hält an Wochentagen gegenüber dem Cruise Terminal. Die einfache Fahrt kostet im Jahr 2016 sozialverträgliche 13,50 Schekel (3,00 Euro).

Am Schabbat ruht der Eisenbahnverkehr bis zum Eintritt der Dunkelheit. Stattdessen bieten die arabischstämmigen Taxifahrer gern ihre Dienste an. Die Taxifahrt von Haifa nach Akko wird an Schabbat-Tagen mit dem Nachttarif von 141 Schekel (33,00 Euro) berechnet. Im Normalfall kostet die Taxifahrt nach Akko 125 Schekel (29,00 Euro). Wir nutzten am jüdischen Ruhetag den Service und zahlten eine Fahrt in Euro und die andere in US-Dollar.

Besichtigung der unterirdischen Bauten und fünf weiterer Bauwerke außerhalb der FestungEintrittspreis: 40 Schekel (10 Euro). Der Eintrittspreis schließt einen Audioguide in deutscher Sprache ein. Als Pfand wird der Lichtbildausweis des Besuchers einbehalten. Obwohl wir die Aushändigung von Personalpapieren an Dritte als äußerst kritisch empfinden, vertrauten wir diesmal in die Verlässlichkeit israelischer Einrichtungen und wurden auch nicht enttäuscht.

Akko - Gewölbe in der Altstadt

Akko - Gewölbe in der Altstadt

Zusammenfassung

In Akko lebt die Erinnerung an die Kreuzzüge auf. In der kompakten Altstadt erlebt der Besucher das Mittelalter „hautnah“. Akkos Altstadt ist zudem ein authentischer Ort, an dem Juden, Araber und Christen friedlich miteinander leben. Ein Ausflug nach Akko ist unbedingt zu empfehlen.