Autor: Karl W. P. Beyer

Die Hafenstadt Haifa gilt als eine der schönsten Städte Israels. Ihre 270.000 Einwohner leben an der Ostküste des Mittelmeers zwischen der Bucht von Haifa und den steilen Hängen des Karmelgebirges. Bis Nazareth, der Heimat Jesus Christus‘, sind es 50 Kilometer; bis zur Westseite des Sees Genezareth, hier lief der Herr über das Wasser des Sees, fährt man etwa 60 Kilometer.

Die Haifabucht

Die Haifabucht


An einem Schabbat-Tag im Mai 2016 dockt unser Kreuzfahrtschiff, die Azamara Quest, gegen 8:00 Uhr für anderthalb Tage am Kreuzfahrt-Terminal Haifas. Haifa ist die drittgrößte Stadt des Landes, Israels bedeutendster Seehafen, wichtiger Industriestandort, Universitätsstadt und noch vieles mehr. Das Motto Haifas lautet: „Eine Stadt, so viele Möglichkeiten“.

Haifas Hafen

Haifas Hafen


Es versteht sich, dass Kreuzfahrt-Unternehmen in dieser Region ihren Gästen Fahrten an die historischen, biblischen Stätten anbieten. Dazu gehören Touren in das 150 Kilometer entfernte Jerusalem, nach Nazareth und zum See Genezareth. Wir vermuten, dass diese Ausflüge am Schabbat, dem Ruhetag gläubiger Juden, uns nicht das authentische Israel zeigen würden. Somit entscheiden wir uns fürs Erste, einen Altstadtbesuch der 25 Kilometer entfernten Kreuzritterstadt Akko zu unternehmen. Dort leben vorwiegend arabischstämmige Israelis die am Schabbat nicht ruhen.

Blick auf die Altstadt von Akko

Blick auf die Altstadt von Akko


Den späten Nachmittag des ersten Tages und den Vormittag des Folgetages verbringen wir mit zwei Rundgängen durch Haifa, um uns einen Überblick über die Stadt zu verschaffen und um einige Attraktionen zu besuchen. Zu den Sehenswürdigkeiten Haifas zählt u. a. die Deutsche Siedlung. Sie fußt auf der Wanderbewegung deutscher Christen, die im Jahr 1869 von Württemberg kommend in Haifa siedelten. Dort errichteten sie eine pietistische Landgemeinde. Noch heute tragen einzelne der in dem Stadtviertel errichteten Steinhäuser deutsche Namen. Anstelle der Pietisten nutzen heutzutage Kunstläden, Cafés und Restaurants die Häuser des mittlerweile als Szeneviertel arrivierten Stadtteils. In der Siedlung gibt es auch eine „City Center“ genannte Einkaufs-Mall. Die interessiert uns allerdings überhaupt nicht; wir gehen nicht des Einkaufens wegen auf Kreuzfahrten.

Haifa - Deutsche Siedlung

Haifa - Deutsche Siedlung


Haifa - Dagon Silo und Archäologisches MuseumOberhalb der Siedlung liegen der zum UNESCO Welterbe zählende Schrein des Bab und die dazu gehörende wunderbare Anlage der Bahai-Gärten. - Die Deutsche Siedlung und das untere Areal der Bahai-Gärten liegen in der Nähe des Cruise Terminals. Der Weg zur Siedlung führt vom Hafen über eine Brücke. Der querenden Hauptstraße folgen wir nach rechts. Auf Höhe des Beit Dagon, einem auffälligen 68 Meter hohen Getreidesilo, biegen wir in die leicht ansteigende Ben Gurion Avenue ein. Die Siedlung liegt rechts und links der Straße. Hinter der Siedlung „klettern“ die Bahai-Gärten den Hang hinauf. Das untere Areal der Gärten grenzt an den UNESCO-Square. An dem biegen wir nach links auf die HaGefen-Straße ein, der wir weiter folgen. Auf der Höhe des Haifa Kunstmuseums im Hadar-Distrikt gehen wir hinüber in das arabische Geschäftsviertel. Auch dort geht es zu wie in Akko. Die arabischstämmigen Juden gehen ihren gewohnten Tätigkeiten nach. Der Rückweg zur Azamara Quest führt uns über abschüssige Straßen und Treppen.

Haifa - Bahai Gärten von unten Haifa - Die Terrassen der Bahai-Gärten

Haifa-Kunstmuseum Haifa - Geschäftsviertel Hadar

Die Deutsche Siedlung ist für Haifas Geschichte von Bedeutung. Wir können nicht ermessen, ob Besucher den Stadtteil unbedingt sehen müssen. Wir freuen uns jedoch, ihn besucht zu haben, zumal wir dabei schon einmal den Schrein des Bab und die wunderbaren 18 Terrassen der Bahai-Gärten am Karmel-Berg von unten sehen konnten. Sie dominieren die Gestaltung des gesamten Hangs.

Haifa - Der Schrein des Bab

Haifa - Der Schrein des Bab


Die herrliche, verschwenderisch gestaltete Gartenanlage weckt den Wunsch, den Schrein des Bab zu sehen. Und das wollen wir am Folgetag unternehmen. Hätte die Azamara Quest nur einen Tag in Haifas Hafen gelegen, hätten wir den ersten Teil des Tages in der Deutschen Siedlung und dem arabischen Viertel zugebracht. Den zweiten Teil des Tages hätten wir uns auf die Höhen des Berges Karmel begeben und als Erstes die Louis Promenade, Haifas Aussichtsterrasse, besucht.

Haifa -Pariser Platz mit der Carmelit BahnWir haben jedoch genügend Zeit und nehmen erst am Vormittag des zweiten Liegetages den empfehlenswerten Promenadenweg. Eine bequeme Aufstiegshilfe bietet die Carmelit-U-Bahn. Nach Verlassen des Hafengebietes gehen wir gerade einmal 10 Minuten bis zur Talstation der Standseilbahn am Paris Square. Wegmarke ist ein modernes, „Sail Tower“ genanntes, 29-stöckiges Behörden-Hochhaus. Wir fahren mit der Bahn bis zur Endstation Gan Ha’em im Stadtteil Karmel. Die einfache Fahrt kostet 6,90 Neue Schekel (1,65 Euro). Schekel kaufen wir auf dem Weg zur Talstation in einer von mehreren Wechselstuben. Unsere Erfahrung in Haifa ist, Taxifahrer akzeptieren ohne mit der Wimper zu zucken US-Dollar oder auch Euro. Öffentliche Leistungen, wie die Fahrt mit der Standseilbahn oder anderen Verkehrsmitteln, verlangen nach Schekeln. Die Seilbahn verkehrt regelmäßig; die Fahrt dauert nicht einmal 10 Minuten.

Haifa Zentrum mit dem Sail Tower Haifa - Carmelit Bahnstation Haifa - Carmelit Bahn

An der Bergstation fehlt zwar die Ausschilderung zur Louis Promenade, mithilfe des im Cruise Terminals ausliegenden Stadtplans finden wir uns jedoch auf Anhieb zurecht. Auf dem Weg zur Promenade passieren wir den Zoo, mehrere Hotels sowie das Tikotin Museum für Japanische Kunst. Die Aussicht von der Louis Promenade ist überwältigend. Wir sehen die Bucht von Haifa, die ausgedehnten Hafenanlagen, die Bahai-Gärten und die golden glänzende Kuppel des Schreins des Bab. All das liegt zum Greifen nah unter uns. Wäre die Luft nicht so dunstig, könnten wir bis nach Akko blicken.

Haifa - Zugang zur Louis Promenade Haifa - Louis Promenade Haifa - Louis Promenade

Knapp unter der Louis Promenade betreten wir nach einer Sicherheitskontrolle die Anlage der Bahai Gärten und blicken hinunter auf die zentrale Terrasse und das Mausoleum des Religionsgründers. Der Besuch der tiefer gelegenen Terrassen und des Schreins über die Terrassenwege bleibt uns allerdings verwehrt. Besichtigungsmöglichkeiten werden nur im Rahmen organisierter, kostenloser Rundgänge geboten.

Haifa - Louis Promenade - Zugang zu den Bahai-Gärten Haifa - In den Bahai-Gärten

Haifa - Bewunderer der Bahai-Gärten Haifa - Der Schrein des Bab

So sind wir gezwungen, die Aussichtsplattform wieder zu verlassen. Über steil abfallende Straßen gehen wir stadteinwärts. Wir passieren dabei das nahegelegene Stella Maris-Kloster des Karmeliterordens mit der Höhle des Elijahs und den Skulpturengarten der deutschstämmigen Künstlerin Ursula Malbin. Mit schönen, lebensgroßen Kunstwerken wird in der öffentlichen Gartenanlage ein Ausschnitt ihres Schaffens präsentiert. In mittlerer Hanglage des Karmel erreichen wir schließlich den offiziellen Zugang zum Schrein des Bab. Bis 12:00 Uhr werden Besucher in das beispielhaft gepflegte Gelände eingelassen. Wir stehen etwas unter Zeitdruck, deshalb besuchen wir nur die vorzüglich gestaltete Zentralterrasse, verzichten aber auf den Besuch des Schreins.

Haifa - Nobelwohnlage Berg Karmel Haifa - Stella Maris Kloster

Haifa - Skulpturengarten Ursula Malbin Haifa - Skulpturengarten Ursula Malbin

Haifa - Gartenanlagen im Bahai-Zentrum

Haifa - Gartenanlagen im Bahai-Zentrum

Nicht von ungefähr wird Haifa die „Stadt der 1.000 Treppen“ genannt. Die Topografie der Stadt macht es vielfach unumgänglich, über Stufen zu gehen. Wir sind dabei. Haifas Tourismusbehörde hat vier unterschiedliche Stufen-Exkursionen ausgearbeitet. Die starten in der Höhe und enden im unteren Hangbereich. - Der Wadi-Nisnas-Distrikt, eine der touristischen Attraktionen Haifas, gehört dazu. Den sparen wir uns für unseren nächsten Aufenthalt in Haifa auf.

Haifas Treppenviertel

Haifas Treppenviertel