Autor: Karl W. P. Beyer

Mehr als 50 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen im Jahr verzeichnet die israelische Hafenstadt Haifa. Auf den Agenden der Ausflugsprogramme der Kreuzfahrtunternehmen stehen dann hauptsächlich „biblische“ Ziele wie Nazareth, Galiläa, Jerusalem und Bethlehem. Haifa und die 25 Kilometer entfernte, geschichtsträchtige Kreuzritterstadt Akko werden von den Besuchsprogrammen eher vernachlässigt. Das ist schade, denn nach unserem Dafürhalten bieten beide Städte genügend Sehenswertes, um dort einen eintägigen Aufenthalt unterhaltsam zu gestalten.

Cruise Terminal Haifa mit Azamara Quest

Cruise Terminal Haifa mit Azamara Quest

In der Metropolregion Haifa leben über 500.000 Menschen. Der wichtigste Seehafen Israels liegt am Ostrand des Mittelmeers am Rande des Karmelgebirges. Die Stadt hat alles, was das Leben in einer Großstadt von der Größe Wiesbadens lebenswert macht, und in der vorwiegend säkularen Stadt gehen Juden, Mohammedaner und Christen friedlich miteinander um.

Haifa Zentrum

Haifa Zentrum

Haifa ist eine der bedeutendsten Industrieregionen Israels. Der Seehafen stimuliert die Hafenwirtschaft und den Außen- und Großhandel. Haifa ist außerdem Hochschulstadt. An der Universität Haifa und der Technion–Hochschule sind 31.000 Studenten eingeschrieben. Die Stadt zeichnet sich durch reges kulturelles Leben aus: Theater, diverse Museen, ein Skulpturengarten und ein seit 1983 regelmäßig stattfindendes internationales Film Festival sind Charakteristika der Hafenstadt. Außerdem laden ausgedehnte Strandabschnitte am Südrand der Stadt zum Baden ein. Ein Kuriosität ist die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstandene Deutsche Siedlung.

Haifas Hafen Haifa - Skulpturengarten Haifa - Deutsche Siedlung

Aber wegen all dieser Vorzüge laufen Kreuzfahrtschiffe nicht Haifa an. Es ist die Nähe zum Heiligen Land, die die Organisatoren von Kreuzfahrten veranlasst, Haifa als Kreuzfahrt-Destination auszuwählen.

Dabei bedarf es nach unserer Einschätzung nicht einmal eines Ausflugs zu den biblischen Zielen, um ein tagesfüllendes Programm in der Haifa-Region zu erleben. Vor allem zwei bedeutende, nahe gelegene Sehenswürdigkeiten bieten sich zum Besuch an. Es sind die UNESCO Weltkulturerbestätten Schrein des Bab und die Altstadt von Akko.

Schrein des Bab mit den Bahai-Gärten

Zwischen fünf bis acht Millionen Menschen weltweit hängen den Lehren des im 19. Jahrhunderts wirkenden iranischen Religionsstifters Baha’ullah an. Die Bahai genannten Gläubigen wurden im Iran überwacht und verfolgt; der Religionsstifter selbst hielt sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im heutigen Israel auf. Das in Haifa am Hang des Berges Karmel errichtete „Bahai Weltzentrum“ ist der administrative und religiöse Mittelpunkt der Glaubensrichtung. In einer wundervoll gestalteten, sich in 18 Terrassen von der Unterstadt bis hinauf zur Louis Promenade erstreckenden Gartenanlage, liegen unter einer golden glänzenden Kuppel das Grabmal (Schrein) des Bab, das Archiv, Verwaltungsgebäude und Unterkünfte der Pilger. Seit 2008 zählt der Schrein zum UNESCO-Weltkulturerbe. Der Bau und die Unterhaltung der Anlage finanziert(e) sich aus Spenden. Besucher, die nicht dem Bahai-Glauben angehören, können den Garten allerdings nur im Rahmen organisierter Touren besichtigen; der Zugang zum Schrein ist jedoch allgemein möglich.

Haifa - Bahai Gärten von unten Haifa - Blick auf die Bahai Gärten und den Schrein

Haifa - Der Bahai Schrein Haifa - Archiv der Bahai


Altstadt von Akko

Akko, auch Akkon genannt, schmückt sich mit der Beinamen „Hauptstadt von Galiläa“. Die etwa 25 Kilometer nördlich von Haifa gelegene Stadt war von der Antike bis in das 19. Jahrhundert der wichtigste Hafen Palästinas. Erstmals erwähnt wurde er im 6. Jahrhundert vor der Zeitwende. Ägypter, Griechen und Römer herrschten in Akko. Seine Blütezeit erlebte Akko nach der Eroberung durch die Kreuzritter im Jahr 1104. Die befestigten die Stadt über- und unterirdisch. Johanniter machten Akko zum damals uneinnehmbaren militärischen Zentrum des Königreichs der Kreuzfahrer. Erst im Jahr 1291 fiel Akko an die Ägypter, danach an die Ottomanen. Über mehrere Hundert Jahre war die Stadt ohne jegliche Bedeutung. Erst mit der Gründung Israels kehrte das Wissen um den ursprünglichen Rang der Festungsstadt zurück. Schließlich wurde im Jahr 2001 die 63 Hektar große Altstadt von Akko zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.  

Akko - Festung am Hafen Akko - Kreuzritterfestung

In Akkos Altstadt gibt es viel zu sehen. Nach Jerusalem ist Akko die am häufigsten besuchte Stadt Israels. Spektakulär ist die unterirdische Festungsstadt der Kreuzfahrer. Sie weist riesige Repräsentationsräume, Speisesäle, ein Gefängnis, eine Krypta, Latrinen sowie ein verzweigtes Gänge-System auf. Der beeindruckendste unterirdische Gang ist der auf Veranlassung der Templer-Ritter in den Fels geschlagene 350 Meter lange Tunnel, der die Festung mit dem Hafen verbindet.

Akko - Unterirdische Festung - Der Kerker Akko - Unterirdische Festung - Arbeitsraum Akko - Unterirdische Festung - Refektorium

Überirdisch faszinieren die gewaltigen Festungsmauern der Hafenregion, die El-Jazzar Moschee, die Karawanserei Al-Omdan, die Zitadelle oder das türkische Badehaus. Mehrere Wege empfehlen die Tourismuswerber den Besuchern, um die Wunder der vielfach von Israelis arabischer Herkunft bewohnten Altstadt zu entdecken. Sehenswert sind auch der kleine Hafen und der weitläufige Basar.

Akko - El-Jazzar Moschee Akko - Karawanserei Al-Omdan Akko - Festung am Hafen

Über Akko berichten wir unter Landausflug nach Akko.

Weitere sehenswerte Ziele in Haifa

Die Deutsche Siedlung

Sie geht auf deutsche Christen zurück, die 1869 aus Württemberg nach Haifa auswanderten, um am Fuß der Berges Karmel eine fromme, pietistische Landgemeinde zu errichten. Die Siedlung präsentiert sich heute als ein repräsentatives Wohnviertel mit Steinhäusern, die teilweise noch deutsche Namen tragen. Die Gegend ist Heimstatt von Kunstläden, Cafés und Restaurants. Die Hauptstraße des Viertels ist der breite vom Hafen bis zu den Bahai-Gärten hinauf führende Ben Gurion Boulevard.

Haifa - Deutsche Siedlung

Die Louis Promenade

Die in oberer Hanglage Haifas angelegte Promenade führt durch eine schmale Parkanlage und bietet wunderbare Ausblicke auf die Stadt Haifa, ihren Hafen und die Bahai-Gartenanlage. – Die Promenade erreicht man mit der unterirdisch verlaufenden Carmelit-U-Bahn, die im eigentlichen Sinne eine Standseilbahn ist. Vom Hafen geht man maximal 10 Minuten bis zur Talstation der Bahn (Paris Square). Ausgestiegen wird an der Endstation Gan Ha’em. Die einfache Fahrt kostet 6,90 Schekel (ca. 1,65 Euro). Zurück in die Stadt gelangt man über steile Straßen und Treppen.

Haifa - Louis Promenade Haifa - Louis Promenade Haifas endlose Treppen

Stella Maris Kirche und Kloster

Im frühen 17. Jahrhundert gründeten Mönche des Karmeliterordens auf dem Berg Karmel ein Kloster an jener Stelle, an der sich die Höhle des Propheten Elias befunden haben soll. Dessen Geschichte reicht immerhin ins 9. Jahrhundert v. Chr. zurück. Mehrfach wurde den Mönchen ihr Besitz genommen. Die heutige Kirche und das angeschlossene Kloster wurden 1836 eröffnet. Drei Jahre später wurde der Kirche vom damaligen Papst der Ehrentitel einer Basilika Minor verliehen. Allgemein wird die Kirche Stella Maris genannt. Unter dem Altar wir die Höhle des Propheten Elias verortet.

Haifa - Stella Maris Kirche und Kloster

Haifa - Stella Maris Kirche und Kloster

Der Skulpturengarten Mizpor Shalom

Am Hang des Berges Karmel, im oberen Teil der HaZiyonut Avenue (Anschrift Zionism Avenue 112), liegt eine mit 29 Bronzefiguren geschmückte Parkanlage. Unter dem Motto „Mizpor Shalom“ (Perspektiven des Friedens) schuf die Künstlerin Ursula Malbin die teils lebensgroßen Skulpturen. Die deutschstämmige Künstlerin flüchtete im Jahr 1939 aus Berlin in die Schweiz. Später siedelte sie sich in der Nähe von Haifa an. In dem weitläufigen Park präsentiert sie seit dem Jahr 1978 ihre Werke: Kinder, junge Männer, Frauen und Tiere.

Haifa - Skulpturengarten Haifa - Skulpturengarten