Autor: Karl W. P. Beyer

Die an der amerikanischen Ostküste gelegenen Neuenglandstaaten sind außerordentlich sehenswerte Reiseziele. Im Spätsommer und während des „Indian Summer“ steigen die Besucherzahlen stark an. Vor allem der US-Bundesstaat Maine partizipiert von dieser Situation.

US-Bundesstaat Maine - Klippenformationen bei Bar Harbor

US-Bundesstaat Maine - Klippenformationen bei Bar Harbor


Nordöstlich von Maine liegt im Atlantik die bereits zu Kanada gehörende Halbinsel Nova Scotia. Ihre Größe entspricht mit ca. 55.300 km² der gemeinsamen Fläche der beiden deutschen Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Gefühlt liegt Nova Scotia in den nördlichen Breiten der Erde. Was jedoch nicht richtig ist, da es auf der Höhe Frankreichs, genauer gesagt des „Golfs von Biskaya“, zu verorten ist. Selbst zum Weinanbau reicht es in der klimatisch begünstigten Region.

Als Erste erreichten Franzosen im Jahr 1605 das Land, um eine Siedlung auf Nova Scotia zu errichten. Ihnen mochten die Briten nicht nachstehen. Deren Landnahme begann, nachdem im Jahr 1621 König Jakob I. (James) von England die Region zwischen Neuengland und Neufundland als Lehen an Sir William Alexander übergab. Der nannte das Gebiet „Nova Scotia“. Die Namensfindung war an sich keine große Leistung, schließlich war die die Übergabe regelnde Charta in lateinischer Sprache abgefasst worden, und „Neuschottland“ heißt im Lateinischen Nova Scotia. - Engländer und Franzosen konnten auf der Halbinsel jedoch nicht dauerhaft in Frieden leben. Es gab viele kriegerische Auseinandersetzungen und erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts verzichteten die Franzosen auf die Vorherrschaft in der Region. England hatte sich durchgesetzt.

Halifax/Nova Scotia -Traditionssegler Silva of Halifax

Halifax/Nova Scotia -Traditionssegler Silva of Halifax


Für die Statistiker unter unseren Lesern: Die Küstenlinie der Halbinsel hat eine Länge von mehr als 7.400 Kilometern. Tausende Buchten geben der Uferlandschaft Gestalt und mehr als 3.800 Inseln sind davor im Meer verstreut. Im Osten des Landes säumen lange, weiße Sandstrände die Küste. Ein schmaler Kanal trennt Nova Scotia und die dazu gehörende Insel Cape Breton Island. Zwischen Sidney auf Cape Breton Island und zwei Hafenstädten auf Neufundland bestehen Fährverbindungen. Und auch den mit 20 Meter Differenz höchsten Tidenhub der Welt findet man vor Nova Scotia im Bereich der Bay of Fundy.

Die Einwohner der Region kamen durch Holzwirtschaft, Schiffsbau und später durch Kohleförderung zu Wohlstand. Die Provinz gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Kanadischen Konföderation. Einen Bevölkerungsschub brachten die beiden Weltkriege. Um diese Zeit herum fanden viele Europäer auf Nova Scotia eine neue Heimat.

Halifax/Nova Scotia - Immigrantendenkmal am Halifax Harbourwalk

Halifax/Nova Scotia - Immigrantendenkmal am Halifax Harbourwalk


An der Ostküste Nova Scotias liegt die Provinzhauptstadt Halifax. Die ca. 120.000 Einwohner zählende Stadt liegt geographisch auf der Höhe von Bordeaux/Frankreich. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1749 zurück. In jenem Jahr traf Oberst Edward Cornwallis mit dem Auftrag ein, am Ort des heutigen Halifax eine befestigte Stadt zu bauen. Ihn begleiteten 2.500 englische Siedler. Seit jener Zeit fiel der Stadt über 200 Jahre eine wichtige militärische Rolle zu. Sie diente den Briten und später den Kanadiern als Marinebasis. Infolge seiner strategischen Lage und seiner guten Befestigungen wurde Halifax niemals angegriffen.

Halifax/Nova Scotia - Stadtpanorama Halifax/Nova Scotia - Zentrales Gebäude der Zitadelle

Im Jahr 2013 liefen 194 Kreuzfahrtschiffe Port Halifax an. Mehr als 250.000 Menschen besuchten Halifax und seine Umgebung. Auch im Jahr 2014 sind Schiffe von 18 Reedereien zu Gast in der Stadt, darunter Schiffe der deutschen AIDA Cruises und von Phoenix Reisen. Mehr über Halifax lesen Sie in Kürze unter Sehenswertes und Ein Tag in Halifax.