Ein Tag in Halifax


Im September 2014, um 8:00 Uhr in der Früh, macht unser Kreuzfahrtschiff, die Celebrity Summit, am modernen Cruise-Terminal von Halifax auf Nova Scotia fest. Auch die AIDAluna hat an diesem Tag bereits ihren Weg nach Halifax gefunden. Die Stadt darf sich über circa 4.000 Tagesgäste freuen.

Halifax - Kreuzfahrt-Terminal

Halifax - Kreuzfahrt-Terminal


Halifax wurde im Jahr 1749 von Engländern gegründet. Die Kommune ist östlich von Québec und nördlich von Boston die größte Stadt des Territoriums. In der Region der „Halifax Regional Municipality“ (HRM) leben nahezu 400.000 Einwohner. Als wichtiges wirtschaftliches und kulturelles Zentrum besitzt die Stadt einen bedeutenden eisfreien Hafen und einen internationalen Flughafen.

Celebrity Cruises bietet für den Landaufenthalt einige interessante Tagestouren an. Zugegeben, die Touren sind nicht billig, aber Teilnehmer an den Ausflügen sind regelmäßig des Lobes voll. Ein vielseitiger Trip verspricht „Best of Halifax & Peggy’s Cove“ zu werden. Zuerst geht es auf direktem Wege ins ca. 45 km entfernte, pittoreske Fischerstädtchen Peggy’s Cove. Die Tour wird vor allem wegen des weltberühmten Leuchtturms Peggys Point unternommen. Für den Fischerort und den Leuchtturm bleiben gerade einmal eine Stunde Zeit, bevor es zurück nach Halifax geht. In „Murphy’s Waterfront Restaurant“ warten bereits die Hummer auf die Gäste. Danach wird das in fußläufiger Entfernung befindliche „Maritime Museum of the Atlantic“ angesteuert. Dort werden den Teilnehmern Einblicke in Halifax‘ weit zurückreichendes maritimes Leben geboten . Nach dem Museum wird noch die Zitadelle von Halifax angesteuert. Dieser Ausflug belastet das Bordkonto mit 139 US-Dollar.

Halifax - Murphy's Waterfront RestaurantHalifax - Maritime Museum of the Atlantic

Für 49 US-Dollar bietet die Reederei Tickets für den Big Pink Bus an. Die Hop-On-Hop-Off-Busse starten am Kreuzfahrtterminal und halten an den wichtigsten Stationen der Stadt. Das Unternehmen unterstützt eine kanadische Brustkrebs-Stiftung.

Halifax - Die Big Pink Sightseeing-Busse

Halifax - Die Big Pink Sightseeing-Busse


Wir entscheiden uns für einen Rundgang durch den historischen Teil von Halifax. Begonnen wird im Terminal-Gebäude des Halifax Seaport. Das moderne Bauwerk schließt sich an das südliche Ende der Halifax Waterfront an. In dem aufwendig gestalteten Komplex wurden nicht nur Einrichtungen für Kreuzfahrt-Passagiere, sondern auch Ausstellungsräume für Künstler, Händler und ein Café geschaffen. Ein Museum, ein Universitätsbereich und ein „Farmers‘ Market“ mit regionalen Erzeugnissen geben der Anlage den letzten Schliff. - Schiffsgäste, die etwas auf eigene Faust unternehmen möchten, erhalten im Terminal gute Informationen über Nova Scotia sowie einen Plan für einen Stadtrundgang durch Halifax und die benachbarte Schwesterstadt Dartmouth.

Für diejenigen, die einen Ausflug zu einem entfernteren Ziel machen möchten, stehen Taxen und Limousinen bereit. Auch Ausflugsbusse der „Gray Line“ können direkt im Terminal gebucht werden. Auffällig ist, dass beim Kauf von Gray-Line-Tickets das Bordkonto des Schiffes belastet wird. Es hat den Anschein, dass in Halifax niemand durch die Maschen des Reederei-Netzes schlüpfen soll.

Wir empfehlen, den Stadtrundgang durch Halifax in umgekehrter Reihenfolge als im Plan dargestellt zu beginnen. Das erscheint uns vom Ablauf her logischer. Wer dagegen dem Plan folgt, der wird möglicherweise am Harbourwalk eine „freie“ Tour buchen, und nur wenig von der Stadt sehen. Nach dem Verlassen des Terminals steuern wir das gut sichtbare „Westin Hotel“ an. Es liegt an der Hollis Street. In die biegen wir nach rechts ein. Sobald die querende Bishop Street erreicht ist, folgen wir dieser Straße nach links.

An der Ecke Bishop Street und der kreuzenden Barrington Street steht das historische Government House. Das ist die offizielle Residenz des Lieutenant Governor of Nova Scotia. Er ist der oberste Verwaltungsbeamte und zugleich Vertreter der englischen Krone. Mit dem Bau des repräsentativen Steinhauses wurde 1800 begonnen. Bei Besuchen in Kanada dient es den Mitgliedern der englischen Königsfamilie als zeitweiliger Wohnort.

Halifax - Government House

Halifax - Government House


Auf der linken Straßenseite der Barrington Street liegt ein alter Friedhof. Ein Monument erinnert an den von 1853 bis 1856 dauernden Krimkrieg. In der Schlacht um die von russischen Truppen gehaltene Hafenstadt Sewastopolkämpften Franzosen, Engländer, Türken und Sarden in vereinigten Armeen. Eingesetzt waren auf englischer Seite auch kanadische Truppenteile, an deren Tote das Denkmal gemahnt.

Halifax - Friedhof mit dem Sewastopol-Denkmal

Halifax - Friedhof mit dem Sewastopol-Denkmal


Nach dem Government House und dem Friedhof biegen wir links in die Spring Garden Street ein. Das erste Ziel unseres Rundgangs ist erreicht. Es ist die Basilica St. Mary's.

Seit über 200 Jahren ist „Saint Mary’s Cathedral Basilica“, so der offizielle Name, Heimstatt der Diözese Halifax. Mit dem Bau der Hauptkirche wurde im Jahr 1833 begonnen. Die Fassade und die Kirchturmspitze (58 Meter) wurden mit weißem Granit gestaltet. Der Kirchenbau ist eine Mixtur gotischer und georgianischer Architektur. Während der Bauzeit verfügten lokale Handwerker noch nicht über die Fähigkeit, ein Kirchendach von solcher Größe in Halifax zu fertigen. Deshalb wurden Schiffsbauer engagiert, die die komplexe Arbeit in großer Höhe verrichten konnten. Die Bauarbeiten dauerten Jahrzehnte. Das Gebäude in seiner heutigen Größe wurde vom Jahr 1869 an errichtet. Als Bauvorlage diente die am Londoner Trafalgar Square stehende Kirche St Martin-in-the-Fields. Im Jahr 1950 verlieh Papst Pius XII. der Kathedrale den Ehrentitel einer Basilika.

Halifax - St Mary's BasilicaHalifax - Innenraum der katholischen KathedraleHalifax - Innenraum der katholischen Kathedrale

Vorbei am Provincial Court House und einem Bibliotheksgebäude führt die Spring Garden Road schnurgerade in Richtung der entzückenden Halifax Public Gardens. Am Wege liegen die besten Restaurants, Bars sowie stylishen Läden der Stadt.

Halifax - Halifax Memorial LibraryHalifax - UniversitätsgebäudeHalifax - Häuser in der Queen Street

Die Public Gardens wurden beginnend im Jahr 1866 im viktorianischen Stil gestaltet. Die Gartenlage bietet auf 6,8 Hektar vieles: Ein japanischer Garten, eine Teichanlage, ein schöner Brunnen mit allegorischen Figuren, ein typisch britischer Bandstand für sonntägliche Konzerte und ein hübsches Café sind die wesentlichen Merkmale der Gartenarchitektur. Auf verschlungenen Wegen lässt sich der Stadtgarten angenehm erkunden. Die Public Gardens verlassen wir an der rückwärtigen Seite.

Halifax - Public Gardens

Halifax - Public Gardens


 Halifax - Halifax Public GardensHalifax - Führung einer Besuchergruppe in den Halifax Public GardensHalifax - Café in den Halifax Public GardensHalifax -Wappen des Kings College in den Halifax Public GardensHalifax - Bandstand in den Halifax Public GardensHalifax - Brunnenanlage in den Halifax Public Gardens

Dort führt die Sackville Street vorbei. Ihr folgen wir, denn unser nächstes Ziel ist die Halifax Citadell. Am Wege liegen noch Einrichtungen der Royal Artillery. Auf deren Gelände werden Kanonen und sonstiges Kriegswerkzeug verschiedener Epochen präsentiert.

Halifax - 12-Pfünder-Geschütz

Halifax - 12-Pfünder-Geschütz


Das vielleicht wichtigste Ziel unseres Stadtrundgangs ist die auf einem Hügel über der Stadt thronende Zitadelle von Halifax. Sie ist einer der „Historischen Orte Kanadas“ und zählt zu den meistbesuchten geschichtlichen Stätten des Landes.

Halifax - Abzweig zur Halifax Citadel

Halifax - Abzweig zur Halifax Citadel


Die Zitadelle ist das Symbol der bedeutenden Rolle, die Halifax als Marinestandort des British Empire gespielt hat. In der Festung erfahren die Besucher viel über Kanadas militärisches Erbe und die Wandlung von einer Kolonie zu einer Nation. Zugleich genießen sie Panoramablicke über Halifax. Exakt um 12:00 Uhr mittags wird die Noon Gun abgefeuert. Diese Tradition lässt sich zumindest auf das Jahr 1856 zurückführen. Die Kanone wird täglich, ausgenommen am Weihnachtstag, zur Mittagszeit abgefeuert. Wir verpassten zu unserem Bedauern leider diesen Augenblick und mussten uns nach dem Knall nur noch mit einer Rauchwolke zufrieden geben. Weitere vor Besuchern stattfindende Aktivitäten sind der stündliche Wachwechsel am Haupttor und tägliche Auftritte der Dudelsackspieler und Trommler der 78th Highlanders. In der Hauptsaison im Juli und August finden zudem tägliche Vorführungen in der Handhabung von Flinten, Musketen und Kanonen statt.

Halifax - Zentralgebäude der Halifax CitadelHalifax - Kasematten der Halifax CitadelHalifax - Mauerwerk der Halifax CitadelHalifax - Mannschaftsmesse in der Halifax CitadelHalifax - Bibliothek in der Halifax CitadelHalifax - Eine Kanone der Halifax Citadel

Die Zitadelle wurde erbaut, um den weitläufigen Naturhafen von Halifax vor Angriffen von der Landseite zu schützen. Nach der Stadtgründung im Jahr 1749 wurden zuerst fünf hölzerne Forts geschaffen. Im Jahr 1815 wurde entschieden, eine Festung aus soliden Steinbauten zu errichten. Als Baubeginn der Zitadelle wird das Jahr 1829 vermerkt. Abgeschlossen wurden die Arbeiten erst im Jahr 1856. Nach seiner Fertigstellung wurden im Bauwerk britische Regimenter untergebracht. Sie wurden nach einer Dienstzeit von 2 bis 4 Jahren regelmäßig ausgetauscht. Im Jahr 1906 wurde das Fort an kanadische Truppen übergeben. Seit dem Jahr 1935 gilt die Zitadelle als „nationaler historischer Ort“. Aber noch im Weltkrieg II diente die Einrichtung kanadischen Truppen als Durchgangsstation für Auslandseinsätze.

Halifax - Wachhabende der Halifax Citadel

Halifax - Wachhabende der Halifax Citadel


Zwischen der Zitadelle und dem tiefer gelegenen Stadtzentrum liegt der historische Uhrturm aus dem Jahr 1803. Er wurde auf Geheiß Prince Edwards, dem Duke of Kent, errichtet und gilt als eine der typischen Landmarken Halifax‘. Der Herzog von Kent repräsentierte die britische Krone für einige Jahre in Halifax.

Halifax - Der historische Uhrturm von 1803Halifax - Der historische Uhrturm von 1803

Entlang der Carmichael Street gehen wir geradewegs ein paar Blocks weiter bis zur historischen Anlage Grand Parade. Sie war ursprünglich ein militärisches Paradefeld. In der Mitte steht ein Monument, das der 1.360 Bürger der Stadt gedenkt, die während des Ersten Weltkriegs ihr Leben verloren. Nachträglich wurde eine Inschrift angebracht, die auch der Toten des Zweiten Weltkriegs und der Toten des Koreakriegs gedenkt.

Halifax - Kriegerdenkmal auf der Grande Parade

Halifax - Kriegerdenkmal auf der Grande Parade


Linker Hand, d. h. am nördlichen Ende der Grande Parade, liegt das Rathaus. Gebaut wurde es in der Zeit von 1887 bis 1890. Es ist eines der ältesten und größten öffentlichen Gebäude auf Nova Scotia. Bemerkenswert ist der sieben Stockwerke hohe Uhrturm, der nach Norden und Süden die Zifferblätter einer Uhr zeigt. Auf dem nördlichen Ziffernblatt ist die Zeit um vier Minuten nach Neun angehalten worden. Damit soll an die Sprengstoff-Explosion an Bord eines im Hafen liegenden Frachtschiffs gemahnt werden, die im Jahr 1917 große Teile der Innenstadt zerstörte.

Am südlichen Ende des Platzes liegt die evangelisch-anglikanische St. Paul’s Church. Die im Jahr 1750 errichtete Kirche ist die älteste protestantische Kirche Kanadas. Gleichzeitig ist sie das älteste Gebäude der Stadt. Im Jahr 1787 wurde St. Paul’s zum Bischofssitz erhoben. Von 1787 bis 1864 diente sie als erste Kathedrale der anglikanischen Kirche außerhalb Großbritanniens.

Halifax - St Pauls Church von 1749Halifax - St Pauls Church von 1749 - Das MittelschiffHalifax - Canadian Bank of Commerce

Am historischen Bauwerk der Canadian Bank of Commerce vorbei halten wir direkt auf die tiefer liegende Uferpromenade Halifax Harbourwalk zu. Dort beginnen wir mit den Historic Properties. Sie sind die ältesten am Wasser gelegenen Lagerhäuser Kanadas. Sie wurden in der Zeit zwischen 1800 bis 1905 erbaut. Inzwischen wurden sie restauriert und für andere Zwecken verwendet. Die Gebäude bieten Raum für Veranstaltungen, Restaurants und Läden.

Halifax - Historic PropertiesHalifax - Ladengalerie in den Historic Properties

An den Historic Properties beginnt der eigentliche Halifax Harbourwalk. Dort reihen sich Imbissstände, Geschäfte und Ticket Shops aneinander. Vom Harbourwalk starten die Fähre nach Dartmouth und die Ausflugsboote für diverse Rundfahrten. Am Weg legt das Maritime Museum of the Atlantic. Dessen Ausstellungen fokussieren Kanadas Seefahrtgeschichte und die Geschichte der kanadischen Marine. Auch Objekte der R.M.S. Titanic und Schaustücke der Halifax-Explosion fanden Eingang in die Ausstellung. Vor dem Museum liegen in der Uferzone zur Besichtigung freigegebene historische Schiffe.

Halifax - Blick auf den Halifax HarbourwalkHalifax - Segler Silva of HalifaxHalifax - AusflugsangeboteHalifax - Ticketläden wohin man blicktHalifax - Imbissbuden am Halifax HarbourwalkHalifax - HMCS Sackville - The last Corvette

Vom Museum ist es nun nicht mehr weit bis zum Kreuzfahrt-Terminal. Am Wege liegen Bishop’s Landing, das Auswanderer- Denkmal und eine Statue, die den berühmten Reeder Samuel Cunard würdigt.

Halifax - Halifax Harbourwalk bei Bishop's Landing Halifax - Emigrantendenkmal am Halifax HarbourwalkHalifax - Mr. Samuel Cunard

In das Terminal ist die Pier 21 eingebunden. Prosaische Gemüter bezeichnen sie als das „Ellis Island Kanadas“. Nach dem Zweiten Weltkrieg suchten mehr als 1¼ Millionen Menschen eine neue Heimat in Kanada. Die meisten Einwanderer reisten über Halifax ein. Die Wanderbewegung begründete den kanadischen Wohlstand der Nachkriegszeit. Ein ausrangierter Eisenbahnwagen kündet außerhalb des Gebäudes noch von den Immigranten. Pier 21 ist die letzte erhaltene kanadische Einwanderungsstation und dient heute als Einwanderer-Museum.

Halifax - Pier 21 - Canadian Museum for ImmigrationHalifax - Pier 21 - Mit Eisenbahnwaggon

Während unseres Rundgangs durch Halifax sahen wir viel Interessantes. Zum Schluss bleibt sogar noch Zeit, um in der dem Terminal gegenüberliegenden Garrison Brewing Company ein süffiges, dunkles kanadisches Bier zu trinken. – Überall auf unseren Touren entlang der Ostküste der USA und Kanadas wurden uns in den besuchten Orten wohlschmeckende Biere angeboten.

Halifax - Garrison Brewing Co.

Halifax - Garrison Brewing Co.