Zum zweiten Mal besuchen wir die kanadische Stadt Halifax mit einem Kreuzfahrtschiff. Das erste Mal brachte uns die Celebrity Summit in die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia. Diesmal bedienen wir uns der MS Zuiderdam der Holland America Line.

Blick vom Kreuzfahrtschiff auf Halifax
Die Metropolregion Halifax ist uns seit dem Erstbesuch noch gut in Erinnerung. Aus diesem Grund unternehmen wir dieses Mal eine Fahrt entlang der Südküste Nova Scotias. Einzelziele sind: die Kleinstädte Lunenburg und Mahone Bay sowie die Ortschaft Peggy’s Cove mit ihrem berühmten Leuchtturm. Die genannten Ziele gelten als Top-Attraktionen von Nova Scotia.
Lunenburg
Das erste Etappenziel ist die 100 Kilometer von Halifax entfernte Kleinstadt Lunenburg. Die Stadt liegt malerisch an der Lunenburg Bay. Die Stadtgründung erfolgte im Jahr 1753 auf britische Initiative. Damals gehörte die Region bereits zum British Empire. Was die Sachwalter der britischen Krone störte, war das Ungleichgewicht zwischen den wenigen protestantischen Briten und der Überzahl katholischer Franzosen. Kanada war bis zum Jahr 1763 französische Kolonie. Da britische Bürger sich nicht für das ungastliche Gebiet erwärmen mochten, wurden vorwiegend deutschsprachige Siedler ins Land geholt. Ihnen wurde kostenloser Landerwerb, freie Religionsausübung und freie Überfahrt über den Atlantik gewährt. In der Schlussphase der Zuwanderung reisten ausnahmslos Deutsche ein. Der Ort wurde in Lunenburg umbenannt. Für die Namensfindung gibt es keinen eindeutigen Beleg; es wird angenommen, dass ein Zusammenhang mit dem niedersächsischen „Lüneburg“ besteht. Noch heute erinnern Straßennamen, Rezepte und Feste an die deutsche Bevölkerung.

Lunenburg Waterfront
Lunenburg – abhängig von Fischerei, Schiffsbau und Tourismus
Wirtschaftlich war Lunenburg lange Zeit von der Fischerei- und dem Bau von Holzschiffen abhängig. Der Nachbau der Bounty, wir erinnern uns an den Film „Meuterei auf der Bounty“, entstand originalgetreu in Lunenburg. In der Gegenwart überwiegt der Tourismus die anderen Wirtschaftsbereiche.
Fisheries Museum of the Atlantic - Schoner Bluenose ll
Lunenburg – die UNESCO Weltkulturerbestätte
Im Jahr 1995 wurde die Stadt in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. Lunenburg galt der Organisation der Vereinten Nationen als herausragendes Beispiel für eine von Großbritannien nach einem Rastermuster geplante Kolonialstadt, die bis in die Neuzeit keinem wesentlichen Wandel unterlag. Das Gesamtbild der Stadt sowie die für den Ort typische, farbenfrohe Holzarchitektur waren Anlass für die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes. Die Wohnhäuser, von denen viele im 18. Jahrhundert entstanden, wurden vielfach von Schiffszimmerleuten gebaut.
Lunenburgs Sehenswürdigkeiten
Lunenburg ist nicht sonderlich reich an Sehenswürdigkeiten. Stattdessen ist es das Gesamtbild der Stadt, das sie als eine gesamte Sehenswürdigkeit aussehen lässt. Doch es gibt einige markante Punkte im Stadtgefüge, die wir vorstellen möchten:
Fisheries Museum of the Atlantic
Das an der „Waterfront” gelegene Fischereimuseum lässt seine Besucher teilhaben am Leben in einer auf Fischfang ausgerichteten Gemeinschaft, und auch das Leben im und auf dem Meer wird hinreichend erklärt. Die Museumsbauten dienten einst der Verarbeitung fangfrischer Fische. Das Ice House Theatre des Museums zeigt tagsüber Filme zum Thema Fischerei, der Grand Banks Schoner Theresa E Connor darf besichtigt werden, und im Salt Store Gift Shop können Andenken erworben werden. Der Laden befindet sich im ehemaligen Salzlager, das zudem als Lagerfläche und Küferei genutzt wurde.
Tickets: Erwachsene zahlen 14,50 kanadische Dollar (ca. 10 Euro); Ermäßigungen werden gewährt.
Geöffnet von Mitte Mai bis Mitte Oktober.
Vier Kirchen
Den Neusiedlern wurde freie Religionsausübung zugesichert. Folglich gibt es im Altstadtbereich vier Kirchen, die die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich ziehen.
Central United Church
Die frühere Methodisten-Kirche in der Cumberland Street wurde im Jahr 1885 geweiht. Sie ist die größte Kirche der Stadt.
Central United Church
St. Andrews Presbyterian Church
Die im neo-gotischen Stil erbaute, mit Schindeln verkleidete Kirche entstammt dem Jahr 1828. Sie zählt zu Canada‘s Historic Places. Bemerkenswert ist der Kirchturm.
St. John’s Anglican Church
St. John’s war die erste im Jahr 1753 in Lunenburg gebaute Kirche. Im Jahr 2005 wurde sie nach einem Brandschaden restauriert. Die Krypta der Kirche wurde zeitweilig für Bestattungen genutzt.
Zion Evangelical Lutheran Church
Als die ersten deutschen Siedler in Lunenburg ankamen, hielten sie ihren Gottesdienst auf freiem Feld ab. Im Jahr 1772 wurde eine Vorgängerkirche des heutigen Gotteshauses errichtet. Die Kirche wurde im hochviktorianischen Stil errichtet und 1890 eingeweiht.
Zion Church
Town Hall
Lunenburgs denkmalgeschütztes Rathaus entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Stil des Second Empire. Die Town Hall liegt in Hanglage im Altstadtbereich. Anders als die umgebenden hölzernen Privat- und Geschäftshäuser ist es ein markantes dreieinhalbstöckiges Gebäude aus rotem Backstein und Granitverzierungen. Genutzt wird es als Verwaltungs- und Gerichtsgebäude.
Lunenburgs Town Hall
Neben der Town Hall befindet sich eine kleine Parkanlage. Wie es sich für englische Gemeinden geziemt, steht dort der unvermeidliche, für regelmäßige Veranstaltungen genutzte Bandstand. Zwischen dem Rathaus und dem Musikpavillon wird mit dem War Memorial der Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie des Koreakriegs gedacht.
Auffällig ist ein Gedenkstein, der an das Trainingsgelände des „Camp Norway“ der norwegischen Marine erinnert. Während der Invasion Norwegens durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg wurden in Lunenburg und anderen Küstenorten norwegische Marinesoldaten ausgebildet. Gleichfalls waren Norwegens Handelsschiffe angewiesen, nicht gefährdete Häfen befreundeter Nationen anzulaufen. Der Gedenkstein ist auch jenen Seeleuten gewidmet, die auf Handelsschiffen ums Leben kamen.
Lunenburg Academy
Die Lunenburg Academy ist ein massives, dreistöckiges viktorianisches Holzgebäude. Das in kräftigen Rot-, Schwarz- und Weißtönen gestrichene Bauwerk wurde zwischen 1893 und 1895 erbaut. Es steht auf dem Gallows Hill, dem Galgenberg. Umgangssprachlich ist es „das Schloss auf dem Hügel“. Dabei hatte das Gebäude nie etwas mit einem Herrschersitz zu tun. Es war eine Schule, und heute ist es ein Symbol der wenigen verbliebenen öffentlichen Schulen des 19. Jahrhunderts. . Die Academy ist ein Beispiel für die Entwicklung der Bildung im Nova Scotia des 19. Jahrhunderts von Ein-Zimmer-Schulhäusern hin zum Akademiesystem. Erst im Jahr 2012 wurde der Schulbetrieb an einen anderen Ort verlagert. Die „nationale historische Stätte“ wird seitdem von einer Stiftung als Mietobjekt verwaltet. Die Lunenburg Academy ist an drei Seiten von Friedhöfen umgeben.
Lunenburgs Stadtbild
Im historischen Zentrum dominieren nahezu ausnahmslos Holzhäuser in gedeckten oder frischen Farben. Häuser aus Stein, wie die Town Hall oder das einer Kapelle gleichende Steingebäude der Bank of Montreal wirken ein wenig deplatziert.
Ungewohnt ist die Hanglage der Stadt. Da das Stadtbild rechteckig angeordnet ist, weisen die Querstraßen außergewöhnliche Steigungen auf. Man mag sich nicht vorstellen, wie Pferdefuhrwerke diese Anstiege meisterten.
Barbershop in der steilen Lincoln Street
Auffällig im Stadtbild ist die Zahl der Kunstgalerien. Verglichen mit anderen Städten ist die Galerien-Dichte recht hoch.
Aurie Swim Gallery
Alles in allem: Lunenburg punktet bei Besuchern mit einer schönen Landschaft und einem interessanten Stadtbild. Lunenburg und die genannten sehenswerten Orte werden wir so schnell nicht vergessen. Wenn sich die Gelegenheit zu einem Aufenthalt bietet, empfehlen wir die Zeit dafür zu nutzen.
Mahone Bay – eine unerwartete Entdeckung
Lunenburg und Mahone Bay trennen kaum mehr als zehn Kilometer. Lunenburgs Besucher sind gut beraten, ebenfalls in Mahone Bay vorbeizuschauen. Der Ort liegt an der gleichnamigen Bucht, mit, sofern man dem Hörensagen vertrauen darf, 365 Inseln. Wir lernen eine in maritime Landschaft eingebettete Kleinstadt kennen, deren Lage wir als spektakulär erachten.
Das Wahrzeichen von Mahone Bay sind drei gut erhaltene historische Kirchen, die sich am Ufer der Bucht aneinanderreihen. Es sind die…
St. James Anglican Church,
St. John’s Lutheran Church,
United Church Mahone Bay.
Interessant am Rande: Die im Jahr 2013 ins Leben gerufene Three Churches Foundation tritt für die Wahrung des Erscheinungsbilds der drei Gotteshäuser ein.
Im Ortskern sehen wir vor allem Holzhäuser. Viele der im 19. Jahrhundert entstandenen Bauten zeichnen sich durch frische Farben aus. In den zumeist auf den Geschmack und die Bedürfnisse der Touristen ausgerichteten Galerien, Geschäften und Boutiquen werden vorrangig lokale Erzeugnisse vermarktet.
In der Herbstzeit bereitet sich Mahone Bays auf das „Scarecrow Festival“ vor. Für das „Vogelscheuchenfest“ werden Hunderte dieser Objekte angefertigt, die zuerst in den Vorgärten der Anwohner stehen und später im Rahmen einer Ausstellung um Beachtung buhlen.
Peggy`s Cove
Nahezu neunzig Kilometer trennen Mahone Bay von dem malerischen Fischdorf Peggy’s Cove. Der Ort ist unsere dritte Empfehlung für eine tagfüllende Rundfahrt ab Halifax. Der winzige traditionelle Fischerort an der Ostküste der St. Margarets Bay ist in eine atemberaubende Küstenlandschaft gebettet. Die Gegend ist geprägt von zerklüfteten Granitfelsen, schroffen Küstenlinien und berauschenden Ausblicken auf den Atlantik. Kein Wunder, dass die Kulisse jedes Jahr Hunderttausende Besucher aus aller Welt anzieht.
Das markanteste Merkmal des Ortes ist das Peggy‘s Cove Lighthouse: Der in den Jahren 1914/15 errichtete Leuchtturm gilt als eines der bekanntesten Wahrzeichen Kanadas. Der 15 Meter hohe weiß-rot gestrichene, aktive Leuchtturm thront auf den Küstenfelsen. Im Jahr 1992 zierte er die kanadische 25-Cent-Münze.
Hervorzuheben sind ebenfalls die gastronomischen Angebote des Ortes: Sie spiegeln die maritime Tradition der Region wider. Selbstverständlich servieren die wenigen Restaurants vor Ort fangfrische Hummer und andere Meeresfrüchte. Apropos Hummer: Die Hummerfischerei ist aus Artenschutzgründen reguliert.
Peggy's Cove - Sonnenanbeter
Womit wir beim vormaligen Haupterwerb der Anwohner wären, der Fischerei. In Peggy‘s Cove spielt die Fischerei noch immer eine bedeutende Rolle. Die Fischerboote im Hafen unterstreichen die Tatsache.
Eine weitere Erwerbsquelle ist der Kunsthandel. Mehrere Kunstgalerien im Dorf repräsentieren die lokale Kunstszene. Auch Kunsthandwerk wird angeboten.
Kunsthandwerk und Andenken
Ein weit über Peggy’s Cove hinaus bekannter Künstler war der gebürtige Finne und spätere kanadische Staatsbürger William Edward deGarthe. Ihm verdankt der Ort das „Fishermen‘s Monument“. Es stellt auf dreißig Meter Breite 32 Fischer, deren Frauen und Kinder sowie den Patron der Seefahrer St. Elmo und die vermutliche Namensgeberin der Ortschaft dar.
Fishermen's Monument
Resümee unserer Fahrt zu drei ikonischen Zielen Nova Scotias
Lunenburg, Mahone Bay sowie Peggy’s Cove sind höchst unterschiedliche, in einem phantastischen Umfeld gelegene Orte. Jeder der Orte lohnt einen Besuch. Es ist ausgesprochen schade, dass sich die Gäste der in Halifax anlandenden Kreuzfahrtschiffe bei zumeist eintägigen Besuchen für Halifax und damit gegen den geschilderten Ausflug entscheiden müssen. Wohl dem, der eine zweite Chance für ein Stopover in Halifax geboten bekommt. Ausflüge, wie den beschriebenen, bieten Kreuzfahrtunternehmen an. Bei ausreichend Zeit sind sie auf eigene Faust realisierbar.
November 2023















